Forum: Gesundheit
BGH-Entscheid zu künstlicher Ernährung am Lebensende: Harter Fall, schlechtes Urteil
Martin Carlsson/ Shutterstock

Der Bundesgerichtshof hat grundsätzlich entschieden: Ärzte haften nicht, wenn sie das Leiden eines Patienten durch künstliche Ernährung verlängern. Der Richterspruch hat Folgen weit über ähnliche Fälle hinaus.

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hörtauf 02.04.2019, 21:10
1. Was ein unqualifizierter Artikel

..mit ebensolcher Überschrift.
Der BGH hat absolut richtig geurteilt - das Leben ist grundsätzlich lebenswert und dass ein Arzt hier Schmerzensgeld an einen Sohn bezahlen sollte, der in den USA lebte und sich nicht die Bohne um seinen Vater gekümmert hat, wäre eine Frechheit gegenüber der Ärzteschaft und des Lebens gewesen.
Es steht jedem Menschen frei, eine Patientenverfügung zu erstellen und sich so it selbst um seine späteren Belange und Wünsche zu kümmern.

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adaniell 02.04.2019, 21:13
2. Warum diese Bühne?

Warum wird hier Herrn Putz eine Bühne für Horrorszenarien geboten?
Hätte der Patient eine Patientenverfügung gehabt und/oder einen kompetenten Betreuer wäre die Sache wahrscheinlich anders ausgegangen.
Da es keine Verfügung gab, gab es keine zwingende Rechtsgrundlage für einen Behandlungsabbruch.
Insofern hat das Gericht konsequent und wie zu erwarten entschieden.
Das wird Herr Putz als Jurist wissen, daher argumentiert er populistisch.

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mydryn 02.04.2019, 21:37
3. Das bedeutet letztendlich

, daß der Patient auch gegen seinen ausdrücklich erklärten Willen am Leben gehalten wird. Solange noch Abkömmlinge vorhanden sind, werden zuletzt diese zur Kasse gebeten. Sind keine da, zahlen es die Krankenkassen zumindest so lange, bis die Beitragszahler wegen den logischerweise immer höher werdenden Kosten auf die Barrikaden gehen. Der Senat wird in seinem Urteil wahrscheinlich auf die im Grundgesetz stehende "Würde des Menschen" nicht erwähnt haben und scheint eben diese Würde nur als nachrangig zu betrachten.
Ein neuer medizinischer Industriezweig scheint durch das Urteil begründet zu werden.

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Schlaumeier 44 02.04.2019, 21:39
4.

Juristisch durchaus interessant aufgearbeitet. Ein Problem wird aber überhaupt nicht angeschnitten, das medizinische. Es ist völlig unklar, ob ein schwer Dementer noch Hunger verspürt und so auch am Lebensende die fehlende Nahrungszufuhr ein aktiv zugeführter Schmerz ist. Schliesslich ist nicht klar, ob bei einem Menschen, der sonst noch selbständig lebt, das Vorenthalten von Nahrung nicht aktive Sterbehilfe ist.

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guntergunter 02.04.2019, 21:49
5. Diese Urteil ist eine Katastrophe...!

Denn es wird wohl bedeuten, daß das Einstellen jeder Form der Lebenserhaltung untersagt ist.
Und das selbst dann, wenn anderslautende Patientenverfügungen vorliegen oder gar Bevollmächtigte einer solchen "auf Teufel komm raus Therapie"widersprechen.
Sollte dies im klinischen Alltag erzwungen durchgesetzt werden, werde ich meinen Beruf als Arzt sofort an den Nagel hängen!
Es gibt viel am Gesundheitssystem zu kritisieren, aber alle Schwierigkeiten und Probleme lassen sich irgendwie lösen. Dieses unsägliche BGH-Urteil definitiv nicht!

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juba39 02.04.2019, 21:51
6. Warum eigentlich?

"Da keine Patientenverfügung vorlag, und für den Mann ein rechtlicher Betreuer, ein Rechtsanwalt, bestellt war, hätte der Arzt aus Sicht des Sohnes also zumindest diesen fragen müssen, wie weiter zu verfahren sei. Dem Sohn selbst waren die Hände weitgehend gebunden: Der Betreuer hatte dem Arzt untersagt, mit dem Sohn zu reden, oder diesem Behandlungsunterlagen herauszugeben." Wer, wie ich, bis zur Rente als Heilerziehungsofleger gearbeitet hat, kennt die Brisantz aus diesem Absatz. Hier riecht alles nach Kungelei zwischen Juristen. Vieleicht hätte Herr Hipp sich vorher einmal über das Wesen, in Deutschland besser das Unwesen, gerichtlicher Betreuung informieren sollen. Früher nannte man die Leute noch "Vormund", also einen Vertreter der Interessen des ihm anvertrauten "Mündels". Der Absatz läßt doch schon erkennen, daß der gerichtliche Berteuer sehr wohl den Zustand des Kranken kannte. Wäre doch einmal interessant, wie viele Klienten der Anwalt als Betreuer vertritt (da gibt es eine gesetzliche Höchstgrenze), genau wie interessant wäre, wie oft ein persönlicher Kontakt bestand. Auch bei einem solchen Klienten ist die gesetzliche Anforderung nach persönlichem Kontakt nicht aufgehoben. DieInitiative zur Beendigung der lebenserhaltenden Maßnahmen hätte also nach m.M. vom Betreuer ausgehen MÜSSEN. Wie schon im Artikel richtig gesagt, der Arzt hatte nur eine Beratungspflicht. Ist also noch viel Luft für eine tiefergehende Recherche!

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a.busch 02.04.2019, 21:56
7. Tierquälen verboten.

Menschen quälen anscheinend nicht.

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yehoudin 02.04.2019, 22:16
8. Konsequent

Soweit ich das verfolgt habe hat der BGH sich lange und erfolgreich um Urteile gedrückt die die Einstellung medizinischer Maßnahmen zur Folge gehabt hätten, so dass die biologische Lösung schon viele Grundsatzurteile verhindert hat. Insofern ist es Ärzten – Nicht-Juristen (!) – schwierig zu vermitteln wie der BGH seinen Fall wohl entscheiden wird(… auf hoher See und vor Gericht…) . Beim Lebenlassen ist man da auf der sicheren Seite. Und diese Haltung hat der BGH nun wieder einmal bestätigt.

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Zaphod 02.04.2019, 22:19
9. Falsche Schlussfolgerungen

Auch wenn die Urteilsbegründung noch nicht vorliegt, so erscheint es doch eine falsche Schlussfolgerung, wenn aus der Aussage, dass Leben kein Schaden ist, eine Pflicht zur Lebenserhaltung abgeleitet wird. Vielmehr kann das Urteil doch so interpretiert werden, dass keine Pflicht zur Lebensverkürzung besteht - und diese Aussage ist grundsätzlich positiv.

Denn wenn eine Pflicht zur Lebensverkürzung bestehen würde, bei deren Verletzung Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden könnten, dann hätte dies doch sehr bedenkliche Auswirkungen auf die Medizin. So ist nun festgestellt, dass eigentlich niemand einen quantifizierbaren Schaden hat, wenn er am Leben bleibt. Es wäre ja auch absurd, denn den Schaden hat der lebende Leidende und die Geltendmachung würde dann den Erben überlassen, die auf diese Weise ihre Erbschaft substanziell erhöhen könnten. Das Urteil dürfte daher richtig und gut sein - und womöglich gar nicht so viel an der bestehenden Praxis ändern!

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