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Geplantes Gesetz: Wer soll Organe spenden?
DPA

Künftig soll jeder als Organspender gelten, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. So sieht es die Gesetzesinitiative vor, die gerade im Bundestag diskutiert wird. Gegner haben ernste ethische und juristische Bedenken.

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ich2010 01.04.2019, 13:30
20.

Zitat von karin.italienfan
Ich hatte viele Jahre lang in jeder Handtasche einen Organspende-Ausweis. Nachdem verschiedene Skandale an Kliniken bekannt wurden, habe ich alle Ausweise vernichtet. Und nachdem ich einen schrecklichen Film gesehen und die geschockten Eltern eines verstorbenen Kindes gehört habe, bin ich mittlerweile der Meinung, dass ich keine Lust habe, meinen Körper "ausschlachten" zu lassen, zumal das Hirntod-Merkmal immer noch umstritten ist. Ich werde auf jeden Fall widersprechen. Andererseits muss ich mir keine allzugroßen Sorgen machen, da laut meinem Hausarzt "alte" Organe ohnehin nicht als Spenderorgane in Betracht kommen ;-). Sollte dieser Vorschlag wirklich Gesetz werden
wer kann zu 100% garantieren, dass man nicht vorzeitig für tot erklärt wird wenn man spender ist?
auf der empfänger-seite wurde bereits betrogen. wer garantiert, dass das bei den spendern nicht passiert? man besteche ein paar mediziner, die schreiben das nächste unfallopfer gleich mal tot.
nee, besten dank auch. das system ist nicht unfehlbar, menschen sind käuflich.

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s.l.bln 01.04.2019, 13:32
21. In anderen Ländern...

Zitat von Daueronline
Wenn jemand nicht spenden möchte, es aber gerade "Bedarf" gibt (sie es durch ein eintreffendes Unfallopfer oder durch einen skrupellosen Mediziner), wer garantiert dem potentiellen Spender, dass sein Recht auf körperliche Unversehrtheit gewahrt bleibt? Wenn sein Widerspruch mal eben nicht auffindbar ist oder aus der Datenbank gelöscht wird? Bei einer aktiven Zustimmung muss im Zweifelsfall diese gezeigt werden können, was nachträglich schwer zu machen sein wird.
...ist dieses Prinzip gängige Praxis und sorgt dafür, daß die Spenderorganversorgung nicht annähernd so prekär ist, wie bei uns.
Die von Ihnen skizzierten Horrorszenarien erlebt dort niemand und es gibt keinen Grund anzunehmen, daß das ausgerechnet in Deutschland anders sein soll.

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vermeervandelft 01.04.2019, 13:33
22. Organspende ist eine gute Tat

wenn sie eine freiwillige Spende ist. Aber man muss den Menschen, von denen man das haben möchte, auch eines klar sagen: Die Organe werden nicht "nach dem Tod" entnommen, sie werden während des Sterbeprozesses entnommen. An einem Punkt an dem der Sterbeprozess unumkehrbar ist, ist es irgendwie auch nicht vernünftig, seine Organe "festhalten" zu wollen, wenn schon das Leben als ganzes aufgegeben werden muss. Man kann sie zweifellos spenden. Trotzdem zerstört die Medizinindustrie nötiges Vertrauen, wenn mit solchen -- nach meiner Überzeugung unzutreffenden -- Darstellungen operiert wird, und dann auch noch Druck gemacht wird.

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mlarsen 01.04.2019, 13:33
23.

Von mir aus gerne. Wenn ich nach meinem Tod einem anderen Menschen mit meinen Organen helfen kann, so what ? Nach dem Tod braucht man sie nicht mehr, es gibt auch kein Zwischenreich und die Seele kommt eh ohne Nieren aus.

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Pocillator 01.04.2019, 13:34
24. Entscheident ist, ob sich die Chose rechnet.

Es ist nunmal so, dass sich für die Pharmaindustrie die Entwicklung
der entsprechenden Medikamente wie Immunsuppresiva nur lohnt,
wenn eine bestimme Anzahl Transplantationen im Jahr durchgeführt werden. Erschwerend kommt hinzu dass, sich für viele kleine Krankenhäuser die Entnahme von Organen finanziell nicht lohnt - sie blockiert zudem lukrative OP-Kapazitäten. Sprich, die Organe eines verunglückten Organspenders, der in so einem Krankenhaus stirbt, werden nicht entnommen. Eine Transplantation wiederum ist fürs Krankenhaus lukrativ - im Unterschied zur z. B. Notfallaufnahme oder Geburtstationen, wo ein Krankenhaus im Fallpauschalensystem bei jeder Behandlung zuzahlt.
Es geht, machen wir uns nichts vor, nicht um Moral oder das Wohl von Menschen, sondern darum, was sich ab wann rechnet oder was nicht.

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mario.rosa-bian 01.04.2019, 13:34
25. Warum ist es so schwer, sich aufklären zu lassen?

