Forum: Gesundheit
Bipolare Störung: Feuer im Blut
Corbis

Zwischen ausufernder Euphorie und Todeswunsch: Menschen mit bipolaren Störungen erleben ein gefährliches Wechselbad der Gefühle. Die manisch-depressive Erkrankung bleibt oft unerkannt - das kann die Betroffenen das Leben kosten.

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otzer 09.12.2014, 16:15
10. So einfach ist der Mensch nicht...

Zitat von hedente
... Es ist eine biochemische physiologische Erkrankung mit genetischen Ursachen, die in erster Linie mit einerm gestörten Dopmanin-Stoffwechsel im Gehirn zusammenhängt Alles andere ist Humbug ...
Natürlich mag es (auch sehr starke) "biochemische physiologische" Anteile geben. Aber der Mensch besteht nicht zum einen Teil aus seinem Körper und zum anderen, losgelösten Teil aus seiner Psyche.

Wenn z.B. ein geliebter Angehöriger stirbt und der/die Hinterbliebene in eine tiefe Trauer verfällt, dann ändert sich ebenfalls der Dopamin-Stoffwechsel erheblich - ganz ohne dass eine "physiologische" Erkrankung vorliegt.

Ich will damit sagen, dass sowohl physiologische Erkrankungen auf die Psyche durchschlagen können, aber ebenso so können sich psychische Befindlichkeiten auf den Körper auswirken (auch auf Hormonspiegel, Neurotransmitter-Konzentrationen etc.). Wo wollen Sie "Anfang" und "Ende" dieses Kreises finden?

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Ernie 09.12.2014, 17:09
11. In Frankreich heisst das....

Melancholie.... und man bewundert diese Menschen, weil diese meist hoch erfolgreich in Ihrem Gebiet sind.... besonders im künstlerischen Bereich... hier nennt man se krank und behandelt diese auch so. komisch!

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widower+2 09.12.2014, 17:23
12. Diese Menschen sind krank!

Zitat von Ernie
Melancholie.... und man bewundert diese Menschen, weil diese meist hoch erfolgreich in Ihrem Gebiet sind.... besonders im künstlerischen Bereich... hier nennt man se krank und behandelt diese auch so. komisch!
Deshalb nennt man sie hier so und behandelt sie auch so (wenn auch viel zu selten). Eine bipolare Störung ist eine sehr häufig zum Tode führende Erkrankung, unter der auch Kinder, Partner sonstige Verwandte und Freunde des Erkrankten teilweise erheblich zu leiden haben.

Insofern ist eine Behandlung auf jeden Fall angezeigt, wenn sie auch oft erfolglos bleibt.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wovon ich hier schreibe. Mein Nick hier auf SPON hat seine Ursache genau in dieser Erkrankung.

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arp2600 09.12.2014, 18:04
13.

10 Jahre als Partner mit so einer Frau ausgehalten und selbst krank gewesen, Realitäten verdrehend und das absurde als normal zu betrachten. Es ist Horror. Nie mehr.

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joerge11 09.12.2014, 18:29
14. Himmelhoch jauchzend - Zu Tode betrübt

Bin seit 44 Jahren verheiratet und sehe nun meine bessere Hälfte aus Indien in diese Episodenphasen versinken. Die Psychologen und Ärzte sind ja mehr oder weniger ratlos, haben keine Erfahrung und probieren mal mit den neuesten Medikamenten; die nimmt man in der Depressionsphase in Kleinstdosen und bis man merkt, dass sie nichts - ausser unangenehme Nebenwirkungen - erreichen, vergehen drei Monate. Plötzlich absetzen geht nicht, wieder drei Monate vorbei. Bei 4 wirkungslosen Psychopharmaka gehen dann schnell 2 Jahre vorbei.
Besser als die Nervenheilanstalt ist die Familie; ich betreue meine Frau 24 Std. und konnte mich auf all die merkwürdigen Charakterveränderung einstellen (kein tägliches Chilli und keinen Darjelingtee mehr)
Es gibt eine kleine erbliche Belastung von ca. 15 % - mein Schwiegervater hatte für ca. 30 seiner letzten Jahre eine unauffällige Depression.
Vielleicht kann man in der Zukunft die entsprechenden Gene ausbessern.
Die Bipolare Störung ist ja nun nichts Neues; sie gibt es vielleicht schon seit Homo erectus Zeiten. Wie ging man damals damit um ? Welche Methoden gibt es bei den alten Chinesen, bei den Indern (Ayurvedic), afrikanischen Völkern und denen in Südamerika.
Es lohnte sich, hier nachzuforschen.

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ruhepuls 09.12.2014, 18:29
15. Diabetiker?

Zitat von Koozebane
Diese Einstellung zeigt doch genau, dass Sie Menschen mit Depressionen, bipolarer Störung nicht ernst nehmen. Geben Sie einem Diabetiker auch den guten Rat, er soll erstmal seine Familienprobleme lösen, dann funktioniert die Bauchspeicheldrüse schon wieder?
Ich würden dem Diabetiker (sofern nicht Typ 1) raten, sich vor allem mehr zu bewegen und seine Ernährung entsprechend zu gestalten. Und erst in zweiter Linie würde ich ihm zu Medikamenten raten.

Der lebenslang "eingestellte" Patient ist eine Wunschvorstellung der Pharmaindustrie.

Auch eine effektiv vorhandene Schwankung in den Neurotransmittern erfordert nicht unbedingt eine medikamentöse Behandlung - außer in ausgeprägten Fällen.

Hätte es früher schon Psychopharmaka gegeben, dann hätten wir auf die meisten wissenschaftlichen, künstlerischen und sozialen Werke der Weltgeschichte vermutlich verzichten müssen. Die Erfinder und Künstler hätte man dann auch "geheilt".

