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Entzündeter Wurmfortsatz: Warum eine Blinddarm-OP oft das kleinere Übel ist
TMN

Bei einer Blinddarmentzündung wird meist schnell operiert, dabei wäre das aus medizinischer Sicht nicht immer notwendig. Sinnvoll ist es aber trotzdem - vor allem bei Kindern.

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fraulavendelula 01.02.2017, 15:53
1. Nur ein kleiner Punkt?

Natürlich, Unglücke geschehen immer wieder.
Aber nach einer Single-Port-Appendektomie mit nur einer kleinen Öffnung am Bauchnabel folgte ein akutes Abdomen, eine Peritonitis, Sepsis, multiples Organversagen, künstlicher Darmausgang und nur sehr knappes Überleben. Mit 16 eine echte Herausforderung.
Eine Blinddarm-Op ist keine Bagatelle sondern eine Operation mit deutlichen Risiken.

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niemat 01.02.2017, 16:45
2. Anmerkungen

Ich hoffe doch, dass für den histologischen Nachweis einer Appendizitis keine forensische Untersuchung notwendig ist. Eine pathologische wäre hier vollkommen ausreichend.

Wie der Artikel schon erwähnt ist die Diagnose einer Appendizitis in den meisten Fällen schwierig. Selten habe ich es erlebt, dass Klinik, Laborkonstellation und Sonographie zusammen eindeutig darauf hinwiesen. Oftmals hat man nur zwei der drei oben genannten, die den Verdacht erhärten. Der Beweis findet sich auch, wie im Artikel genannt, nicht immer während der Operation. Hier ist dann der Pathologe gefragt. Was aber wenn der Befund negativ ist, der Patient danach aber völlig beschwerdefrei? Falsche Diagnose? Placebo-Operation?

Bzgl. der genannten Studie (es gibt bereits auch eine französiche Arbeit von 2011 in Lancet, Vons et al) muss man kritisch anmerken, dass hier die Diagnostik mit einem CT erfolgte. Insbesondere bei jungen Erwachsenen ist die Strahlenbelastung sehr kritisch zu sehen. Hier wäre das MRT deutlich besser, aber wieviele Kliniken, auch Unikliniken, können das jederzeit gewährleisten? Hier wird es ja schon für das CT bei kleineren Häusern schwierig.

Führend ist nachwievor der klinische Befund. Die Entscheidung ist am Ende für jeden Patienten inidviduell zu stellen.

Zum ersten Kommentar:
Wie Sie richtig schrieben, ist die Appendektomie kein risikoarmer Eingriff. Dies wird leider landläufig oft so kommuniziert. Es ist ein abdomineller EIngriff mit den oben genannten Risiken/Komplikationen, die Sie wohl leider selbst erlebt haben. Mutmasslich infolge einer Insuffizienz?

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Ollst 01.02.2017, 17:18
3. 3.

Kann man mittels MRT eine Appendizitis überhaupt sicher diagnostizieren? In meiner vielleicht überholten Vorstellung eignet sich ein MRT bestens für die Darstellung von Gelenken etc. aber nicht, um befriedigend innere Organe darzustellen und Entzündungsverdachtsdiagnosen zu stellen, aber vielleicht hat sich da was in der Technik getan.

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lachina 01.02.2017, 18:55
4. Erhöhte Entzündungsmarker

im Bluttest (Fingerkuppe) plus Verdickung im Ultraschall reichte bei meinem Hausarzt aus für die richtige Diagnose "Appendizitis" . Das ganze dauerte 6 Minuten.

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CancunMM 01.02.2017, 19:06
5.

Zitat von lachina
im Bluttest (Fingerkuppe) plus Verdickung im Ultraschall reichte bei meinem Hausarzt aus für die richtige Diagnose "Appendizitis" . Das ganze dauerte 6 Minuten.
Und ich hoffe auch, dass er zum Äußerten geschritten ist und Sie angefasst hat. Nämlich Ihren Bauch palpiert hat.
Aber es geht hier ja nicht um die typischen, sondern eher um die atypischen Verläufe.

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asentreu 01.02.2017, 19:30
6. @ollst

MRT zur Appendizitis- Diagnostik? Kann man schon, muss man aber auch nicht, ist auch in Zeiten der DRG- Fallpauschalen als spätrömische Dekadenz anzusehen. Desweiteren sollte man bemerken das die gute Durchführung der MRT deutlich stärker von der Patientencompliance abhängt als Sonografie oder CT.

Hier können Sie sich informieren: https://www.google.de/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://www.thieme.de/statics/bilder/thieme/final/de/bilder/tw_radiologie/akutdiagnostik-der-appendizitis.pdf&ved=0ahUKEwiN9tPwwe_RAhVjD8AKHdFE AiEQFggaMAA&usg=AFQjCNEkkvJWksXFX8xLrcrLUdUqFaHAXQ

PS: MRT ist keine reine Gelenkdiagnostik, keine Ahnung warum ihr Fokus so orthopädisch ist. Sie ist ebenso unverzichtbar in der Neurologie (Hirn, ZNS, etc.) , Viszeralchirurgie (z.B. Rectum- Ca. Evaluation vor OP), Gynäkologie (MR der Mammae statt Mammografie, Duagnostik von Gyn- Tumoren), Inneren (z.B. Diagnostik und Staging von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Diagnostik von Leberläsionen, MRCP statt ERCP etc.) , Neonatologie und Pädiatrie (Traumadiagnostik, forensische Fragestellungen wie BCS, Entwicklungsverzögerungen), Kardiologie (Vitalitäts- und Funktionsdiagnostik) und noch einiges mehr.

