Forum: Gesundheit
Debatte um medizinische Versorgung: NRW-Gesundheitsminister Lauman hält Krankenhaussc
Jens Wolf / DPA

Jedes zweite Krankenhaus in Deutschland schließen - das hatte jüngst eine Studie gefordert. NRW-Gesundheitsminister Laumann signalisiert Unterstützung, von Innenminister Seehofer kommt scharfe Kritik.

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estark 20.07.2019, 11:49
40. Welcher Kommentator hat die Studie gelesen?

Und wer kennt die Versorungsrealität? Die Notaufnahmen sind wie der Name sagt, Einrichtungen die Patienten notfallmäßig aufnehmen sollen. Die Bagetellerkrankung gehört dort nicht hin, also mindestens 50 % der Patienten dort blockieren Kapazitäten für Schwerkranke. Für solche Patienten genügen rein ambulante Strukturen. Wenn in einem Landkreis mit 150 000 Einwohnern 3 Krankenhäuser existieren macht nicht mehr längst jedes der 3 alles. In der einen Stadt sollte man besser keinen Herzinfarkt, in der anderen Stadt keinen Schlaganfall bekommen. Hätte man ein Krankenhaus, könnten alle Notfälle dort behandelt werden und die Versorgungsqualität wäre denen in Ballungszentren vergleichbar. Wer gegenüber der Bevölkerung behauptet, durch die 3 Krankenhäuser sei eine gute Versorungsqualität zu erreichen belügt seine Wähler. Soweit zur Seehoferschen Gleichheit der Lebensverhältnisse. Wenn man bei Demonstrationen gegen die Schließung einer Kleinstklinik die Teilnehmer fragt, mit welchem Leiden sie dort hingehen würden bekommt man meist keine Antwort. Allenfalls fühle man sich sicherer, wenn dieses Krankenhaus das man nicht freiwillig aufsuchen würde da ist.

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kumi-ori 20.07.2019, 12:01
41.

In unserer Gesellschaft hat einfach ein Paradigmenwechsel stattgefunden. In den Siebziger-Jahren sagten die Gemeinderäte einer Stadt, wir gönnen unseren Bürgern mit unserem Etat ein schönes Krankenhaus (dazu vielleicht noch ein Gymnasium und ein Hallenbad). In dieser Zeit sprossen die vielen Kreiskrankenhäuser wie Pilze aus dem Boden. Heute denkt man einfach anders. Gesundheit muss in erster Linie billig sein. Dabei kommt es keines Wegs darauf an, dass tatsächlich insgesamt Geld eingespart wird, sondern es kommt nur auf eine günstige Verschiebung von Kostenstelle zu Kostenstelle an. Das Städtische Klinikum München hat vor einigen Jahren Hunderttausende von Euro eingespart, weil es seine Instrumentensterilisation an ein Subunternehmen ("Medizet") ausgelagert hat. Jeder hat diese gesundheitsökonomische Großtat bejubelt. Dass das Krankenhaus danach riesige Schwierigkeiten mit verdreckten OP-Werkzeugen hatte, was dann letzten Endes eine vorübergehende OP-Schließung und Kosten im hohen Millionenbereich zur Folge hatte, wird gerne verschwiegen.

Gesundheitsökonomie funktioniert so, dass Gewinne abgeschöpft und Kosten weitergereicht werden. Man kann damit reich werden und man kann Behandlungszentren an die Wand fahren. Das System zu kapieren und auf jeder Welle immer oben zu schwimmen ist heute erheblich wichtiger als fachliche Qualität.

Warum wird Ihnen als Patient im einen Haus eine innovative Therapie vorgeschlagen, im anderen Haus wird Ihnen gar nicht gesagt, dass es diese Therapie überhaupt gibt? Weil jenes zweite Haus diese Therapie aus Verwaltungsgründen nicht abrechnen darf. So einfach ist das!

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kumi-ori 20.07.2019, 12:18
42.

