Forum: Gesundheit
Geplante Geburt: Erst die Wehen, dann der Kaiserschnitt
DPA

Immer mehr Frauen entbinden per geplantem Kaiserschnitt. Die werdenden Mütter erhoffen sich eine entspanntere Entbindung, die Kliniken können besser planen. Aber liegt der Termin zu früh, kann es gefährlich für die Kinder werden.

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Bernd.Brincken 02.12.2014, 21:17
60. Haftung

Zitat von iabat
... entscheidender Punkt: wenn dass Kind später in der 5. Klasse eine fünf in Mathe schreibt wird der ärztliche Kollege vor den Richter gezerrt, weil ja offensichtlich etwas bei der Geburt "schiefgegangen" sein muss.
Kommt das wirklich vor, dass Jahre nach einer Geburt noch ein Arzt in Haftung genommen wird?
Wäre das überhaupt rechtlich darstellbar?
Gibt es dazu eine Statistik mit nennenswerter Fallzahl?
Wie oft wird denn sonst ein Arzt in seiner Laufbahn durchschnittlich verklagt? Wie oft erfolgreich?

Mein Gefühl ist eher, diese angeblichen Haftungsrisiken werden Ärzten ähnlich wie Handwerkern von ihren Innungen gern eingeredet, um einen Grund zu liefern für Arbeiten, die sie selbst schon als unsinnig erkennen.
"Ich darf die alte Heizung nicht reparieren, sonst bin ich haftbar!" - "Ein Kaiserschnitt ist für alle die beste Lösung" (denn sonst bin ich haftbar)?

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immerlocker 02.12.2014, 21:53
61.

Das Thema ist natürlich hochemotional besetzt, aber bei einigen der "Kontra-Kaiserschnitt"-Poster muss ich doch einmal dazwischengrätschen:

1. es gibt keine Prämien für Kaiserschnitte in den Kliniken (zumindest nicht in den 2 Kliniken, in denen meine Frau über Jahre als Frauenärztin und Geburtshelferin gearbeitet hat), der Grund für die steigende Sectiorate sind vielmehr die ins Unermessliche steigenden Regress- und Schadenersatzansprüche, die eben JEDE etwas komplexere Geburt zum Risiko für Ärztin und Hebamme machen.

2. Durch diese Ausselektion komplizierterer Geburten sinkt das Knowhow der Geburtsteams für kritische Situationen, was wieder zu 1. führt, einer niedrigeren Kaiserschnittschwelle.

3. ist die zunehmende Zahl von Kaiserschnittentbindungen auch schlicht dem Wunsch der werdenden Mütter geschuldet (Bikinifigur, vermeintlich besserer Sex, was weiß ich).

Daraus resultiert: Das von vielen Hebammen oder allgemein der "natürlichen Medizin" zugewandten Poster imaginierte "System", dass -natürlich männlich dominiert und von niederen Beweggründen (Geld) getrieben- Frauen natürliche Geburten ausredet, gibt es nicht. Was es gibt, sind brutal steigende Versicherungsprämien und der einer immer effizienzgetrimmteren Gesellschaft eigene Wunsch der Planbarkeit sowie vermeintlichen Risikominimierung (Gynäkologinnen würden übrigens nie ohne Not per Kaiserschnitt entbinden).

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janjibe 03.12.2014, 07:23
62. Steißgeburt

Das ist nämlich das Problem! Meine Tochter hatte auch Beckenendlage und es wurde mir vorgeschlagen, das Kind von außen zu drehen, was wohl für Mutter und Kind schmerzhaft ist oder Kaiserschnitt. Es wurde auch gesagt, dass Steißgeburten nicht alle Ärzte "können". Bei uns im Ort gibt es nur ein Krankenhaus und zwei Ärzte, die eine Steißgeburt begleiten können. Wenn die aber nun mal keine Schicht haben oder Urlaub haben? Was dann???
Ich habe mich dann für den Kaiserschnitt entschieden, allerdings hauptsächlich aus Angst, da ich im Jahr zuvor unseren Sohn im 6. Monat verloren habe.

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asentreu 03.12.2014, 09:52
63.

