Forum: Gesundheit
Geburtstrauma: Die diffuse Angst nach dem Kreißsaal
Corbis

Eine unbelastete Schwangerschaft, trotzdem wird die Geburt zum Alptraum: Hebammen und Ärzte können durch schlechte Betreuung bei werdenden Müttern ein Geburtstrauma auslösen - selbst wenn alles gut geht. Hilfe gibt es von Fachleuten. Sogar per Internetchat.

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Kurbelradio 05.12.2014, 21:13
10.

Bevor man sein erstes Kind bekommt, hat man absolut keine Ahnung, wie schmerzhaft Wehen sein können.
Man hat vielleicht mal Menstruationsschmerzen, die auch heftig sein können, aber Geburtswehen sind da ein wirklich anderes Kaliber.
Dann liegt man da. Hat Schmerzen, wo man meint, sie fressen einen auf. Man ist absolut reduziert auf das, was der Körper macht. Ich hatte das Gefühl, mein Körper und ich sind 2 verschiedene Dinge quasi. Mein Verstand rebellierte - ich wollte nach Hause. Mein Körper sagte: Du musst das durchstehen. Auch wenn du daran stirbst.
Man bekommt wirklich Anflüge von Todesangst. Und wenn man da allein gelassen wird - tja...das ist schlecht. Das löst dann wohl das Trauma aus. Kann ich nachvollziehen.
Eine Geburt ist ein natürlicher Akt. Das ist wahr. Der ist so natürlich, dass man sich, sorry, wie ein Tier fühlt. Ausgeliefert an die Urgewalt der Natur. Und genau das kann traumatisieren.
Von daher: Das Gequatsche, schon immer wurden Kinder geboren, ist Blödsinn. Es sind auch schon immer Frauen dabei oder kurz danach gestorben. Eine Geburt ist eine dermaßen extreme Körperbelastung. Auch für das Kind.
Die Geburt meines Kindes war eine ganz normale. Trotz der Beschreibung.. Nicht dass jemand denkt, sie wäre besonders schwer gewesen. Aber Geburten sind nicht rosig und weichgezeichnet, wie das Elternzeitschriften gerne so blumig bebildern.

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anna cotty 05.12.2014, 22:23
11. Hausgeburt?

Zitat von puby
all die Jahrhunderte überleben konnte ? Da haben die Frauen ihre Kinder zu Hause auf die Welt gebracht und nicht im Krankenhaus, ist nämlich eine Geburt keine Krankheit, das geht besser zuhause, wo man sich sicher fühlt.
Nein , danke! Ich moechte kein Kind Zuhause zur Welt bringen. Es mag ja keine Krankheit sein, aber es gibt genug Risiken fuer Kind und Mutter, dass ich lieber da bin, wo ich im Notfall Hilfe fuer mich und mein Baby bekomme.
Ich habe 4 Kinder zur Welt gebracht-- alles natuerliche Geburten .' Grandiose Leistung' ist ein bisschen uebertrieben. Wenn alles normal verlaeuft und man ohne Angst die Sache angeht, ist es eher ' interressant und aufregend' als furchterregend. Heutzutage kann man sich ueber den gesamten Geburtsvorgang ausfuehrlich informieren und man muss nicht total unbedarft ins Krankenhaus gehen.

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vanny1984 06.12.2014, 01:15
12.

Zitat von Kurbelradio
Eine Geburt ist ein natürlicher Akt. Das ist wahr. Der ist so natürlich, dass man sich, sorry, wie ein Tier fühlt. Ausgeliefert an die Urgewalt der Natur. Und genau das kann traumatisieren.
"Wie ein Tier" trifft's wohl ganz gut. Denn auch im Tierreich passiert es immer wieder, dass Mütter ihren frisch geborenen Nachwuchs töten, weil sie Angst und Schmerzen der Geburt auf das Jungtier projezieren. Erstgebärende Elefantenkühe sind da der Klassiker. Da sind die anderen Kühe der Herde nach der Geburt sofort da und halten die Mutterkuh vom Kalb fern - eben weil sie sonst vor lauter Angst und Schmerz auf ihr Baby losgehen würde. Und wir Menschen sollten uns da echt nicht vormachen, dass wir eine so komplett andere Sonderstellung im Vergleich zu den Tieren haben ;).

