Forum: Gesundheit
Geld von Pharmakonzernen: Warum Ärzte schweigen
Julia Cramer

Gut zwei Drittel der Ärzte wollen nicht offenlegen, wie viel Geld sie von der Pharmaindustrie bekommen. Was sind die Gründe für ihr Schweigen?

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Robeuten_II 16.07.2016, 23:50
40.

Zitat von DieterNeumaier
Ein Schelm, der schlechtes dabei denkt.. Die Pharmaindustrie macht das aus bloßser Nächstenliebe, und unsere lieben Ärzte nehmen Geld, "Fortbildungsaufenthalte mit Golfkurs an der Algarve" und andere Annehmlichkeiten, weil sie nicht anders können. Das ist keine Neiddebatte, das ist eine Debatte über Bestechung, Korruption und Vorteilsnahme! Wie lange soll das noch geduldet werden?
es GIBT EINFACH KEINE GOLFKURSE, wo auch immer! Wenn big pharma einen Arzt an einen Kongress schickt, dann ist der in einem 4-Sterne-Hotel (5 ist verboten; ebenso jegliche Hotels, die z.B. mit Wellness o.ä. offensiv werben. Der/die Partner(in) darf selbstverständlich NICHT mit. Und das Flugticket - ja, es ist Business Class - ist so ausgestellt, daß Sie nicht einen Tag länger bleiben können - es geht explizit darum, jeglichen Benefit über die Fortbildung hinaus auszuschließen. Oftmals wäre es sogar billiger, z.B. den Arzt übers WoEnde noch bleiben zu lassen, aber compliance erlaubt das nicht. Haben Sie sich übrigens gefragt, warum manche Automarken bei den üblichen Autozeitungen immer so gut wegkommen? Mittlerweile steht da ja manchmal in 4-Punkt-Mikroschrift, daß z.B. BMW die Reise etc. gesponsort hat. Und, nein, ein (Auto)journalist gibt sich nicht mit 4-Sterne-Hotels ab!!!
Überall wird viel mehr und viel extremer Geld von der Industrie an Leute, die als Multiplikatoren Macht haben, weitergereicht. Aber, wie hier schon erwähnt wurde - eines ist dem Arzt in Schland immer sicher - Neid! Und, klar, paßt perfekt dazu, daß die Kassen mal wieder die Beiträge erhöhen. Die müssten übrigens noch höher sein, wenn die Zwangsweiterbildung nicht mehr z.T. von big pharma gesponsort wird...

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Robeuten_II 16.07.2016, 23:54
41.

Zitat von kumi-ori
Für OTC-Arzneimittel müssen die Ärzte nicht den Rezeptblock zücken. Wenn Sie möchten, dass Ihr freiverkäufliches Sch...-Medikament aus den Apotheken verschwindet, dann kaufen Sie es einfach nicht. Bei den klinischen Studien sieht es ein wenig anders aus. Wenn Sie möchten, dass Ihre Krankheit mit einem Medikament behandelt wird, dann muss dieses vor der Zulassung getestet werden. Dazu werden umfangreich Daten dokumentiert und oft zusätzliche Werte erhoben, die von der Kasse nicht erstattet werden. Dies verursacht Mühen und Kosten und weder ein niedergelassener Arzt (für den Arbeitszeit Geld ist) noch ein Krankenhaus will und kann dies für Gotteslohn leisten. Wenn Sie das ablehnen, sollten Sie Ihren Diabetes, Ihren Tumor oder Ihren Herzinfarkt mit einem OTC-Arzneimittel selbst kurieren.
Danke - es wäre allenfalls zu ergänzen, daß die für eine Studie erstatteten Kosten de facto meist zu niedrig angesetzt sind - das ist der eigentliche Skandal, daß hier z.B. u.a. deshalb Unikliniken bez. "Wirtschaftlichkeit" schlechter dastehen, da die Realkosten für einen Studienpatienten eben meist zu niedrig erstattet werden...

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Robeuten_II 16.07.2016, 23:57
42.

