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Buch über "Tyrannenkinder": Therapeutin warnt vor lebensunfähiger Generation
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Kinder seien verhätschelt, leistungsverweigernd, tyrannisch, klagt die Wiener Therapeutin Martina Leibovici-Mühlberger und warnt: Auf diese Generation könne man nicht zählen. Andere Experten widersprechen.

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klumpescheel 08.04.2016, 11:49
20.

Nach wie vor gilt: Aus den angeblich mißratenen Kindern und Jugendlichen werden überraschend oft ganz "normale" Erwachsene. Ich rede aus Erfahrung, mein pubertierender Sohn war nicht auszuhalten, jetzt mit über 30 hat er sich gefunden und es ist eine Freude mit ihm.
Die Antwort auf Frage, ob Kinder und Jugendliche heute "besser" oder "schlechter" sind als die vorhergehende Generation, ist sehr subjektiv. Die ständigen und selbstverständlichen Gängeleien bis zu häufigen Prügeln durch Eltern und Lehrer in meiner Kindheit (Jahrgang 1954) hätten nicht zu sein brauchen. Die heutige Generation kann froh sein, dass ihnen das und diese damalige rustikal- autoritäre Gesellschaft mit ihrer uneingestandenen, aber noch ganz selbstverständlich gelebten Nazi-Vergangenheit erspart wird. Andererseits hat meine Generation getreu dem Spruch "gelobt sei was hart macht" auch früh gelernt, mit Anforderungen umzugehen und eine Leistungsbereitschaft gezeigt, die heute offenbar nicht mehr so selbstverständlich vorhanden ist. Später dann, als Jugendliche, hatten wir noch Ziele und dümpelten nicht wie die heutigen in einer überalterten Gesellschaft illusions- und oft chancenlos einfach so herum.
Jede Zeit hat eben seine Vor- und Nachteile.

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suedseefrachter 08.04.2016, 11:49
21.

Ich war selber nicht der bravste in der Schule.
Hatte mit 14 7x 5 im Zeugnis stehen und mit 19 die Schule dann komplett abgebrochen und mich entschieden selber zu lernen und meinen eigenen Weg zu gehen.

Woran lag's?
1. Die Lehrer hatten uns damals schon gesagt das was ihr hier zum Teil lernt werdet ihr nie wieder benötigen da die Technologie bereits fortgeschritten ist.

2. Zu viele uninteressante Fächer - sorry in der heutigen Zeit ist Allgemeinwissen aus den 1950ern einfach für die Fische. In der Wirtschaft überlebt nur der mit Spezialwissen bzw. guten Kontakten. Und meines Erachtens nach sollte man zuerst einmal gewisse Fertigkeiten erlernen welche man im Leben wirklich benötigen kann.

Ich zahle aktuell ca 70.000 EUR Steuern im Jahr als einzelne Person und ärgere mich nur das ich mich damals nicht noch viel extremer gegen das System gestellt habe.
Woher habe ich mein Wissen? Ich habe schon damals in meiner Freizeit gelernt was mich interessiert hat (Technologie, auch eine Fremdsprache welche ich täglich benutze), also an Faulheit lagen die Probleme sicherlich nicht, und ich bin seit über 15 Jahren in der Wirtschaft und war weder Arbeits- noch beschäftigungslos. Jedes Jahr bekomme ich von diversen großen Konzernen Jobangebote obwohl ich mein eigenes Unternehmen führe.

Vom Staat fühle ich mich betrogen, denn er kann weder Sicherheit noch für eine tatsächlich gute Ausbildung sorgen. Die Kosten für dieses Versagen (insbesondere die sozialen Auswirkungen in diversen deutschen Städten) sind horrend, für dieses Geld würde ich selber 1-2 Leute anstellen und ausbilden.
Von diesen Hans-Würstchen beim Finanzamt die denken das sie jemand seien will ich gar nicht mal anfangen zu reden.

Aber hauptsächlich am Ende des Tages schütteln sich alle welche für diesen Mist verantwortlich sind in Panama die Hände und schwimmen im Geld.

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kent-goslar 08.04.2016, 11:49
22. Bei Zeiten narzisstisch geprägt...

Ich schliesse mich der Meinung der Arbeit der Kollegin an. Wenn man heute das Klientel in psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxen anschaut - bzw. die Entwicklung allein in den letzten 10 Jahren - dann ist festzustellen, dass immer mehr verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zu finden sind, die an den gesellschaftlichen Regeln und Regeln des Anstands und der gegenseitigen Rücksichtnahme scheitern und, daraus resultierend, nicht nur zum Problem für sich selbst, sondern auch zum Problem für die Ursprungsfamilien und das soziale Umfeld werden. Sie tragen ungewollt eine ungeheure zerstörerische Kraft in sich.

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zappa99 08.04.2016, 11:50
23.

Es gibt durchaus objektive, beängstigende Tendenzen.

Wenn ich z.B. erzähle, welche Strecken wir auf Wandertagen in den 70ern bewältigt haben ernte ich ungläubiges Staunen.

Bei uns laufen manche Kinder schon nicht mehr Laterne, weil ihnen der Stress nicht zuzumuten sei.

