Forum: Gesundheit
Bericht aus dem Klinikalltag: "Was für eine Ärztin bin ich bloß geworden?"
Getty Images/Johner RF

Heute treffen sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Hier erzählt eine enthusiastische, junge Ärztin, warum sie schon nach einem Jahr Arbeit desillusioniert ist. Ein Bericht über die schroffe Realität in unseren Kliniken.

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reverend.speaks 20.06.2018, 11:15
100. Was dahinter steckt?

Zitat von Röö¶
Ich war in meinem Leben mehrere Male als Patient in verschiedenen Krankenhäusern, und erst in den letzten Jahren musste ich ähnliche Erfahrungen machen, wie sich hier aus Arztsicht geschildert sind. Was steckt dahinter? Ich war immer Kassenpatient. Ruhige Zuwendung habe ich früher alle mal erhalten.
Dahinter steckt die neoliberale Ideologie, dass Profit selbst aus der Daseinsvorsorge zu machen ist. Alles wird privatisiert, Altersabsicherung, das Gesundheitswesen. Seit Schröder (SPD) wird uns das als alternativlos verkauft. Menschlichkeit können wir uns nicht mehr leisten.

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der-junge-scharwenka 20.06.2018, 11:15
101.

Zitat von Mister Stone
Wir müssen noch mehr privatisieren, in allen Bereichen der Gesundheits- und Daseinsvorsorge. Damit es mehr Konkurrenz zwischen den Klinken gibt. Das ist effizient und sichert unseren Wohlstand. Kommt auch den Krankenkassen zugute, die ja wirklich jeden Cent dringend brauchen, um alle Menschen zu versorgen. Nicht nur "diejenigen, die schon länger hier leben".
"So, wie es bislang gelaufen ist, war es falsch. Wir brauchen mehr von dem Falschen." So ungefähr lässt sich Ihre Auffassung wohl zusammenfassen. Ob das wirklich klug ist? Den Eindruck habe ich nicht. Es kann nicht um Konkurrenz gehen. Es kann auch nicht um Wettbewerb gehen. Es muss darum gehen, dass alle für sich und im Verbund miteinander effizient für den Patienten sind. Das dürfte sich mit einem Gegeneinander kaum erreichen lassen.

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Capetonian 20.06.2018, 11:16
102. "Wir decken uns gegenseitig" ist der wichtigste Satz

Den Artikel kann ich voll und ganz bestätigen. Die Personalnot wird kaschiert. Die Fehler und Mängel werden bagatellisiert. Auch der Tod des Patienten führt zu keinen Konsequenzen. Es wäre wünschenswert, daß sich mehr Mitarbeiter offen bekennen. Dagegen steht der Corpsgeist, dem sich kein Mitarbeiter entziehen kann.
Die Patienten und ihre Angehörigen haben kaum Rechte. Die Krankenkassen sind desinteressiert und eine private Krankenkasse zahlt trotz grotesker Mängel. Noch gleichgültiger und sogar feindselig abwehrend sind die politischen Entscheidungsträger - sogar auf kommunaler Ebene.
Die großen Organisationen wie der VdK sind zahnlose Tiger und mit Selbstverwaltung beschäftigt.

Systembedingt müßte jedes Krankenhaus eine Goldgrube sein. Doch wo landet das Geld?

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lupenrein 20.06.2018, 11:16
103. Prosit Profit

Schon lange ist auch aus der Medizin eine reine Geschäftsidee geworden.
Aber nicht durch die Ärzte, sondern durch die Politik.
Die gesetzlichen Krankenkassenbeiträge wurden entgegen demVersicherungsprinzip zum politischen Instrument,quasi zu r' Portokasse'für die Finanzierung von versicherungsfremden Leistungen.

