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Diabetes: Wenn die Seele unter der Zuckerkrankheit leidet
DPA

Diabetes betrifft nicht nur den Körper - auch die Psyche leidet oft mit. Depressionen, Ängste oder Essstörungen können die Folge sein. Längst nicht jeder Patient erhält die Hilfe, die er bräuchte.

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Pfaffenwinkel 20.11.2016, 11:47
1. Als spritzender Diabetiker

kann ich nur raten: Akzeptiert diese Krankheit. Allerdings stellte ich fest, dass meine Umwelt und Familie meinen Diabetis nicht akzeptiert - weil man mir den nicht ansieht, gelte ich oft als "gesund", was eben nicht der Fall ist.

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freddygrant 20.11.2016, 13:09
2. Eine gesunde Lebensweise ...

... mit weniger Diabetikern, Kranken und gierigen Freßsüchtigen
ist systemfremd und wirtschaftsschädigend. Dieses Rad aus
Krankenkassen, Versicherungen, Kliniken, Phamafirmen, Ärzten
Kuranstalten etc. ist schon viel zu groß um wieder zurückgedreht
werden zu können und ihre Lobby auszuschalten. Krank sein ist
manifestierter Teil unserer Gesellschaft, Wirtschaft und unseres
Lebens!

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Lykanthrop_ 20.11.2016, 13:39
3. Die Schuldfrage

Ich bin auch Typ 1 Diabetiker und für mich ist auch ein Problem der fehlenden Untersützung.
Leider ist unser System so gestrickt, je besser ein Diabetiker mit seiner Krankheit auskommt, desto mehr Unterstützung bekommt er. Denn aus Sicht der Gesellschaft ist ein Diabetiker mit schlechten Werten selbst Schuld an diesen, wobei das so einfach oft nicht ist. Diabetes ist eine weit komplexere Krankheit als gemeinhin angenommen.
So verstärken sich schlechte Werte und Depression gegenseitig.
Mehr gesellschaftliche Hilfe z.B. eine höhere Einstufung im Behindertenrecht und ein leichtere Zugang zu Erwerbsminderungsrenten würden das Problem verkleinern. Ein Diabetiker muss in die Lage versetzt werden sich gut um seine Krankheit zu kümmern. Es ist nur die Frage ob die Gesellschaft den Preis dafür zahlen will, oder am Ende es billiger ist dese Hilfe zu verweigern.
Eine Anmerkung zum Artikel, hier werden Typ 1 und Typ 2 Diabetes Medial gleich gestellt, was weder einem noch dem anderen gerecht wird. Die eine Krankheit hat mit der anderen nur ein Syptom gemein, ich wünschte SPON würde hier mehr differenzieren.

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Nutzer789 20.11.2016, 13:58
4. Typ 1 und Typ 2 bitte unterscheiden

Hallo freddygrant, was Sie schreiben ist sicherlich für Typ 2 richtig. Typ 1 ist eine Krankheit, die nicht heilbar ist, besonders nicht durch gesunde Ernährung. Gesunde Ernährung hilft, die Insulinspitzen zu vermeiden und die benötigte Insulinmenge zu senken, aber man muss immer wieder kontrollieren und nachregeln. Ohne die moderne Medizin und übrigens auf die Bakterien, die das Insulin für uns herstellen, führt Typ 1 Diabetes in kurzer Zeit zum Tod -- ohne dass man etwas machen kann. In diesem Artikel geht es um Typ 1. Dies Lebensweise mit Diabetes Typ 1 ist zwar heute viel leichter als vor 50 Jahren und die Lebenserwartung hoch, aber es ist auch anstrengend und benötigt eine hohe Disziplin. Daher von mir Hut ab an alle, die damit gut leben -- Ihr leistet jeden Tag viel Arbeit!

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Augustusrex 20.11.2016, 14:08
5. Ich lebe mit meiner Krankheit

Ich lebe mit meiner Krankheit und nicht für meine Krankheit. Als mich der Diabetes Typ 1 erwischt hat, war ich natürlich auch erst mal am Boden. Aber das nützt ja nichts. Ich habe mir den zu mir passenden Diabetologen bzw. die Diabetologin gesucht. Der erste war ein Fanatiker, da war ich sofort wieder weg. Aber bald hatte ich den Richtigen, Mittlerweile ist es die Richtige und ich bin meiner Frau Dr. R. sehr dankbar für die gute Betreuung. Gemeinsam achten wir auf eine gute Einstellung meiner Blutzuckerwerte. Die Kosten für Medikamente und Hilfsmittel trägt dank Solidargemeinschaft die GKV (bis auf die Zuzahlung natürlich). Ich könnte Rentner sein, gehe aber lieber noch arbeiten, weil das nämlich Spaß macht. Eine Einstufung als Behinderter will und brauche ich nicht. Nicht jammern sondern akzeptieren und etwas tun ist mein Rat.
Ansonsten geht es mir wie jedem Menschen so wie Wilhelm Busch das so schön beschrieben hat:
"Nun lauf' ich manchen Donnerstag
Hienieden schon herummer,
Wie ich mich drehn und wenden mag,
's ist immer der alte Kummer.
Bald klopft vor Schmerz und bald vor Lust
Das rote Ding in meiner Brust."