Zitat von estark
Und wer kennt die Versorungsrealität? Die Notaufnahmen sind wie der Name sagt, Einrichtungen die Patienten notfallmäßig aufnehmen sollen. Die Bagetellerkrankung gehört dort nicht hin, also mindestens 50 % der Patienten dort blockieren Kapazitäten für Schwerkranke. Für solche Patienten genügen rein ambulante Strukturen. Wenn in einem Landkreis mit 150 000 Einwohnern 3 Krankenhäuser existieren macht nicht mehr längst jedes der 3 alles. In der einen Stadt sollte man besser keinen Herzinfarkt, in der anderen Stadt keinen Schlaganfall bekommen. Hätte man ein Krankenhaus, könnten alle Notfälle dort behandelt werden und die Versorgungsqualität wäre denen in Ballungszentren vergleichbar. Wer gegenüber der Bevölkerung behauptet, durch die 3 Krankenhäuser sei eine gute Versorungsqualität zu erreichen belügt seine Wähler. Soweit zur Seehoferschen Gleichheit der Lebensverhältnisse. Wenn man bei Demonstrationen gegen die Schließung einer Kleinstklinik die Teilnehmer fragt, mit welchem Leiden sie dort hingehen würden bekommt man meist keine Antwort. Allenfalls fühle man sich sicherer, wenn dieses Krankenhaus das man nicht freiwillig aufsuchen würde da ist.
Haben Sie mal einen Erziehungsratgeber für Erstgebärende (wie sie auch von Wochenstationen und Kinderärzten gerne verteilt werden) gelesen? Da lernen Sie: Kind hat Fieber -> sofort in die Notaufnahme! Kind erbricht -> sofort in die Notaufnahme! Kind hat Dünnsch...-> Ab in die Notaufnahme! Der Grund dafür ist einfach. Die Autoren dieser Lebenshilfe wollen auf keinen Fall das Haftungsrisiko für jene ganz wenigen Fälle eingehen, in denen es doch mal zu Verschlimmerungen kommen könnte. Deshalb wird Ihnen jeder Profi zur größtmöglichen Eskalation raten, um selber aus dem Schneider zu sein.

Wenn Sie als Dispatch bei der Rettungsleitstelle im Laufe Ihres Berufslebens Zehntausenden von Patienten zu einem mäßigeren Vorgehen raten, haben Sie 9.999 mal Recht und einmal haben Sie den falschen Rat gegeben. Und dann sind Sie dran. Das wird Ihnen das Genick brechen. Würden Sie dieses Risiko eingehen?

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estark 20.07.2019, 12:24
43. 60 Minuten sind länger.

Zitat von einfach ne Meinung
wenn es darum geht, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu überleben oder die Folgen von Beginn an zu minimieren. Und wer den Zuzug in die Städte abbremsen will, muss für schnell erreichbare Versorgung auch auf dem Lande sorgen. Allerdings sind die Kranlenhäuser auch überlastet mit Leuten, die mit vielleicht schmerzhaften, aber nicht bedrohlichen Erkrankungen/Unfällen in die Notaufnahme kommen. Da brauchen wir 24/7 Behandlungszentren, die sich um diese Fälle kümmern.
Wer aktuell in ein Krankenhaus kommt, das diese Krankheiten nicht angemessen behandeln kann ist frühestens nach weiteren 60 Minuten im geeigneten Krankenhaus. Die Studie sagt, jedes Krankenhaus muss künftig Herzinfarkte und Schlaganfälle auf hohem Niveau behandeln können. Aktuell sind Krankenhausstanorte nicht geplant und orientieren sich nicht an Fahrzeiten, sondern an Kreisgrenzen die zum Teil zu Zeiten Napoleons enstanden sind. Die Studie ist ein Denkanstoß für sinnvolle Planung von Krankenhäusern. Ob dies in unserer politischen Landschaft möglich ist wage ich zu bezweifeln. Da müsste ein Landrat möglicherweise eingestehen, dass ein Krankenhaus im Nachbarkreis besser plaziert wäre. Ist der Landrat dort in einer anderen Partei, ist dies aussichtslos.

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damianschnelle 20.07.2019, 13:16
44. Das

Das Problem ist, dass hier wieder einmal Äpfel mit Birnen verglichen werden. Ballungsräume und der ländliche Raum haben mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Beispiel: Wenn bei uns das nächstgelegene Krankenhaus geschlossen wird, ist kein KH mehr in 30 Minuten zu erreichen. Wenn dann auch noch die nächstgelegenen KH geschlossen werden braucht man schon über eine Stunde.

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krisensitzung 20.07.2019, 17:52
45.