Was die Sache mit der Information über den Geburtsvorgang betrifft, wie von "anna cotty" erwähnt: ich glaub, diese Vielzahl an Infos macht die Sache eher schwerer als leichter ;). Ob nun heftigste Geburtsgeschichten anderer Mütter, schreiende Gebärende im Fernsehen, Arztserien mit Horror-Notfall-Geburten oder auch nur ein eigentlich sachliches Video über den Geburtsvorgang an sich - all das macht echt Angst und schürt eher Sorgen und Ängste, als dass sie welche nimmt, finde ich ;). Ein bisschen unbedarfter an die Geburt herangehen wäre vielleicht schon entspannter :).

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chchoco 06.12.2014, 08:07
13. Überleben der Menschheit

Die Menschheit hat großteils überlebt DANK eines Berufstandes der leider in der heutigen Zeit (in DE) kaum noch Wertschätzung erhält bzw. sogar ums Überleben kämpft: der der HEBAMMEN.
Ich finde es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Traumata, welche durch die Geburt entstehen, in der heutigen technisierten "schneller-höher-weiter Welt" mit abnehmender Hebammen-Unterstützung (Dank dieses kruden Gesundheitssyst) zugenommen haben

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lakritzstange 06.12.2014, 08:10
14.

solche "Geburtstraumata" hat es mit Sicherheit schon immer gegeben, nur wurde damit dann eben anders umgegangen. Heutzutage wird man ohne weitere Hilfe nach 1 1/2 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und niemand kümmert sich darum, ob man eine weitere Betreuung hat. Bei dem Hebammenmangel, der mancherorts herrscht (wo man sich am besten vor Zeugung des Kindes für Vor- und Nachsorge anmelden sollte), ist es dann aber kein Wunder, dass sich manche Erstgebärende ängstigt und überfordert fühlt und sich nach der Geburt von diesem überwältigenden Moment nicht erholen kann.
Außerdem wird einem heutzutage, vor allem dank Google und medizinischen Websites, als junge Mutter vor allem und jedem Angst und Panik gemacht. Also kein Wunder, dass Frauen heute mit anderen Gefühlen eine Geburt erleben als noch vor einiger Zeit .

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Kreon22 06.12.2014, 09:37
15.

Männer kommen mit Kriegstrauma heim, Männer bekommen Depressionen nach Arbeitsverlust. Interessiert kein Schwein. Alles, was sie zu hören bekommen, ist: "Sei doch ein Mann! Klappe halten und weiter machen." Nun bilden sich einige Frauen ein Trauma ein, weil sie nach der Geburt nicht mehr alleine im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, und sofort ist SpiegelOnline zur Stelle. Ich bin ja für Gleichberechtigung, deshalb, liebe "traumatisierte" Frauen, gebe ich euch den Rat, den ihr so gerne immer austeilt: Seid doch mal eine Frau! Klappe halten und weiter machen.

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Irene56 06.12.2014, 10:05
16.

Zitat von puby
all die Jahrhunderte überleben konnte ? Da haben die Frauen ihre Kinder zu Hause auf die Welt gebracht und nicht im Krankenhaus, ist nämlich eine Geburt keine Krankheit, das geht besser zuhause, wo man sich sicher fühlt.
Die Wahl hat man heute auch noch, aber auch das ist für viele zu unbequem.
Wie sagt man, wenn eine Gesellschaft fast am Ende angekommen ist, bekommen die Menschen selbst auf Rosenblättern Schwielen am Gesäß.

Noch nie zuvor in der Geschichte hatten die Menschen soviel Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen und jede Minute des Tages das EIGENE Wohlbefinden zu überprüfen. Nicht umsonst haben die Psychologen Hochkonjunktur.
Wir können nur hoffen, dass auf uns nicht noch einmal ganz schwere Zeiten hereinbrechen, denn Hunger, Seuchen und Kriege dürften eine Entbindung absolut in den Schatten stellen u. da ist niemand da, um Händchen zu halten.

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fridagold 06.12.2014, 10:06
17.

