Forum: Gesundheit
Geplante Geburt: Erst die Wehen, dann der Kaiserschnitt
DPA

Immer mehr Frauen entbinden per geplantem Kaiserschnitt. Die werdenden Mütter erhoffen sich eine entspanntere Entbindung, die Kliniken können besser planen. Aber liegt der Termin zu früh, kann es gefährlich für die Kinder werden.

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Mauszuhaus 02.12.2014, 17:13
50. Jeder so wie es sein Bauchgefühl sagt

Ich finde jeder sollte sich genau überlegen, wie er sein Kind auf die Welt bringen möchte. Und da hat niemand reinzureden. Mein erstes Kind war eine "natürliche Geburt" (36 Stunden Wehen, Saugglocke, hoher Blutverlust) Beim zweiten war ich mir sehr unsicher. Habe sogar nochmal einen Geburtsvorbereitungskurs besucht, weil das erste Mal so traumatisch war. Die Hebammen haben mich ganz verrückt gemacht: "Ich sollte eine Hausgeburt machen, weil das erste mal so schlimm war. Um ein therapeutisches Geburtserlebnis zu bekommen..." Ich hab mich dann für einen Kaiserschnitt entschieden. Der hat mir das Leben gerettet. Selbst bei einer normalen Entbindung im Krankenhaus hätten mich die Ärzte nicht retten können, weil so schnell gehandelt werden musste. Was ich damit sagen will: Keinem sollte gegen sein Gefühl etwas eingeredet werden. Die Ärzte im Krankenhaus haben übrigens nie versucht mich zu dem einen oder dem anderen zu überreden. Das war im Amalie Sieveking in Hamburg:)

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hemithea 02.12.2014, 18:12
51. traram

Ich verstehe nicht ganz, wieso so viel esoterisches Brimborium um die Geburt gemacht.

Jede Geburt ist ein Einzelfall, genauso wie jede Schwangerschaft, da funktionieren pauschale Ratschläge.

Mittlerweile scheinen teilweise genauso wie ums Stillen/künstliche Milch ein Glaubenskrieg um die Geburtart, um die Schwangerschaftskurse zu herrschen.
Meine Hebamme sagte dazu "auch für die Geburt gilt: es kommt anders als man denkt. Du darfst dich Bloss nicht versteifen und reinsteigern. Am besten situationsgerecht entscheiden."

Ich bin ein pragmatischer Mensch, zum Glück hatte ich so eine Fa und Hebamme, nachdem die Ärzte im Kreissal so n Stress gemacht haben. Meine Schwangerschaft war scheiße, Ich habe mehr Zeit im Krankenhaus verbracht als zu Hause. Aber zur Geburt hatte ich seltsamerweise eine ganz ruhige Einstellung:"Das Kind muss jetzt so oder so raus. Daran kann ich erstmal nicht ändern. "
Ich habe mir überhaupt nicht ausgemalt, wie die Geburt sein sollte: natürlich, KS, Wassergeburt. Nur im KH musste es sein. Wahrscheinlich hat mir das geholfen, immer situationsabhangig zu entscheiden.

am Ende stand ich kurz vor KS, der Arzt hat mir noch ne halbe Stunde gegeben. Kurz nach der Ansage kam unser Sohn.

Die Säuglingsterblichkeit und die Sterblichkeit im Wochenbett sind hier in Deutschland sehr gering, die Ärzte und Hebammen wissen in 99.9% der Fälle, was zu tun ist. Dann noch auf seinen eigenen Körper hören und dann wird alles gut.
Wichtig ist nur, nicht denken, man wisse mehr als der Arzt.

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iabat 02.12.2014, 19:36
52.

In der BRD beträgt die Müttersterblichkeit nach letztem Stand 7/100 000 Lebendgeburten. Die Lauserschnittrate hat an diesem sehr guten Ergebnis sicher einen nicht unerheblichen Anteil. Trotzdem sind sich alle einig, dass wir hier so langsam "zuviel des Guten" veranstalten. Profitgier der Ärzteschaft ist bei so etwas ja immer schnell als Argument zur Hand, nach dem Motto: "wie bei den Knie-OPs nur eben mit Babies". Dies übersieht allerdings einen entscheidenden Punkt: wenn dass Kind später in der 5. Klasse eine fünf in Mathe schreibt wird der ärztliche Kollege vor den Richter gezerrt, weil ja offensichtlich etwas bei der Geburt "schiefgegangen" sein muss. Insofern hat sich eine Kultur des "im
Zweifel Kaiserschnitt" etabliert - nicht aus Geldgier, sondern weil man von ärztlicher Seite her heutzutage regelrecht zur Angst vor dem vermeintlichen Kunstfehler erzogen wird. Zudem gibt es gerade unter den in aller Regel hochgeschätzten Vertreterinnen der Hebammen jene, die den Bogen in die andere Richtung überspannen und zuviel Zurückhaltung einem Kaiserschnitt gegenüber zeigen. Wenn unter dieser von der Hebamme geführten Geburt z.B. an einem
Zentrum etwas daneben geht, ist es der Arzt, der die Frage beantworten muss, weshalb er nicht eingegriffen hat. Der konstruktive Disput zwischen Arzt und Hebamme sollte also eigentlich selbstverständlich sein, um gute klinische Ergebnisse zu erzielen.

