Forum: Gesundheit
Bericht aus dem Klinikalltag: "Was für eine Ärztin bin ich bloß geworden?"
Getty Images/Johner RF

Heute treffen sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Hier erzählt eine enthusiastische, junge Ärztin, warum sie schon nach einem Jahr Arbeit desillusioniert ist. Ein Bericht über die schroffe Realität in unseren Kliniken.

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Sinntraktor 20.06.2018, 11:32
120. hat alles zwei Seiten

Den Klinikalltag habe ich ähnlich erlebt, wie die Kollegin hier beschreibt. Alle arbeiten am Anschlag, sind am Rande von Burn-Out und wechseln sich mit eigenen Krankheitsphasen ab.
Andererseits zeigt die Autorin aber auch ein größeres Maß an unrealistischer Lebensplanung nach dem Motto: "Alles muss gleichzeitig gehen, soll so sein wie ich es mir vorgestellt habe und die Anderen sind Schuld, dass ich meine Ideale nicht verwirklichen kann."
Wie andere schon schreiben: Es gibt viele andere Jobs, ein Kompromiss zwischen Idealen und Realitäten muss immer geschlossen werden, vielleicht geht nicht alles gleichzeitig, oft hilft es, Prioritäten zu setzen

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mac4me 20.06.2018, 11:33
121. Das sind Kassenpatienten...

...und keine Privatpatienten. So arbeitet eben die Verwertungsmaschinerie des Kapitals. You get what you pay, ein Bericht aus der Hölle der Zweiklassenmedizin. Krankenhausketten sind längst an der Börse oder anderswie von Kapitalgebern übernommen worden. Die Maschinerie spuckt auf allen Seiten nur Wracks aus. Auch diese (gute) Ärztin wird in Kürze ausgebrannt sein.

Dies ist einer der besten Artikel, die ich in der letzten Zeit hier gelesen habe.

Ich bin schon älter und war in den letzten Jahren öfter im Krankenhaus. Genauso habe ich die Verhältnisse dort erlebt. Als ich einmal sehr krank war, musste ich eine bestimmte Maßnahme (laparoskopische OP) regelrecht erkämpfen. Ich habe es geschafft mit dem Rest meiner Kraft und nur deshalb bin ich meine chronischen Schmerzen losgeworden. Sie hatten eine Ursache, die man mir nicht glauben (bezahlen) wollte auf dem Ticket der „anerkanntenakuten“ Krankheit (Divertikulitis) und die erst nach Öffnung des Bauchraumes zu finden war. In dieses Krankenhaus gehe ich nie wieder. Aber mir ist schon klar, das es ein Fehler im System ist.

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Fonso 20.06.2018, 11:34
122. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt

Wie bei allen sonstigen Missständen gilt auch hier: Mund aufmachen, sich wehren, Widerstand organisieren.
Das darf man von einem erwachsenen Menschen, einer "fertigen" Ärztin zumal, erwarten.
Nichts tun heißt, das existierende System zu stützen.
Wie auch andere hier schreiben: es muss sich was ändern.
Und wer sonst, wenn nicht die unmittelbar Betroffenen, kann das anstoßen?
Und man merkt sehr schnell, dass es plötzlich ganz viele Gleichgesinnte gibt, die alle nur darauf geartet haben, dass eine/r mal den Mut hat, Veränderungen zu fordern.

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musico 20.06.2018, 11:36
123. Hilflose Helfer

Die Arbeitsbedingungen sind die eine Seite, die andere ist der persönliche Umgang damit. Offenbar sind all die überforderten Menschen, die in diesem System arbeiten, nicht in der Lage, sich gegen den herrschenden Druck zur selbst-Ausbeutung abzugrenzen.
Solche Zustände herrschen nicht nur in den Klinken. Trotzdem hat jeder die Möglichkeit, damit anders umzugehen, als sich bis zum Herzinfarkt, zum Burn-Out oder zur Depression selbst auszulaugen.

Wie wäre es mit individuellem oder organisiertem Widerstand?

Wie wäre es, anstatt dem Chef(arzt) gefallen zu wollen, mit der nötigen psychischen Selbstpflege?

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Awesomeness 20.06.2018, 11:38
124. Vor diesem Hintergrund...

...ist es auch allzu durchsichtig, warum man immer noch selbsternannten "Heilern" aka. "Heilpraktikern" erlaubt, den größten Humbug weiterhin als Medizin zu verkaufen. Oft machen das sogar Ärzte und Apotheker wider besseren Wissens. Produziert von der Pharmaindustrie, die die "alternativen" Kunden dann glauben übertölpelt zu haben.
Diskutiert man mit jemandem, der diese Art von Dachschaden hat, wird immer auf die im Artikel beschriebenen Zustände verwiesen.

