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Erinnerung: Warum wir die ersten Lebensjahre vergessen
DPA

Die ersten Jahre im Leben eines Menschen sind ungeheuer wichtig: Das Kind entwickelt Urvertrauen, es lernt elementare Dinge über sich und die Welt. Dennoch verschwindet diese Zeit aus dem abrufbaren Erinnungsspeicher. Warum ist das so?

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enni3 31.12.2012, 19:44
60. achso

Zitat von ericdbl
Ich erinnere mich sehr genau an zwei Szenen vom Hausbau meiner Eltern. Früher dachte ich, da wäre ich ungefähr drei Jahre alt gewesen. Dann sagten meine Eltern mir, das Haus wäre bereits fertig gewesen, als ich zwei Jahre alt war. Sie zeigten mir auch alte, datierte Fotos. Wir sollten Forschung vielleicht nicht immer ernst nehmen...
Artikel lesen und und verstehen.

Scheinbar persönlich erlebtes basiert oft aus der Übertragung von Informationen dritter, die dann in "eigene Erlebnisse" transferiert werden. Dabei glaubt tatsächlich jeder sich zu erinnern, wenn das Erzählte dann auch noch der Realität entspricht, ist es unumgänglich zu glauben, man würde sich tatsächlich selbst erinnern.

Ein schöner Trugschluss, den unser Gehirn uns da serviert. Seien Sie etwas kritischer gegenüber Ihren Erinnerungen, Sie werden staunen, wieviele selbst aus älteren Jahren nicht real sind, selbst, wenn Sie darauf einen Eid schwören würden, weil Sie es fest glauben.

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rabenkrähe 31.12.2012, 19:50
61. jaja

Zitat von Jasro
Ich kann mich durchaus an meine Kindheit von etwa dem zweiten Lebensjahr an erinnern. Und ich glaube auch nicht, dass ich der einzige bin, der das kann.
.......

Selbst wer sich so frühzeitig erinnern kann, hat eine Erinnerungslücke von einem guten Jahr, durchschnittlich fünf Prozent des gesamten Lebens.
Und diese Erinnerungslücke ist gravierend, wird in dieser Zeit, gleichsam, das individuelle Betriebssystem dieses einen Menschen angelegt. Die Erinnerung setzt meist dann ein, wenn dieses Betriebssystem komplett ist. Und Fehler im Betriebssystem können im späteren Leben nur bedingt bis gar nicht geändert werden.
Das ist dann ja das nicht immer leichte Spielfeld der Psychologie.
rabenkrähe

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mborevi 31.12.2012, 19:56
62. Die Behauptung, wir vergäßen die ersten Lebensjahre, ...

Zitat von sysop
Die ersten Jahre im Leben eines Menschen sind ungeheuer wichtig: Das Kind entwickelt Urvertrauen, es lernt elementare Dinge über sich und die Welt. Dennoch verschwindet diese Zeit aus dem abrufbaren Erinnungsspeicher. Warum ist das so?
... ist schlicht unwahr. Ich bin 1942 geboren und erinnere mich noch in Einzelheiten an verschiedene Krigesgeschehen, z.B. den Weg auf dem Arm meiner Mutter in den Luftschutzkeller, das Glitzern der fallenden Bomben im Sonnenlicht als ich im Garten beim Spielen überrascht wurde, den Einmarsch der Amerikaner und viele andere Episoden.

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arac 31.12.2012, 20:11
63. Unsinnig

Zitat von hjm
Der Artikel widerspricht sich. Am Ende heißt es, man hätte nachgewiesen, wenn Eltern viel mit ihren Kindern über Erlebnisse reden, dann würden diese eher in der Erinnerung bleiben. Zuvor heißt es jedoch, vermeintliche Erinnerungen könnten durch Erzählungen und Bilder konstruiert werden. Wenn Eltern also mehr mit ihren Kindern reden, konstruieren diese auch mehr vermeintliche Erinnerungen. Wie aber unterscheidet man diese von „echten“ Erinnerungen?
Dies ist völlig richtig und trifft den Kern der Sache genau. Insofern ist der Forschungsansatz völlig unsinnig und unwissenschaftlich. Behauptet ein Proband, dass er sich an bestimmte Erlebnisse erinnern würde, wird dies als Rekonstruktion von Gesprächen interpretiert, ohne dass es eine valide Operationalisierung von "Erinnerung eigener Erlebnisse" bzw. "Rekonstruktion von Gesprächen über Erlebtes" gäbe.

