Forum: Gesundheit
Befragung: Viele Schüler leiden unter Kopfschmerzen
Miodrag Ignjatovic/ Getty Images

Mehrmals im Monat dröhnt der Kopf, Schmerztabletten sind nötig - an Schule ist kaum zu denken. Einer aktuellen Umfrage zufolge haben mehr als ein Viertel der Schüler chronische Kopfschmerzen.

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MDen 09.06.2019, 09:48
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1. Schule hat sich noch nie so an den Bedürfnissen der Kinder orientiert wie heute: Schulbücher, die wahlweise wie Kinderbücher oder Zeitschriften aufgemacht sind; Toilettengang, Trinken und auch schon mal Essen während des Unterrichts; positive Verstärkung bis über die Grenzen der Wahrheit; usw. Alle erniedrigenden und schmerzhaften Strafen sind seit Jahrzehnten verboten. In den Klassen sitzen nicht mehr 50 Schüler, nicht auf harten Holzbänken und nicht in kalten oder muffigen Klassensälen.

2. Die Lautstärke beklagen Sie bestimmt zu recht. Sie ist aber die Folge der Verwahrlosung durch das Elternhaus. Die meisten Eltern setzen sich kaum gegen ihre Kinder durch, sondern freuen sich, Erfüllungsgehilfe für die Wünsche ihrer Kinder zu sein. Und dank der modernen Medien sind die Kinder heute leicht ruhig zu kriegen, wenn man sie nur vor den Bildschirm lässt. Da Kinder kaum noch Geschwister haben und selten an irgendwelchen Gruppen teilnehmen, wo sie lernen ruhig zu sein, auf andere zu warten bzw. Ihre eigen Bedürfnisse hintenanzustellen, wenden sie auch in der Schule sofort Quengel- bzw. Aufmerksamkeitsruf-Modus an. Und dann wird es laut. Auch weil Schulen nach dem Krieg immer billig gebaut wurden, so dass z.B. Der Halleffekt in Schulräumen praktisch immer viel zu hoch ist, was automatisch zu einem sich ständig steigernden Lärmpegel führt. Und weil Kinder heute noch weniger zur Sauberkeit und Sorgsamkeit erzogen sind als früher, hat man wegen der immensen Reinigungsprobleme auch wieder Abstand von schallschluckenden Teppichböden genommen.

3. Den Lehrern sind über die Jahre rechtlich immer weiter die Hände gebunden worden. Schon den Schüler einfach vor die Tür zu setzen wird aufsichtspflichtrechtlich heikel. Und bei der von den Ländern gewollten Unterversorgung mit Lehrern (zur Kostenersparnis) gibt es auch niemanden, der die Aufsicht übernehmen könnte.

4. Wann war es denn nicht Usus, zu Hause jemanden um Hilfe zu bitten? Eltern und ältere Geschwister haben schon ewig mal etwas nochmal erklären oder mit dem Schüler üben müssen. Oder ein Mitschüler. Nachhilfe ist ein klassisches Geschäft für etwas ältere Schüler gewesen.

5. Früher die Grundschulnoten ausschlaggebend für die weitere Schullaufbahn. Da mag Stress und Leistungsdruck geherrscht haben. Heute gilt in den meisten Ländern allein der Elternwunsch. Das nimmt einerseits den Druck von außen. Allerdings nicht den der Eltern, oder den, der durch die falsche Schulformwahl entsteht. Ich sehe bei dem Leistungsdruck eher den Grund in der fehlenden Konzentration auf die Schule und die fehlende Fähigkeit der Schüler, sich zu organisieren. Hotel Mama hat da in weiten Teilen alltagsuntaugliche Kinder produziert.

6. Zu viele Eltern erfüllen nicht ihre Aufgabe: Die Einschulungstests zeigen bei den körperlichen Fähigkeiten Defizite, wie sie früher nur bei Körperbehinderungen vorkamen. Heute sind die Schulklassen voller Nichtschwimmer. Usw. usw.

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emil_erpel8 09.06.2019, 10:51
31.

Zitat von axel_roland
Klar, dass 40% der Schüler chronische Kopfschmerzen haben, wenn das bedeutet, dass sie mehr als einmal im Monat Kopfschmerzen haben. Der Mensch ist keine Maschine und einmal im Monat Kopfschmerzen zu haben ist für viele Menschen (inkl. mir) eben völlig normal. Jetzt gleich wieder die armen kleinen betüddeln zu wollen, weil die Schule ja bestimmt an allem schuld und das Lernen heutzutage sicher viel zu hart ist, halte ich für völlig daneben.
Lesekompetenz ist das Problem. Weder steht in dem Artikel, daß 40% der Schüler chronische Kopfschmerzen haben, noch daß deswegen irgendwer "betüddelt" werden soll, noch daß diese "40%" einmal im Monat Kopfschmerzen hätten.

