Forum: Gesundheit
Biomarker-Test bei Brustkrebs: Diesen Kampf wollte ich unbedingt gewinnen
Pradit Ph/ iStockphoto/ Getty Images

Es kann eine Frage von Leben und Tod sein: Chemotherapie bei Brustkrebs - ja oder nein? Künftig zahlt die Krankenkasse einen wichtigen Test für Patientinnen. Endlich. Viele haben lange darauf gewartet. Auch ich.

Seite 3 von 3
diezweitemeinung 23.06.2019, 00:27
20. Biomarkertest: eine sinnlose Geldverschwendung ohne Nutzen

Die Autorin und die Diskutantinnen und Diskutanten haben das Problem nicht richtig verstanden. Der Biomarker-Test entfaltet für die einzelne Brustkrebs-Patientin keinerlei Nutzen - dafür kann er aber vielleicht vermeidbare Todesfälle verursachen. Und er stellt für die Versichertengemeinschaft eine sinnlose Geldvergeudung dar - von mindestens 60 Milionen Euro pro Jahr. Es hatte schon gute Gründe, warum die Aufsichtsbehörden den Krankenkassen über viele Jahre untersagt haben, die Kosten für diesen unsinnigen Test zu übernehmen.
Die betroffenen Frauen hören in ihrer Todesangst - verständlicherweise - beim vorgeschriebenen Aufklärungsgespräch heraus, dass der Biomarker-Test etwas darüber aussagt, ob eine Chemotherapie in der Lage ist, ihr Lebens zu retten, bzw. zu verlängern - oder nicht. Doch diese Bewertung des Tests ist falsch. Niemand sagt den verängstigten Frauen, dass sie in jeder der drei Risikogruppen, in die sie aufgrund der Testergebnisse einsortiert werden, Metastasen bekommen und daran sterben können. Da nützt ihnen die statistische Wahrscheinlichkeit überhaupt nichts. Ob die einzelne Patientin zu den Frauen gehört, die Metastasen bekommmen werden, oder nicht, kann weder der Test, noch der behandelnde Arzt wissen. . Niemand kann in die Zukunft schauen.
Nun könnte man sagen, wenn der Test schon nicht wirklich im Entscheidungsprozess weiterhilft, so schadet er zumindest nicht. Auch das ist auf den Einzelfall bezogen möglicherweise falsch. Wenn eine Frau nämlich aufgrund der Ergebnisse des Biomarker-Tests der Niedrig-Risikogruppe zugeordnet wird und daher auf die Chemotherapie verzichtet, kann sie trotzdem Metastasen bekommen und daran sterben. Die Hinterbliebenen können dann darüber spekulieren, ob ihr weibliches Familienmitglied vielleicht überlebt hätte, wenn sie sich doch, trotz des niedrigen statistischen Risikos, für die Chemotherapie entschieden hätte.
Und noch ein zweites Beispiel. Der Test sortiert die Patientin in die Hochrisikogruppe ein und eine Chemotherapie wird ärztlich angeraten und durchgeführt. Die Patientin bekommt zwar keine Metastasen - stirbt aber an den Folgen der hochtoxischen Chemotherapie .Wäre es vielleicht besser gewesen, die Chemotherapie nicht durchzuführen? Was lernen wir nun aus dieser komplizierten Fakten-Lage?
Eine Chemotherapie ist bei Brustkrebs - wie bei den meisten häufigen Krebsarten - so gut wie wirkungslos. Sie trägt - wie Studien gezeigt haben - weder massgeblich zu einer relevanten Lebensverlängerung bei, noch zu einer Verbesserung der Lebensqualität.
Dafür sind aber die oft zu beobachtenden Nebenwirkungen zum Teil verheerend und können sogar zum Tod führen, bzw. zur Bildung eines Zweitkrebses. Wenn eine Frau also in diese Situation gerät, die eine extrem schwierige Entscheidung erforderlich macht, dann ist sie vielleicht gut beraten, wenn sie auf die Chemotherapie verzichtet - unabhängig von dem errechneten statistischen Restrisiko für zukünftige Metastasen und unabhängig vom Rat des behandelnden Onkologen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Lisa_can_do 23.06.2019, 08:00
21. Guter Beitrag

