Forum: Gesundheit
Bundesgerichtshof: Darf Bier "bekömmlich" genannt werden?
DPA

"Bekömmlich" - mit diesem Begriff hat eine kleine Brauerei aus dem Allgäu jahrzehntelang für ihr Bier geworben. Jetzt muss der Bundesgerichtshof entscheiden: Ist der Begriff noch zulässig?

Seite 3 von 6
j1958 17.05.2018, 12:53
20. Deutsche Sprach schwere Sprache

Man muß es den Stuttgarter Richtern nachsehen. Wie wirbt ihr Bundesland so richtig? 'Wir können alles außer hochdeursch'. Mit bekömmlich würde ich nie gesundheitsfördernd verbinden, bekömmlich ist etwas, was nicht auf den Magen schlägt oder Unwohlsein verursacht. Hühnersuppe ist in der Regel bekömmlich, Linseneintopf eher nicht und ein scharfes Curry würden die wenigsten als bekömmlich bezeichnen, obeohl es durchaus gesund sein kann. Die selbsternannten Ritter, äh, Retter der deutschen Sprache werden dann wohl 'wohlschmeckend' als nächstes abschießen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
P.Delalande 17.05.2018, 13:01
21.

Zitat von watch15
... mit was für "wichtigen" Themen sich unsere Gerichte, ja sogar der BGH, immer wieder beschäftigen muss. "Seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet sie ihre Biere in Anzeigen auch als "bekömmlich"." Tja, damals konnten die Braumeister halt nicht mit einer "Health-Claims-Verordnung" der EU rechnen. Da hat der EU-Moloch mal wieder eine kleine Traditionsbrauerei eiskalt erwischt. Wohl bekomm's.
Daran ist die EU ausnahmsweise mal unschuldig, denn die EU-Verordnung ist eigentlich sehr vernünftig. Es geht dabei z.B. darum, dass Margarine nicht als "vorbeugend gegen Herzinfarkt" beworben werden darf.
Dieser Prozess wurde durch den bekannten Abmahn-Verein VSW ausgelöst, dem es dabei kaum um die Gesundheit der Verbraucher gegangen sein dürfte.
Aber wenigstens wissen wir dann, nach höchstrichterlicher Entscheidung, was der Begriff "bekömmlich" genau bedeutet. Vielleicht haben wir den ja alle bisher völlig falsch verstanden, ausgenommen natürlich die Rechtsanwälte und Betreiber vom "Verband Sozialer Wettbewerb".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
triple-x 17.05.2018, 13:02
22. Reiner Abmahnverein

Schaut man sich mal die Google Ergebnisse zum VSW an, dann weiß man schnell, woher der Wind weht. Reiner Abmahnverein, der "Sozial" in seinem Namen führt wie "Christlich" die CSU.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rainer82 17.05.2018, 13:03
23. Dreist oder nur dämlich?

Ich frage mich, wie so ein frecher Werbefuzzi der Brauerei auf die Idee kommen kann, ausgerechnet ein Alkoholprodukt als "bekömmlich" zu bezeichnen. Der gesunde Menschenverstand sagt uns doch, dass jedwede Form von Alkohol unserer Gesundheit schadet, was jede wissenschaftliche Studie eindrucksvoll und eindeutig bestätigt. Darum ist eine solche Werbung im juristischen Sinne selbstverständlich unlauter und muss verboten werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
grabenkaempfer 17.05.2018, 13:05
24.

Wortklauberei, mehr nicht.
Ich zum Beispiel finde Dunkelbier bekömmlicher als Bier Pilsener Brauart. Und nun?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
**Kiki** 17.05.2018, 13:11
25. Die Aasgeier kreisen über uns allen.

Wie ich jüngst erfahren habe, werde auch ich mich vor Abzocke im Namen des Verbraucherschutzes schützen müssen, da solche Organsationen auch berechtigt sind, Verstöße gegen die EU-Datenschutzverordnung auf Websites kostenpflichtig abzumahnen. Offenbar liegt irgendwem in der Politik daran, diese widerwärtigen Geschäftsmodelle mit neuen Einkommensquellen zu versehen.

Genau dieselbe Sorte sogenannter "Verbraucherschützer" ist auch im Fall der Brauerei Härle am Werk. Man erkennt sie daran, daß sie dreist abkassieren dürfen, wo niemandem ein Schaden geschehen ist, und sich dabei im vorliegenden Fall auch noch in groteske semantische Spielchen versteigen.

