Forum: Gesundheit
Bakterienfresser: Genveränderte Viren retten todkrankes Mädchen
Kateryna Kon/ Science Photo Library/ Getty Images

Ihre Überlebenschance lag bei einem Prozent: Viren retteten einem Mädchen aus Großbritannien überraschend das Leben. Es ist der erste Fall, bei dem erfolgreich genveränderte Bakterienfresser eingesetzt wurden.

Seite 5 von 6
eifrigerleser 13.05.2019, 23:32
40. Liebe SpOn-Redaktion...

Bakteriohagen fressen keine Bakterien.... hört sich zwar reißerisch an, hat mit der Realität jedoch wenig zu tun! Genauso wie andere Viren unsere menschlichen Zellen befallen und zum Platzen bringen, machen das Bakteriophagen mit bakteriellen Zellen auch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
collermann 13.05.2019, 23:48
41. Vor 20 Jahren war die Behandlung mit Phagen in Deutschland möglich

In Braunschweig gibt es das hochqualifizierte Leibniz-Institut DSMZ- Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (wenig unterstützt mit öffentlichen Geldern; die CRISPR-Erfinderin und zukünftige Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier arbeitete dort). Noch vor 20 Jahren konnte man dort Adressen von deutschen Ärzten erhalten, die mit Phagen in Zusammenarbeit mit dem DSMZ in Deutschland Infektionen heilten. Inzwischen wurde diese Behandlung in Deutschland verboten, mit der Begründung, dass sie nicht den europäischen Standards entspricht. Ob da wohl ein Unternehmen in Brüssel lobbyiert hat, weil es um den Antibiotika-Umsatz fürchtete. Lebensrettende Behandlungen (z.B. bei Sepsis oder dem Krankenhauskeim) kann man nur noch im nichteuropäischen Ausland erhalten, z.B. in Tiflis, Georgien. Leider ist auch die Einführ von verordneten Phagen nach Deutschland verboten.
Schade um Dich - mein geliebtes Europa!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
collermann 13.05.2019, 23:58
42. Beitrag über die Phagen-Forschung der DSMZ im ZDF

https://www.zdf.de/gesellschaft/plan-b/plan-b-heilen-ohne-antibiotika-100.html

Beitrag melden Antworten / Zitieren
betonklotz 14.05.2019, 00:11
43. @permissiveactionlink Ich hätte da eine Frage betreffs Toxinabbau

Bezieht sich das nur auf Toxine auf Proteinbasiis oder auch andere? Bei ersteren würde es mir einleuchten, im anderen Fall würde es mich überraschen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bernd.Brincken 14.05.2019, 01:12
44. Immunisierung, Immunsystem

Schöner Erfolg erst einmal für die Patientin.
Ob es auch mittelfristig für die Menschheit ein Gewinn ist, wäre von den weiteren direkten und indirekten Wirkungen dieser Viren abhängig. Wenn es eine Immunisierung gegen Antibiotika gibt, warum nicht auch gegen Phagen? Weltweit werden nun Infektions-Patienten in diese Richtung 'Hoffnung schöpfen' und Behandlungen fordern - und damit die Evolution der Bakterien vorantreiben.
Weiterhin ist nicht sicher, ob in der besagten Zeit nicht auch das Immunsystem der Patientin seine Abwehr optimiert hat. Korrelation bedeutet nicht immer Ursache-Wirkung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
christiane_kreusch 14.05.2019, 06:28
45. gesetzlich krankenversichert?

wenn das in Deutschland wäre, würde ich mich das als Erstes fragen bzw. feststellen, nein, sicherlich nicht. Bei uns wäre sie bürokratikonform verstorben. Möge sie dennoch ein lebenswertes Leben führen können!!!
Im vielgescholtenen Krankheitssystem der Briten werden solche Experimente gemacht, schon merkwürdig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
latimer 14.05.2019, 08:39
46. Geniale Therapie, aber nix neues.

Phasen sind genial, da sie eben nicht zu Resistenzen führen. Das ist nämlich der entscheidende Nachteil von Antibiotika! Die langfristige Kontamierung unserer Lebensgrundlagen mit Antibiotika ist bekannt und wirkt sich aktuell immer krasser auf weite Bereiche der Lebensmittelproduktion und des Gesundheitssektors aus.
Phasen haben dieses Problem ganz schlicht und einfach nicht. Sie sind nicht nur wirtsspezifisch, sondern sterben ohne Wirt auch schnell ab.
Dass diese schon lange bekannte und im Osten höchst erfolgreiche Therapieform keine breite Anwendung findet, ist mehr als bedauerlich. Aber da die Kosten für die Bekämpfung antibiotikaresistenter Keime immer aufwändiger wird, kann es nur eine Frage der Zeit sein ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
permissiveactionlink 14.05.2019, 09:07
47. #43, betonklotz