Dazu kommt eine Erosion des Respektes, die es definitv früher so nicht gab. Gekoppelt mit helikopternden Eltern, die sich sämtliche Beine ausreissen, damit ihr Kind "optimale" Bedingungen hat. Währenddessen schliesst die süsse Kleine vorzugsweise jeden Satz mit "Du Depp" ab. Das hat durchaus was tyrannisches.

Ein Teil des Problemes scheint mir der Optimierungszwang zu sein. Englisch im Kindergarten z.B. ist ein Muss, anscheinend. Maschineschreiben in der Grundschule wohl auch. Und gute Noten sowieso.

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canUCme 08.04.2016, 11:50
24. Doch, ich nehme ...

... wahr: Tyrannenkinder und ihre Ursache, nämlich fehlorientierte, überbesorgte Eltern, die ihrem Nachwuchs keine Grenzen setzen. Freiheit ist ein wunderbares Gut - aber leider bekommt allzuviel davon dem Menschen auch nicht! Auch wenn es dem ein oder anderen ideologisch nicht passt: Menschenkinder brauchen ein gewisses Maß an Regeln und Autoritäten, die auf deren Einhaltung bestehen. Ja, es stimmt, daß auch frühere Jugendgenerationen in den Augen der Älteren über die Strenge geschlagen haben, - wir waren alle keine Engel. Aber bestimmte Auswüchse heutzutage sprengen jedes Maß. Wenn die liebevollen Eltern im Supermarkt oder Restaurant gleichgültig zusehen, wie ihr Nachwuchs andere Menschen hemmungslos pisackt, dann ist das nicht mehr normal. Die einzige Reaktion kommt dann, wenn man selbst etwas dagegen unternimmt. Dann verbieten sich die vermeintlichen Erziehungsberechtigten nämlich jedwede Ansprache an ihre empfindsamen Lieblinge! In Afrika (wir sind doch alle multikulti-orientiert) sagt man: Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen. Eine gewisse übergreifende, soziale Kontrolle war bei uns früher auch ganz normal. Der Bauer, dem wir durchs Getreide getrampelt sind, hat uns schon mal eine gewischt und meine Tanten konnten durchaus kurzfristig die disziplinarische Funktion meiner Mutter übernehmen. Das hat uns allen nicht geschadet.

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elblette 08.04.2016, 11:53
25. Verkaufsschlager Prügel für Eltern

Das Thema läuft immer: Man hackt auf den unfähigen Eltern und gestörten Kindern herum, und der Erfolg ist einem sicher. Und die Eltern? Die sollen durchsetzungefähige, soziale, kreative, regelkonforme Kinder heranziehen. Kinder sollen auf keinen Fall irgendwen stören, werden aber gerne später als Konformisten beschimpft. Oder sie stören, dann sind sie Tyrannen. Ich kann es echt nicht mehr hören.

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Hochbeet 08.04.2016, 11:53
26. Wenn Therapeuten Bücher schreiben

ist Vorsicht geboten. Sie beschäftigen sich mit einer problematischen Klientel. Von dieser glauben sie Übertragungen ableiten zu können. In diesem Fall trifft es Kinder. Es könnten aber auch Männer, Frauen, Ausländer sein. Interessant ist daran nur die alarmistische Ausrichtung und Rezeption.

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mariendistel 08.04.2016, 11:54
27. Grundlos?

Zitat:"Die Therapeutin stützt ihre Thesen auf Gespräche mit Lehrern, Erziehern und Kollegen aus der Jugend- und Familienberatung - vor allem aber auf Einzelfälle aus ihrer Praxis, die sie im Text ausführlich beschreibt.

Etwa den Fall der neunjährigen Ella, ein ängstliches Kind, das urplötzlich und grundlos schreiend und heulend auf dem Praxissofa umherspringt und von der Mutter nicht zu bändigen ist."

Grundlos? Wenn jemand aus heiterem Himmel sich so verhält, dann gibt es Gründe. Vielleicht haben die Therapeutin oder die Eltern gerade ein Stichwort geliefert, das lange aufgestaute Emotionen freisetzt. Und durch die Situation bei der Therapeutin geht es doch sowieso viel schneller an die tieferen Schichten der Persönlichkeit als im Alltagsleben. Andernfalls hätte eine Therapie wenig Sinn.
Wenn die Therapeutin das als grundlos ansieht, dann ist es fragwürdig, ob sie überhaupt für ihren Beruf geeeignet ist.

Was die anderen zitierten Experten sagen, finde ich viel zutreffender.

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stimmeausdemoff 08.04.2016, 11:57
28. Teil des Problems

Wenn man das so liest, hat man das Gefühl, dass die Psychologen in den Beratungsstellen eher Teil des Problems sind. Meine Frau ist Leiterin einer größeren Kindertagesstätte und ihre Aussagen decken sich so ziemlich mit denen von Martina Leibovici-Mühlberger. Bei dem, was ich da teilweise (anonymisiert) zu hören kriege, stellen sich mir echt die Haare auf.

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derpif 08.04.2016, 11:58
29.

Es ist schon witzig dieses Verhalten an sich selbst zu beobachten. Ich ertappe mich ständig dabei wie ich, zumindest in Gedanken, meckere und denke wir waren da ganz anders. Allerdings fällt mir das auch selber auf, und ich muss dann immer grinsen weil ich so ein Spießer geworden bin, zumindest heimlich im Stillen.

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