Alle Hochachtung vor Herrn Härle, daß er die Grundsatzfrage um seinen Werbeslogan nun auch noch der letzten Instanz stellt. Ich fürchte zwar, in den heutigen heuchlerischen neoviktorianischen Zeiten urteilen auch die sogenannten "Experten" mit, die jeglichem Genuß feindlich gesonnen sind. Aber der BGH läßt sich vielleicht noch nicht ganz so einfach mit den sprachlichen Spitzfindigkeiten dieses Abzockvereins ins Bockshorn jagen.

Alleine schon, einen hundert Jahre alten Werbeslogan eines traditionsreichen mittelständischen Betriebs für ein Produkt, für das ein vorbildliches Reinheitsgebot gilt, auf einmal für unlauter zu erklären, ist völlig grotesk angesichts der Milliardenbeträge, die Großkonzerne in die Kunst, Menschen zum Kauf minderwertiger angeblicher "Lebensmittel" mit oft bedenklichen Zusatzstoffen zu überreden, investieren, und was für hochspezialisierte Fachleute dabei für nötig gehalten werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wachner 17.05.2018, 13:12
26. Bekömmlich oder gesund?

Meiner Meinung nach ist das mit dem (hier wirklich gesunden) Menschenverstand zu beantworten und müsste nicht die Gerichte beschäftigen.

Ich rede hier, um das klar zu sagen, nicht einem unvernünftigen und exessiven Lebensstil das Wort. Aber die samtene Schlinge der Empfehlungen und erhobenen Zeigefinger, die und sagen wollen, was ein gutes Leben ist, zieht sich enger.

Man kann nicht alles in Vorschriften und Regeln packen. Denn wenn dieser umfassende Versuch gemacht werden sollte, verlange ich der Vollständigkeit halber auch den Hinweis auf Paprika und anderem Gemüse (das ich zweifellos sehr mag), dass der Genuss individuell zu imperativen Flatulenzen und Einsamkeit führen kann:).

Lange Rede kurzer Sinn: Für mich ist Paprika wohlschmeckend und gesund.

Aber nie bekömmlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ympertrymon 17.05.2018, 13:12
27. Och nö, heute keine Überschrift

Ernsthaft? Da muss der Bevölkerung, unserer Volksgesundheit und der ganzen Menschheit durch die irreführende Werbung einer kleinen unbedeutenden Regionalbrauerei ja ein immens großer Schaden entstanden sein. Es ist schon erstaunlich, wie unsere Gesetzgeber und Gerichte solche Probleme mal eben nebenbei in den Griff bekommen, bei offensichtlich irreführender Werbung (Durchschnittsverbrauch und Schadstoffausstoß bei PKW) und offensichtlichem Betrug (Dieselskandal) aber grandios scheitern und kapitulieren ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
FerrisBueller 17.05.2018, 13:16
28. Seufz

Wenn ich mir das hier so angucke, dann kann ich mich wirklich beruhigt zurück lehnen. Sooo schlecht kann es uns nun wirklich nicht gehen, wenn sich unsere Gerichte mit solchen Problemen herum schlagen müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eichenbohle 17.05.2018, 13:31
29. Bier ist - bekömmlich - subjektiv gesehen.

1 Glas Bier, 0,33 L - ist bekömmlich.
10 Glas Bier, 0,33 L - schwächen Hirnfunktionen, erzeugen Magendruck, Völlegefühl, gesteigerten Harndrang
20 Glas Bier, 0,33 L - starke Schwächung der Hirnfunktionen, Magendruck, Völlegefühl, gesteigerten Harndrang, zeitweise Aussetzung des Wachzustand.
30 Glas Bier, 0,33 L - nach dem Aufwachen den Notarzt fragen wie man ins Krankenhaus gekommen ist.

Die Mengenangaben und ihre Auswirkungen können subjektiv abweichen.

Aber sind die Auswirkungen nicht bei fast allen Lebens- und Genussmitteln auch von der Menge Abhängig?
1/24 Torte am Tag, wohl nicht mal für Diabetiker risikoreich.
1 Torte am Tag, da dürfte sich der Allgemeine Gesundheitszustand erheblich verschlechtern.
Eine vegetarische/vegane Ernährung ist sicher Gesundheitsfördernd.
5 Kg Pflanzennahrung am Tag, dürfte wohl nicht ohne Spuren am Gefühl der Verdauungsorgane vorbei gehen - solange man kein biologisch vorbereiteter Pflanzenfresser ist.

Aber warum wird nicht gleich die Werbung für ein potenziell suchterzeugendes Getränk - die legale Massendroge überhaupt - verboten?
Da schlagen sich die Gerichte mit solchem Kleckerkram rum.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 6