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BGH-Entscheid zu künstlicher Ernährung am Lebensende: Harter Fall, schlechtes Urteil
Martin Carlsson/ Shutterstock

Der Bundesgerichtshof hat grundsätzlich entschieden: Ärzte haften nicht, wenn sie das Leiden eines Patienten durch künstliche Ernährung verlängern. Der Richterspruch hat Folgen weit über ähnliche Fälle hinaus.

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robinlott 02.04.2019, 22:23
10.

Das gute an dem Urteil ist, dass das Gericht ganz grundsätzlich festgestellt hat, dass der Wert des Lebens nicht diskutabel ist. Das heißt ja nicht, das ein Mensch für sich selbst nicht auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen kann.

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wiseacre 02.04.2019, 22:25
11. Artikel 1 GG

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dazu gehört für den BGH offentsichtlich nicht das Recht, auch in Würde sterben zu dürfen. Wenn dann auch noch die eigene Willensbekundung missachtet werden darf, umso schlimmer.

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mystyhax 02.04.2019, 22:25
12. Mmhhhh

Heißt das jetzt das ich im Gegenzug den Arzt verklagen kann wenn er zb. bei Angehörigen trotz Patientenverfügung nichts alles dafür tut um das Leben zu erhalten. Wie sieht es mit Patienten ohne Verfügung aus? Palliativ Medizin fällt ja weg die steht der Lebenserhaltung diametral entgegen. Die Richter verkennen die Tragweite dieser Entscheidung. Zählt denn der persönliche Wille den gar nichts mehr. Ich finde das unwürdig!

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lahozdeoro 02.04.2019, 22:26
13. sehr merkwürdig

"Der Betreuer hatte dem Arzt untersagt, mit dem Sohn zu reden, oder diesem Behandlungsunterlagen herauszugeben." Eine Begründung dafür konnte ich dem Artikel nicht entnehmen. Vielleicht kann man das Urteil nur verstehen, wenn man die genaueren familiären Hintergründe kennt. So lässt sich nicht beurteilen, wie mit einer entsprechenden Patientenverfügung oder Betreuungsvollmacht für die Angehörigen umgegangen worden wäre, denn die gab es ja offensichtlich nicht - ein Fehler, wie man leider oft erst hinterher erkennt.

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Filsbachlerche 02.04.2019, 22:39
14. Thomas Fischer, Sie sind gefragt!

Dieses BGH-Urteil ist meines Erachtens völlig verfehlt.
Alle Menschen, die in Deutschland für den Fall des Falles eine Patientenverfügung abgeschlossen haben, in der sie lebensverlängernde Maßnahmen in bestimmten Situationen ausdrücklich ablehnen, müssen sich durch die Formulierungen der Vorsitzenden Richterin von Pentz vor den Kopf gestoßen fühlen.
Auch nach meinem – juristisch unmaßgeblichen – Verständnis der im Grundgesetz formulierten Grundrechte ist diese Urteilsbegründung ein Skandal. Ärztliche Eingriffe verletzen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, wenn sie entgegen einer eindeutigen Willensbekundung des Betroffenen vorgenommen werden. Ich persönlich war gerade dabei, meine alte Patientenverfügung von 2006 nach neuesten Rechtsregeln durch eine neue zu korrigieren.
Dietmar Hipp analysiert den Tenor dieses Urteils wie folgt:
Eine Abwägung dahingehend , dass der schnelle Tod einem leidenbehafteten Leben vorzuziehen sei, sei rechtlich nicht möglich: Auch wenn ein Patient selbst sein Leben als unwert erachten mag , verbiete sich für den Staat und auch die Gerichte die Schlussfolgerung, dieses Leben sei ein Schaden.
Was könnte denn wichtiger sein als der dokumentierte Wille des Betroffenen, daß er in einem solchen Fall, keine lebensrettenden Maßnahmen mehr will, sondern nur noch schmerzlindernde Medikamente, auch wenn diese Entscheidung seinen sicheren Tod bedeute?
Die Mißachtung eines solchen, dokumentierten Willens verstößt meines Erachtens gegen Art. 1, Satz 1 und Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
Herr Thomas Fischer, bitte übernehmen Sie!

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purple 02.04.2019, 22:42
15.

Zitat von robinlott
Das gute an dem Urteil ist, dass das Gericht ganz grundsätzlich festgestellt hat, dass der Wert des Lebens nicht diskutabel ist. Das heißt ja nicht, das ein Mensch für sich selbst nicht auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen kann.
Das Schlecht ean dem Urteil ist, daß die Würde des Menschen ab sofort diskutabel ist. Ich halte das für verfassungswidrig.

Und der Wert des Lebens ist selbstverständlich diskutabel. Wo hört menschliches Leben auf? Ich meine, wenn die Funktion des Gehirns nicht mehr gegeben ist. Danach ist nur noch H(ü)(ö)lle.

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hille 02.04.2019, 23:23
16. Eine Katastrophe

ist dieses Urteil! Und eine unerhörte Anmaßung der Richterin, der offenbar die Empathie oder die Fantasie fehlt, sich vorzustellen, wie sie sich fühlen würde, wenn sie einmal in eine Situation wie die des betroffenen Vaters käme. Was jedem von uns passieren kann. Guntergunter, danke für Ihren Kommentar!

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spieglbaer 02.04.2019, 23:26
17. Komplexe Umstände

Die Entscheidungen zum Ende des Lebens sind oft schwierig, für den Betroffenen manchmal auch, aber immer für Angehörige und Ärzte. In aller Regel verlangen die Angehörigen "alles zu tun" ,um das Leben des Schwerkranken zu erhalten. Seltener verlangen nahe Verwandte alle Maßnahmen einzustellen, wenn noch Hoffnung besteht. In diesem speziellem Fall zu urteilen, ist unmöglich, ohne die Umstände im Detail zu kennen. Es mutet seltsam an, wenn jemand in fernen Landen arbeitet und glaubte bei kurzen Besuchen die medizinische Versorgung allein bestimmen zu müssen. Schmerzensgeld für den Angehörigen zum letztlich eigenen Erbe anzustreben, hilft der schwierigen Debatte wenig. In Anbetracht des hohen Stellenwertes des Lebens, helfen nur Gespräche zwischen Arzt und Angehörigen. Die Forderung, einen Menschen verhungern oder verdursten zu lasssen, ist auch kein edles Verlangen, ebenso wenig wie das Kissen unter dem Kopf wegzuziehen, damit der Sterbende nicht mehr so gut atmen kann. Man sollte nicht denken, dass vor Gericht eine gute Lösung gefunden werden kann. Dies kann man auch nicht in einem kurzen Spiegelartikel.

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manfredkaese 02.04.2019, 23:32
18. Ein Komatöser Patient ist die ideale Milchkuh

für den erwerbsorientierten Mediziner... Siehe Monty Python- Sinn des Lebens- Gerät mit dem Bing.. Und so wird das auch Land auf, Land ab gemacht. insoweit wirklich kein gutes Urteil, wenn das denn so apodiktisch ausfallen sollte wie dargestellt.

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jdlaw 02.04.2019, 23:47
19. Desolater Artikel.

So schlecht wie dieser Artikel, so gut und richtig ist das Urteil. Abgesehen davon ist es auch aus unjuristischem Blickwinkel korrekt, dass ein Abkömmling sich unter solchen Voraussetzungen nicht am Tod eines Elternteils bereichern kann.

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