Forum: Gesundheit
Debatte über Alkoholsucht: Eine Frage des Willens
DPA

Alkoholsucht ist eine Krankheit. Wirklich? Evolutionsforscher meinen, der Hang zur Flasche sei uns in die Wiege gelegt. Ein US-Psychologe dagegen behauptet, Sucht sei eine Folge von Willensschwäche. Der Ansatz sorgt in der Therapeutenszene für Unruhe.

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think_tank 06.06.2012, 15:35
10.

Zitat von sysop
So sind nicht nur Menschen anfällig für Alkoholsucht. Affen trinken ebenfalls. Beispiel: Makaken. Im Labor entscheiden sie sich immer für gesüßten Alkohol statt für gesüßtes Wasser, wenn man sie vor die Wahl stellt.
So what? Affen haben aber auch nur einen sehr eingeschränkten freien Willen, wenn überhaupt. Also hinkt der Vergleicht in diesem Zusammenhang.

m.E. sind Süchte keine Erkrankungen, sehr wohl aber die Krankheiten denen Süchte oft zugrunde liegen wie z.B. Angststörungen oder Depression. Aber das ist nur eine Definitionsfrage, denn auf jeden Fall brauchen die meisten Süchtigen tatsächlich Hilfe. Denn auch die Willenskraft läßt sich trainieren.

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uezegei 06.06.2012, 15:37
11. Die Politik will nicht handeln

In einer E-Mail, die ich aufgrund einer Anfrage an Herrn Ramsauer erhielt, wurde mir geantwortet, dass Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit keine unmittelbare Gefahr für andere Personen darstelle. Anders, als beim Konsum von Nikotin, bei dem die Schädlichkeit des Passivrauchens wissenschaftlich erwiesen sei, sei ein solcher Tatbestand bei Alkohol nicht gegeben.

Ich frage mich, woher dann die ganzen Opfer aus Schlägereien stammen, von denen fast täglich im Dutzend in den Medien berichtet wird.

Der Nikotinkonsum in der Öffentlichkeit wurde mittlerweile, Gott sei Dank, untersagt und die Zahl der Neueinsteiger geht Dank des fehlenden "Vorbild"-Charakters drastisch zurück.
Das Trinken und Rudelsaufen in der Öffentlichkeit und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken werden weiterhin staatlich legitimiert, Werbung wird weiterhin nicht verboten, Biergärten, Fanmeilen und andere Events dürfen weiterhin öffentlich zum Komasaufen missbraucht werden.
Es ist unverständlich, dass hier nicht endlich gehandelt wird !!

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think_tank 06.06.2012, 15:43
12. *unheilbare* Krankheit

Zitat von chingachkook
Alkoholismus ist eine unheilbare Krankheit, die körperliche, geistige und seelische Ursachen hat. Wichtiger als mögliche Ursachen zu erforschen, ist es, das Leiden der Alkoholiker zu lindern. Es gibt Wege aus der Sucht aber der Alkoholiker muss den Wunsch haben, mit dem Trinken aufzuhören. Dann hat er (oder sie) wieder eine Perspektive, nach der es sich zu streben lohnt.
Und wenn der Alkoholiker aufgehört hat zu trinken ist er dennoch nicht geheilt? Was ist an seinem Körper weiterhin krank im Vergleich zu dem Zeitpunkt bevor er mit dem Trinken angefangen hat, welche Symptome hat er?

Ich vermute eher das Gegenteil ist der Fall, ein trockener Alkoholiker hat sich eine überdurchschnittliche Willenskraft erarbeitet und ist somit mental vielleicht sogar gesünder als zuvor.

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chingachkook 06.06.2012, 15:54
13. Lindern heisst nicht behandeln

Natürlich ist Ursachenforschung wichtig aber es gibt momentan genug Leid durch Alkoholismus und das wird sich in absehbarer Zeit nur verbessern lassen, wenn man jetzt etwas tut. Prophylaxe ist sowieso der beste Weg. Ich frage mich, was das mit Gesundheitsmentalität zu tun hat?

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lupulsas 06.06.2012, 15:59
14. Sucht bricht "freien Willen"

Zitat von pric
"Für Kiefer ist es wesentlich, dass die Sucht einem Kranken gar keine richtige Wahl mehr lässt, weil dessen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt ist, verschoben in Richtung Weitertrinken." Was genau soll eine 'richtige Wahl' sein. Eine, die das subjektive Einschätzen von Möglichkeiten außen vor lässt? Die also rein objektiv getroffen wird anhand aller objektiv verfügbaren Möglichkeiten, vielleicht von einem Objekt, damit auch keine Präferenz sichtbar werden kann? Das ist einfach zu naiv.
Die Debatte ist absurd: wer "süchtig" ist, warum auch immer, hat keinen "freien" Willen mehr. Alles Andere ist Spekulation. Tatsache ist, dass in diesem Falle einzig und allein eine Substitution wirksam sein kann, gegen gravierende persönliche und soziale Folge-Erscheinigungen. Es gibt hierzu medizinische Ansätze, geblockt von der Pharma-Lobby, von der Sozial-Lobby etc. Moral: der gordische Knoten der Alkohol-Sucht, Ursache immenser volkswirtschaftlicher und sozialer Desaster, könnte therapiert werden! Wer hat ein Interesse dafür, wer verdient an der Sucht?