Klinikbetrieb ist heftig, das stimmt. Lehrjahre sind keine Herrenjahre und da muss jeder durch. Lena, 18, irgendwas mit Menschen, muss dann eben nach dem Studium feststellen, dass man nicht wie in Greys Anatomy die ganze Zeit mit Liebeleien, Herzschmerz und persönlichen Intrigen zubringen kann! Das nennt man Erwachsenwerden und die Millenials schlagen sich dabei ausnehmend schlecht.

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haldor12 20.06.2018, 11:40
125. So ist die Realität

Die von der Kollegin geschilderten Umstände kann ich bestätigen. Ich bin ein paar Jahre weiter als sie und kann ihr versichern: es wird sich nichts ändern. Das einzige, was sie machen kann, ist kündigen und sich einen Arbeitsplatz suchen, der zwar nicht gut, aber weniger schlecht ist. Und nach dem Facharzt die Klinik schnell hinter sich lassen. In der ambulanten Versorgung sind die Verhältnisse ein wenig besser. Nicht unbedingt für die Patienten, für die ist auch da wenig Zeit. Aber zumindest für die Ärzte, es entfallen weitgehend die Bereitschaftsdienste und die Fremdbestimmung durch wirtschaftlichkeitsfanatische Chefs.
Und bis die Kollegin dies erreicht hat, hilft nur die innere Emigration, das Abkapseln von den Problemen des Arbeitsalltags, den Nöten der Patienten, der eigenen Überforderung. Sonst wird man buchstäblich verrückt.

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spon_2565215 20.06.2018, 11:41
126. Klinikalltag...

Der Artikel trifft voll die Realität.
Das ist seit meinen Assistenzarzt-Zeiten vor 30 Jahren so gewesen (48 Std. Dienste am Stück) und wurde nicht besser.
Jeder Busfahrer geht nach einigen Stunden Dienst nachhause.
Ich habe reagiert und arbeite seit 7 Jahren in der Schweiz mit Zeit für Patienten und ohne Hetze.
Work-Life-Balance ist in Deutschland unbekannt...

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St.Baphomet 20.06.2018, 11:42
127. Warum eigentlich

denken so manche Foristen hier, die der Ärztin den seltsamen Tipp geben sich auf dem Land selbständig zu machen oder Tierärztin zu werden eigentlich, dass sich dann grundsätzlich was für ihren Nachfolger/in oder die Patienten ändert?
Was der Frau dort passiert ist m.E ein Beispiel für extreme Ausbeutung von Arbeitnehmern.
Dazu noch auf Kosten der Patienten.
Weil Geld fehlt was an anderen Stellen teilweise recht mutwillig von unseren Politiker verpulvert wird?
Mal sehen was dieser Depp Spahn dazu zu sagen hat wenn er denn mal Zeit hat seinen Job zu machen.
Wahrscheinlich das der Spitzensteuersatz und die Unternehmensteuern zu hoch sind.
Das wirkt immer.

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01099 20.06.2018, 11:46
128.

Zitat von post.scriptum
... es Ärztinnen und Ärzten finanziell bekanntlich am besten. Ihr Herumgejammer auf hohem Niveau ist unerträglich. Nehezu jeder dritte Arbeitnehmer ist mittlerweile im Schichtdienst tätig.
Aha, und mit Geld können Sie sich Zeit kaufen? Verraten Sie mir doch bitte, wie das anzustellen ist.

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heinrich-wilhelm 20.06.2018, 11:46
129. Ochsentour

Assistentenzeit ist kein Zuckerschlecken,das haben wir zu Genüge erfahren müssen. Der Druck in den Kliniken ist im Zuge der zunehmenden Ökonomisierung vor allem für die abhängigen Kollegen teilweise unerträglich geworden gepaart mit leitenden Äerzten,denen die Belange der Abhängigen herzlich egal ist. Ein Chef,der kein Ohr mehr für Fragen und Belange seiner jungen Kollegen hat ist Fehl am Platz und seiner Verantwortung für seine Mitarbeiter offensichtlich nicht gewachsen.Der Jungen Kollegin ist,wenn alles so wie berichtet ist,nur zu raten diese Klinik schnellstens zu verlassen. Es gibt such heute noch fürsorgliche Vorgesetzte,deren Ziel es ist,ihnen ihren Idealismus und Freude an unserem schönen Beruf zu bewahren.

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