Insofern ergäbe es höchstens Sinn, über solche "Forschungsergebnisse" im SPON zu berichten, wenn kritisch die Grenzen solcher Untersuchungen aufgezeigt würde. Warum geschieht dies nicht? Ist dies für die Redakteure zu mühsam? Oder sind sie zu unbedarft für den kritischen Umgang mit Wissenschaft?

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bold_ 31.12.2012, 20:25
64. Die Binsenwahrheit dieses Artikels

liegt in 2 einfachen Dingen:

1. Je intensiver mit Kleinkindern gesprochen wird, bevor diese (flüssig) sprechen, desto größer wird deren Wortschatz. Das Beherrschen der Sprache ist eine wesentliche Voraussetzung für das Langzeitgedächtnis!

2. Vor allem beim ersten Kind erinnern sich die Eltern besonders gut an Einzelheiten und berichten dem heranwachsenden Kind darüber, in vielen Fällen immer wieder. Am Ende übernehmen die so informierten = konditionierten Kinder das Gehörte und speichern es wie (als) eigene Erlebnisse ab.

Man kann nur hoffen, daß der Wortschatz der jetzigen und der kommenden Elterngeneration(en) durch die starke Verbreitung der Multikulti-Sprache voller arabischer, türkischer und russischer Einfach-Elemente nicht die deutsche Sprache so überlagert, daß die klassische Eltern-Kind-Kommunikation gefährdet ist.

Zitat von
Wenn Gespräche über Erlebnisse auf das Kind ausgerichtet sind, formt es daraus Lebensgeschichten, in denen es selbst die Hauptrolle spielt. Diese Art der Kommunikation erleichtere es den Kindern, diese so zu codieren, dass sie sie gut im Langzeitgedächtnis abspeichern können,

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ingo-wolf kittel 31.12.2012, 20:26
65. Es gibt zwei unterschiedliche Gedächtnisfunktionen!

Mit dem Verb „sich erinnern“ beziehen wir uns gewöhnlich auf unsere Fähigkeit, sich Erlebtes „innerlich“(!) VORZUSTELLEN.

So verstandene „Erinnerungsfähigkeit“ ist identisch mit unserer Vorstellungsfähigkeit! Diese ermöglicht uns allerdings, wie Colin McGinn in „Mindsight“, dt. „Das geistige Auge – Von der Macht der Vorstellungskraft“ darlegt, weit mehr als nur ehemalige Wahrnehmungen zu imitieren (wie „vorstellen“ hier http://alturl.com/jbnbn auf S. 149 fachlich umschrieben oder definiert wird) oder anders ausgedrückt: „Erinnerungsvorstellungen“ zu produzieren.

Ganz etwas anderes ist es, etwas beim Wiedererleben bloß WIEDERZUERKENNEN.

Dazu sind bekanntlich schon Tiere imstande und natürlich auch wir selbst und zwar schon als Feten, wie heute bekannt ist, also bereits vor unserer Geburt! Um etwas wiederzuerkennen sind lediglich wiederholte Eindrücke von demselben nötig. Gleichartige Eindrücke erleben wir im Weiteren dann für immer als „bekannt“, wodurch es sich für uns aus der Gesamtwahrnehmung einer Situation (mit immer auch weniger oder noch gar nicht bekannten Anteilen) subjektiv heraushebt und schneller erfasst werden kann.