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Oscar Madison 20.06.2018, 11:17
104. @touri @cossy

Sie muss erst einmal einen Facharzt machen, ehe sie in die Freiberuflichkeit geht. Das sind bei einer Internistin gut und gerne 6 Jahre. Und klinische Fälle lernt sie eben nur genau in der Klinik. Das, was sie dort an Erfahrungen macht, wird sie später klug und diagnostisch geschult machen. Nebenbei noch den Dr. an einer Uniklinik? Das ist hart, da gerade an Unikliniken der schlimmste Personalverschleiß herrscht. Als Frau (wahrscheinlich allein erziehend) doppelt schwer. Ein männlicher Arzt wäre da "feiner raus". Mein Tip - Facharztstelle in einem anderen Haus suchen, der Dr. nebenbei machen. Geht alles. Viel Glück und Kraft, dennoch ein toller Beruf!

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reverend.speaks 20.06.2018, 11:18
105. Wer definiert das?

Zitat von Freedom of Seech
Der Arztberuf ist kein Zuckerschlecken und die Arbeitsbedingungen einfach auf das "böse" System zu schieben ist - na ja - etwas einfach. Jeder der ein Medizin Studium in Betracht zieht sollte sich zuvor zwei Fragen stellen: 1) bin ich ausreichend psychische .....
"Der Arztberuf ist kein Zuckerschlecken" Warum eigentlich nicht? Es geht ums Wohlbefinden der Menschen und nicht um Profit, wie uns ständig vorgegaukelt wird. Diese Situation ist nicht alternativlos, außer für die Investorengruppe, die ein solches Krankenhaus im Würgegriff hat.

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fluminense 20.06.2018, 11:19
106. @mr. T

Mit Verlaub Sie sind ziemlich arrogant: In der Klinik Bogenhausen in München habe ich gesehen wie unterversorgt meine Mutter war. Es waren alles zwar sehr bemüht , aber der Personalmangel ist dort evident. Am WE werden z.B. 27 Patienten von 2 Pflegekräfte betreut . Ich habe meine Mutter selber waschen und füttern müssen, was ich allerdings sehr gerne gemacht habe.

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Susi64 20.06.2018, 11:19
107. Körper, Geist und Seele

Zitat von mr_t
... wie das System "Krankenhaus" läuft. Als Chefarzt kann ich sagen, dass es natürlich um Zahlen geht. Und an den Universitätskliniken darüber hinaus auch um Forschung und Lehre. Ich war selbst viele Jahre Professor und Oberarzt an einer Universitätsklinik. Man muss lernen, sich besser zu organisieren.
Sicher ist der Arztberuf anstrengend. Trotzdem kann es nicht sein, dass Patienten nur noch als Material für die Forschung wahrgenommen werden. Der Mensch sollte auch und gerade bei einer Uni-Klinik im Mittelpunkt stehen.
Leider sehe ich es aber auch eher so, dass die Uni-Klinik teure Behandlungen (weil mit Forschung verbunden) anbietet und diese dann auch an jeden verteilt werden müssen damit die Zahlen stimmen.
Mit besser organisieren meint der Arzt wohl, dass seine Frau alles gemacht hat, was nicht Klinik heißt. Das ist für die heutige Zeit kein Modell mehr.

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_axel_ 20.06.2018, 11:19
108. kernfrage

die kernfrage lautet: warum muss irgendwer mit unseren solidarisch eingezahlten beiträgen gewinn machen? dort muss angesetzt werden, sonst wird das gewinnmaximierungsstreben nie aufhören.

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Capetonian 20.06.2018, 11:20
109. "Wir decken uns gegenseitig" ist der wichtigste Satz

Den Artikel kann ich voll und ganz bestätigen. Die Personalnot wird kaschiert. Die Fehler und Mängel werden bagatellisiert. Auch der Tod des Patienten führt zu keinen Konsequenzen. Es wäre wünschenswert, daß sich mehr Mitarbeiter offen bekennen. Dagegen steht der Corpsgeist, dem sich kein Mitarbeiter entziehen kann.
Die Patienten und ihre Angehörigen haben kaum Rechte. Die Krankenkassen sind desinteressiert und eine private Krankenkasse zahlt trotz grotesker Mängel. Noch gleichgültiger und sogar feindselig abwehrend sind die politischen Entscheidungsträger - sogar auf kommunaler Ebene.
Die großen Organisationen wie der VdK sind zahnlose Tiger und mit Selbstverwaltung beschäftigt.

Systembedingt müßte jedes Krankenhaus eine Goldgrube sein. Doch wo landet das Geld?

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