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firmcontrol 01.02.2017, 20:47
7. Durchbruch

Als kleiner Junge hatte ich immer wieder Magenschmerzen. Im Krankenhaus bekam ich dann künstliche Nahrung über einen Schlauch. Nach der Entlasung begannen die Schmerzen erneut. Im zweiten Krankenhaus haben sie dann meinen Blinddarm entfernt. Er wäre fast durchgebrochen. Was ich hatte war eine flackernde Blinddarm-Entzündung.

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kobold325 02.02.2017, 01:19
8. Mrt

@Ollst, da man Gehirne mit einem MRT darstellen kann, gehe ich mal davon aus, dass auch andere innere Organe damit darstellbar sind :) Ausserdem ist ein MRT immer einem CT, besonders vom Bauchraum bei Frauen im gebaehrfaehigen Alter vorzuziehen. Eine MRT Untersuchung ist zwar deutlich lauter und dauert auch laenger als ein CT, aber ich persoenlich liege lieber etwa 20 minuten in einem Magnetfeld als 10 sekunden mit hochdosierten Roentgenstrahlen bestrahlt zu werden. Ersteres hat absout keine Auswirkungen auf den menschlichenKoerper, letzteres kann bei etsprechend hoher Dosierung zu Strahlenschaeden fuehren. Wir tragen nicht umsonst Bleiwesten, wenn zum Beispiel ein Arm geroengt werden muss.

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kritiker210 02.02.2017, 08:33
9. Der Artikel spiegelt überholte Vorstellungen wider

Die derzeitigen Behandlungsstrategien reichen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Vieles davon ist überholt und wird dennoch sogar an den Universitäten weiter gegeben. Die Pathogenese der Krankheit vornehmlich mit Obstruktionen des Wurmfortsatzes zu erklären ist vermutlich falsch. In der Mehrzahl der Fälle von akuten Appendizitiden finden sich keine Obstruktionen. In Autopsien werden in bis zu 27% der Fälle Kotseine in der Appendix gefunden, die zu keiner Entzündung geführt hatten. Auch wenn der Wurmfortsatz häufig im Rahmen der Operation erweitert erscheint, ist das vermutlich eher das Resultat als die Ursache der Inflammation. Die Pathogenese ist viel komplizierter und basiert auf immunologischen Mechanismen, die sich für die verschiedenen Formen der Krankheit auch sehr unterscheiden. Bei der milderen Form der Entzündung, der sog. phlegmonösen Entzündung, handelt es sich wahrscheinlich um eine von der gangränösen und perforierenden unabhängige Krankheitsform. Die Vorstellung, dass jede Blinddarmentzündung im "Blinddarmdurchbruch" resultieren kann, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Es ist auch falsch, dass alle Studien um die antibiotische Behandlung an Erwachsenden durchgeführt wurden. Am Karolinska Institutes in Stockholm wurden bereits eine prospektiv randomisierte Studie mit Kindern durchgeführt, die dahingehend sehr viel versprechend ist. Große prospektiv randomsierte Multi-Center-Studien sind in Planung. Die Angabe der Negativappendektomierate (also falsch positive Befunde) von bis zu 40% sind übrigens haarsträubend. Schon die Anwendung von Ultraschall als diagnostische Maßnahme kann die Negativappendektomierate auf unter 5% reduzieren. Trotzdem ist es derzeit richtig, die antibiotische Behandlung nicht als regelhafte Alternative zu betrachten, da diese wohl nach derzeitigem Stand eine Behandlungsmöglichkeit der milderen phlegmonösen Appendizitis anzusehen ist. Es fehlen da tatsächlich derzeit zuverlässige Unterscheidungskriterien. Zusätzlich scheinen insbesondere Kleinkinder eine besondere Patientengruppe darzustellen, die häufig bei Erstvorstellung im Krankenhaus fortgeschrittenen Befund aufweisen.

Literatur:
1. Andersson R, Hugander A, Thulin A, Nyström PO, Olaison G. Indications for operation in suspected appendicitis and incidence of perforation. BMJ 1994; 308: 107–110.
2. Rubér M, Berg A, Ekerfelt C, Olaison G, Andersson RE. Different cytokine profiles in patients with a history of gangrenous or phlegmonous appendicitis. Clin Exp Immunol 2005; 143: 117–124.
3. Rubér M, Andersson M, Petersson BF, Olaison G, Anders son RE, Ekerfelt C. Systemic Th17like cytokine pattern in gangrenous appendicitis but not in phlegmonous appendici tis. Surgery 2010; 147: 366–372.
4. Andersson RE, Schein M. Antibiotics as firstline therapy for acute appendicitis: evidence for a change in clinical practice. World J Surg 2012; 36: 2037–2038.
5. Svensson JF, Patkova B, Almström M, Naji H, Hall NJ, Eaton S et al. Nonoperative treatment with antibiotics versus surgery for acute nonperforated appendicitis in children: a pilot randomized controlled trial. Ann Surg 2015; 26: 67–71.

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