Forum: Gesundheit
Geld von Pharmakonzernen: Warum Ärzte schweigen
Julia Cramer

Gut zwei Drittel der Ärzte wollen nicht offenlegen, wie viel Geld sie von der Pharmaindustrie bekommen. Was sind die Gründe für ihr Schweigen?

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kumi-ori 16.07.2016, 21:34
20.

Ach ja, die "dunkle Limousine" und das "Luxushotel". Wenn sich der Autor informiert hätte, wüsste er, dass es einigermaßen klare Vorgaben gibt, was bei den Reisekosten für Referenten erlaubt ist und was nicht. In der Regel werden die Referenten in den Hotels untergebracht, in denen auch die Veranstaltungen stattfinden, und die dürfen in der Einteilung höchstens vier Sterne haben. Zudem werden die Locations nach Zweckmäßigkeit ausgewählt (Erreichbarkeit, Kapazität). Touristische Ziele sind nach dem Pharmakodex verboten.

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geraldwinkeler 16.07.2016, 21:36
21. Über Geld spricht man nicht

Die Ärzte tun gerne so, als würden sie ihr Geld wie Unternehmer auf einem funktionierenden Markt verdienen. In Wirklichkeit ist es elne kartellierte Branche mit Festpreisen und weitgehend machtlosen Kunden, die keine wirkliche organisierte Interessenvertretung haben. Auf der Seite der Leistungserbringer stehen mächtige Lobbyisten mit dem Ziel, immer mehr Geld ins Gesundheitswesen zu lenken. Viele willfährige Politiker helfen ihnen dabei. Transparenz der Geldflüsse ist das allermindeste was Patienten in der Lage erwarten dürfen. Die jetzigen Regeln sind völlig unzulänglich. Freiwilligkeit als Prinzip ist hier unangebracht. Die überflüssigen aber geldbringenden Anwendungsstudien werden überhaupt nicht erfasst. Warum gibt die Pharmaindustrie noch immer mehr Geld für den Vertrieb als für die Forschung aus?
Doch bestimmt nicht, weil vor allem die Qualität der Produkte über die Verschreibungspraxis, d.h. den Verkaufserfolg, entscheidet.

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hennesviii 16.07.2016, 21:42
22.

Zitat von mr_stagger_lee
Na weil man, wenn man das macht an den Pranger gestellt wird von SPON und Freunden. Ich würde als Reaktion auf diese Berichterstattung (schon die Überschriften suggerieren Bestechlichkeit) für das kommende Jahr mein Einverständnis zurück ziehen.
also ganz offensichtlich gibt es hier zwei Masse - die böse Politik soll doch bitte alle Nebeneinkünfte, Sponsoring von aussen etc... unterlassen, bzw. hier wird' Lobbyismus kritisiert, aber wenn es um Ärzte und Wissenschaft geht - Anwälte natürlich auch - da gelten auf einmal völlig andere Werte und 'Transparenz' führt nur zu Neid und übler Verleumdung...

wo ist das Problem, dass Ärzte ihre Kontakte mit Pharmafirmen veröffentlichen, wenn es da nichts zu verheimlichen gibt?

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kumi-ori 16.07.2016, 21:46
23.

Zitat von nochnbier
Mit Neid hat das Verschweigen der Ärzte wenig zu tun. Sie müssen sich nur mit der Branche auseinandersetzen. Ich finde es nicht normal, dass nahezu jeder Werbespot vor zu den Prime-Time Nachrichten OTC Arzneimittel bewirbt. Was glauben Sie wie oft die Herren und Damen Pharmareferenten den Onkel Doktor besuchen? Warum zücken Ärzte wohl so schnell den Rezept-Block, obwohl das oft, sehr oft nicht nicht erforderlich ist? Es gibt hier seit Jahren Interessenkonflikte und Bestechung. Das gilt ebenfalls für klinische Studien. Wir brauchen dringend eine Positivliste, damit der unnötige und nutzlose Sch... aus den Apotheken verschwindet! Unsere Krankenkassenbeiträge könnten viel geringer sein. Und es geht sogar ohne, dazu muss man nur mal nach DK schauen ...
Für OTC-Arzneimittel müssen die Ärzte nicht den Rezeptblock zücken. Wenn Sie möchten, dass Ihr freiverkäufliches Sch...-Medikament aus den Apotheken verschwindet, dann kaufen Sie es einfach nicht.

Bei den klinischen Studien sieht es ein wenig anders aus. Wenn Sie möchten, dass Ihre Krankheit mit einem Medikament behandelt wird, dann muss dieses vor der Zulassung getestet werden. Dazu werden umfangreich Daten dokumentiert und oft zusätzliche Werte erhoben, die von der Kasse nicht erstattet werden. Dies verursacht Mühen und Kosten und weder ein niedergelassener Arzt (für den Arbeitszeit Geld ist) noch ein Krankenhaus will und kann dies für Gotteslohn leisten.

Wenn Sie das ablehnen, sollten Sie Ihren Diabetes, Ihren Tumor oder Ihren Herzinfarkt mit einem OTC-Arzneimittel selbst kurieren.