Zitat von Kreon22
Männer kommen mit Kriegstrauma heim, Männer bekommen Depressionen nach Arbeitsverlust. Interessiert kein Schwein. Alles, was sie zu hören bekommen, ist: "Sei doch ein Mann! Klappe halten und weiter machen." Nun bilden sich einige Frauen ein Trauma ein, weil sie nach der Geburt nicht mehr alleine im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, und sofort ist SpiegelOnline zur Stelle. Ich bin ja für Gleichberechtigung, deshalb, liebe "traumatisierte" Frauen, gebe ich euch den Rat, den ihr so gerne immer austeilt: Seid doch mal eine Frau! Klappe halten und weiter machen.
Mal abgesehen davon, dass auch Frauen Depressionen nach Arbeitsverlust bekommen: In meinem Bekanntenkreis machen sich sehr viele Menschen sehr große Sorgen um deutsche Soldaten und wie es ihnen nach der Rückkehr geht! Da ist viel Verständnis. Warum fehlt Ihnen das Verständnis, dass Geburten niemals Routinevorgänge, sondern absolute Grenzvorgänge sind? Besonders in Zeiten, in denen die eher unbetreute Fließbandgeburt die Norm wird statt der jahrtausendealten rundum betreuten individuellen Geburt?
Es war immer ganz normal, dass eine erfahrene Frau sich um die Gebärende kümmert - ob nun selbst erfahrene Mutter oder ausgebildete Hebamme. Dies wird gerade abgeschafft. Eine Hebamme kümmert sich um 2, 3, 4, 5 Gebärende, wenn Sie Pech haben und die Geburtstermine ungünstig liegen oder - wie so oft - von den Babys schlicht ignoriert werden.

Eine Bekannte hätte ihr Baby beinahe alleine bekommen. Im Krankenhaus. Die Hebamme musste gerade beim Notfall nebenan helfen, der Arzt war auch da. Ihr Mann steckte im Stau. Es war niemand im Raum und der Kopf des Kindes war schon da. Und die soll einfach die Klappe halten und nicht sagen, wie beängstigend das für sie war?!

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maxkunze 06.12.2014, 10:21
18.

Zitat von fridagold
Mal abgesehen davon, dass auch Frauen Depressionen nach Arbeitsverlust bekommen: In meinem Bekanntenkreis machen sich sehr viele Menschen sehr große Sorgen um deutsche Soldaten und wie es ihnen nach der Rückkehr geht! Da ist viel Verständnis. Warum fehlt Ihnen das Verständnis, dass Geburten niemals Routinevorgänge, sondern absolute Grenzvorgänge sind? Besonders in Zeiten, in denen die eher unbetreute Fließbandgeburt die Norm wird statt der jahrtausendealten rundum betreuten individuellen Geburt? Es war immer ganz normal, dass eine erfahrene Frau sich um die Gebärende kümmert - ob nun selbst erfahrene Mutter oder ausgebildete Hebamme. Dies wird gerade abgeschafft. Eine Hebamme kümmert sich um 2, 3, 4, 5 Gebärende, wenn Sie Pech haben und die Geburtstermine ungünstig liegen oder - wie so oft - von den Babys schlicht ignoriert werden. Eine Bekannte hätte ihr Baby beinahe alleine bekommen. Im Krankenhaus. Die Hebamme musste gerade beim Notfall nebenan helfen, der Arzt war auch da. Ihr Mann steckte im Stau. Es war niemand im Raum und der Kopf des Kindes war schon da. Und die soll einfach die Klappe halten und nicht sagen, wie beängstigend das für sie war?!
"die unbetreute Fließbandgeburt" - das meinen Sie ernst, ja? Ihnen ist schon bewusst, dass jahrtausendelang Frauen bei liebevoll und ganzheitlich betreuten Geburten gestorben sind, weil die Erkenntnisse und Möglichkeiten der modernen Medizin fehlten?

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fridagold 06.12.2014, 10:46
19.

Zitat von maxkunze
"die unbetreute Fließbandgeburt" - das meinen Sie ernst, ja? Ihnen ist schon bewusst, dass jahrtausendelang Frauen bei liebevoll und ganzheitlich betreuten Geburten gestorben sind, weil die Erkenntnisse und Möglichkeiten der modernen Medizin fehlten?
Was nützt tolle Medizin, wenn die Geburt schlecht bis unbetreut stattfindet? Wenn sich 3 Frauen eine Hebamme teilen müssen, während sie in den Wehen liegen? Oder gehören Sie auch zu der Fraktion, die meint, Kinder sollten aus Prinzip nur noch per Kaiserschnitt geholt werden?

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