es wird nachvollziehbar dargestellt, in welchen Situationen man als Patientin ist mit so einer Diagnose. Wichtig dabei, dass sich Patientinnen direkt, offen und kritisch damit beschäftigen. Interessant auch, dass sich Therapie zur verbesserten Diagnostik verschiebt, die dann eine personalisierte Therapie ermöglicht. Gut so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
diezweitemeinung 23.06.2019, 10:46
22. Kein guter Beitrag

Lisa_can_do heute, 08:00 Uhr
21. "Guter Beitrag" sagt Lisa und verwechselt "personalisiert" mit "therapeutisch wirksam" bzw. "gut". Doch das ist so, als würde man sich auf den individualisierten Rat eines Rechtanwalts verlassen, der den eigentlich gewinnbaren Prozess dann doch verliert.
Eine Therapie bei der mit dem Hammer zwecks Lockerung der Gedanken auf den Kopf einer Patientin geschlagen würde, ist auch "personalisiert". Der Kopfschmerz stellt sich nämlich bei ihr ein - und nicht bei den anderen Mitgliedern der Vergleichsgruppe. Ob diese "individualisierte Behandlung" empfohlen werden sollte? Wohl eher nicht. Ein Begriff wie "individualisiert" ist ähnlich sinnloses Gewäsch wie der Begriff "ganzheitlich", der den Scharlatanen leicht über die Lippen geht.
Wie ich in meinem vorausgegangenen Diskussionsbeitrag ausführte, kann die Test-gestützte Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie richtig oder falsch sein - so wie die gleichlautende Entscheidung ohne diesen Test. Oder der ärztliche Rat kann aus der Rückschau heraus richtig sein - oder falsch. Man befrage fünf Ärzte zum gleichen Problem und wird unter Umständen fünf verschiedene Ratschläge bekommen.
Die Test gestützten Statistiken und die Einsortierung eines Individuums in eine Risikogruppe sagen nur etwas über von fehleranfälligen Menschen erdachte Wahrscheinlichkeits-Konstruktionen aus und haben Null Bezug auf den Einzelfall und helfen daher nicht weiter. Nichtraucher haben auch ein deutlich reduziertes Lungenkrebs-Risiko - können aber trotzdem an dem heimtückischen Leiden sterben.
Methoden wie der Biomarker Test bei frühem Brustkrebs sind ohne jeglichen greifbaren Wert. Bestenfalls kann der Test oder der beratende Arzt von der Brustkrebs-Patientin verantwortlich gemacht werden, wenn alles schief geht - und die eigene Verantwortlichkeit wird minimiert. Doch das ändert nichts daran, dass die Patientin den Test und den Arzt gewählt hat. Es mag ja in Zukunft eine Impf-Pflicht geben - eine Biomarker-Pflicht droht eher nicht.
Die jetzige Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses erfreut wahrscheinlich einige im Hintergrund arbeitende Lobbyisten. Über die "Krebs-Mafia" sind in der Vergangenheit diverse dicke Bücher geschrieben worden - siehe Amazon.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
artur.d 23.06.2019, 11:32
23. Woher kommt die Krebsepidemie?

