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Ein rätselhafter Patient: Lebensgefahr auf dem OP-Tisch
Tom Merton/ Hoxton/ Getty Images

Als Chirurgen einen Mann mit gebrochenem Kiefer operieren, scheint 30 Minuten alles normal. Dann schlägt der Narkosearzt plötzlich Alarm. Das Leben des Patienten ist in Gefahr. Was ist passiert?

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zinedine02 14.04.2019, 21:38
1. Jeder Anästhesist kennt sie...

...aber die Wenigsten werden sie je erleben! Sehr sehr sehr selten....

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gasdok68 14.04.2019, 21:50
2. Seltsame narkoseführung

Warum zwei Relaxantien mit Rocuronium und Succinyl verwendet werden, erschließt sich mir aber nicht. Und warum wird eine „Maske“ verwendet, wenn der Patient für den Eingriff sowieso schon intubiert wurde? Den Sauerstoff erhält er sicherer über einen Tubus als eine Maske.

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gasdok68 14.04.2019, 22:04
3. Narkosetechnik

Warum zwei relaxantien benutzt werden erschließt sich mir nicht und warum der bereits intubierte patient bei erkennen der mh eine Maske zur Sauerstoffgabe erhält? Klingt nach schlampiger Übersetzung.

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cj22 14.04.2019, 23:01
4. @gasdok86

macht durchaus Sinn das 2 Relaxantien benutzt benutzt werden Succi zur Einleitung und Intubationen und Rocuronium zur Aufrechterhaltung während der OP zudem sorgt die parallele Gabe der beiden Mittel dafür dass das Muskelzucken durch Succi ausbleibt und der Patient nach der OP keine Schmerzen aufgrund dieser Muskelzuckungen hat, welche durchaus mehrere Tage bestehen bleiben können

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Narkose101 15.04.2019, 02:10
5. Details der Narkosefuehrung.

Der verlinkte Volltext des case reports beschreibt "rocuronium, 5 mg IV; and succinylcholine, 120 mg IV." Rocuronium in dieser geringen Dosis ist vermutlich gegeben worden um die Fasziculation durch Succinylcholin zu verringern.
Der Patient wurde manuell beatmet während die Schläuche des Narkosegeraetes ausgetauscht wurden. "While the surgical team was closing, the anesthesiologist exchanged the tubing for the anesthesia circuit and the patient was hyperventilated with a bag valve mask."
Der Begriff 'bag valve mask' wird im englischen Sprachraum benutzt, auch wenn keine Maske verwendet wird, sondern der Beatmungsbeutel mit einem Endotrachealtubus verwendet wird (so wie in diesem Fall).

Ich bin ueberrascht, dass ein MH case report wie dieser überhaupt publiziert wird. Dass er in einer chirurgischen Zeitschrift erschienen ist, ist bezeichnend. In dem beschriebenen Fall gibt es nichts was nicht auch in einem Anästhesie-Lehrbuch nachzulesen wäre.

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Seokguram 15.04.2019, 03:58
6.

Präkurarisierung - das hat nichts mit seltsamer Narkoseführung zu tun!
Was die ominöse Maske angeht, ist das sicherlich ein Übersetzungsfehler.

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Seokguram 15.04.2019, 04:06
7.

Einfach mal Originalartikel lesen: "bag valve mask", sprich AmbuBeutel. Was ja durchaus Sinn ergibt, um den Patienten von der Maschine und damit dem Rest-Narkosegas zu trennen. Die haben dann weitergebeutelt, bis er auf der ITS war. Insofern sinnvolles Vorgehen: sowohl bei der Relaxansgabe, als auch der Beutelbeatmung. Es ist im Artikel oben nur etwas unglücklich formuliert.

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murksdoc 15.04.2019, 06:52
8. Warum einfach?