Zitat von Gerechte Geburtshilfe
Bonding
Bonding, Bonding, Bonding... Wir sind doch hier nicht bei Brehms Tierleben wo alles nur auf Instinkt beruht und die Ricke ihr Rehkitz nicht mehr annimmt, weil es durch fremde Berührung anders riecht!

Wir sind Menschen und da passiert Bonding (ein dummes Wort wie ich finde, "Verantwortungsgefühl gegenüber dem eigenen Kind") doch schon weit früher als erst bei der Geburt! Die Bindung geht heutzutage doch schon ab dem Moment des positiven Schwangerschaftstests los, anders ist es sonst doch gar nicht zu erklären das selbst früheste Fehlgeburten und Totgeburten als "Sternenkinder" betrauert werden, da dort ja auch kein postnatales "Bonding" stattfinden konnte.

Auch in meinem Bekanntenkreis erlebe ich, das allerspätestens mit dem Bemerken der ersten kindlichen Bewegungen im Mutterleib bei meinen Freundinnen die "Schwangerschaftsglücksseeligkeit" losgeht und sich auf das Baby hingefreut wird. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, auch das Baby ist schon "gebondet" durch 9 sonnenlose Monate Haft im Abdominalverlies ;-)

Denken Sie doch einfach mal an die unterentwickelteren Teile der Welt. Sind dort die Orte voller traumatisierter Kinder, traumatisiert weil die Mütter während der Geburt oder im Wochenbett starben (welche Trennung von der Mutter ist wohl einschnidender und finaler als die durch den Tod der Mutter?)? Wohl eher nicht, denn dort hat man im Alltag ganz andere Probleme.

Und zum Thema Kaiserschnitt: lasst uns Frauen doch die Wahl! Es ist doch vollkommen egal wie das Kind zur Welt kommt, solange es hinterher wenigstens geistig gesund ist. Wenn wir hier den Frauen noch mehr Vorschriften machen (Gebären sollt ihr natürlich und ohne Schmerzmittel! Sonst seid ihr schlechte Mütter und habt das Kind gar nicht verdient! Stillen sollt ihr bis euch die Nippel bluten! Sonst bekommt euer Kind Allergien und Asthma und ihr seid schuld!) dann brauchen wir uns wirklich nicht wundern, warum so viele (gebildete) Frauen sagen "das tue ich mir nicht an".

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SPON-XYZ 03.12.2014, 10:35
64. Ich stehe kurz vor der Entbindung....

....und möchte gerne eine natürliche und spontane Geburt in einem kleinen Krankenhaus. Betreut wird die Geburt dort grundsätzlich nur von Hebammen, erst wenn es Komplikationen gibt, wird ein Arzt/ eine Ärztin dazu gerufen. Mein Gyn hat in der ganzen Schwangerschaft nicht einmal versucht mir einen Kaiserschnitt "schmackhaft" zu machen - warum auch, bisher lief alles super. Allerdings liegt der kleine nun noch immer in Beckenendlage und ich habe einenTermin zur Vorbesprechung im besagten Krankenhaus. Dort werden wir dann sehen, ob eine natürliche Geburt möglich sein sollte, falls er sich nicht mehr drehen sollte (ja, sie machen auch natürliche Geburten in BEL) oder ob das Risiko - aus welchem Grund auch immer - zu hoch sein sollte.

Grundsätzlich denke ich zu diesem Thema, sowie zum Thema Schwangerschaft generell: Es gibt soviele IGeL-Leistungen, Ultraschall-Flatrates, Nakenfaltenmessung, Fruchtwasser-Untersuchungen, Sreening hier und Screening dort, das schon versucht wird mit den Ängsten werdender Eltern Geld zu verdienen. Daher sollte Frauen mal wieder Mut gemacht werden, auf den eigenen Körper und die Signale zu hören. Ganz zu Beginn der Schwangerschaft sagte mein Gyn: Solange es ihnen gut geht, können Sie davon ausgehen, dass es auch ihrem Baby gut geht.
Im Regelfall merkt eine werdende Mutter, wenn etwas nicht stimmt.
Und es ist doch toll, dass es die Möglichkeit gibt, bei medizinischer Notwendigkeit einen Kaiserschnitt zu machen, um schlimmeres zu verhindern! Wer kann da allen Ernstes was dagegen haben??

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kfp 03.12.2014, 10:46
65.

