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Gesetzentwurf: Dürfen Medikamente an Demenzkranken erforscht werden?
imago/ epd

Medikamente dürfen nur an schwer Demenzkranken getestet werden, wenn diese auch einen Nutzen davon haben. Ein neues Gesetz, über das der Bundestag diese Woche berät, soll das ändern. Die wichtigsten Fakten.

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kumi-ori 08.11.2016, 20:03
1.

Ich verstehe generell nicht, auf was für Fälle sich diese Einschränkung bezieht. Grundsätzlich dürfen an Zustimmungsfähigen wie auch an dementen Personen keine Studien durchgeführt werden, von denen nicht ein Vorteil für die Probanden erwartet wird. Beispielsweise ein Studiendesign, bei dem die Probanden anfangen sollen zu rauchen, um zu zeigen, dass sie Krebs bekommen, würde keine Ethikkommission passieren. Eine hundertprozentige Garantie, dass der Patient profitieren wird, gibt es allerdings in keinem Falle. Deshalb macht man ja eine Studie.

Bei uns sind bisher Studien an Patienten, die nicht fähig sind, selbst zuzustimmen, nicht erlaubt. Das gilt nicht nur für demente Patienten, sondern auch beispielsweise für bewusstlose Unfallopfer. Deswegen müssen wir aber nicht auf medizinischen Fortschritt verzichten. Wir können nämlich auf Ergebnisse zurückgreifen, die in anderen Ländern mit weniger restriktiven Regeln gewonnen wurden. So haben wir daas Problem bei uns auf wunderbare Weise ethisch unanfechtbar gelöst.

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georgia.k 08.11.2016, 21:24
2. Ich würde es noch restriktiver handhaben wollen.

Solange der Demenzerkrankte selbst entscheiden und die Tragweite selbst beurteilen kann, mag er zustimmen oder nicht. Eine Zustimmung des Betreuers halte ich für fatal. Betreuer können viele sein, unabhängig vom jeweiligen medizinischen Sachverstand, nicht unbedingt immer frei von persönlichem Erwerbsstreben. Wird der Betreute vom Betreuer "entreichert", lässt sich das meist noch nachweisen, wenn Immobilien unter Wert veräußert, Sparguthaben abgebaut werden. Dass Demenzkranke u. U. gegen Honorar oder sonstiger Zuwendung Pharmaunternehmen zugeführt werden, ist für mich nicht hinnehmbar. Feststellen kann man das eher kaum, meist sind es Zufallsfunde - es sein, man suchte ganz gezielt, was aber nur bei ziemlich konkretem Verdacht möglich ist.

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opar 08.11.2016, 21:24
3. Ich möchte das Recht haben, über mich selbst zu bestimmen.

Dazu gehört für mich auch, dass ich selbst entscheide, ob man mit mir Experimente machen darf, und wie weit die gehen dürfen, wenn ich geistig nicht mehr klar bin.
Ein Vergleich mit der NS Zeit ist wiederum abwegig, denn die NS Mörder haben Experimente zum Schaden von Menschen angestellt, nicht zu deren Nutzen.

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alternativloser_user 08.11.2016, 22:07
4. Wehret den Anfängen

Wehret den Anfängen! Daher ganz klar nein! Wer nicht mehr in der Lage ist Entscheidungen für sich selbst zu treffen und daher einen gesetzlichen Betreuer hat, darf unter keinen Umständen als Versuchskaninchen missbraucht werden.
Auch wenn die Person vor der Demenz so etwas schriftlich zugestimmt hat, kann es immernoch gut sein, dass sie, wäre sie im Vollbesitz ihrer gestigen Kräfte, dennoch gegen die Teilnahme an einer bestimmten Studie entschieden hätte. Daher im Zweifelsfall lieber die Menschenwürde achten als Menschen die sich nicht wehren können und nicht wissen was mit ihnen passiert für Experimente zu benutzen.
Manchmal habe ich hier echt das Gefühl, dass Leute alle ihre Rechte und ihre Würde abgeben sollen, sobald sie pflegebedürftig werden.

