Forum: Gesundheit
Diabetes: Wenn Kinder messen und spritzen müssen
DPA

Für Kinder mit Typ-1-Diabetes gehören Blutzuckermessen und Insulinspritzen zum Alltag. Kindergärten und Schulen sind mit der Betreuung oft überfordert. Dabei sind viele Ängste unbegründet.

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Babsi03 31.10.2014, 15:41
1. Wtf...

Wieso soll das Kind denn bitte nicht auf ne normale Grundschule?
Klar sollten die Lehrkräfte aufgeklärt sein, aber ein 6 - jähriges Kind kann das während des Schulunterrichts sehr wohl händeln, wenn es gut geschult ist. Wieso unterschätzen Erwachsene eigentlich immer die Kinder?
Achja, auch im akuten Notfall ist das Kind nicht dem Tod geweiht oder so...
Der Blutzuckerspiegel geht nicht von jetzt auf gleich in lebensgefährliche Höhen und bei einer extremen Hypo gibt's Notfallsets, die können sogar meine Kinder mir spritzen...

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9813205girxjmyyga 31.10.2014, 16:05
2. Verantwortung & Haftung

Natürlich kann ein Diabetes-Typ1-Kind eine normale Regelschule besuchen!Doch kann ich die Sorge von Lehrern und Schule nachvollziehen,die Verantwortung dafür zu übernehmen,daß dem Kind auch ja nichts "passiert".Können sie denn sicher sein,daß sie tatsächlich nicht verklagt werden,wenn es zu einer Unter-/Überzuckerung kommt,weil sie vermeintlich vielleicht nicht aufgepasst haben,daß das Kind in der Pause nicht den Zuckerriegel vom Klassenkamerad gegessen hat oder im Sportunterricht zu schnell/lange gelaufen ist?Selbst wenn am Ende nichts dabei rauskommt:alleine Vorwürfe und schriftliche Stellungnahmen sind uns Lehrern vielfältig bekannt und verhasst,warum also ein zusätzliches Risiko eingehen?Es ist absoluter Schwachsinn,daß ein Diabetes-Typ1-Kind ggf. permanent von einem Pflegedienst begleitet werden müßte,weil ein gut geschultes DT1-Kind 99.99% aller Situationen alleine beherrscht.Aber wenn unsere shithstorm- und skandalträchtige, immer nach einem "Schuldigen" suchende Gesellschaft das so will ...

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iffel1 31.10.2014, 16:44
3. Vor 45 Jahren war das auch kein Problem - wieso heute ?

Damals wurde bei mir in der 5.Klasse Typ1 diagnostiziert und mit den damaligen Hilfsmitteln war das auch kein Problem. Heute können Kinder in diesem Alter problemlos ihren Blutzucker kontrollieren (gab es damals nicht) und es gibt CGM-Geräte, die laufend die Werte online an einen kleinen Empfänger senden. Gymnasium und Ausbildung waren damals schon kein Problem, das wird heute - trotz zahlreicher Hilfsmittel - hoch gespielt. Mein Rat aus eigener Erfahrung: auch Klassenfahrten sind kein Problem, also Schule, Studium, Ausbildung, das geht heute einfacher denn je. Liebe Lehrer, keine Sorge, wenn der Staat nicht wieder alles reglementiert, werden Typ1-Kinder jedem Unterricht normal folgen können - egal ob Sport, oder Chemie ;o)

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Soletan 31.10.2014, 16:44
4. Pädagogen ohne Ideologie ...

... gibt es an deutschen Schulen zur Genüge. Im Fall unseres Sohnes, der Typ 1 Diabetes seit seinem 14. Lebensmonat hat und inzwischen 10 Jahre ist und kein Anspruch auf irgendeine Hilfe mehr hat, empfahlen sogar die Ärzte den Besuch einer Sonderschule, weil man dort seinen Diabetes direkt betreuen könnte. Dass er geistig eher Klassenprimus ist und alle stoffwechselgesunden Kinder eher den Gang zur Sonderschule bräuchten als er zeigt dann nur, wie wenig es Schulen um pädadogische Kompetenzen geht, sondern nur um Arbeitserleichterung. Kontaktscheu mit der Krankheit gehört dazu, aber auch der mangelnde Wille, sich auf solche Grenzfälle einzustellen. Rollstuhlkinder durch Anbau einer zig Tausende Euro kostenden Schulausstattung zu integrieren oder Kinder mit Down-Syndrom bis zur 10. Klasse ohne Benotung durchzuschleifen, weil die Eltern es wünschen ... das kann unser System. Doch Menschen mit so unscheinbarer Beeinträchtigung wie Diabetes will keiner haben ... entweder liegen die bewusstlos am Boden und man muss vom knappen Personal Leute für die Betreuung abstellen oder sie sehen so normal aus, dass man nicht mal ein Fotos machen kann, dass die soziale Ader des Schulleiters medienwirksam dokumentiert. Wenn die doch wenigstens dümmlich schauen könnten, wäre vermutlich vieles leichter zu organisieren ...

