Forum: Gesundheit
Geplantes Gesetz: Wer soll Organe spenden?
DPA

Künftig soll jeder als Organspender gelten, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. So sieht es die Gesetzesinitiative vor, die gerade im Bundestag diskutiert wird. Gegner haben ernste ethische und juristische Bedenken.

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marcaurel1957 01.04.2019, 13:52
40.

Zitat von Ranor
Ich stehe positiv zur Organspende und habe auch einen entsprechenden Ausweis ausgefüllt, den mir meine Krankenkasse zugeschickt hatte. Diesen trage ich auch immer bei mir in meine Brieftasche. Ich bin jedoch ein entschiedener Gegner der Widerspruchslösung, die Argumente dafür sind größtenteils im Text bereits genannt. Was mich persönlich jedoch besonders abschreckt ist der Gedanke der hinter Gesetzt steht, dass der Körper eines Staatsbürgers per se dem Staat gehöhrt und ich gezwungen werde aktiv Stellung zu nehmen wenn damit nicht einverstanden bin. Sollte die Widerspruchslösung durchgewunken werden so werde ich meinen Auseis vernichten und in dem entsprechenden Register Widerspruch einlegen. Das finde ich zwar bedauerlich, aber irgendwie muss man ja ein Zeichen des Protestes gegen diesen Staat setzen der sich immer mehr anmaßt selbst in privatesten Bereichen der persönlichen Lebensführung Einfluss zu nehmen.
Damit können wir leben....die Widerspruchslösung wird soviel neue Spender hervorbringen, dass wir auf Ihre Organe verzichten können.

Im übrigen ist Ihre Begründung absurd!

Wollen Sie Menschen helfen oder Ihre Prinzipien durchsetzen?

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Softship 01.04.2019, 13:53
41.

Zitat von Marvin__
Vor einigen Jahren gab es einen Skandal, bei dem sich gezeigt hat, dass es massive Probleme bei der Verteilungsgerechtigkeit von Spendeorganen gibt, sowohl auf Bundes- wie auf Klinikebene. Die Skandale wurden damals als Einzelfälle abgetan, mehr als eine Kommission, die mal debattieren wollte, ist dabei wohl nicht herausgekommen. Gibt es inzwischen funktionierende Verteilungs- und Kontrollsysteme?
Hier können SIe einiges zum Thema finden:
https://www.hna.de/lokales/goettingen/goettingen-ort28741/nach-organspende-skandal-in-goettingen-alle-fragen-und-antworten-8445081.html

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marcaurel1957 01.04.2019, 13:54
42.

Zitat von troka
..solange das Gesundheitswesen immer stärker den Marktregularien unterworfen wird und sich von einem Gemeinwesen immer mehr entfernt ist diese verordnete "Verwertung" von Menschen strikt abzulehnen. Am Ende entscheidet auch hier die Dicke der Geldbörse und an welchem Ende der Hierarchieleiter man sitzt, wer am schnellsten ein Spenderorgan bekommt. und wer sagt, dass dann nicht auch "unerwartete" Tode planbar sind. Spahn öffnet hier die Büchse der Pandora. Das Schlimme ist, er merkt es nicht mal in seiner "marktkonformen" Denke...
„Markt“ ist nichts schlimmes, er führt zu Wohlstand ....

Das hat hiermit aber absolut nichts zu tun....hier es darum Menschen zu helfen, die sonst nach jahrelanger Wartezeit sterben müssen!

Ihre Kapitalismuskritiker ist hier fehl am Platz!

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jim_rewop 01.04.2019, 13:55
43. Gewagte These

Zitat von cosmopolisxiii
Aktuell befassen sich offenbar zu wenige Menschen mit der Möglichkeit eines "ja" zur Organentnahme, wenn von 9400 Menschen auf einer Warteliste stehen, es aber 2018 nur rund 3500 Organtransplantationen gab. Die Debatte, die Herr Spahn auslöst führt vllt. zu mehr Organspendeausweisen, wo ein "ja" angekreuzt wird. Aber auch mit der Widerspruchslösung hat jeder die freie Möglichkeit sich dem zu enthalten. Man muss sich halt mal mit der Thematik befassen! Zudem haben ja auch die Erben jeweils noch die Chance auf eine "nein". Was mich stutzig macht, warum das bei uns gesetzeswidrig sein soll, während ähnlich liberale Demokratien dies sehr wohl hinbekommen. Das eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden muss scheint klar, aber einen unauflöslichen Grundgesetzverstoß sehe ich nicht. Vllt. findet sich eine Mehrheit und mehr Menschen denken darüber nach, dass Sie einmal froh sein werden, wenn ihre Liebsten von einem Organ eines Verstorbenen gerettet werden!
Find ich eine gewagte These, eine pauschale Kausalität zwischen erfolgten Organtransplantationen und der thematischen Beschäftigung des Einzelnen herzustellen. Woher wissen Sie wie viele Mitbürger (nach reiflicher Überlegung) sich bewusst gegen das Spenderdasein entschieden haben?

Ich persönlich empfinde diesen Gesetzesvorschlag aus vielerlei Gründen kontraproduktiv. Juristisch ist für mich eine Widerspruchsregelung keine Spende mehr und schließt sich sprachlich als auch inhaltlich aus.

Die ethische Tatsache zum Registrierungszwang, sofern man dann nicht gewillt ist seine Organe zur Verfügung zu stellen, finde ich nahezu untragbar.

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pirx64 01.04.2019, 13:56
44. Frage

Was passiert in dem Fall, das jemand per Verfügung lebenserhaltende Maßnahmen abgelehnt hat, also die Maschinen abgeschaltet werden? Damit ist er doch kein potenzieller Spender mehr.