Im Jahre 2017 starben in Deutschland ca. 932.000 Menschen. Von diesen wurden 797 Organspender. Dies sind 0,085% der Toten. Feststellung 1: Nur die wenigsten kommen als Organspnder in Betracht, nämlich nur die, die den sog. Hirntod gestorben sind UND die sich selbst (oder durch die Angehörigen) zum Spender erklärt haben.
Im Jahre 2017 kamen ca. 4.600 Menschen NEU auf die Organ-Warteliste. Feststellung Nr. 2: Die Wahrscheinlichkeit, Organempfänger zu werden ist ca. 6 mal so hoch wie die, Organspender zu werden.
Eine verschleppte bzw. Nicht auskurierte Grippe kann schon Grund für ein Herzversagen sein. Feststellung Nr. 3: Es kann JEDEN treffen, JEDERZEIT.
Im Februar 2019 hat das englische Parlament die Widerspruchslösung (WSL) beschlossen. Im letzten Jahr haben die Niederlande die WSL beschlossen, m vorletzten Jahr hat Frankreich sie eingeführt. In mittlerweile 24 europäischen Ländern gilt sie. In allen Ländern mit WSL ist die Spenderquote (Anzahl Organspender/ 1 Million Einwohner) höher als in Deutschland. Deutschland gehört zusammen mit BeNeLux, A, CRO, H und SLO dem Verbund EUROTRANSPLANT (ET) an. ET mit Sitz in NL entscheidet darüber, wer der bestgeeignete Empfänger (Blutgruppe, Gewebeattribute, Alter, Dauer Wartezeit usw.) eines dort gemeldeten Spenderorgans sein soll. In allen genannten Ländern (von ET) gilt die Widerspruchslösung. In Österreich gilt sie seit ca. 25 Jahren. Die Tiroler Volkszeitung hat am 1.12.2018 veröffentlicht, wie viele Bürger Österreichs ihren Widerspruch in dem Register haben eintragen lassen: 40.742, dies sind bei einer Bevölkerung von ca. 8.773.000 ca. 0,46%. Feststellung Nr. 3: weil Österreicher soziokulturell nicht so viel anders als wir Deutschen sind, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die „Widersprecher“ in Deutschland prozentual ähnlich wenige sind. Im Kern geht es doch darum, ob die Entscheidung pro oder contra WSL zumutbar ist oder nicht. Ich finde, sie ist zumutbar. Was würden Sie wollen, wenn Ihre Tochter, Ihr Sohn morgen auf ein Organ angewiesen sein sollte? Höchstwahrscheinlich wollen Sie die bestmögliche Therapie, in dem Fall eine Organspende.
Ich habe für jeden Verständnis, der kein Organspender sein will, ich habe allerdings kein Verständnis für Menschen, die die bestmögliche Therapie für Dritte verhindern wollen. Bei einer WSL kann jeder jederzeit widersprechen, wo ist das Problem? Am fairsten fände ich, dass nur jemand Organe empfangen kann, der nicht widersprochen hat.

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Hoppla! 01.04.2019, 13:36
26.

Zitat von Ranor
Ich stehe positiv zur Organspende und habe auch einen entsprechenden Ausweis ausgefüllt, den mir meine Krankenkasse zugeschickt hatte. Diesen trage ich auch immer bei mir in meine Brieftasche. Ich bin jedoch ein entschiedener Gegner der Widerspruchslösung,......., aber irgendwie muss man ja ein Zeichen des Protestes gegen diesen Staat setzen der sich immer mehr anmaßt selbst in privatesten Bereichen der persönlichen Lebensführung Einfluss zu nehmen.
Es geht ja nicht um die persönliche Lebensführung sondern wenn das Leben rum ist, also der Gevatter Tod schon zu Besuch vorbei gekommen ist. Wenn ein Obdachloser stirbt und keine Angehörigen zu ermitteln sind entscheidet ja auch die zuständige Stelle was mit seinem Leichnam zu passieren hat (Armengrab mit oder ohne Verbrennung) da gibts zu Lebzeiten nicht mal eine Widerspruchsmöglichkeit. Bei dem neuen Gesetzt werden ja auch die nahen Angehörigen befragt und sie haben das letzte Wort. Ich glaube übrigens keinem der Kommentatoren ein Wort, die hier angeben eine Organspendeausweis zu besitzen und ihn jetzt aus Protest zu vernichten.

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fillthegap 01.04.2019, 13:38
27.

Zitat von cosmopolisxiii
Man muss sich halt mal mit der Thematik befassen!
richtig erkannt, das können aber viele Menschen nicht und deshalb wird es auch nichts mit dem Gesetz.

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M.steitz 01.04.2019, 13:38
28. @Daueronline

Erst tritt der Hirntod ein, dann wird nach Möglichkeiten einer Organspende geschaut.
Auch wenn es abzusehen ist, dass der Hirntod bald eintritt. Wird eine Meldung und (damit Start der Suche an Organempfänger) an die Deutsche Stiftung Organtransplantation erst mit dem Hirntod gemacht.

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Knippi2006 01.04.2019, 13:38
29. In dem Moment

in dem die Widerspruchslösung zum Gesetz wird werde ich meinen Organspendeausweis vernichten und mich mit einem Nein in das Register eintragen.
Es kann nicht sein, dass der Staat jeden Bürger qua Gesetz zum Ersatzteillager erklärt.

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