Das bezieht sich in erster Linie auf hochmolekulare Gifte, die selbst Proteine sind. Die Viren bringen dafür auch bestimmte Proteasen mit in die Wirtszelle, die auf ihrem Genom kodiert sind, und zelleigene Proteine abbauen, und Monomere für die Synthese der Virenproteine durch die zelleigenen Ribosomen bereitzustellen . Niedermolekulare Giftstoffe sind da nicht eingeschlossen, stellen aber meist auch kein größeres Problem dar. Die toxischen Proteine werden von den Zellen während einer Infektion auch durch Zellmembran und Zellwand nach außen transportiert, wo sie massiven Schaden anrichten. Das ist bei Clostridium tetani so, dem Tetanospasmin (1314 AS = Aminosäuren), und besonders bei Clostridium botulinum, dem Botulinum-Toxin (1296 AS), welches das stärkste bekannte natürliche Gift überhaupt darstellt. Ähnliches gilt für die Toxine anderer Krankheitserreger wie Corynebacterium diphtheriae (535 AS), Vibrio cholerae (242 AS) oder Shigella dysenteriae, Shiga-Toxin (293 AS), aber auch für Salmonella typhi (mit diversen Endotoxinen). Diese toxischen Proteine lassen sich zwar durch Hitze leicht denaturieren und inaktivieren (was auch für viele Schlangengifte zutrifft), den Patienten nützt das aber nichts, da man sie nicht höher erhitzen kann als etwa auf 41° C. Bei einer aufgeblähten Dose mit verdorbenen Hülsenfrüchten ist das aber sehr empfehlenswert, bevor man sie öffnet. Am besten ungeöffnet in den Hausmüll ! Man tötet so übrigens nur die Bakterien selbst, nicht jedoch eventuelle Dauerstadien (Sporen). Gerade Clostridium (und Bacillus anthracis !) aber sind Sporenbildner, wie alle Gasbranderreger, was sie höchstgefährlich macht. Sporenbildner samt Sporen sind nur in der Laborausführung eines Dampfkochtopfes ("Autoklav") bei über 2 atü und 120°C abtötbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sbaatfast 14.05.2019, 09:39
48. Durchaus Bemerkenswert

...daß diese uralte Technik nun doch wieder erfolgreich eingesetzt wurde. Dies lässt hoffen, aber auch bangen- könntn Phagen ebenso wie Bakterien durch Mutation neue Wirte finden und ggf. derart modifiziert ihrerseits zum Problem werden?

Auch Deutschland spielt in der ersten Liga der Spitzenforscher mit, hierzulande erprobt man weiterhin Arsen-Globuli und die 'neue Germanische Medizin', Beides echte Meilensteine der modernen Massenpsychologie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
permissiveactionlink 14.05.2019, 10:00
49. #44, Bernd.Brincken

Sie stellen die richtigen Überlegungen an, allerdings vermuten Sie in der Natur offenbar eine gewissen Stabilität oder Kontinuität, die es bei genauerer Betrachtung nicht gibt. Ich versuche immer wieder im Forum klarzumachen, dass es Antibiotika-Resistenzen lange vor der Entdeckung der Antibiotika gab, auch bei Bakterien, die zuvor mit solchen Antibiotika niemals in Kontakt kamen. Antibiotika lösen genausowenig Resistenzen aus wie Phagen. Beide stellen aber einen erheblichen Selektionsdruck dar, eventuell durch zufällige Mutationen entstandene Resistenzen an Nachkommen (vertikal) oder sogar andere Bakterien(arten) horizontal weiterzugeben. Resistenzen sind wie Rauschen überall in niedrigster Dosis vorhanden. Erst die Substanzen oder Erreger lassen das schwache Rauschen stark anwachsen, bis es in der gesamten Population als lautes Signal vorhanden ist. Eine Abwehrstrategie gegen Infektionen, die 100 prozentig bis zum Sankt Nimmerleinstag ohne Abnahme ihrer Funktion wirkt, kann es deshalb nicht geben. In jedem Abwasserkanal passen sich Bakterien und Phagen permanent durch flexible response aneinander an : die Bakterien mutieren ihre Oberflächenproteine, und die Phagen ihre Andockproteine, die eigentlich Rezeptoren darstellen. Der Trick der Medizin besteht beim Kampf gegen Resistenzen im Einsatz mehrerer Antibiotika gleichzeitig. Man hofft, dass das Bakterium nicht gegen alle resistent ist. Bei den Phagen wird man das ähnlich machen müssen, wie der Artikel zeigt : Man hat zur Sicherheit gleich drei verschiedene Phagenstämme eingesetzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 6