Zitat von helm
Interessant, wie hier die Lobbyarbeit funktionieren soll, um geldgierige Ärzte vom Verdacht der Korruption freizusprechen. Ich weiß von einem Arzt, der wegen der "Studien", die er wegen Diabetesmedikamenten macht, häufig pro Monat mehr an Korruptionsgeldern einnimmt als durch den normalen Umsatz der Praxis. Sagt seine Frau! Und er nickt dazu.
Ich weiß von Leuten, die man wg. übler Nachrede rankriegen sollte - Sie sollten wissen, daß das internet nicht so anonym ist, wie Sie vielleicht glauben.
Ein guter Diabetologe wird mit Sicherheit NICHT "mehr" an Studienhonoraren einnehmen, als durch Patienten - oder aber, er führt ausschließlich Studien durch, anstatt Patienten außerhalb von Studien zu behandeln. Das wäre ein ziemlich dämliches Geschäftsmodell...

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Wasserspiegel 16.07.2016, 23:59
43. Das ist keine Bezahlung für Leistung!

Das kann man gar nicht Leistung nennen, wenn einseitige Vorträge gehalten werden. Viele solcher Ärzte können wissenschaftliche Zusammenhänge gar nicht mehr objektiv betrachten. Natürlich geht durch das Veröffentlichen der Daten Vertrauen in bestimmte Ärzte verloren, das ist auch berechtigt so. Viele Ärzte können nämlich nicht richtig einschätzen, ob sie beeinflusst sind. Das ist ganz normal, da es ja unbewusst passieren kann. Tatsächlich passiert es schon im Studium. Schließlich sind es nicht nur Ärzte, die Gelder empfangen, sondern auch Dozenten und Professoren (und damit unweigerlich Teile der Literatur), die ihre eingeengte/gekaufte Sichtweise auf ihre Studenten übertragen. Wie sonst ließe sich erklären, dass noch heutzutage viele Ärzte und Therapeuten die so gut vermarkte fundamentlose These vom chemischen Ungleichgewicht verbreiten, dass Depression durch einen Serotoninmangel im Gehirn entsteht, weshalb man Medikamente braucht, die den Serotoninspiegel erhöhen? Nämlich die sogenannten SSRI, eine der größten Einnahmequellen von Pharmafirmen. Wie lässt es sich erklären, dass es Ärzte gibt, die wortwörtlich "schwören", dass Antidepressiva keine Schäden verursachen können, obwohl es mehr oder weniger bestätigt ist (siehe "PSSD") und obwohl der genaue Mechanismus von Antidepressiva unbekannt ist? Wie kann man da "schwören"? Wie kann es sein, dass viele Ärzte bei JEDER Person, die schwere Nebenwirkungen von Antidepressiva berichten, die Problematik auf die Psyche schieben und daraufhin gar die Dosis erhöhen wollen?
So kommen wir genau zu dem entscheidenden Punkt:
Beeinflusste Ärzte verhalten sich unbewusst oder bewusst fahrlässig.
Das fahrlässige Verhalten eines Arztes kann Leben kosten.
Genau das ist der Punkt, wieso Ärzte hier gesondert betrachtet werden müssen.

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gluonball 17.07.2016, 00:04
44. Wem sind sie verpflichtet

Es stellt sich die Frage der Verpflichtung. Der Angestellte ist seinem Arbeitgeber verpflichtet. Möchte er einen weiteren Job annehmen, muss er diesen erst fragen. Deshalb greift auch das vom Arzt genannte Argument nicht "Wenn dann für alle!".
Ein Arzt sollte seinen Patienten verpflichtet sein, wenn er nun aber vllt mehr Geld von irgendwem anderen bekommt als den Krankenkassen, ist seine Verpflichtung den "Anderen" vermutlich und zurecht, schließlich bezahlen sie ja dafür gut, größer. Der Patient hingegen weiß das nicht und denkt sein Wohl würde an Stelle 1 stehen aber das ist nicht mehr der Fall.

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momov 17.07.2016, 00:12
45. Frau Meier hatte Fisch gebraten und Frau Schmid Suppe

Mal so als Bürger und Nicht-Mediziner gesprochen:

In meiner Kleinstadt gibt es ca. 10 Ärzte verschiedener Fachrichtungen. Ha! Zwei von denen konnte ich in der Liste wiederfinden. Sowas, die haben Reisekosten zwischen 300 € und 700 € erstattet bekommen.

Ja und? Was soll mir das jetzt sagen? Was soll damit suggeriert werden?

