Forum: Gesundheit
Depressionen nach der Geburt: Wenn das Babyglück zum Albtraum wird
Corbis

Etwa jede zehnte Frau leidet nach der Geburt ihres Kindes an Depressionen. Schnelle Hilfe ist dann entscheidend. Doch die Krankheit wird häufig erst gar nicht erkannt - oder klein geredet.

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indra.simhan 30.09.2015, 13:18
1. Wichtig, auch die Mutterrolle und die Interaktion mit in die Behandlung einzubeziehen

Ich arbeite in Norwegen in einer Säuglings- und Kleinkindambulanz, zu der auch Mütter mit postpartaler Depression überwiesen werden. Wir nehmen darüber hinaus auch Frauen auf, die bereits pränatal psychische Probleme haben. In der Behandlung arbeiten wir zusammen mit der Psychiatrischen Klinik, aber setzen den Fokus auf die Psychologie desMutterwerdens/-seins, die bindungsentwicklung und die Interaktion mit dem Kind. Wir arbeiten viel mit Video-Feedback (u.a. Marte Meo) und erleben diese Behandlungsstrategie als ganz wesentlich. Viele Mütter werden aus ihrer Depressivität geradezu "geweckt", wenn sie sehen, dass sie trotz ihrer Niedergeschlagenheit und erlebten Gleichgültigkeit im Kontakt mit dem Kind sind und das Kind deutlich zeigt, wie wichtig sie für es sind. Dies stärkt die mütterliche seelische Gesundheit, die Bindung zwischen Kind und Mutter und schützt vor Schäden, die das Kind sonst nehmen kann. Es ist ganz wichtig, dass frischgebackene Mütter mit postpartaler Depression "erkannt" werden und Hilfe bekommen!

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lupidus 30.09.2015, 13:31
2.

Zitat von indra.simhan
Ich arbeite in Norwegen in einer Säuglings- und Kleinkindambulanz, zu der auch Mütter mit postpartaler Depression überwiesen werden...
spielt der vater auch irgendeine rolle dabei ? oder nur chauffeur ?

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indra.simhan 30.09.2015, 14:07
3.

Zitat von lupidus
spielt der vater auch irgendeine rolle dabei ?
Der Vater spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle als Vater des Kindes und als Partner der Mutter (wenn das Paar zusammenlebt). In schweren Fällen, wenn die Mutter (teilw. über Wochen) stationär aufgenommen wird, übernimmt der Vater die Rolle als Hauptsorgender, dabei kann er von uns auch begleitet werden. Nicht selten benötigt das Paar auch Unterstützung dabei, miteinander umzugehen, zum Beispiel wenn die Mutter eine wiederkehrende oder chronische psychische Problematik hat. Umgekehrt kann es für die Väter schwer sein, die Traurigkeit der Mutter zu sehen, wenn sie selbst als frsichgebackene Väter an einem ganz anderen Punkt stehen.

Ich habe die Frage jetzt mal ganz wörtlich genommen und nicht auf etwaige Implikationen geantwortet. Mir gefallen Spaltungen nicht, weder in der Fachwelt noch im "Elternlager". Familien sind komplex, und Väter haben meiner Erfahrung nach eine ebenso wichtige Funktion wie Mütter.

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kreeweible 30.09.2015, 14:45
4. Broschüre: Depression nach der Geburt

Da gibt es eine Broschüre zum Thema, die in Zusammenarbeit mit Schatten & Licht e.V. erstellt wurde:
http://www.tk.de/tk/617580

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sumse123 30.09.2015, 15:02
5. Vielen Dank

Zitat von indra.simhan
Der Vater spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle als Vater des Kindes und als Partner der Mutter (wenn das Paar zusammenlebt). In schweren Fällen, wenn die Mutter (teilw. über Wochen) stationär aufgenommen wird, übernimmt der .....
für Ihre zwei grossartigen Kommentare! Ich kann Ihnen in allem nur allumfänglich zustimmen - als ehemals Betroffene sowie als SPON-Foristin.
Sie haben einen sehr anspruchsvollen Beruf, der unschätzbar wertvoll ist! Weiter so!

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Wheredoyouwanttogotoday? 30.09.2015, 15:35
6. Regretting Motherhood

Ich staune, dass es überhaupt glückliche Mütter geben soll. In meinem Umfeld traf die (westdeutsche) Realität diejenigen, die sich nie mit Feminismus und Patriachat beschäftigt haben, wie ein Schock. Anfangs fanden alle das Baby süß und man sah sich noch auf Besuchen, dann hörte alles auf. Keine Arbeit, keine Ausflüge, keine Freizeit, keine Hobbies mehr, das Ende des gesellschaftlichen Lebens für die Mutter. Die Väter hingegen machten weiter, wie bisher, gingen eher mehr weg, arbeiteten länger.

Die größte Enttäuschung waren laut einer Freundin die anderen Frauen, Mütter, Tanten, denen sie vorwarf, sie nicht gewarnt zu haben, wie eintönig und isoliert das Leben als Mutter ist und die trotzdem von ihr auch ein solches erwarteten.

Eine Freundin besuchte mich erst 3 Jahre nach der Geburt, wirkte erst rosig glücklich und weinte nach der ersten Flasche Wein nur noch über die verlogene Gesellschaft. Sie fühlte sich wie eine Gefangene, die auch noch glücklich zu sein hatte. Nach drei Jahren fand der Mann sich erstmals in der Lage, auf das Kind aufzupassen. Dann stellte sich heraus, dass doch noch seine Eltern angereist waren, weil ein Kumpel eine Radtour vorgeschlagen hatte.

Ich habe darum keine Kinder bekommen. Hätte ich eher "Ostfrauen" und -väter und deren Familien- und Arbeitsleben kennen gelernt, hätte ich auch positive Beispiele gehabt.

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derblaueplanet 30.09.2015, 15:44
7. Schade

daß nichts über die tieferen Ursachen dieser Erkrankung gesagt wird.

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lisa76 30.09.2015, 17:12
8. wheredoyouwanttogototday

Und wegen einem negativem Beispiel haben sie jetzt keine Kinder bekommen??? Nicht ihr Ernst, oder?

Dann berichte ich mal: zweijährige Tochter. Seitdem sie abgestillt war mit 6,5 Monaten ging ich abends wieder weg auch übers Wochenende zum Mädelswellnesswochenende. P.S. Ich gehe übrigens heute noch öfter weg als mein Partner. Habe nach einem Jahr in Teilzeit angefangen wieder zu arbeiten. treffe Freundinnen, zur Kosmetik, zum Sport etc.

Ich würde mal sagen, Augen auf bei der Partnerwahl. Für meinen Partner war es selbstverständlich sich genauso an der Erziehung, Betreuung etc. zu beteiligen und ich ein Leben neben dem Muttersein habe.

Wenn ich so ein Weichei als Partner hätte der nicht mal in der Lage ist eine Dreijährige zu betreuen wäre ich schon längst weg.

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schmuddelomma 30.09.2015, 17:13
9. Es fehlt der Hinweis,

dass die Wartezeiten für Psychotherapie i.d.R.zwischen 6 und 9 Wochen liegen,das ist für die Erkrankten und Angehörigen eine verdammt lange Zeit.

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