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Eltern mit Depressionen: Wenn Kinder die Rolle von Vater oder Mutter übernehmen müsse
Kniel Synnatzschke/ Westend61/ Getty Images

Kinder depressiver Eltern fühlen sich oft schuldig - manche leiden bis ins Erwachsenenalter. Teenagerin Katja hat ihrem Vater nach seinem Suizidversuch Briefe geschrieben und so ihre Gefühle verarbeitet.

ich61 03.10.2019, 16:44
1. Depression

Auch ich seit Jahren in Behandlung wegen Depressionen. Mein Vater war Alkoholiker, meine Mutter hat immer gearbeitet. Ich übernahm die Rolle der Mutter, kochte für die Familie kümmerte mich um den betrunkenen Vater. Erst im Alter wurde mir gesagt ich sei depressiv. Ich selbst hab das immer alles für normal gehalten. Keine Freunde sich immer um die Familie kümmern ich kannte ja nichts anderes.Nur wenn man jemanden sagt dass man Depressiv ist ist das ein Stigma . Alle glauben dass man den ganzen Tag irgend welche Pillen schluckt das man mit seinem Leben nicht zurechtkommt. Doch das stimmt nicht. ich nehme keine Pillen bin 58 hab zwei wunderbare Söhne.
Nur in der Nacht wenn alles Ruhig ist dann kommen meine Probleme zu Tage. Ich bin jedoch dankbar meinem Therapeuten und ich habe viel
gelernt.

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franxinatra 03.10.2019, 17:21
2. Es scheint heutzutage ein allgemein reiferer Umgang mit den Erkrankten

eingekehrt zu sein, das ist ein wenig beruhigend.

Für mich war es normal der Tröster meiner Mutter zu sein, in den 70ern. Die Wechselwirkung auf meines schulischen und beruflichen Werdegänge begriff ich erst fiel später, und nach Irrfahrten durch die unterschiedlichsten therapeutischen Qualitätsstufen, bis hin zu einer Psycho-Sekte. Bis dahin sah ich die Schuld an allem in mir.

Nun, bald 60, kehrt ein angenehmer Friede ein. Auch, weil meine Mutter inzwischen verstorben ist: bis zuletzt war sie so auf ihre Unheilbarkeit fixiert, dass ihr nur noch Alkohol 'Trost' verschaffte.

Wie gesagt, gegenwärtig schein ein offenerer Umgang mit der Problematik möglich. Das sollte unbedingt wenigstens so bleiben...

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widower+2 03.10.2019, 17:23
3. Leider!

Leider geht das nicht immer so relativ gut aus und selbst wenn die Betroffenen den Willen aufbringen, sich um eine Therapie zu bemühen oder Angehörige das tun, wird man oft vertröstet und muss monatelang warten.

Da bleibt dann manchmal nur der direkte Weg in die Klinik. Ob freiwillig oder per Zwangseinweisung. Und dort wird dann hauptsächlich und auf Teufel komm raus medikamentös therapiert. Oft ohne positive Wirkung und direkt in eine weitere Abwärtsspirale führend.

Wie das bei meiner Frau ausgegangen ist, kann man mit nur wenig Phantasie aus meinem Nick schließen.

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ellibelli65 03.10.2019, 18:31
4. Depressionen? Stigma?

Wenn es um psychische Erkrankungen geht, wird fast zu 100 % über die Depression gesprochen. Vieles, was eigentlich eine andere psych. Erkrankung ist, wird von den Betroffenen selbst und von der Außenwelt allzugern so bezeichnet, weil das Stigma, an einer Depression erkrankt zu sein, im Vergleich zu anderen Erkrankungsformen noch relativ gering ist.
Ist jemand psychisch erkrankt, hat er Depressionen. Punkt.
So ist das bei weitem nicht.
Der Protagonist des Artikels mag wohl eindeutig als depressiv diagnostiziert worden sein. Dass er dann unter dem ironisch gemeinten hashtag #ausderklapse Tagebuch führt, zeigt nur, wie sehr er sich selbst von den anderen Patienten, die er in der "Klapse" wohl auch getroffen haben mag, abgrenzen möchte.
Diese Patienten sind vielleicht nicht so eloquent und geistesgegenwärtig, haben Ticks, sprechen manchmal wirr, sind in Zwangshandlungen verstrickt, verweigern Nahrung, verletzen sich, hören Stimmen etc etc...
Stigmatisierung ist Teil ihres täglichen Lebens und berichtet wird relativ selten.
Aus Scham. Aus Angst.