Zitat von viwaldi
Eine der wichtigsten Fragen ist: für wen ist der Test überhaupt sinnvoll? Jedenfalls nicht für alle Patientinnen mit Brustkrebs! Andere bekannte und gut getestete Faktoren sind häufig so eindeutig, das der Test sinnlos ist. Und ob Multigentests , wie der Oncotype, wirklich die Zukunft darstellen, wird von vielen Fachleuten heftig bezweifelt. TMB ist der neue Focus.
auch was das TMB anbelang, sollte man sich fragen; warum das Immunsystem nicht von alleine gegen den Tumor vorgeht? einerseits sicher weil es eben eigenes Gewebe ist und die spezielle Frage die sich mir dabei stellt und alle anderen anscheinend beharrlich ignorieren bis die keiner mehr kennt; warum Krebs überhaupt in immer größerem Umfang entsteht? wir kennen etliche Substanzen die Krebs im Tierversuch verursachen (können), aber wenn es um Menschen geht, wird höchsten das Rauchen als die (eine) Ursache benannt und 100.000 andere Krebs auslösende Substanzen verweilen in der Anonymität bis sie Mutationen auslösen und auf mysteriöser-weise nur noch diese mutierten Gene dafür verantwortlich gemacht werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sonnefüralle 23.06.2019, 11:38
24. @diezweitemeinung

Aha, eine Chemotherapie ist Ihrer Aussage nach bei Brustkrebs also wirkungslos! Woher nehmen Sie dieses Wissen? Welche Studien sollen das sein? Vielleicht sollten Sie sich erst einmal informieren. Dann wüssten Sie, dass die Krebstherapie heute extrem komplex und individuell geworden ist. "Den einen Brustkrebs" gibt es nicht. Jede Betroffene hat ihre ganz individuelle Form der Erkrankung, die oft sehr unterschiedliche Maßnahmen erfordert. Darum bekommt generell längst nicht jede Frau eine Chemo! Der Test ist nur eine zusätzliche Entscheidungshilfe für Frauen mit einer ganz bestimmten Risikokonstellation: Frühes Stadium, hormonrezeptorpositiv, keine Andockstellen für andere Wachstumsfaktoren. Diese Frauen sind nach, OP und Bestrahlung geheilt, bekommen aber je nach Alter noch eine langjährige Antihormontherapie - und evtl. eine Chemo. Anders als bei den allermeisten Krebsarten sinkt das Rückfallrisiko bei diesen Frauen aber nicht. Es ist zwar insgesamt aufs Jahr gerechnet gering, bleibt aber auch nach fünf Jahren weiter bestehen. Darum haben betroffene Frauen manchmal noch nach 20 Jahren einen Rückfall. Ganz besonders relevant ist das also für Frauen, die jung erkranken. Eine Chemo ist aber eben auch eine gewaltige Belastung, bedeutet einen oft langen Arbeitsausfall und: So richtig krank und schwach, fühlt man sich erst unter der Chemo... Auch über Langzeitfolgen wird wenig gesprochen: Die geheilten Frauen (heute werden nämlich viele geheilt, falls Ihnen das entgangen ist!) können Nervenschäden in Händen und Füßen zurückbehalten, manche leiden an chronischer Erschöpfung (was allerdings auch eine psychische Reaktion auf die Erkrankung/Therapien sein könnte). Die Blutwerte sind oft noch lange verändert, das Herz kann Schaden nehmen etc. Kurzfristig kann man sich eine bedrohliche Infektion einfangen, was weitere Behandlungen nach sich zieht. Es gibt also sehr gute Gründe, Nutzen und Risiken einer Chemo so gut wie möglich abschätzen zu können. Dabei hilft der Test, wenn andere Kriterien nicht ausreichen. Es gab schon vor Jahren Berechnungen, die zu dem Schluss kamen, die Testkosten würden sich daher sogar volkswirtschaftlich lohnen! Nun liegen aber auch gute Langzeitdaten zur Sicherheit des Tests vor. Ergo: Die GBA-Entscheidung war überfällig!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Peter Pots 23.06.2019, 14:47
25. Chemotherapie wirkt bei Brustkrebs - wirklich?