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Kleiner-Romeo 09.12.2014, 18:42
16. Von gelber und schwarzer Galle

"Meiner Ansicht nach ist die Melancholie ohne jeden Zweifel Anfang und sogar Teil der Krankheit die Manie genannt wird...Die Entwicklung einer Manie ist vielmehr die Zunahme der Krankheit als ein Wechsel in eine andere Krankheit." Aretaeus von Kappadokien, 1. Jahrhundert nach Christus.
Wenn man überlegt wie mit Psychischen Erkrankungen in der Vergangenheit umgegangen worden ist z.B. im dritten Reich wurden tausende einfach in die Vernichtungslager gesteckt, kann man als betroffener froh sein in der heutigen Zeit zu leben in der sowohl die Medikamentöse als auch Psychotherapeutische Behandlung so gute Fortschritte gemacht haben. Sogar die Gesellschaft ist, zumindest für Depressionen, aufgeschlossener. Trotzdem ist das Leben mit der Bipolaren Störung alles andere als leicht. Wer erzählt schon zum Beispiel beim Vorstellungsgespräch beim Arbeitgeber das es sein kann das man mal längere Zeit ausfallen kann weil man da so ne Krankheit hat oder erzählt man dem Date das es sein kann das man Fremdgeht weil einem die Manie packt.

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widower+2 09.12.2014, 18:49
17. Das kenne ich

Zitat von arp2600
10 Jahre als Partner mit so einer Frau ausgehalten und selbst krank gewesen, Realitäten verdrehend und das absurde als normal zu betrachten. Es ist Horror. Nie mehr.
Bei mir waren es knapp 11 Jahre bis zum tödlichen Ende. Diese Krankheit brachte den Tod der Mutter und Ehefrau und quasi als Nebenprodukt den völligen finanziellen Ruin sowie dauerhafte Arbeitsunfähigkeit für mich.

Deshalb reagiere ich auf die teilweise verharmlosenden Beiträge in diesem Thread hochgradig allergisch.

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lachina 09.12.2014, 20:25
18. Nur noch ergänzen:

Antidepressiva können durchaus zum großen "Umschwung" , nämlich hypomanen und manischen Phasen führen. So mir passiert - die Antidepressiva mussten abgesetzt werden. Bevor jemand als bipolar diagnostiziert wird, bitte erstmal die Medikation überprüfen!

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RogerRabit1962 09.12.2014, 20:51
19. Ich kann das nachvollziehen

Zitat von widower+2
Bei mir waren es knapp 11 Jahre bis zum tödlichen Ende. Diese Krankheit brachte den Tod der Mutter und Ehefrau und quasi als Nebenprodukt den völligen finanziellen Ruin sowie dauerhafte Arbeitsunfähigkeit für mich. Deshalb reagiere ich auf die teilweise verharmlosenden Beiträge in diesem Thread hochgradig allergisch.
Alle die hier so vor sich hinschwallen, können dies nur tuen, weil sie selber nicht betroffen waren.

Wir haben Menschen durch diese Krankheit verloren (3 Suizide) und ich bin selber betroffen.

Mittlerweile habe ich die Grunderkrankung erfolgreich seit vielen Jahren (nach etlichen stationären Aufenthalten und Episoden) durch eine Ernährungsumstellung ausgeheilt.

Ich bin aber immer noch vorsichtigst und achte auf selbst kleinste Anzeichen von Manien und Depressionen.

Das gefährliche an Manien ist, dass sie uns Zugriffe auf Wissen und Unterbewustseinsroutinen des Gehirns geben, die ansonsten durch "Filter" überdeckt sind.

Die Welt, die man da kennenlernt ist derartig bunt und vielfältig, derartig komplex und gleichzeitig präzise, dass man sich in "nicht manischen" Phasen wie abgetötet fühlt.

Wer das nicht kennt, kann das einfach nicht nachvollziehen. Nur mal als Beispiel. Sie können in so einer Phase, wenn ihre energetische Aura völlig ausgeprägt ist, elektrische Leitungen in einer Wand problemlos ohne Leitungssuchgerät fühlen, sie sehen die Auren der Menschen völlig klar und farbig, sie können sich komplexe Dinge fehlerfrei merken, sie können leichte Dinge wie Farne oder Blätter aus 2m Entfernung mit ihrem Körperfeld bewegen, wenn Sie ihr Körperfeld über dem Unterarm von jemandem konzentrieren zieht er vor Hitze zurück, und das ist nur die Spitze des Eisbergs an Erlebnissen.

Zusammenhänge und Mustererkennung ist mit dem "nicht Manischen" Erleben nicht vergleichbar. Sie können Design und Formensprache der Dinge und Stilbrüche mit einem Blick erkennen, auch Formharmonien.

Es ist als ob man eine "Decke" über den Sinnen weggenommen hat.

Ist man verrückt?

Die Erkenntnisse, die ich in den Phasen hatte (technische Erkenntnisse) haben uns reich gemacht.

Das ist reales Geld, reale Immobilien, reale erwachsenenspielzeuge.

Die Techniker und Dr.-Ingenieure, die ich beschäftigt habe, konnten den Ansätzen meist nicht mal im Ansatz folgen, daher musste ich die Dinge oft selber machen und programmieren.

Manchmal habe ich den Gedanken, dass diese Dinge nicht von mir kommen, sondern mir extern eingegeben werden.

In manchen Phasen kommt es einem dann vor, als ob man von diesem "Wissen" abgeschnitten ist. Dann macht die ganze Welt - Geld hin oder her - keinen Sinn mehr.

Die Beschreibung, dass die Manie das Feuer des F ortschrittes ist, trifft schon ziemlich genau.

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