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Softship 01.04.2019, 13:56
45.

Zitat von Martuk
Wenn pro Jahr in Deutschland weniger als 1000 Menschen Organspender sind, liegt das dann daran, dass sich nur wenige 10.000 als Organspender registriert haben, und sich auch die Angehörigen nicht erweichen ließen, oder liegt es an etwas anderem? Z.B. daran ob es für die Klinik lukrativ ist Organe zu entnehmen oder eben gerade eher nicht?
Es ist für eine Klinik nie "lukrativ", Organe zu entnehmen. Daran will der Bundesgesundheitsminister was ändern.
Denn gerade weil es für die entnehmende Klinik ein Minusgeschäft ist, werden potentielle Organspender überhaupt nicht an Eurotransplant gemeldet.
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/organspende-gesetzentwurf-soll-bedingungen-der-kliniken-verbessern-a-1236200.html
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marcaurel1957 01.04.2019, 13:58
46.

Zitat von Peer Pfeffer
Ich finde die Widerspruchslösung gut. Jeder kann ja widersprechen. Ob das GG-konform ist, gilt es aber zu klären, bevor man ein GEsetz macht, das dann auf Widervorlage jahrelang beim Verfassungsgericht liegt.
Dies Frage auf Verfassungskonformität kann NUR vom BVerfG geklärt werden....ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass ein Widerspruchslösung NICHT gegen unsere Verfassung verstößt aber die einzige Institution die das entscheiden kann, ist das Bundesverfassungsgericht.

Das dauert übrigens nicht sehr lange...

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uwe4321 01.04.2019, 13:59
47. Wertschätzung

Als junger Mensch hatte ich natürlich einen Organspender-Ausweis. Der eigene Tod war abstrakt und in weiter Ferne - auch als Motorradfahrer. ;-) Zudem hatte man schon das Gefühl einer gewissen Wertschätzung. Als jetzt die Widerspruchslösung diskutiert wurde, habe ich meinen Ausweis vernichtet. Sollte sie in "Gesetz gegossen" werden, werde ich definitiv widersprechen! Ein weiterer Aspekt der Organspende treibt mich zudem um: man hört von Organentnahmen ohne Anästhesie und Abwehrbewegungen des Körpers. Klar, technisch braucht es für den "demnächst ganz Toten" keine Narkose, aber noch geringer kann man den Körper eines Organspenders doch gar nicht mehr wertschätzen! Das bißchen Geld für ein ethisches und anständiges Arbeiten sollte nun auch noch da sein.

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Prekär 01.04.2019, 14:00
48. Dagegen

Obwohl ich mich sonst zu jenen zähle, die in Entscheidungsituationen eher Sachargumente gelten lassen, befasst mich bei der Widerspruchslösung zur Organspende eine Schauern. Ich bewundere und schätze all jene, die bereit sind ihren Körper zu spenden, sie tun definitiv etwas Gutes. Es ist auch gut, dass wir mehr Öffentlichkeit für das Thema schaffen. Aber dennoch kommt eine Spende für mich selbst nicht in Frage, oder nur mit ganz bestimmten Einschränkungen, die sich nicht per Online-Klickbogen mit "ja oder nein" beantworten lassen. Ich möchte die Entscheidungsgewalt über meinen Körper behalten, über meinen Tod hinaus, denn ich bin die Summe dieser Einzelteile, ich bin keine Seele, die den Körper verlässt nach dem Tod, sondern Hirn, Herz, Knochen, Haut und die elektrische Energie darin. Und ich grusele mich vor einer Gesellschaft, die mir diese Entscheidungsgewalt absprechen will und über mich verfügen will, wenn ich verpasse schnell, laut oder passend genug "Nein!" zu rufen. Welche Tore öffnen wir damit? Welche Missverständnisse werden entstehen? Wann zählt Bewusstsein zukünftig noch als rechtlich schützenswert? Was ist wenn ich mich nicht äußern kann, ob ich will oder nicht? Muss ich dann meinen Körper hergeben? Pech gehabt?

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Hans.Gans 01.04.2019, 14:01
49. Widerspruchslösung rechtswidrig?

Zitat: "Die Rechtswissenschaft sei sich 'überwiegend einig darin, dass die Widerspruchsregelung grundgesetzwidrig ist'. Weder in der Gesetzgebung noch in der Rechtsprechung gebe es bisher das Konstrukt 'Wer nicht widerspricht, stimmt zu'[...]".

Soso, ein solches Konstrukt gab es also im deutschen Recht noch nicht? Hat die gute Frau Vogler etwa die millionen Wehrdienstverweigerer vergessen, die bis vor ein paar Jahren ihrem Einzug zur Bundeswehr _widersprechen_ mussten?

Hätte mir damals doch bloß jemand gesagt, dass eine solche Opt-Out Lösung rechtswidrig ist und ich eigentlich gar nicht verweigern hätte müssen.

Wenn sich Frau Vogler so sehr um die Mündigkeit Ihrer Bürger sorgt, dann könnte sie sich ja auch um das 2012 unter Schwarz-Geld eingeführte und nach wie vor gültige Meldegesetz kümmern, welches ebenfalls eine Widerspruchslösung (zur Datenweitergabe für Werbezwecke) enthält.

Die Widerspruchslösung gilt in der Mehrheit der Staaten der EU. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland in diesem Punkt zur Zivilisation aufschließt. Zu behaupten die Regelung wäre Rechtswidrig ist lächerlich. Das BVG würde die Entscheidung ohnehin an den EUGH verweisen.

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