Alle Autoren des Original-Artikels sind Mund- Kiefer und Gesichtschirurgen, was erklärt, das noch im fortgeschrittenen Stadium der Komplikation mehr über den Durchmesser und die Länge der Schrauben geschrieben wird, als über die Maßnahmen, die Komplikation zu beherrschen. Warum der Anästhesist nicht gefragt wurde (zumindest ist er nicht als Co-Author erwähnt) hätte ich im Review des Artikels mit Sicherheit bemängelt. Aus diesem Grund scheinen sie den "Endotrachealtubus" ("endotracheal tube", den Beatmungsschlauch in der Luftröhre des Patienten) mit den "tubings", den Schläuchen des Beatmungsgerätes, verwechselt zu haben. Als diese nämlich gewechselt wurden, weil sie Reste des Triggers, des volatilen Anästhetikums Desflurane, enthalten, so wie es empfohlen ist (zusätzlich muss der Atemkalk in Rückatmungssystemen gewechselt werden oder besser: das gesamte Narkosegerät samt Schläuchen und Kalk, darüber schweigen sich die Autoren aber aus) haben sie sich wahrscheinlich gefragt, wie der Patient dann beatmet wurde, und sind auf eine "Bag Valve Mask" gekommen, einen Ambubeutel mit Maske, was laut ihrer eigenen Timeline aber garnicht geht, weil sie zu dieser Zeit noch dabei waren, die Kieferfraktur zu versorgen, welches bekanntlich in dem Gebiet liegt, in dem man Patienten über Masken beatmet, wenn man das will. Zur Maskenbeatmung hätte man den Patienten, dessen Luftröhre laut den Autoren einen Endotrachealtubus enthält, auch extubieren müssen, was mit der Information, "der Patient wäre einen Tag später auf der Intensivstation extubiert worden", nicht kompatibel ist. Vermutlich wurde der Patient während des Wechsels der Beatmungsschläuche am Gerät über einen Beatmungsbeutel, angeschlossen am Endotrachealtubus, beatmet. Hätten sie den Anästhesisten gefragt, hätten sie auch nicht geschrieben, die "Flow Rate" (Flussrate) des Anästhetikums wäre auf 5,5% erhöht worden. Das ist die inspiratorische (Einatmungs-)-Konzentration des Narkosemittels, über die die Narkosetiefe gesteuert wird. In ihren Abbildungen hätten sie auch kein "Et CO2 bis 109 mmHg" angegeben. Die "Endtidal" (Et) Konzentration von CO2 wird in Prozent gemessen und auf die arterielle CO2-Konzentration (normal 40mmHg, hier bis 109 mmHg) umgerechnet. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, diese Werte direkt im Blut über einen arteriellen Zugang zu messen. Was die Verwendung zweier Muskelrelaxantien betrifft: Rocuronium, welches eigentlich eingeführt wurde, um das nebenwirkungsreiche (und am stärksten MH-triggernde depolarisiernde Relaxans Succinylcholin zu ersetzen) wurde hier zur Präcurarisierung eingesetzt. Auf Deutsch: das Teuerste, Beste und Modernste wurde hier angeblich benutzt, ein paar Nebenwirkungen des Billigsten, Ältesten und Schlechtesten zu blockieren. Kann man machen. Muss man aber nicht. Die Triggerung der MH kann dadurch natürlich nicht verhindert werden. Hätte man NUR Rocuronium benutzt, wäre zumindest einer der stärksten Trigger überhaupt ausgefallen. https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/med.neuromusk/Verschiedenes/MH-Broschüre_V.16_10.02.2016_final_V2.pdf

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Rassek 15.04.2019, 11:27
9. Leider

Nicht so neu. Ich könnte Frau Weber da auch eine Geschichte, die mehrmals passierte, erzählen:
Trotz Hinweise des Patienten, mehrmals und in schriftlicher Form, wurden Medikamente verabreicht, die bei bestehender Myasthenia Gravis absolute Kontraindikation haben. Z.b. Baclofen etc.
Die Narkoseärzte machen gern was sie wollen.
Da der Patient gottlob nur eine leichte MG hat, überlebte er.

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