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peter_30201 06.06.2012, 16:01
15.

Zitat von think_tank
Und wenn der Alkoholiker aufgehört hat zu trinken ist er dennoch nicht geheilt? Was ist an seinem Körper weiterhin krank im Vergleich zu dem Zeitpunkt bevor er mit dem Trinken angefangen hat, welche Symptome hat er? Ich vermute eher das Gegenteil ist der Fall, ein trockener Alkoholiker hat sich eine überdurchschnittliche Willenskraft erarbeitet und ist somit mental vielleicht sogar gesünder als zuvor.
Der Genuss von Alkohol ist selbst in kleinen Mengen schlicht nicht mehr möglich. Die Sucht- und Entzugserscheinungen treten mehr oder minder sofort wieder auf, selbst bestimmte Aromen oder alkoholfreies (-armes) Bier können als Schlüsselreize ausreichen. So gesehen hat der trockene Alkoholiker alle Symptome des "praktizierenden" Alkoholikers, bloß unterdrückt er diese durch Vermeidung der Schlüsselreize nach schmerzhafter Entgiftung.

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m.knappe 06.06.2012, 16:24
16. Fließende Grenenzen

Zitat von vincentvega58
...die schlimmste Verharmlosung dieser "Krankheit"ist der, in der Gesellschatft übliche Begriff "Alkoholproblem".Dieser Begriff wird weder eine genetische Disposition gerecht noch einem "angeblich falschen Verhaltens".Mir ist noch nie ein Diabetiker begegnet,der von seiner Krankeit in Form eines "Zuckerproblems "sprach!
Der Weg zur Sucht ist ein schleichender Prozess.
Viele assoziieren Sucht immer mit Entzugssymptomen.
Bleiben diese aus, kann man beruhigt sein, man ist ja kein Süchtiger.
Der Konsum als solcher kann aber schon deutlich problematische Züge angenommen haben.

Von daher erreicht man meiner Meinung nach Menschen, die (noch) keine körperlichen Entzugserscheinungen zeigen eher mit Begriffen wie "Alkoholproblem"..

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A.R. 06.06.2012, 17:03
17.

Ich bin seit 7 Jahren trockener Alkoholiker und glücklich darüber.

Es ist jeden Tag ein Kampf, nicht zu einer Flasche zu greifen und manchmal fällt dies auch schwer, denn die Probleme, die ich hatte als ich soff, sind durchs trocken sein nicht weg, man nimmt sie sogar viel deutlicher wahr.

Suchterkrankungen sehe ich auch als Krankheit.
In meiner Famile wird gesoffen, und das schon über mehrere Generationen hinweg. Mir fiel dies allerdings erst richtig auf, nachdem ich mich in eine Therapie begeben habe, um aus dem Suchtkreis raus zu kommen.
Der werte Herr sollte sich einfach mal mit Betroffenen unterhalten anstatt Affen zum Koksen zu animieren.

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einzelkönig 06.06.2012, 17:10
18. Entzugssymptome...

Zitat von m.knappe
Der Weg zur Sucht ist ein schleichender Prozess. Viele assoziieren Sucht immer mit Entzugssymptomen. Bleiben diese aus, kann man beruhigt sein, man ist ja kein Süchtiger. Der Konsum als solcher kann aber schon deutlich problematische Züge angenommen haben. Von daher erreicht man meiner Meinung nach Menschen, die (noch) keine körperlichen Entzugserscheinungen zeigen eher mit Begriffen wie "Alkoholproblem"..
Entzugssymptome fangen m. E. nicht erst auf der körperlichen Ebene an, sondern bereits viel unterschwelliger, um nicht zu sagen hinterhältiger. Wer - etwa im Supermarkt - nicht am Bierregal vorbeikommt, ohne sich zu fragen, ob noch "genug" Bier im Haus ist, wer abends nochmal in's Konzert oder Theater geht, um einen Vorwand für den damit "zufällig" einhergehenden Alkoholkonsum zu haben, kurz, wer tagsüber (am Arbeitsplatz, im Studium, ...) mehr als zwei mal an Alkohol bzw. dessen Konsum denkt, legt bereits Suchtverhalten an den Tag.

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Arrakis 06.06.2012, 17:20
19. ...

Hier ein bemerkenswerter Tatsachenbericht mit fundiertem Lösungsvorschlag für alle, die glauben, das Verhältnis zum Alkohol unterliege alleine der Willenskraft: Ameisen, Olivier: "Das Ende meiner Sucht", 3. Auflage, Kunstmann (2009). Kann jemand glaubwürdiger über Alkohol, seine Folge und den Weg aus der Finsternis berichten, als ein Arzt, der diesen Weg selbst gegangen ist? Es ist bemerkswert, wie wenig bekannt die Arbeit dieses Arztes ist. Für mich hat der Mann den Nobelpreis verdient. Seine Studie würde die Menschheit von einem grausamen Problem heilen. Aber wer will das schon, wo man so bequem auf die Opfer geächteter Krankheiten herabsehen und für einen Augenblick die eigene Erbärmlichkeit übersehen kann? Kureinrichtungen und die Pharmaindustrie leben von Kranken, nicht von den Gesunden, wie Unzählige aus eigener Erfahrung bestätigen werden.

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