Forum: Gesundheit
BGH-Urteil: Kein Schmerzensgeld wegen Lebensverlängerung durch künstliche Ernährung
DPA

Ein demenzkranker Patient lag bewegungsunfähig im Bett, nur eine Magensonde hielt ihm am Leben. Sein Arzt stand deshalb vor Gericht, er habe das Leben des Mannes unnötig verlängert. Nun wurde er freigesprochen.

Seite 1 von 6
Joeho 02.04.2019, 11:30
1.

Der Fall zeigt eindringlich, wie wichtig eine Patientenverfügung sein kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
silberstern 02.04.2019, 11:33
2.

Zitat von bockmist
Der Arzt als omnipotenter Entscheider, der kaum was verdient und nur ein hohes Prozessrisiko trägt
Das Problem unserer heutigen Gesellschaft ist, dass alle von Verantwortung und Leistung reden - und kein Problem damit haben, sich dafür fürstlich bezahlen zu lassen. Wird die Verantwortung dann aber doch tatsächlich einmal eingefordert, kommt nichts dabei raus.

Das BGH-Urteil schlägt leider in genau diese Kerbe, obwohl die Vorinstanz schon ein ausgewogenes Urteil gefällt hatte. So bleibt es dabei, dass in unserer Mehr-Klassen-Gesellschaft die Grenzen persönlicher Handlungsfreiheit im Sozialen wie Materiellen ohne Gegenleistung verteilt werden - nach Herkunft und Zufall...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leser161 02.04.2019, 11:36
3.

Zitat von bockmist
Da soll ein Arzt Schmerzensgeld zahlen, weil er eine PEG-Sonde legen lies. Der Sohn hat sich um nichts gekümmert. Der müsste eigentlich Schmerzensgeld an den Arzt zahlen wegen Stress durch Prozess. Patientenverfügung, ein Papiertiger, der juristisch nur Probleme mit sich bringt und versucht die Verantwortlichkeit auf den Arzt zu lenken. Der Arzt als omnipotenter Entscheider, der kaum was verdient und nur ein hohes Prozessrisiko trägt
Da bin ich Ihrer Meinung. Trotzdem finde ich die Begründung schwierig finde. Nicht umsonst wird von Bösewichtern in Filmen gerne ein schmerzloser Tod als Gnade angeboten (Im Vergleich zum schmerzvollen Tod, wenn der Held nicht kooperiert). Eine Verlängerung des Lebens kann, wenn es qualvoll ist, sehr wohl ein Schaden sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
maranatha-ven 02.04.2019, 11:48
4. Warum ist der Sohn nicht frühzeitig heimgekehrt

Weil der Sohn in den USA lebt, betreute damals ein Rechtsanwalt den Demenzkranken. Hier liegt der Hase begraben. Warum ist der Sohn nicht heimgekehrt zu Lebzeiten seines Vaters, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Bin mir sicher, dann wäre es so nicht gelaufen. Sicherlich hätte er es stillschweigend mit dem Hausarzt es anders regeln können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
obenunten 02.04.2019, 11:49
5. Würde des Menschen

Zur Menschenwürde gehört auch das Sterben. Mit welchem Recht glauben Ärzte und Kliniken, Honorare und Belegungskosten in Rechnung stellen zu dürfen, wenn es keinerlei Aussicht auf Besserung oder gar Heilung gibt? Nicht mehr denken und sich nicht mehr bewegen zu können reduziert das Menschsein so weitgehend, dass irgendwann das Recht, sterben zu dürfen, Vorrang haben muss. Es ist zynisch, demgegenüber die Patientenverfügungen zu diskreditieren oder juristisch zu schwafeln, Weiterleben sei kein Schaden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wolle0601 02.04.2019, 12:20
6. @obenunten

Dann kümmern Sie sich bitte selbst drum, per Patientenverfügung oder sonstwie. Weder sollte man anderen diese Verantwortung aufbürden noch sollte irgendwer überhaupt regelmäßig das Recht haben, darüber zu entscheiden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
archi47 02.04.2019, 12:22
7. Ein Problem ist,

wenn der Patient nur noch als Einkommensquelle definiert wird.
Die Hausarztanordnung und auch meine Weisung meiner abwesenden Mutter keine Sonde und keine lebensverlängernden Maßnahmen zu gewähren, wurde so gehandhabt, dass sie noch zwei Jahre lang über ständige Noteinlieferungen in die Notambulanz der Krankenhauses mit allen Aufbaupräperaten versorgt wurde. Ich wurde dann spät am Folgetag erst davon informiert, obwohl ich zu beiden Einrichtungen zu Fuß gehen kann.
Mir ist es erst dann seltsam vorgekommen, als mir bewußt wurde, dass diese Noteinlieferungen immer an hohen Feiertagen und in der Urlaubzeit vorkamen. Offenbar herrschte Personalknappheit.
Über 3200,-- Mark pro Monat fürs Liegen, gelegentlicher Windelwechsel und Tropfanhängung ist natürlich für ein Heim schon eine Verführung und auch für das Krhs. das volle Programm ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Spr. 02.04.2019, 12:44
8.

Dieses Urteil wird sehr unangenehme Konsequenzen für Sterbende haben! Freuen werden sich dagegen die Krankenhäuser mit ihrer Apparate-Medizin, die ihnen viel Geld einbringt. Da der BGH nun festgelegt hat, dass eine Verlängerung des Lebens kein Schaden sein kann, ist davon auszugehen, dass wieder ohne Rücksicht auf den Sterbenden dieser so lange an Apparate angeschlossen wird, bis diese den Tod nicht mehr hinauszögern können. Was durchaus Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern kann. In denen das Krankenhaus gut daran verdienst, denn gerade die Apparatemedizin wird sehr gut bezahlt.

Wer da als Sterbender im Krankenhaus keine notarielle Patientenverfügung hinterlegt hat und Angehörige hat, die diese auch durchsetzen, wird sich auf ein qualvolles und langes Sterben einstellen müssen. Weil im Krankenhaus alles mögliche und unmögliche getan werden wird, um ihn am Sterben zu hindern.

Selbstredend werden gesetzliche Betreuer genauso verfahren wie die Krankenhäuser, also dafür sorgen, dass jeder egal wie noch 5 Minuten länger am Leben gehalten wird, dessen Angehörigen nicht durchsetzen, dass eine hoffentlich vorhandene notarielle Patientenverfügung eingehalten wird.

Denn nicht notarielle Patientenverfügungen gelten heute oft schon nicht viel. So mancher Betreuer oder Hausarzt und so manches Krankenhaus geht lieber davon aus, dass der Sterbende, der sich nicht mehr äußern kann, nun doch eine gegenteilige Entscheidung treffen würde. Nämlich die, ihn mit allen Mitteln und ohne Rücksicht auf gesundheitliche und geistige Folgen so lange am Leben zu erhalten, wie es irgend möglich ist.

Wobei unter alten Menschen, deren statistische Lebenserwartung erreicht oder überschritten ist, nahezu flächendeckend der Wunsch zu bestehen scheint, in Ruhe sterben zu dürfen. Am liebsten zu Hause im eigenen Bett. Aber daran verdient dann ja niemand was.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fthoe 02.04.2019, 12:45
9.

Ich halte die hier aufgeführte Begründung des Urteils für problematisch. Dies köingt mir auf den ersten Blick sehr nach "jedes Leben ist lebenswert". Ob dies auch von demjenigen so gesehen wird, der z.B. unter Schmerzen weiter leben MUSS, da die behandelnden Ärzte in mit aller Gewalt am Leben halten, ist für mich zumindest äußerst zweifelhaft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 6