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flightlessbird17 03.10.2019, 20:26
5. #3

Danke, ich kann Ihnen aus ganzem Herzen zustimmen. Es stimmt bei Weitem nicht, dass schwere Depressionen gut therapierbar sind und zu einer Behandlung in einer stationären Psychiatrie kann ich niemandem guten Gewissens raten. Der ewige Satz davon, man müsse sich nur professionelle "Hilfe" suchen und Medikamente nehmen oder sich in Therapie begeben, dann würde das schon wieder werden, steht für mich auf einer Stufe mit "reiß dich mal zusammen, dann wird das schon wieder" oder "ich bin auch öfter depressiv, dann mache ich ganz viel Sport und Yoga und gehe mit Freunden weg und dann geht es mir besser, probier das doch auch mal!!".

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Sleeper_in_Metropolis 04.10.2019, 10:44
6.

Zitat von flightlessbird17
Es stimmt bei Weitem nicht, dass schwere Depressionen gut therapierbar sind und zu einer Behandlung in einer stationären Psychiatrie kann ich niemandem guten Gewissens raten. Der ewige Satz davon, man müsse sich nur professionelle "Hilfe" suchen und Medikamente nehmen oder sich in Therapie begeben, dann würde das schon wieder werden, steht für mich auf einer Stufe mit "reiß dich mal zusammen, dann wird das schon wieder" oder "ich bin auch öfter depressiv, dann mache ich ganz viel Sport und Yoga und gehe mit Freunden weg und dann geht es mir besser, probier das doch auch mal!!".
Naja, aber irgendwas muss man doch machen. Was ist denn die Alternative ? "Pech gehabt, es gibt keine Lösung, leb' halt damit so gut und so lange es eben geht" ? Dann sollte man sich meiner Meinung nach doch lieber auf die Suche nach professioneller Hilfe machen, auch wenn der Weg dahin alles andere als leicht sein mag und der Erfolg keinesfalls sicher ist.

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planetb 04.10.2019, 12:27
7.

Es Parentismus zu nennen, wenn die Kinder im Haushalt helfen müssen, ist eine Frechheit. Vielmehr ist es Teil des Problems der steigenden Depressionszahlen, dass man als Eltern über lange Jahre ausschließlich zum Diener seiner Kinder degradiert wird und von Staat und Gesellschaft genötigt wird, seine Nachkommen zu unselbstständigen verwöhnten Narzissten heranzuziehen, die aufwachsen wie früher nur die Adelskinder.

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Immanuel K. 05.10.2019, 07:59
8. Sorry, aber...

...Sie schreiben Quatsch - wobei der Artikel da auch etwas unscharf formuliert: "Sie helfen im Haushalt, gehen einkaufen oder betreuen sogar das erkrankte Elternteil, ermuntern es etwa zum Einnehmen von Medikamenten oder trösten."
Im Haushalt helfen oder Einkaufen gehen hat natürlich erst mal nichts mit einer Parentifizierung zu tun - die anderen Sachen aber schon... ...denn sie bedeuten eine Rollenumkehr. Allerdings kann auch das Erledigen des Haushaltes und das Einkaufen gehen eine Parentifizierung sein, nämlich dann, wenn der Haushalt und das Einkaufen, auf Grund der Erkrankung, dauerhaft nicht von den Eltern erledigt werden kann...
Parentifizierung gibt es übrigens nicht nur, wenn die Eltern unter Depressionen leiden, sondern auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen, wie z.B. einer Suchterkrankung, dann übernehmen die Kinder (neben den o.g. Aufgaben) auch oft die Außendarstellung der Familie gegenüber Nachbarn, Arbeitgebern oder Ämtern, um die Erkrankung zu verschleiern.
Ihre These zur Depressionentstehung halte ich ebenfalls für ziemlich abenteuerlich - demnach müsste jeder Narzisst depressive Eltern haben - bzw. alle "Helikopter-Eltern" müssten depressiv sein... ...Letztere erscheinen mir eher narzissisch.

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