Forum: Gesundheit
Bericht aus dem Klinikalltag: "Was für eine Ärztin bin ich bloß geworden?"
Getty Images/Johner RF

Heute treffen sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Hier erzählt eine enthusiastische, junge Ärztin, warum sie schon nach einem Jahr Arbeit desillusioniert ist. Ein Bericht über die schroffe Realität in unseren Kliniken.

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Röö¶ 20.06.2018, 10:49
70. War das eigentlich immer so?

Ich war in meinem Leben mehrere Male als Patient in verschiedenen Krankenhäusern, und erst in den letzten Jahren musste ich ähnliche Erfahrungen machen, wie sich hier aus Arztsicht geschildert sind. Was steckt dahinter? Ich war immer Kassenpatient. Ruhige Zuwendung habe ich früher alle mal erhalten.

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Cey 20.06.2018, 10:50
71. Nach wie vor unglaubliche Misstände

Beiträge wie dieser belegen die Inkompetenz der Chefärzte, als Führungskräfte die Gesundheit - auch die psychische - ihrer Mitarbeiter und Patienten sicherzustellen.

Würden sich die Assistenzärzte mal zusammentun, gemeinsam kündigen oder streiken, dann könnte man etwas erreichen. Aber schon das Medizinstudium mit seinem im Zeitalter der Digitalisierung antiquitierten Lehrplan und quasi nicht vorhandenen Wahlmöglichkeiten erzieht die angehenden Ärzte nicht gerade über Kreativität und Selbstbestimmtheit.

Noch was: Dass ich oder meine Angehörigen - nachdem lebenslang 15% des Lohns in die KK eingezahlt wurden und gerade wenn es auf Leben und Tod ankommt - von vollkommen übermüdeten und unkonzentrierten Ärzten behandelt werden, ist absolut inakzeptabel. Und dafür ist natürlich das Management, nicht die Assistenzärzte verantwortlich.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Silicon Valley rasch eine geeignete KI entwickelt, die Patienten als Menschen behandelt und Ärzte entlastet. Von der Politik ist hier offensichtlich nichts zu erwarten.

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mwroer 20.06.2018, 10:51
72.

Zitat von mr_t
... wie das System "Krankenhaus" läuft. Als Chefarzt kann ich sagen, dass es natürlich um Zahlen geht. Und an den Universitätskliniken darüber hinaus auch um Forschung und Lehre. Ich war selbst viele Jahre Professor und Oberarzt an einer Universitätsklinik. Man muss lernen, sich besser zu organisieren. Das fängt bereits zu Hause an. Auf mich wirkt die Kollegin wenig belastbar. Der Artikel greift .......
Ist das nicht ein bisschen kurzsichtig? Es geht dabei nicht mal so sehr um die junge Kollegin, die kann sich in der Tat einen anderen Arbeitsplatz suchen. Das steht jedem Arzt frei dem sein aktueller Arbeitsplatz nicht gefällt.
Die Situation in der speziellen Situation 'Universitätsklinik' betrifft aber vorrangig auch die Patienten. Die sind nicht so frei in der Standortwahl und teilweise einfach hilflos.

Das scheinen Sie im ganzen Text komplett zu überlesen.

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Persepolis 20.06.2018, 10:51
73. --als Facharzt wird es nicht unbedingt besser

..Lehrjahre sind keine Herrenjahre..hier vielfach geschrieben..stimmt aber überhaupt nicht. Zwar können sie als Facharzt (endlich) in die Niederlassung (oder in die Pharmaindustrie, die Behörde etc.) "fliehen", wenn sie in der Klinik bleiben, sind Wochenenddienste, Nachtdienste, 24h Dienste, 3 Schichten etc. immer noch abzuleisten (es sei denn man schafft es, sich als Oberarzt da rauszunehmen). Schlimm ist aber auch, dass in diesem System die Vorbilder fehlen. Es geht ums Geld, dem ist alles untergeordnet (welche Untersuchung durchgeführt wird, wie lange der Patient im KH bleibt, welche Therapie angewandt wird) da wird gute, allumfassende Medizin auch nicht mehr gelebt. Dass bei solch einer Ausbildung auch viel negatives "hängenbleibt" liegt auf der Hand.