@Sonnefüralle mockiert in seiem Beitrag #24 über meine Aussage, dass Chemotherapie bei Brustkrebs ohnehin nicht wirkt und fordert wissenschaftliche Beweise für diese ketzerische Aussage an. Dieses Forum ist sicher nicht der passende Ort, um komplizierte medizinische Probleme kontrovers zu diskutieren. Andererseits ist es beim Thema Sinnhaftigkeit des Biomarker Tests bei frühem Brustkrebs schon wichtig zu wissen, ob es wirklich wichtig ist, ob frau ihr statistisches Risiko für tödliche Metastasen durch die Durchführung einer hochtoxischen Chemotherapie vermindern sollte. Einfach formuliert lautet die Frage, wie effektiv eine Chemotherapie wirklich wirkt. Da es zu diesem Thema tausende von Studien gibt, will ich hier nur eine Studie ansprechen, die im Oktober 2016 im renommierten British Medical Journal publiziert wurde https://www.bmj.com/content/355/bmj.i5792.

Die Ergebnisse dieser Studie sprechen für sich: Danach trugen Chemotherapien unter anderem bei Brustkrebs nur 2.5% zur 5-Jahres-Überlebenszeit bei. Das entsprach einer Verlängerung der Überlebenszeit um durchschnittlich drei Monate. Und eine andere Studie hatte gezeigt, dass sich eine Chemotherapie nicht positiv auf die Lebensqualität auswirkt. Wenn man der Chemotherapie bei dieser Situation eine Wirksamkeit bescheinigen möchte, dann wird diese Ansicht sicher nicht von allen Menschen geteilt. Ich kommme zu dem Schluß, dass die hochtoxische Chemotherapie bei Brustkrebs nicht, oder nur minimal wirkt und frau daher überlegen sollte, ob sie auf diese Therapie nicht auch dann verzichtet, wenn der Biomarker-Test ei hohes Risiko für Metastasen errechnet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
r-chop77 23.06.2019, 21:50
26. Wortmeldung eines "Dealers" der Krebsmafia

@zweite Meinung&Peter Pots, sie haben sicher damit recht das der Effekt der adjuvanten Chemotherapie ( hochtoxisch???) auf das Gesamtüberleben in der Situation in der der Einsatz des Oncotype Sinn macht überschaubar ist (im einstelligen Prozentbereich), aber es gibt eben Frauen (wie die Autorin des Artikels), die es genau wissen wollen und für die eine Chemotherapie trotz dieses geringen Effektes auf das Gesamtüberleben eine Option darstellt (dies ist eine Entscheidung der Patientin nicht des Arztes). Es ist im übrigen auch für einen Onkologen manchmal gar nicht so einfach Patienten und auch Kollegen davon zu überzeugen das es Situationen gibt in denen eine (adjuvante) Chemotherapie keinen (wenig) Sinn macht. Wer es aber noch ganz genau wissen will für den würde ich den Predict breast cancer Tool (online frei zugänglich) des staatlichen britischen Gesundheitswesens (NHS) empfehlen. Dort kann man individuell für die jeweilige Krankheitssituation Informationen über die Prognose und den Einfluß verschiedener therapeutischer Verfahren sehr anschaulich darstellen lassen...Einschränkungen wären natürlich das die "Krebsmafia" den Tool gehackt hat...und natürlich den Grundfehler jedes prädikativen statistischen Werkzeuges das es nie genau sagen kann wie es in diesem einen betrachteten Fall ausgeht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mitch72 25.06.2019, 14:13
27. Wie gehts weiter?

Meine Frau hat seit 5 Jahre Brustkrebs, Chemo und OP hat sie abgelehnt. Bisher geht es ihr durch selbst auferlegte strenge Diät und Naturmittelchen blendend. Ich bin nun wahrlich kein Wanderprediger oder so, als Atheist hat man da seine eigenen Vorstellungen. Auch mache ich mir wesentlich mehr Sorgen um sie als sie sich. Aber zum Thema: Ist es nicht so, dass der Krebs relativ gut heilbar ist, solange er eingekapselt ist?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 3