Forum: Gesundheit
Debatte über Alkoholsucht: Eine Frage des Willens
DPA

Alkoholsucht ist eine Krankheit. Wirklich? Evolutionsforscher meinen, der Hang zur Flasche sei uns in die Wiege gelegt. Ein US-Psychologe dagegen behauptet, Sucht sei eine Folge von Willensschwäche. Der Ansatz sorgt in der Therapeutenszene für Unruhe.

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peter_30201 06.06.2012, 11:48
1. optional

Aus dem Text: "Wie eine Auswertung der Universität Greifswald von 321 internationalen, repräsentativen Umfragen gezeigt hat, ist eine große Minderheit und in etlichen Fällen sogar die Mehrheit der Auffassung, Alkoholiker seien selbst für ihr Schicksal verantwortlich, ..."

Interessanter Artikel. Dennoch widersprechen sich in meinen Augen die genetischen Faktoren zur Suchtprädisposition und der Verweis auf die eigene Verantwortung nicht notwendigerweise. Das Vorliegen einer Suchtkrankheit ist die Konsequenz des eigenen Konsumverhaltens, und für das trägt man die Verantwortung. Selbstverständlich greifen dann die im Artikel beschriebenen Mechanismen mehr und mehr in die Entscheidung ein bis die Sucht vollständig ausgeprägt ist. Ich denke, viele Menschen verstehen den Begriff Krankheit als Verharmlosung des eigenen Zutuns zur Entstehung einer Sucht und lehnen solche Formulierungen deswegen ab.

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vincentvega58 06.06.2012, 12:21
2.

Zitat von peter_30201
Aus dem Text: "Wie eine Auswertung der Universität Greifswald von 321 internationalen, repräsentativen Umfragen gezeigt hat, ist eine große Minderheit und in etlichen Fällen sogar die Mehrheit der Auffassung, Alkoholiker seien selbst für ihr Schicksal verantwortlich, ..." Interessanter Artikel. Dennoch widersprechen sich in meinen Augen die genetischen Faktoren zur Suchtprädisposition und der Verweis auf die eigene Verantwortung nicht notwendigerweise. Das Vorliegen einer Suchtkrankheit ist die Konsequenz des eigenen Konsumverhaltens, und für das trägt man die Verantwortung. Selbstverständlich greifen dann die im Artikel beschriebenen Mechanismen mehr und mehr in die Entscheidung ein bis die Sucht vollständig ausgeprägt ist. Ich denke, viele Menschen verstehen den Begriff Krankheit als Verharmlosung des eigenen Zutuns zur Entstehung einer Sucht und lehnen solche Formulierungen deswegen ab.
...die schlimmste Verharmlosung dieser "Krankheit"ist der, in der Gesellschatft übliche Begriff "Alkoholproblem".Dieser Begriff wird weder eine genetische Disposition gerecht noch einem "angeblich falschen Verhaltens".Mir ist noch nie ein Diabetiker begegnet,der von seiner Krankeit in Form eines "Zuckerproblems "sprach!

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j-d 06.06.2012, 12:48
3. Fragwürdige Experimente

Zitat von sysop
... In diese Richtung deuten auch die Kokain-Experimente des US-Pharmakologen Michael Nader an der Wake Forest University, die zeigten: Rangniedrigere Affen greifen schneller und öfter zu Drogen, vertragen sie aber schlechter und können ihrer Zerstörungskraft weniger entgegensetzen als ranghöhere.
Grundsätzlich finde ich den Ansatz ganz gut, schließlich gehört der "Wille" durchaus zu jeglichem Heilungsprozess, sowohl pysisch wie pyschisch....siehe Placebo Effekt und Co. Sicherlich nicht verkehrt, dass in Therapie und Heilungsverfahren mit einzubeziehen.

Aber ich möchte auch kurz zu Herrn Nader bezug nehmen...
Der Mann bringt seit mindestens 2006 Rhesus Affen auf Kokain....warum? Was soll das? Sozial- und Gesundheitsstudien zu Kokain und dessen missbrauch gibt es doch genug, und zwar mit Menschen als Untersuchungsobjekt. Das hat jetzt meinerseits auch nicht vordergründig mit Tierschutz zu tun, sondern ich frage mich ernsthaft zu was das gut sein soll?!?

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pric 06.06.2012, 12:50
4. Freie Wahl

"Für Kiefer ist es wesentlich, dass die Sucht einem Kranken gar keine richtige Wahl mehr lässt, weil dessen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt ist, verschoben in Richtung Weitertrinken."

Was genau soll eine 'richtige Wahl' sein. Eine, die das subjektive Einschätzen von Möglichkeiten außen vor lässt? Die also rein objektiv getroffen wird anhand aller objektiv verfügbaren Möglichkeiten, vielleicht von einem Objekt, damit auch keine Präferenz sichtbar werden kann? Das ist einfach zu naiv.