Diese grundlegende Gedächtnisleistung liegt auch dem Erinnern zugrunde, wie jeder weiß, der jemals eine Fremdsprache gelernt hat; denn dazu musste er sich zunächst unzählige Vokabeln einprägen, wenn nicht einpauken oder sogar einhämmern. Prägungslernen dieser Art ist dabei etwas anderes als jenes Verständnislernen, bei dem es auch noch darum geht, sich zusätzlich Zusammenhänge zu merken – so man solche bemerkt, und sich diese nicht wie zeitliche Zusammenhänge einfach von selbst mit einprägen.

Ein von aktuellen Wahrnehmungen unabhängiges „Erinnern“ ist uns dagegen erst möglich, wenn sich die Fähigkeit entwickelt hat, aufgrund der wir uns ohne Bezug auf die aktuelle Situation und ggf. sogar zusätzlich zu ihr etwas vorstellen können, was in ihr nicht gegeben ist.

Allem Anschein nach verfügen wir bei unserer Geburt noch nicht über die Fähigkeit uns etwas vorzustellen. Sie entwickelt sich mehr oder weniger schnell erst während der ersten vier Lebensjahre (und dürfte mit der Stirnhirnausreifung in dieser Zeit zu tun haben). Im Allgemeinen sind erst Kinder im Kindergartenalter zu sicheren Erinnerungsleistungen imstande, können also von sich aus von Erlebtem erzählen und umgekehrt auch danach gefragt werden.

Es ist dann wohl nicht richtig zu sagen, dass wir „die ersten Lebensjahre vergessen“. Vielmehr können wir uns an Erlebnisse in diesen Jahren nur (mehr oder weniger…) „nicht erinnern“!

Was sich in den ersten Lebensjahren alles von selbst eingeprägt hat, ist dagegen keineswegs verloren. Es bildet im Gegenteil unsere basale Grundprägung, die direkt wie indirekt in vielem „zum Tragen kommt“ wie z.B. in unserem Charakter und ganz besonders in unserer Fähigkeit zum Sprechen in einer Sprache, die wir schon zu lernen beginnen, wenn wir die ersten Hörgewohnheiten entwickeln: ab dem sechsten Fetalmonat im Mutterleib, wenn das Gehör voll entwickelt ist. – Wie treffend der Volksmund dies ausdrückt, wenn er zu dieser Sprache „Muttersprache“ sagt!

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Eberschmidt 31.12.2012, 20:33
66.

Zitat von derharlunke
Als ich nicht mal ein jahr war, hatte meine Tante (aus Unwissenheit) damals mir die Öffnung des Nuckels der Milchflasche vergrößert. Worauf ich fast erstickt wäre. Und ich kann mich erinnern wie ich damals um Luft habe. Bis es jemandem auffiel und mich erlöste.
gerungen

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pixie48 31.12.2012, 20:50
67. Warum

Zitat von sysop
Die ersten Jahre im Leben eines Menschen sind ungeheuer wichtig: Das Kind entwickelt Urvertrauen, es lernt elementare Dinge über sich und die Welt. Dennoch verschwindet diese Zeit aus dem abrufbaren Erinnungsspeicher. Warum ist das so?
sind eigentlich die zitierten Artikel aus dem Jahre 2009? Gibt es keine neuere Publikationen, nicht einmal eine "im Druck"? Warum also mit alten Kamellen kommen?

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geotie 31.12.2012, 21:15
68. yoooh

Zitat von claptomane
Wir sind in ein Haus gezogen, als ich gerade 2 Jahre alt war und ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass mich meine Mutter auf dem Arm hielt und mir am Fenster stehend erklärt hat, warum wir nun in dieses schöne Haus gezogen sind. Sie hat mir dabei den Kirschbaum in voller Blüte gezeigt und mir mein lieblings Spielzeug in die Hand gegeben. Auch das Laufen lernen kann ich erinnern und diverse Schöne Momente mit meinen Geschwistern. Ich brauche zum Glück keinen Wissenschaftler, der mir sagt von wann diese Erinnerungen sind, da mir Geschwister und Eltern gleichermaßen bestätigen, dass ich nicht älter als 2 gewesen sein kann.
Es ist doch schön das wir andere Menschen haben die uns sagen an was wir uns erinnern können. Ich bin mir auch sehr sicher, das ich mich an einige Dinge noch gut erinnern kann. Diese rufe ich auch gerne in meiner Erinnerung ab und geniesse es.
Nur weil einige Wissenschaftler es nicht beweisen können, wird es abgestritten.
Ich würde gerne wissen, ob diese Wissenschaftler an Gott glauben und in die Kirche gehen? Immerhin wurde die Gestalt auch nie bewiesen, aber es werden deswegen sogar Kriege deswegen geführt.