Das diese Ärzte ein Techtelmechtel mit der Pharmaindustrie eingegangen sind? Quatsch! Jeder Berufstätige ist froh, wenn ihm Reisekosten von der eigenen Firma oder der einladenden Firma erstattet werden. Das dadurch gleich eine monogame Liebelei ohne Hirn und Verstand zu welcher Firma auch immer stattfindet, wird jeder als Unsinn betrachten.

Oder sind gar die restlichen acht Ärzte in meiner kleinen Stadt jetzt korrupt, weil sie der Veröffentlichung nicht zugestimmt haben? Vielleicht waren sie ja auch auf keiner Veranstaltungen dieser Art, sondern auf anderen Fortbildungen? Soll es ja auch geben.

Die Aussagen der Artikel im Spon über dieses Theama sind in keinster Weise nachzuvollziehen. In dem Artikel könnte genauso gut stehen: Frau Meier hat am Sonntag Fisch gebraten und Frau Schmid eine Suppe gekocht. Zudem ist natürlich in China ein Sack Reis umgefallen.

Na klar ist es bekannt, dass Pharmakonzerne versuchen mit Ärzten zusammenarbeiten. Und ja, das kann auch ungesunde Ausmaße annehemen. Doch bitte schreibt dann darüber und veröffentlicht nicht irgendeine Liste mit Ärzten, die u.a. augenscheinlich Reisekosten erhalten haben.

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hubidocrosi 17.07.2016, 00:43
46. Geht's noch??

Gut zwei Drittel der Ärzte wollen nicht offenlegen, wie viel Geld sie von der Pharmaindustrie bekommen. Was sind die Gründe für ihr Schweigen?
Diese Berichterstattung ist wie so oft nervig und von Vorurteilen geprägt. Es wird unterstellt, dass alle und wirklich alle Ärzte von der Industrie geschmiert würden. Wer als Arzt nicht auf der Liste steht, ist also bestechlich und hat aus diesem Grund der Veröffentlichung seines Namens nicht zugestimmt: Was ein Scheiß!!
Ich bin leitender Oberarzt in einer grossen Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und kriege kein Geld von der Industrie und deshalb ist mein Name nicht auf der Liste und ich verbitte mir diese dämlichen Unterstellungen !! Ärztebashing scheint ja echt toll zu sein, aber langsam reicht es!!

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der_gärtner13 17.07.2016, 00:45
47. Leider Zustimmung für Herr Wehkamp

Ich würde meine Daten auch nicht veröffentlichen wollen, wenn die Liste unvollständig ist.

Natürlich gehört zu einer Bewertung auch die Leistung.

Einfach Summen auflisten führt im Endeffekt dazu, dass Interpretationen rein von der Gesinnung des Interpretierenden abhängen.

Das würde ich auch vermeiden wollen!

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kommentador 17.07.2016, 01:16
48. Böses Gesundheitskartell

Lieber geraldwinkeler,
Sie haben schon recht mit Ihrem Einwand, dass der Gesundheitsmarkt ein geregelter Markt mit machtlosen Kunden ist. Sie vergessen dabei aber, dass die Ärzte als Unternehmer genauso machtlos sind. Anders als sie es vielleiicht in Ihrer Makrovorlesung während des Bachelors gelernt haben sorgt der Markt eben nicht für die günstigsten Preise sondern die GOÄ! Das ist eben auch der Grund weshalb sich viele Jungmediziner nicht für den Beruf des Arztes entscheiden, obwohl man ja eig. die Patienten abzocken könnte mit überhöhten Abrechnungen. Was gäbe es denn finanziell lumrativeres als eine Landarztpraxis, in welcher die Patienten nicht mal die Wahl zwischen verschiedenen Ärzten haben. Eine reine Gelddruckmaschine also. Früher haben solche Praxen für 6 stellige Summen den Besitzer gewechselt. Heute kann man froh sein, wenn jemand kommt der wenigstens die Praxisräume mietet. Da wird wohl objektiv betrachtet nicht viel zu holen sein!

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cathaleya 17.07.2016, 01:17
49. Fragwürdig

In mehr als 8 Jahren ärztlicher Tätigkeit habe ich reichlich Fortbildungen besucht, dabei wurde ich NIE im Luxushotel untergebracht und habe sämtliche Teilnahme- und Reisekosten stets selbst getragen. Es entsteht im Artikel der Eindruck, dass Pharmasponsoring bei Fortbildungen die absolute Regel wäre. Das ist schlicht falsch und hat mit serösem Journalismus wenig zu tun.

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