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Buch über "Tyrannenkinder": Therapeutin warnt vor lebensunfähiger Generation
DPA

Kinder seien verhätschelt, leistungsverweigernd, tyrannisch, klagt die Wiener Therapeutin Martina Leibovici-Mühlberger und warnt: Auf diese Generation könne man nicht zählen. Andere Experten widersprechen.

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christiewarwel 08.04.2016, 11:18
1. Tatsächlich?

""Die Häufigkeit psychischer Erkrankungen hat nicht zugenommen, weder bei Kindern, noch bei Erwachsenen","

Oder die Anzahl derer, die sich trauen, eine Behandlung in Anspruch zu nehmen?
Und wie ist es mit der Art und Intensität der Erkankung?

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mat_1972 08.04.2016, 11:20
2.

Doch selbst, wenn Eltern heute weniger Grenzen setzten, bedeute das nicht, dass Kinder keine Grenzen mehr hätten, sagt Reuser. "Es gibt Erzieher, Lehrer, Freunde, später die Bundeswehr, die Uni, den Ausbildungsplatz. Auch dort erfahren Heranwachsende Normen und Grenzen."

Öh.... Nein?

Erzieher: ja, einige versuchen es noch.
Lehrer: Naja.
Freunde: Haben die ja meist nicht. Und wenn, dann oft "virtuelle"
Bundeswehr: Von wann ist dieses Interview? Wehrpflicht gibts nicht mehr!
Uni: Ja, WENN die denn studieren sollten
Ausbildungsplatz: Das einzige in dieser Liste, das annähernd wahr ist.

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Max Super-Powers 08.04.2016, 11:24
3.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe die Problematik voll und ganz.

Heutige Erziehungsansätze, sowohl staatlich als auch die der Eltern, müssen durch ihre Sorge nach bedingungsloser Gleichbehandlung sowas hervorrufen:

- Leistungs- und Konkurrenzdenken wird abgewertet: Wer beim Sportfest nur mitmacht, bekommt ebenso eine Medaille wie die Sieger
- Es wird versucht, immer mehr Kindern eine Wohlfülatmosphäre vorzugaukeln, etwa durch späteren Schulbeginn, Experimente wie Schul-Gleitzeit, unkonventionelle Lernmethoden (jeder lernt nur das, was er will)
- Gleichzeitig wird jegliche Strenge in der Erziehung als per se schlecht gebrandmarkt. Das moderne Kind soll gefälligst mit seinen Eltern auf Augenhöhe diskutieren


Dass diese Faktoren dazu führen, dass "die Jugend" fürchterlich aufs Gesicht fällt, wenn sie erst mal diesen Kokon aus Elternhaus und Schule verlässt, ist so traurig wie nachvollziehbar. Hier wird nicht weniger als eine ganze Generation belogen und um ihre Chancen gebracht. Warum? Nur damit Gefühle nicht verletzt werden oder Papa und Mama nicht in den Verdacht kommen, gestrenge Rabeneltern zu sein.

Ich will hier nicht der Prügelstrafe das Wort reden, aber ein Kind braucht keine Kumpeleltern, keine Trophähen fürs Mitmachen, sondern konsequente Anleitung von oben und vor allem den Wille, sich in einer immer barbarischer werdenden Leistungsgesellschaft durchzusetzen - und dafür braucht es Ellbogen und einen echten "Will to win" und nicht eine "Dabei sein ist alles"-Medaille.

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SamuelTee 08.04.2016, 11:24
4. Grenzen

Das allseits beliebte Lamento: "Früher war alles besser. Vor allem die Jugend (denn das waren ja wir!)."
Der Unterschied der heutigen Jugend ist, dass sie sich nichtmehr alles gefallen lässt. Es ist die verdammte Pflicht eines jeden Kindes und Jugendlichen die durch die Elterngeneration (oft willkürlich) gesetzten Grenzen in Frage zu stellen und zu sprengen. Denn nur so kann sich eine Gesellschaft entwickeln. Hätten alle Kinder immer auf ihre Eltern gehört, würden wir heute immernoch jeden Sonntag brav in die Kirche gehen und uns willig von den Lehrern verprügeln lassen!

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www.yzx.de 08.04.2016, 11:25
5. Handy-Generation

Ich weiß nicht, ob die Handygeneration weniger leistungsbereit ist. Möglichweise ist sie das gar nicht. Aber der Grundsatz "wenn jeder an sich selbst denkt ist an jeden gedacht", der ist in dieser Generation so tief wie in keiner zuvor verankert. Auffälliges Verhalten ist heute m.E. nicht mehr Ausdruck von Protest sondern allein von Unüberlegtheit im Sinne von "ich bin alleine auf der Welt" oder "was kümmern mich die Anderen". 30+ Jahre Sozialisierung im Neoliberalismus zeitigen da eben ihre Folgen. Was sich dann z.B. auch im gesteigerten Materialismus widerspiegelt. Everything works as designed, könnte man natürlich auch sagen. Konsumdrohnen, die das nicht einmal merken ...

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michelinmännchen 08.04.2016, 11:26
6. Die Kinder, die Kinder

Aber unserer Großmütter hatten auch schon recht. "Nun, die Welt ist seitdem nicht untergegangen." steht da. Das stimmt. Sie ist aber kurz davor, hingerichtet von den eigenen Kindern der Großmütter.
"80% gelten als unproblematisch" ist erstmal ein toller Satz, der aber nichts aussagt, da man die Defintion nicht kennt. By the way: die anderen 20% sitzen noch und saßen früher schon im Bundestag.

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SamuelTee 08.04.2016, 11:28
7. Noch ein Satz...

... zur angeblichen "Lebensunfähigkeit" der Kinder. Den selben Satz haben meine Eltern über "meine Generation" auch immer von sich gegeben.
Wenn ich mir aber nun ansehen, wie schwer sich meine Eltern in der heutigen Zeit mit der Realität (Digitalisierung, Globalisierung, Flexibilität der Arbeit) tun, so frage ich mich ernsthaft, wer hier lebensunfähig ist!

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glimmstengel 08.04.2016, 11:34
8. ...es gab immer schon bekloppte

...Eltern, und wenn Kinder die Projektionsfläche sind, kommt das ja nicht von ungefähr. Ja meine Kinder tanzen mir auch manchmal auf der Nase rum, und ich früher meinen Eltern. Die Meckerei darüber wird das nicht ändern, sondern nur durch Verständnis für die Situation. Dann kann man auch besser Grenzen setzen, die das Kind auch versteht.

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bluejuly 08.04.2016, 11:35
9. Jaja...die böse Jugend

Tja, man kann es eben niemandem recht machen.
Wenn die Jugend trinkt, raucht und sich prügelt ist sie außer Kontrolle.
Wenn sie sich ruhig verhalten und lernen sind sie angepasst, verweichlicht und unselbstständig.
Früher war es die böse Rockmusik, dann die Computerspiele, heute sind es die Smartphones.
Gleiches gilt natürlich für die Eltern...entweder sind sie zu streng und nehmen der Jugend die Fähigkeit selbst zu denken, oder sie sind zu locker und verhätscheln ihr Kind.
Ich bin mir sicher auch in 100 Jahren werden die Alten sich sicher sein, dass die schlimmste Generation aller Zeiten heranwächst und damit genau so falsch liegen wie alle vor ihnen.

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