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Soletan 31.10.2014, 16:46
5. Richtige Schulung?

Sowohl mir als Typ1-Diabetiker als auch meinem Sohn wurde immer eingetrichtert, dass man die Fingerkuppe seitlich anstechen soll, weil die dauerhaften Einstiche so nicht die Sensibilität der Fingerspitzen beeinträchtigt. Offenbar ist die Info im fotografierten Fall nicht vermittelt worden oder gar angekommen ...

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9813205girxjmyyga 31.10.2014, 17:01
6. @ Soletan

Es geht nicht um "blöde" Lehrer oder Ärzte!Es sind die "blöden Verhältnisse",die dafür sorgen,daß niemand mehr bereit ist,Verantwortung zu übernehmen.Warum soll ich als Lehrer den Kopf dafür hinhalten,damit Eltern mich beschimpfen und verantwortlich machen können,wenn der Blutzuckerspiegel ihres hochintelligenten Kindes suboptimal ist?Wenn bereits die Kniewunde eines Schüler,während der großen Pause entstanden,zu einer "kritischen Anfrage" führt,warum soll ich mir ein Diabetes-Kind "antun"?

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cherubium 31.10.2014, 17:53
7. #neuland

Man mag es kaum glauben, aber Diabetes ist nun mal Neuland.
Kaum jemand kennt sich mit Diabetes aus, selbst viele Diabetiker nicht, ja selbst Ärzte und Krankenschwestern haben keinen blassen Dunst, wie man mit Diabetikern umzugehen hat.
Von der Öffentlichkeit ganz zu schweigen. Dort werden Diabetiker, die sich messen und Spritzen und dümmer beäugt als wenn eine Frau Ihre Brust hervorholen würde, um Ihr Kind zu säugen.
Diabetes ist für alle ein Begriff, aber fast niemand kennt sich damit aus.
Das Otto-Normal-Verbraucher wenig Ahnung davon hat, will ich noch mal hinnehmen. Aber Menschen, die für andere Menschen da sind, alles von Lehrer und Pädagogen, über Kinderbetreuer bis hin zu Ärzten erwarte ich, dass die mehr wissen und wie mit Diabetes umgegangen wird.

Ich selbst bin, Gott sei Dank, kein Diabetiker. Aber ein Freund wurde vor 2 Jahren über Nacht zum Diabetiker (ja sowas ist möglich und akut lebensgefährlich). Seit dem beschäftige ich mich damit und bin jedes mal wieder schockiert darüber, wie oft man sich als Diabetiker erklären muss.
Die Bar verwechselt Cola mit Zuckerfreier Cola und beschwert sich, dass man den Cocktail zurück gibt.
Der Türsteher durchsucht die Taschen und muss erklärt bekommen, dass die Pens keine Drogen beinhalten und die Cornies in der Tasche als Notfallration mitgeführt werden.
Das sind nur zwei Beispiele, es gibt noch sehr viel mehr Situationen, die ich in den vergangen zwei Jahren erleben musste. Und ich finde diese Unwissenheit und Dummheit unter aller Kanone.

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9813205girxjmyyga 31.10.2014, 18:12
8. @ cherubium

Genau das mein(t)e ich...praktisch täglich darf ich lesen,daß alle Ärzte und Lehrer zu blöd sind,um mit dem normalen Alltag fertig zu werden.Dann werden irgendwelche Einzelbeispiele angeführt von Bekannten und Freunden,die beweisen sollen,wie doof doch alle sind,die doch eigentlich nichts anderes machen,als jeden Tag Kinder zu unterrichten bzw. Diabetiker zu behandeln.Dieses ständige Bashing verschiedener Berufsgruppen (und Ärzte und Lehrer stehen da ja neben den Beamten ganz oben an der Spitze) führt eben dazu,daß das Engagement und die Motivation,sich über "Dienst nach Vorschrift" einzusetzen,allmählich schwindet ...

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Besboschnik 31.10.2014, 18:55
9.

Ich hab selbst Diabetes seitdem ich 3 Jahre alt bin. Meine Eltern haben mich sehr früh dazu erzogen, dass das meine Krankheit ist und ich selbst dafür verantwortlich bin (mit aller Unterstützung, die ein Kind bis zu einem gewissen Alter braucht, selbstverständlich). Ich hab eine normale Grundschule besucht, danach eine Ganztagssgymnasium. Dort wussten die Lehrer und natürlich meine Freunde Bescheid über meine "Fixgewohnheiten". Probleme gab es in keinster Weise. Selbst relativ schwere Unterzuckerungen auf Klassenfahrten - kein Ding. Versteh nicht ganz, wo das Problemliegen soll. Unterstützung und Kurse für Lehrkräfte und Kindergärtnerinnen? Bei allem Verständnis, aber Diabetiker sitzen (meistens) nicht im Rollstuhl, können sich den Hintern selbst abwischen und sind nicht geistig behindert. Oder sind Kids mit Diabetes inzwischen so viel unselbständiger??

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