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bissig 16.07.2016, 21:48
24. Offenheit ja - aber ...

man müsste auch detaillert angeben, was wofür geflossen ist - also was Sponsoring von Weiterbildungen, Prämien, Studiengelder, Vortragshonorare etc sind. Und selbst dann kann sich der unbedarfte Leser kein genaues Bild machen (woher soll man als Laie auch wissen, wieviel man für einen Vortrag bekommt). Bevor man das bei Ärzten macht, sollten unsere Politiker mal bitteschön ihre Nebeneinnahmen nebst Quelle auf Heller und Pfenning offenlegen (wobei ich da so bei Anwaltshonoraren oder Arzthonoraren ein Problem sehe).

Ich geh weiter zu meinem Hausarzt. Der schickt mich auch mal ohne Rezept nach Hause oder legt mir mehr/andere Bewegung ans Herz - wie heisst es so schön: ohne Medikamente dauert eine Erkältung eine Woche, mit Medikamenten sieben Tage. Ach ja - 3 Leute beschäftigt er auch noch, in Vollzeit, und selbst fährt er einen Japaner. Ich hab' auch kein Problem damit, wenn mein Zahnarzt mit dem Porsche zum einkaufen fährt - der beschäftigt nämlich 10 Leute.

Sicher wird manchmal Schindluder getrieben, wo es keine Kontrolle gibt. Aber wehe, wenn's um einen selbst geht. Der Aufschrei, den es gäbe, wenn Fahrräder Nummernschilder haben müssten und an jeder Ecke ein Blitzer stünde, den könnte man bis hinter den Mond hören.

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kumi-ori 16.07.2016, 21:55
25.

Zitat von DieterNeumaier
Ein Schelm, der schlechtes dabei denkt.. Die Pharmaindustrie macht das aus bloßser Nächstenliebe, und unsere lieben Ärzte nehmen Geld, "Fortbildungsaufenthalte mit Golfkurs an der Algarve" und andere Annehmlichkeiten, weil sie nicht anders können. Das ist keine Neiddebatte, das ist eine Debatte über Bestechung, Korruption und Vorteilsnahme! Wie lange soll das noch geduldet werden?
Wurde die Fortbildungsveranstaltung, auf die Sie sich beziehen, für deutsche Ärzte durchgeführt, oder für portugiesische Ärzte, die ohnehin auf der Algarve praktizieren? Bitte nennen Sie uns doch den genauen Ort und das Datum. Vielen Dank.

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helm 16.07.2016, 22:11
26. Lobbyarbeit

Interessant, wie hier die Lobbyarbeit funktionieren soll, um geldgierige Ärzte vom Verdacht der Korruption freizusprechen. Ich weiß von einem Arzt, der wegen der "Studien", die er wegen Diabetesmedikamenten macht, häufig pro Monat mehr an Korruptionsgeldern einnimmt als durch den normalen Umsatz der Praxis. Sagt seine Frau! Und er nickt dazu.

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franke08 16.07.2016, 22:19
27. Nach dieser Kampagne des Spon wird kein Arzt zustimmen

Nein, wer würde denn seine Daten nach solch hetzerischer Berichterstattung noch freigeben? Es handelt sich hier nicht um sachliche Darstellung sondern um bewusste Aufhetzung. Die unkommentiert dargestellten Zahlungen sind durchaus legitim, auch nach dem verabschiedeten Korruptionsgesetz. Wer da glaubt, dass sei nicht in Ordnung, der sollte mal schauen was z.B. Politiker für Vortragshonorare erhalten. Zusätzliche Arbeit gehört nunmal auch bezahlt und hat mit Bestechung so viel zu tun wie Uran mit Urin.
Bzgl. Weiterbildungen wäre es sicher auch möglich, dass das die Krankenkassen bezahlen, das jedoch wollen die natürlich nicht. Und Geldflüsse bei Kassenpatienten offenlegen? Kein Problem! Ich erhalte ca. 22 Eiro pro Patient im Quartal, egal wie oft der kommt. Dafür solls dann alles geben was die Wissenschaft so hergibt? Ohne Privatpatienten könnten die meisten Praxen schließen, so sieht die Wirklichkeit aus!

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atherom 16.07.2016, 22:19
28. Ärzte schweigen, weil noch kein

Gesetz gibt, das irgendeine Berufsgruppe dazu verpflichtet. Die denunziatorische Art vom Spiegel darf man (bewundernd) als einen Fall vom vorauseilenden Gehorsam qualifizieren. Spiegel immer am Puls der Zeit.

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ichbindannmalfort 16.07.2016, 22:28
29. Ja, die

... dieses Killerargument kommt immer, wenn jemand sich irgendwo um Aufklärung verdient macht. Immer wird den Mitmenschen unterstellt, sie seien ausschließlich neidgetrieben und nur aus diesem Grund mit bestimmten Dingen nicht einverstanden. Mit Verlaub: Diese Unterstellung ist nicht nur schwachsinnig und hochgradig einfältig, sondern auch eine blanke Unverschämtheit. Genauso gut könnte man behaupten, alle Ärzte seien Vertreter einer Giergesellschaft. Das stimmt natürlich nicht, denn es sind nicht alle Ärzte. Allerdings doch die meisten, wie sich immer wieder zeigt. Und die Skandale, die regelmäßig aufpoppen, sind nur die Spitze eines Eisbergs.

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