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h.yurén 06.06.2012, 13:01
5. Unkultur oder Gene

wenn selbst suchtbekämpfer sagen, alkohol sei ein kulturgut, ist der rest an thesen und kurvorschlägen doch schon überflüssig.
die legale droge ist so billig und überall verfügbar, dass allein die omnipräsenz schon genügt, aus nüchternen zeitgenossen betrunkene autofahrer zu machen.
was der psychologe willensschwäche nennt, die einen abhängig werden lasse, ist nach meiner einschätzung (ohne befragungen o.dgl.) ein mangel an selbstwertgefühl. auch ein mangel an weitsicht. wenn jemand vor die wahl gestellt ist, sich zu vergiften oder lieber nicht, wird der eher gleichgültige oder der mit mico eher zum schnapsglas greifen.
diese debatten kranken an zu starker verhaftung im traditionellen rahmen. in einer kriegskultur kommt es auf eine selbstverstümmelung mehr oder weniger nicht an.
gift als ware zu verstehen und so zu behandeln, ist schon recht pervers, um nicht zu sagen: besoffen.

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gogundmagog 06.06.2012, 13:40
6. depressive Frauen, trinkende Männer

Komme aus einem Dorf voller trinkender Männer und depressiver Frauen. Manche hatten vielleicht einen niedrigen Serotoninspiegel, alle sicher nicht. Alle haben in einer Diktatur gelebt. Wäre alles schöner gewesen, hätte es keinen Zugang zu Alkohol gegeben aber dafür zu psychologischer Betreuung? (Vorausgesetzt, eine ernsthafte psychologische Betreuung, die tatsächlich einen Zugang zu deinen wahren Gefühlen und Gedanken ermöglicht, wäre in einer Diktatur überhaupt möglich.) 20 Jahre nach dem Ende der Diktatur gibt es signifikant weniger Alkoholiker/Depressive in demselben Dorf. Aber wenn ich lese: 1,5 Mio Alkoholkranke in Deutschland, und in anderen Artikeln von bis zu 4 Mio Depressive, muss auch hier und heute davon ausgegangen werden, dass etwas für die mentale Hygiene der Bevölkerung getan werden muss. Wer Nervengifte aus dem freien Handel entfernen will, muss eine Alternative anbieten können. Wenn überhaupt, wäre das in einem reichen Land wie Deutschland am ehesten möglich. – Kosten, die durch Alkoholismus und exogene psychische Krankheiten entstehen vs Kosten zur Verhinderung derselben. Es würde sich mal lohnen, sich das anzuschauen.

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chingachkook 06.06.2012, 13:41
7. Alkohol ist das beste Lösungsmittel

Es löst verlässlich, Freundschaften, Ehen, Arbeitsverhältnisse. Alkoholismus ist eine unheilbare Krankheit, die körperliche, geistige und seelische Ursachen hat. Wichtiger als mögliche Ursachen zu erforschen, ist es, das Leiden der Alkoholiker zu lindern. Es gibt Wege aus der Sucht aber der Alkoholiker muss den Wunsch haben, mit dem Trinken aufzuhören. Dann hat er (oder sie) wieder eine Perspektive, nach der es sich zu streben lohnt. Der Weg ist hart, aber es klappt. Es gibt Beispiele.

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cassandros 06.06.2012, 13:43
8. Guten Morgen, Langschläfer!

Zitat von h.yurén
was der psychologe willensschwäche nennt, die einen abhängig werden lasse, ist nach meiner einschätzung (ohne befragungen o.dgl.) ein mangel an selbstwertgefühl. auch ein mangel an weitsicht. wenn jemand vor die wahl gestellt ist, sich zu vergiften oder lieber nicht,
Wer so daherredet, beweist, daß er/sie ein paar Jahrzehnte biologisch-medizinischer Forschung schlicht verpennt hat.
Nicht mehr und nicht weniger.

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peter_30201 06.06.2012, 14:04
9.

Zitat von chingachkook
Wichtiger als mögliche Ursachen zu erforschen, ist es, das Leiden der Alkoholiker zu lindern.
Das passt zur deutschen Gesundheitsmentalität; Behandeln ist profitabler als Prophylaxe.

So schreiben doch selber, dass Alkoholismus nicht heilbar ist. Das heißt, die einzige Möglichkeit, den Alkoholismus zu verringern ist die Entstehung zu vermeiden, und dafür ist die Erforschung der Ursachen essentiell. Zumal es Behandlungsmethoden bei Alkoholismus gibt, die auf dem Eingeständnis der Betroffenen beruhen.

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