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albert schulz 31.12.2012, 21:16
69. Der einzige wirklich seriöse Beitrag.

Zitat von feuerwehrmann720
Noch ganz deutlich sehe ich vor mir als mein Vater gegen 20.00 Uhr mit mir zur Disco ging und meine Mutter mit mir morgens gegen 5.00 Uhr nach Hause !
Ich kann mich nach ein paar Jahren bereits an Details nicht mehr erinnern. Bei der Zeit vor meinem 6. Lebensjahr sind es bestenfalls Augenblicksfetzen, und das war mit 18 Jahren schon so. Meine Weiber, meine aufregenden Urlaube, meine Erlebnisse, meine Projekte: bestenfalls Stückwerk. Bei Jugenderinnerungen spielen ganz sicher Photos und Erzählungen der Tatzeugen eine gewichtige Rolle. Meine Mutter hat etwa immer behauptet, ich hätte erst mit zwei Jahren zu laufen gelernt. Dummerweise gibt es Photos, die das Gegenteil beweisen.

Der Mensch merkt sich das, was ihn tief beeindruckt hat. Und er merkt sich die Sachen, wie er sie gern sieht. Alles Mist ohne jede Objektivität. Die ersten drei Jahre sind ungeheuer wichtig, man dürfte in dieser Zeit am meisten lernen, am belastbarsten und aufnahmefähigsten sein, aber kein Schwein kann sich daran erinnern. Das ist wieder mal Betrug, und zwar absichtlich, voreingenommen, und nur um arme Idioten zu überzeugen, daß Wissenschaftler das Ei des Columbus gefunden haben. Haben sie aber nicht. Sie sind strohdumm.

Gedächtnis wie auch Großhirn haben einen furchtbar einfachen Regelkreis. Was Einen bewegt und interessiert wird erst bemerkt und dann abgespeichert, und nach einiger Zeit wird es je nach Interesse in den Hintergrund verschoben, zu dem man nicht mehr vordringen kann. Aber natürlich ist es da.

Es gibt ein sagenhaft einfaches Beispiel. Es gibt Fragen, die mich immer wieder beschäftigt haben. Ich habe mir unzählige Gedanken gemacht, über Jahre, die Gedanken gingen nie verloren. Und eines Tages gelang mir die Lösung, ganz einfach, aus welchen Gründen auch immer. Und sofort waren alle zielführenden Gedanken und Fragen futsch, erledigt, nicht mehr abrufbar.

Aus Kinderzeiten kann es lediglich Bilder geben, die Grausamkeit der damaligen Umwelt und vor allem der Eltern hat sich tief ins unbewußte Bewußtsein eingegraben, aber eben nicht mehr erreichbar, begrifflich ganz sicher nicht. Eine Sache ist allerdings wesentlich. Die Emotionen und Wertigkeiten werden in Kleinkindalter angelegt, und sie sie sind lebenslang bestimmend, also Vorlieben und Antipathien. Es gibt da allerdings die Schamanen der Psychoanalyse, die das können. Das sind echte Zauberer. Wie SPON.

Mein Papa war auch so ein Traumtänzer, was Beeinflußbarkeit angeht. Er hat meine Mutter hochschwanger in klassische Konzerte geschleppt, damit der Embryo eine echte Einstellung bekommt. Aber der hat vermutlich nur empfunden, daß die Mama stinksauer war. Ganz biologisch.

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