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dr doolittle 02.12.2014, 20:08
53. Drei

Kaiserschnitte in 3 Jahren als sogenannte alte Erstgebärende. Nach jeder secrio innerhalb von 8 Stunden auf den Beinen und am 3. tag nach der Geburt jeweils aus der Klinik entlassen. Keine Komplikationen, Schmerzen mit Hilfe von Medikamenten gut unter Kontrolle, zum Fädenziehen nach 5 Tagen zum Gynäkologen, eine OP Narbe - und drei gesunde Kinder! Das allerdings nicht in Deutschland, sondern in Südafrika. Alles eine Frage der Einstellung!

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dr doolittle 02.12.2014, 20:15
54. @ #46

Auch bei einem Kaiserschnitt können Sie das Neugeborene während der ganzen Zeit im Arm halten, genäht wird schnell und hinter der Abdeckung.

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UM Pieper 02.12.2014, 20:31
55. So geht es dahin.....

Bei meiner ersten Geburt, bei meiner zweiten Geburt... es wimmelt von Esoterikerinnen hier.

Oder nur von Leuten, die semantisch "Geburt" nicht von "Entbindung/Niederkunft" unterscheiden können?

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UM Pieper 02.12.2014, 20:32
56. Schon schwierig....

Bei meiner ersten Geburt, bei meiner zweiten Geburt... es wimmelt von Esoterikerinnen hier.

Oder nur von Leuten, die semantisch "Geburt" nicht von "Entbindung/Niederkunft" unterscheiden können?

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Gerechte Geburtshilfe 02.12.2014, 20:45
57. Jede 6. Frau erlebt ungeplanten Kaiserschnitt

Es ist erfreulich, dass der Spiegel über diese wichtigen Fakten berichtet: Dass es sinnvoll ist, die Wehen abzuwarten, um u.a. die Anpassungsschwierigkeiten beim Baby möglichst gering zu halten, die Voraussetzung für eine gute Bindung von Mutter und Kind durch den Wehen-Hormonfluss (Oxytozin) sowie einen Stillerfolg zu verbessern, ist bereits seit Jahrzehnten bekannt – JEDE Klinik in Deutschland sollte dies, wenn irgend möglich, so handhaben wie Dr. Lütje. [Doch auch Bonding im OP ist möglich und wird immer noch nicht von allen Kliniken praktiziert. Oft sind Mutter und Kind ohne medizinischen Grund Stunden voneinander getrennt. Es ist ein langer Weg des Umdenkens …]
Die Verbesserung von Kaiserschnittgeburten ist notwendig, was gleichzeitig bedeutet, immer und in jedem Fall individuell zu hinterfragen, ob eine Bauchgeburt wirklich die bessere Option für Mutter und Baby ist. (In den meisten Fällen ist sie dies nicht. Nur ca. 10% aller Kaiserschnitte in Deutschland sind absolut indiziert – vgl. geringe zitierte Plan-Kaiserschnittquote 5,7% in Dresden.) Dennoch suggeriert der Artikel leider, dass sich Frauen aus "Bequemlichkeitsgründen" („Mütter erhoffen sich eine entspanntere Entbindung“) einen KS wünschen würden. Doch die "Wunsch-KS-Rate" liegt in Deutschland bei unter 2% - wie die Studie von Dr. Kolip 2012 aufzeigt: www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-34F4CF9C-23F2D43E/bst/GesundheitsMonitor_3-2012_web.pdf - häufigster Grund für eine Wunsch-Sektio ist Angst. Sehr interessant ebenfalls: die meisten Frauen, die einen ungeplanten KS erhielten, fühlen sich schlecht informiert/aufgeklärt – auch noch Monate später. Ungeplant bedeutet übrigens nicht, dass eine absolute medizinische Indikation vorlag. Die meisten KS werden auch bei den ungeplanten aufgrund von relativen Indikationen entschieden. In den seltensten Fällen geht es wirklich um Leben und Tod. Dennoch häufen sich die Not- oder eiligen Kaiserschnitte. (Angst vor Regresszahlungen, Klagen oder auch finanzielle Aspekte spielen hier eine Rolle). Ca. jedes sechste Kind kommt mit einem ungeplanten Kaiserschnitt zur Welt. Viele Mütter erleben dieses Vorgehen als Gewalterfahrung, ihr Selbstbestimmungsrecht wird (aufgrund von Routine am falschen Platz, Personal- und Zeitmangel) nicht geachtet, wie nicht erst am 25.11.2014 bei der Roses Revolution deutlich wurde – eine Aktion gegen Respektlosigkeit & Gewalt in der Geburtshilfe (http://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/ mit Hilfeangeboten & Vernetzungsmöglichkeit für betroffene Frauen) – Die WHO forderte im September von den Regierungen dieser Welt mehr Forschung zu diesem Thema! – Hoffentlich wird dies umgesetzt.