Tatsächlich steht da, daß 35% der Mädchen und 18% der Jungen das im Artikel genannte Kriterium für chronische Kopfschmerzen erfüllen, und 80% dieser Personen sogar mindestens einmal die Woche Kopfschmerzen haben. Selbst wenn man Ihre Spezialdefinition von "chronisch" anlegt, sind das statt ca. 26,5% der Schüler immer noch mindestens ca. 21% zuzüglich der Personen mit mehr als einmal Kopfschmerzen im Monat aber weniger als einmal pro Woche.

Vielleicht sollten Sie den Artikel mal einfach lesen, statt Zahlen und angebliches Gejammere herbeizuphantasieren.

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emil_erpel8 09.06.2019, 10:58
32.

Zitat von MDen
Der Mitforist hat doch dargestellt, dass seine Herangehensweise zu seinen Kindern gepasst hat und erfolgreich war.
Der Forist *glaubt*, daß es so ist. Was beispielsweise der Ausgezogene davon hält, sollte man ihn vielleicht selbst fragen. Eltern haben ja oft so überhaupt kein Gespür dafür, was wirklich in den Kindern vorgeht. Und daß ihn das nicht die Bohne interessirt, hat er doch sehr deutlich gemacht.

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upalatus 11.06.2019, 22:35
33.

Zitat von Lorah
Ja, ja, früher waren die Leute halt noch hart im nehmen. Da wurde noch stundenlang zur Schule gelaufen, bei Wind und Wetter. Und wenn die Mädels die Schule fertigmachen durften, wurden sie Ehefrau und Mutter. Und durften die Wäsche mit Hand waschen und Holz von draußen holen und am angefeuerten Herd stundenlang in schlecht belüfteten Küchen kochen und im Winter in ungeheizten Räumen schlafen. Und wenn die Jungs die Schule zu Ende machen konnten, wenn nicht gerade Krieg war oder die Cholera oder Typhus ausgebrochen war, durften sie ins Bergwerk oder aufs Feld. Von morgens früh, bis abends spät. Da war viel frische Luft oder auch nicht. Heutzutage, naja, winken wir lieber verächtlich ab, verweichlichte Brut, sowieso selber schuld ... Geht's noch??? Wohl noch nie persönlich ein Kind mit chronischen Kopfschmerzen getroffen, oder??? Aber Moment, dann sind eben die Eltern schuld, die schauen ja auch nicht danach, ob das Kind draußen ist oder wie viel es am Computer sitzt. Eltern sind heutzutage ebenfalls alle weicheiige Egoisten. Stimmt's? P.S. Schön für ihre Nachbarin.
Ihre Damals-Beschreibungen treffen umfänglich zu.

Und trotzdem keine weitverbreiteten Probleme mit chronischen Kopfschmerzen bei Kindern. Nun, und heut, in modernen und schöneren Tagen, gibts ADHS, Migräne, vielerlei Haltungschäden, Allergien, Übergewicht, Langeweile, Ängstlichkeit, Strukturlosigkeit, Regellosigkeit, Konsumorientiertheit.... bei einer erklecklichen Anzahl Kindern. Den Begriff '(Ver)weichlich(t)' anzuwenden ist wohl nicht so verkehrt.

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hinz.und.kunz 12.06.2019, 11:08
34.

Zitat von Lorah
Ja, ja, früher waren die Leute halt noch hart im nehmen. Da wurde noch stundenlang zur Schule gelaufen, bei Wind und Wetter. Und wenn die Mädels die Schule fertigmachen durften, wurden sie Ehefrau und Mutter. Und durften die Wäsche mit Hand waschen und Holz von draußen holen und am angefeuerten Herd stundenlang in schlecht belüfteten Küchen kochen und im Winter in ungeheizten Räumen schlafen. Und wenn die Jungs die Schule zu Ende machen konnten, wenn nicht gerade Krieg war oder die Cholera oder Typhus ausgebrochen war, durften sie ins Bergwerk oder aufs Feld. Von morgens früh, bis abends spät. Da war viel frische Luft oder auch nicht. [...]
Die von Ihnen sehr schön, wenn auch etwas hämisch, beschriebenen Lebensumstände, sind noch gar nicht so lange her.

Wenn Sie jetzt noch bedenken, daß diese Kriegsgeneration, der Sie übrigens Ihr kommodes Leben zu verdanken haben, ihr Leben nicht nur in der frischen Luft, sondern auch in Luftschutzbunkern und zugigen Ruinen und in der Nachkriegszeit in Hunger und Kälte verbracht haben, werden Sie vielleicht verstehen, daß diese Menschen froh gewesen wären, hätten sie nur Kopfweh gehabt.

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