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Demokrator2007 09.11.2016, 06:06
5. Ich arbeite mit Demenzkranken

Never ever dürfen "wir", also Angehörige, Betreuer, Ärzte oder Pflegekräfte Entscheidungen über andere treffen, schon damit nicht wieder so etwas wie im Dritten Reich passieren kann. In der Pflege geht es bei Heimbewohnern sowieso schon häufig wie in einem Straflager zu, in dem Bezirk in dem ich wohne nöchte ich nicht in einem Pflegeheim leben müssen. Wer die Entscheidung für seine Demenzerkrankung in einem Zustand relativer Gesundheit trifft, sollte dies tun können, ALLERDINGS halte ich es für unabdingbar das an klinischen Studien zur Demenzbehandlung immer der Staat involviert sein muß, damit nicht plötzlich wirtschaftliche Interessen über dem Menschenrecht stehen- es ist für Menschen mit starkem Einfühlungsvermögen kein Problem Menschen mit einer nicht erkannten Depression alles mögliche einzureden.

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Maria-Galeria 09.11.2016, 08:21
6. Medizinwahn

Es wäre ganz nett wenn uns allen klar wäre, wir sind keine Maschinen, die nur zum Arzt gehen müssen um repariert zu werden wenn es irgendwo mangelt. Bekannt ist ja dass jedes Medikament mehr oder weniger schwere Nebenwirkungen hat, z. B. ob es Blutdrucksenker sind oder Cholesterinsenker, beides sind Mittel die z.B. Demenz fördern können. Durch Blutdrucksenker kann es vermehrt zu trockenem Infarkt, schrittweiser Lahmlegung des Gehirns kommen, durch Cholesterinsenker wird dem Gehirn eventuell der Nachschub an Fett versagt, geht es ebenfalls ein. Demenz beschränkt sich also nicht nur auf Alzheimer, soviel ich weiß, ist sogar diese Diagnose sehr schwierig, sondern in der Mehrzahl geht ist es einfach ums Alter, dass möglicherer Weise zum Ende des Lebens das Gehirn den Geist aufgibt. Die langsam Sterbenden dann auch noch als Versuchskaninchen, ohne Möglichkeit dies selbst zu entscheiden, zu benutzen ist einfach infam, noch dazu allbekannt der alte Organismus reagiert sowieso anders, verlangsamt oder gar nicht auf Medikamente, der erwünschteste Nebeneffekt vermutlich Exitus, bei dem zukünftigen Überhang. Der alte Körper wird nicht mehr den jugendlichen Elan zurückerstattet bekommen auch wenn wieder Kinderliedchen bewusst geträllert werden können und dieses Ereignis am nächsten Tag nicht in Vergessenheit geraten ist. So traurig dieser Zustand im hohen Alter ist, ist doch die Versuchung zu groß, wenn andere über das Schicksal entscheiden, dass diese Entscheidungsmöglichkeit missbraucht wird.

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aggelbagg 09.11.2016, 08:23
7.

Niemals. Morgen sind es dann geistig Behinderte, Komapatienten... Ich habe einige Betreuer kennengelernt, viele hatten keine Ausbildung und nichts. Immer wieder faszinierend, wie grenzenlos die Lobby der Pharmaindustrie ist. und funktioniert. Wehret den Anfängen.

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mantrid 09.11.2016, 09:34
8. Kein Studien ohne potenziellen Nutzen

Studien an Menschen, nur um die pure Neugier zu befriedigen, lehne ich strikt ab. Eine Studie macht ethisch nur dann Sinn, wenn sie den Menschen einen (medizinischen) Vorteil bringt. Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass die Probanden nicht selbst entscheiden können. Man bricht ja auch nicht Koma-Patienten die Beine, um Heilungsprozesse zu beobachten.

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manotti 09.11.2016, 10:08
9. Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral!

Da sieht man mal wieder deutlich, welch menschenverachtende Einstellung manche Politiker, Pharmaunternehmen und Mediziner gegenüber den Bürgern hegen.
Das ist eine riesengroße Sauerei, alleine schon darüber
nachzudenken, hilflose Menschen zu Versuchskaninchen zu degradieren. Die Experimente der Pharmaindustrie an ahnungslosen Menschen in der ehemaligen DDR waren auch so ein Dammbruch.
Denen ist doch nichts, aber auch gar nichts mehr heilig!

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