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blabla55 20.06.2018, 10:54
74.

Zitat von El Professore
Eindrücke vieler Patienten bestätigt. Es ist Zeit, dass sich da etwas ändert, aber wie? Kliniken dürfen nicht nur reine kapitalgetriebene Institutionen sein.
Schauen sie sich Pflegeheime,Wohnungsbau,Strassenbau an.Diese Liste ist beliebig erweiterbar.Die Lobby-Politik hat kein interesse daran etwa zu ändern.

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crisalide 20.06.2018, 10:56
75. Kinder als Risiko

Ich kenne diese Arbeitsbedingungen noch gut von meiner Facharztausbildung an der Uniklinik. Mir war daher klar, dass man sich Kinder ( leider) erst ab bestandener Facharztprüfung erlauben kann. Viel zu groß ist die Gefahr, der Arbeitsbelastung mit Kindern nicht mehr gewachsen zu sein. Sollte zusätzlich die Beziehung zerbrechen, ist es kaum möglich Kitas mit ausreichenden betreuungszeiten zu finden, gleichzeitig wäre man komplett abhängig von dem Job. Mit der Bekanntgabe meiner Schwangerschaft wurde mir damals auch direkt zu verstehen gegeben, dass ich ab nun keinerlei operative Förderung mehr zu erwarten habe. Ich wechselte im selben Fachgebiet an eine andere,übrigens christliche, Klinik und fand dort sehr gute Arbeitsbedingungen vor. Fortbildungen werden gezahlt, Pausen dürfen genommen werden, die Dienstbelastung ist erträglich, Teilzeitarbeit ist möglich. Sogar die Arbeitszeiten werden leidlich eingehalten. Ich kann heute gar nicht mehr nachvollziehen wie und warum ich so viele Jahre diese Tortur ertragen konnte. Es gibt mittlerweile also ganz andere Arbeitsbedingungen. Kinder sind jedoch nach wie vor ein extrem hohes Risiko für jede Ärztin und ich rate jeder Kollegin damit so lange zu warten bis man weiterbildungstechnisch so weit ist, zur Not in die ambulante Versorgung zu wechseln.

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Mister Stone 20.06.2018, 10:56
76. Wir brauchen mehr Privatisierungen

Wir müssen noch mehr privatisieren, in allen Bereichen der Gesundheits- und Daseinsvorsorge. Damit es mehr Konkurrenz zwischen den Klinken gibt. Das ist effizient und sichert unseren Wohlstand. Kommt auch den Krankenkassen zugute, die ja wirklich jeden Cent dringend brauchen, um alle Menschen zu versorgen. Nicht nur "diejenigen, die schon länger hier leben".

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seca-2004 20.06.2018, 10:57
77.

da darf sie sich bei den kompetenten Politikern bedanken, die das komplette Gesundheitssystem kaputt gemacht haben. überflüssige Operation, zu wenige Mitarbeiter! USW. und sofort.

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diesel.bln 20.06.2018, 10:57
78. Mein Rat...

als Internist (10 Jahre in der Klinik) kann ich nur jedem Anfänger mit Familie davon abraten an einer Uniklinik anzufangen. Das ist Selbstmord auf allen Ebenen. Diese Geschichte ist traurige Realität, es geht aber definitiv besser.

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s.pam 20.06.2018, 10:58
79. Alltag.

Besonders auf dem Weg zum Facharzt.
Medizin ist-und bleibt- kein Job mit ner 40 Stunden Woche.
Ja, es ist hart, war es schon immer.
Mit 2 kleinen Kindern ist das kaum zu schaffen, die Defizite werden an einer Stelle klar sichtbar.
Idealismus ist der Start, dann Wissen, Umsetzung und Belastbarkeit.

In der Pflege der gleiche Mist!

Solange wir alle nicht bereit sind, mehr Qualität zu bezahlen (damit auch Quantität),
Wird es nur noch schlimmer.

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