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cm1 20.11.2016, 14:31
6.

Ich dachte immer, dass Diabetes eine gesellschaftlich voll akzeptierte Krankheit sei, und nun lese ich, dass auch Diabetiker sich gelegentlich stigmatisiert fühlen. Depression und Diabetes sind auch in anderer Hinsicht vergleichbar, da nach heutigem Wissensstand jeweils ein Stoff verrückt spielt, in einem Fall Insulin und im anderen Fall u.a. Serotonin. Außerdem können beide tödlich verlaufen.

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sok1950 20.11.2016, 14:55
7. ich konnte die Uhr stellen, wann ich Diabetiker werden

Diabetes ist für Hämochromatose-Patienten Schicksal, genau wie Typ I oder Lada.
Fast 10 Jahre habe ich mich geweigert, das schleichende Versagen meiner Bauchspeicheldrüse behandeln zu lassen. Mein Hämochromatose-Arzt war schon richtig sauer und hat mir immer mit Nerven- und sonstigen Schäden gedroht, wenn ich den zu hohen Blutzucker nicht behandeln lasse.
Fakt ist, in den 10 Jahren, mit teilweise krass hohem Blutzucker über 14, bis hin zu Werten bis 18mmol/l ist nichts, aber gar nichts an Nerven- oder sonstigen Schäden gekommen.
Andererseits - ein Verwandter, bei dem auch Diabetes festgestellt wurde, hat seine Krankheit und die Behandlung - erst Tabletten, dann Spritzen - nur 3 Jahre überlebt. Ein Narr der Böses von unserer Medizin denkt.
Na gut, seine einzige sportl. Betätigung bestand aus dem Gassi gehen mit dem Dackel.

Bei einem Krankenhausaufenthalt - wegen einer völlig anderen Geschichte - hat mich das med. Personal ohne mich zu Fragen auf Insulin eingestellt. Ich finde es super: Das Essen im Krankenhaus kommt mit einem Beipackzettel, wo detailliert aufgeschrieben ist was man alles so bekommt, die Medikamente werden einem ohne jede Erläuterung in einer Pillendose gegeben und auch die Spritzen bekommt man ohne jede Erklärung. Hat der Arzt so angeordnet.

Nun bin ich also auf 4x Insulin am Tag.
Aber mal ehrlich. Das nervt, man ist eingeschränkt, der Zeitaufwand mit Messen, Spritzen und das richtige Timing ist doch auch erheblich. Hinzu kommt regelmäßiger Sport (2x am Tag). Das alles kostet Zeit.

Aber deshalb nun einen Psychotherapeuten zu bemühen, das ist mir zu hoch.
Selbst meine Enkelkinder (7/4) sind fasziniert, wenn ich mich zum Blutzuckermessen pikse. Für den Großen ist das Spritzen danach jedoch uninteressant - da kommt ja kein Blut, das kann nicht so schlimm sein.
RECHT HAT ER.

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Augustusrex 20.11.2016, 15:30
8. Nein, ist nicht anerkannt

Zitat von cm1
Ich dachte immer, dass Diabetes eine gesellschaftlich voll akzeptierte Krankheit sei, und nun lese ich, dass auch Diabetiker sich gelegentlich stigmatisiert fühlen. Depression und Diabetes sind auch in anderer Hinsicht vergleichbar, da nach heutigem Wissensstand jeweils ein Stoff verrückt spielt, in einem Fall Insulin und im anderen Fall u.a. Serotonin. Außerdem können beide tödlich verlaufen.
Diabetiker wird gleichgesetzt mit Faulheit, Übergewicht, Fresssucht und mangelnder Selbstkontrolle. Zumindest der Typ 1 Diabetiker kann aber absolut nichts für seine Erkrankung. Das ist eine Autoimmunkrankheit wie z.B. Rheuma auch. Sie brauchen sich nur das posting von freddygrant anzusehen, dann wissen Sie, wie viele denken.

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freddykrüger 20.11.2016, 15:48
9. @sok1950

oje, einiges von dem kommt mir bekannt vor. 2004 wurdeTyp2 bei mir diagnostiziert, anfangs wurde die Diabetis von mir nicht akzeptiert. Ich weiß auch nicht wie lange ich vor der Diagnose schon erkrankt war. Hatte mich vorher schon gewundert das ich einen permanenten starken Durst hatte, starke Schmerzen in den Endgliedern und ständig Müde war. Paradox, nach dem Befund hatte ich einen Heißhunger auf Süßes. Inzwischen hatte ich bereits einen leichten Schlaganfall und bin an einer schweren diabetischen Retinopathie erkrankt. Wurde vor 3 Wochen zum letztenmal mit Lucentis behandelt. Spritze direkt mitten ins Auge. Tut nicht weh aber unangenehm. Meine Sehkraft sank zwischenzeitlich auf 30%. Die Prognose war zum Glück sehr positiv. Mittlerweile habe ich meine alte Sehstärke zurück und benötige noch nicht einmal mehr eine Brille. Anfang Dezember ist die abschließende Farbstoffuntersuchung. Dann wird sich zeigen ob ich noch gespritzt und gelasert werden muß. Ich denke mal das die wenigsten Betroffenen, so wie ich, sich Gedanken über die Folgen und Kosequenzen machen.

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