Zitat von karlwa
Na, da haben wir doch wieder mal die Schuldigen, die bösen Männer! Grundmuster moderner Frauen - alle Schuld von sich weisen.
Na, da haben wir doch wieder nach langem akribischen Suchen einen einzigen Post aufspüren können, in dem "männlich" in einem Nebensatz in negativer Konnotation verwendet wird. Das legimiert dann natürlich, allen Frauen pauschal fehlende Selbstkritikfähigkeit zu unterstellen...

Zitat von
In Wahrheit ist es so: Wenn die deutsche emanzipierte Frau von heute überhaupt noch ein Kind kriegt (50% der Akademikerinnen nicht),
Das hat wohl weniger mit Emanzipation zu tun als mit den Anforderungen an Akademiker/innen: Studium bis Ende 20, danach noch diverse Praktika, Traineestellen, Kettenbefristungen, Probezeiten, bis es zum Kinderkriegen bei Frauen zu spät ist (während Männer sich dann notfalls eine jüngere Frau suchen bzw. ja den von Firmen heute selbstverständlich erwarteten jahrelangen "Berufseinstieg" nicht unter- bzw. damit in den Augen vieler Verantwortlicher dann gleich abbrechen müssen, während ihre Frauen dann halt die Kinderbetreuung übernehmen)... - Das einzige "Emanzipierte" dabei ist, dass Frauen jetzt auch Uni-Abschlüsse erlangen und entsprechend qualifizierte Berufe ergreifen dürfen... Sie finden also, dass das schleunigst wieder verboten werden sollte?

Zitat von
dann soll es unkompliziert, schmerzfrei, fix und ohne Mühe gehen. Daher der Kaiserschnitt.
Sagt wer? Wenn Sie genauere Zahlen suchen, sehen, Sie, dass die meisten Kaiserschnitte vom Arzt aufgeschwatzt und nicht von der ach-so-verwöhnten Mutter gewünscht sind... (Und selbst die "Wunschkaiserschnitte" kommen oft daher, dass der Arzt ungünstige Kindslage oder andere mögliche Komplikationen feststellt/prognostiziert, bis die Eltern sich dann die vom Arzt favorisierte Methode irgendwann auch "freiwillig" "wünschen"....

Zitat von
Auch die Kindererziehung soll keine Mühe machen und schon gar keine Einschränkung bedeuten, daher Ganztagskita, am besten schon wenige Monate nach der Geburt
Wer besteht denn darauf, dass die Kindererziehung keine Mühe machen soll? Weniger die "faule" Frau als der Arbeitgeber, der schon bei Elternzeit der Mutter, noch mehr bei Elternzeit des Vaters, Halbtagswünschen, Kinderkrankheiten usw. oft völlig verständnislos reagiert. (Obwohl er für nicht geleistete Arbeitszeit keinen müden Cent bezahlt, das geht alles auf Kosten den Staats oder der Eltern, wenn die gezwungenermaßen der Arbeit fernbleiben müssen, weil das Kind sich eben noch nicht alleine betreuen kannn...)

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DahmerJeff 03.12.2014, 14:03
66. Zweierlei Maß

Zitat von dr doolittle
Kaiserschnitte in 3 Jahren als sogenannte alte Erstgebärende. Nach jeder secrio innerhalb von 8 Stunden auf den Beinen und am 3. tag nach der Geburt jeweils aus der Klinik entlassen. Keine Komplikationen, Schmerzen mit Hilfe von Medikamenten gut unter Kontrolle, zum Fädenziehen nach 5 Tagen zum Gynäkologen, eine OP Narbe - und drei gesunde Kinder! Das allerdings nicht in Deutschland, sondern in Südafrika. Alles eine Frage der Einstellung!
Sie sind vermutlich Ärztin, wie ihre geltungssüchtige Alias verrät.
Schon mal bedacht:
Die Ratschläge unter Ärzten und abhängig vom Versicherungsstatus unterscheiden sich?

3 mal mehr Kaiserschnitte bedeutet 300 Prozent mehr Einnahmen und Boni.
GKV-Frauen gebären noch natürlich, privatversicherte Akademikerinnen gebären nur per KS.
Und zwar wegen weniger Schmerzen und Ästhetik.

Die Frage ist eben nur, warum das alle Versicherten mittragen sollen?

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