Vielleicht sollte man mal die Situation in Krankenhäusern und deren Rahmenbedingungen verbessern inklusive einer vernünftigen Qualitätssicherung. Ich verweigere seit Jahren jegliche Krankenhausbehandlung. Bin von den Drittweltzuständen in den mir bekannten Kliniken restlos bedient. Infektionen mit Krankenhauskeimen sind bei immungeschwächten Personen an der Tagesordnung. Wartezeiten in Notaufnahme eine Katastrophe. Diese wiederum gleichen eher Flüchtlingslagern als Wartezimmern, der Ton sowohl von Personal als auch Patienten ist rau. Auf Station dauerte es das letzte Mal, als ich dieses KH besuchte, bis zum zweiten Tag, bis endlich ein Arzt nach mir schaute. Die Anamnese hat eine Medizinstudentin gemacht. Gequalmt wurde, dass die Schwaden durch alle Zimmer zogen, die Schwestern unterbanden das nicht, hatten wohl längst resigniert. Auch ließen sie die Zimmertüren stets weit aufstehen, so dass ich raus aus dem Bett musste, um diese immer wieder zu schließen, obwohl es mir schlecht ging. Mein Nachtschrank, angeblich sterilisiert, überraschte mich mit einer braunen Brühe im unteren Fach, von der ich lieber nicht wissen wollte, worum es sich handelte. Im Zimmer gegenüber war ein Isolierpatient untergebracht, also ansteckend, mit deutlichen Verhaltensanweisungen für das Personal (Schutzkleidung usw) an der Tür. Dann kam die Putzfrau durchgewischt von Zimmer zu Zimmer und feudelte unverdrossen und ungeschützt mit der gleichen Brühe durch alle Zimmer. Ich ergriff die Flucht am dritten Tag. Seit 1,5 Jahren schiebe ich nun eine Bronchoskopie vor mir her. Als mein Sohn letztens vom Hausarzt eingewiesen wurde, nahm er noch im Wartebereich Reißaus und ward nicht mehr gesehen. Er suchte dann ein anderes KH auf. Sagte später, er hätte Angst um seine körperliche Unversehrtheit gehabt angesichts der Zustände. Genau dieses KH war noch vor 30, 40 Jahren ein renommiertes Haus mit bestem Ruf....

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judas-adolf 20.07.2019, 21:03
46. Fast richtig

Natürlich muss die Versorgung in weniger dicht besiedelten Gebieten gewährleistet bleiben. Daher sollte gut überlegt werden, welche Kliniken geschlossen werden. Dennoch gibt es einfach zu viele kleine Klitschen, die unterirdische Qualität liefern, weil Personal und, mangels Masse bestimmter Fälle, auch das Know-how fehlt. Es ist absolut sinnvoll, dort wo die Anfahrtszeit eben nicht 1 Stunde beträgt, sprich in größeren Städten und Ballungszentren, Kliniken zusammenzulegen und Ressourcen zu bündeln. Tatsächlich ist es in der Realität eben nicht so, dass Patienten verlegt werden, wenn die Klinik nicht die entsprechenden Fallzahlen zur Behandlung oder Operation bestimmter Erkrankungen erreicht. Da spielen finanzielle und persönliche Interessen (Ego des Arztes) eine absolut übergeordnete Rolle. Das ist in dem Krankenhaus, in dem ich als Therapeutin arbeite, so und wird höchstwahrscheinlich fast überall ähnlich sein.

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wuppty 21.07.2019, 07:57
47. Theoretisch gut, praktisch schwierig....

Ich denke, dass es sich hier eher um einen"Expertenmeinung" statt Studie handelt. Für nicht Notfälle und Elektive (planbare) Patienten mag das mit Schwerpunktzentren stimmen. Aber was ist mit der Grundversorgung? Telemedizin? Ohne Breitband ist die Bildübermittlung jetzt schon mäßig und übers Internet wird ihnen niemand die Platzwunde versorgen oder den gebrochenen Arm richten.
Die die darüber entscheiden sind besser betuchten, die alle privat versichert sind und nicht 2h in der Notaufnahme warten müssen. Die "Oma" aus dem Heim (ohne Angehörige) wird von der Krankenhausausdünnung nicht profitieren. Und wer eine Fusion von 2 Krankenhäuser miterlebt hat, weiss wie schwierig z.T. eine zusammenarbeiten (nach der Fusion) sein kann.
Es ist genug Geld im Gesundheitswesen, es ist nur schlecht verteilt. Abschaffen der Erstattung für Homöopathie (ist vielleicht sinnvoll) wird aber politisch aufgebauscht! Die 10 Mio. Euro für Homöopathie sind im Vergleich zum Gesamtbudget eher ein Tropfen auf den heissen Stein.
Ihr wollt mehr Pfleger. Dann bezahlt diese Arbeit gerechter und spart am Verwaltungswasserkopf ( KV,Krankenkassen)

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K:F 21.07.2019, 09:18
48. Bayern tickt wie immer anders

Die Bertelsmannstiftung gibt die Empfehlung, Krankenhäuser zu schließen und Wissen zu bündeln. In NRW ist sicherlich eine hohe Dichte an Krankkenhäusern, die mag es im ländlichen Bayern nicht geben. Deswegen sollte man sich die deutsche Krankenhausstruktur, wertfrei und politikfrei, anschauen und überflüssige Krankenhäuser schließen. Das freut nicht den Klinikdirektor aber wohl der Bevölkerung.

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stefan_bodenburg 21.07.2019, 13:07
49. Typisch CDU/Deutschland

Nur zwei Worte: Einfach ekelhaft!

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