Also: Danke für diesen Artikel - durch solche Pressearbeit können (Kaierserschnitt-)Geburten langfristig verbessert werden.

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karlwa 02.12.2014, 20:52
58. Ach ja

Zitat von thg
"Immer mehr Frauen werden per Kaiserschnitt zur Entbindung genötigt! Vorzugsweise von männlichen Gynäkologen in Krankenhäusern... "
Na, da haben wir doch wieder mal die Schuldigen, die bösen Männer! Grundmuster moderner Frauen - alle Schuld von sich weisen. In Wahrheit ist es so: Wenn die deutsche emanzipierte Frau von heute überhaupt noch ein Kind kriegt (50% der Akademikerinnen nicht), dann soll es unkompliziert, schmerzfrei, fix und ohne Mühe gehen. Daher der Kaiserschnitt. Auch die Kindererziehung soll keine Mühe machen und schon gar keine Einschränkung bedeuten, daher Ganztagskita, am besten schon wenige Monate nach der Geburt. Die Delegation der Erziehung an staatliche Stellen soll zudem möglichst wenig kosten und die Politik springt drauf an. Siehe Thüringen. Das alles wird die Grundlage für ein "erfolgreiches" Deutschland der Zikunft sein. Spaßig!

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Gerechte Geburtshilfe 02.12.2014, 21:04
59. Politik zur Entwicklung der Kaiserschnittrate + KS-Doku

Aufklärung und wirkliche Entscheidungsfreiheit (Informierte Einwilligung/Informed Consent) finden unter der Geburt zu wenig statt. [Forschungslage hierzu sehr dürftig. WHO fordert mehr Untersuchung.] Viel zu leichtfertig werden Kaiserschnitte durchgeführt und oft über die Köpfe der Frauen entschieden – ungeachtet der erwähnten fehlenden absoluten Indikationen und der z.T. viel zu wenig erforschten Langzeitfolgen (psychische Probleme, Bindungsschwierigkeiten, schlechterer Stillerfolg, häufigere Tot- und Fehlgeburten in Folgeschwangerschaften z.B. aufgrund von Vernarbungen) – vgl. auch Kolip-Kaiserschnittstudie.
Kaiserschnitte können und sollen Leben retten! Aber sie können, wenn unnötig angewandt auch viel Leid bringen: Frauen nach Kaiserschnitt haben 11% weniger Kinder als Frauen nach natürlicher Geburt…
Am 25.Nov. (internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen) lief die empfehlenswerte Dokumentation „Meine Narbe – ein Schnitt ins Leben“ (Österreich, ORF2), in welcher Kaiserschnitteltern von ihren z.T. traumatischen Erfahrungen berichten.

Noch eine Politik-Info in dieser Sache: Die Kleine Anfrage der LINKEN im zur Entwicklung der Kaiserschnittrate (http://www.linksfraktion.de/kleine-anfragen/entwicklung-kaiserschnittrate/) auf deutlich über 30% hatte nur dürftige Antworten der Bundesregierung erhalten. Hier würde ich mir eine kritische Auseinandersetzung wünschen, denn viele der Antworten sind oberflächlich oder z.T. sogar unwahr. Was eigentlich skandalös ist. So gibt es wissenschaftliche Forschungsergebnisse, die belegen, dass ein finanzielles Interesse an Kaiserschnittgeburten besteht, die Bundesregierung behauptet das Gegenteil. Der Beschluss der GMFK (http://www.gleichstellungsministerkonferenz.de/documents/2014_10_13_Beschluesse_GESAMT_Extern.pdf) sieht vor: "Die natürliche Geburt im Fokus - Gesundheit von Mutter und Kind sichern: [...] Organisatorische, strukturelle und ökonomische Voraussetzungen müssen so gestaltet werden, dass Gesundheit und Wohlergehen von Mutter und Kind im Vordergrund stehen."

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