Forum: Gesundheit
Gesetzentwurf: Psychotherapeuten wehren sich gegen Spahns Patientenkontrolle
DPA

Speziell ausgebildete Experten sollen künftig entscheiden, wer in Deutschland eine Psychotherapie bekommt. So will es zumindest Gesundheitsminister Jens Spahn - und löst damit einen Proteststurm aus.

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im_ernst_56 12.12.2018, 17:10
60.

Zitat von prisma12
Die Psychotherapie ist die einzige Therapieform in der Medizin, in der VOR der Behandlung bereits ein begründeter Antrag an die Kasse gestellt werden muss. Wenn also ein Mensch wegen seiner Depression oder Suizidgedanken zum Arzt für Psychotherapie geht, muss erst einmal der Therapieantrag genehmigt sein, bevor die Therapie (LZT oder KZT) begonnen werden darf. Der Antrag kann von der Kasse auch abgelehnt werden! Es war schon immer ein Kampf, den Verantwortlichen im Gesundheitswesen klar zu machen, dass es psychische Erkrankungen überhaupt gibt und es Gründe dafür gibt, dass wir 10 000 Suizide (2015) in Deutschland haben. Die traumatisierten Bundeswehrsoldaten kommen heute immer noch nicht zu ihrem Recht. Und nun setzt Spahn noch einen drauf und lässt die psychisch Kranken Spiessruten laufen. Wie die Entscheidungsqualität bei ca. 50 Klienten/Tag dann aussieht, kann sich jeder selbst ausrechnen. Und die Widerspruchsverfahren steigen. Die jetztige Akribie hätte man besser bei der Zulassung von Dieselfahrzeugen einsetzen müssen, lieber Herr Spahn!
Eine kleine Ergänzung: Bei der Kurzeittherapie wird die Notwendigkeit von Krankenkassenfachangestellten geprüft. Die Genehmigung der Langzeittherapie wird im Rahmen des Gutachterverfahrens der Therapieantrag auch hinsichtlich der Therapieform nach Einschaltung eines externen Gutachters (Psychocholgischer oder ärztlicher Psychotherapeut). Die Idee von Herrn Spahn würde sich daher nur auf die Kurzzeittherapie auswirken. Die Frage ist, welche Erkenntnisse hat denn des BMG, dass Patienten eine Psychotherapie bekommen, die sie gar nicht benötigen oder die die falsche Art der Psychotherapie bekommen?? Ich bezweifele, dass es hierüber irgendwelche validen Erkenntnisse gibt. Das klingt alles nach Aktionismus.

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rossie 12.12.2018, 17:11
61. Sehr viele hier nennen das wahre Problem:

Nämlich, ganz einfach, dass es viel zu wenig Kassensitze für Therapeuten gibt. Die Anzahl der Kassensitze wird wissend und 'künstlich' viel zu tief gehalten, auf der Basis von regionalen Bedarfseinschätzungen, die vor vielen Jahren aufgestellt wurden und völlig überholt sind. Das wissen die Krankenkassen, die Kassenärztlichen Vereinigungen und sicher jeder Gesundheitspolitiker, der 15 Minuten lang bei den Experten nachfragt. Die einzige realistische Lösung ist, die Kassenzulassungen zu erhöhen. Alles andere ist politische Ablenkungmanövern, zynisch nach dem Motto 'Schau, wir machen doch was...' (um damit hoffentlich weiter Geld zu sparen). Was wenigstens hier erfreulich ist: Die große Mehrheit der Foristen schreiben begründet und mit Sachkenntnis. Die Vertreter von Meinungen wie "Psychotherapie gehört sowieso reduziert, bringt nix, Patienten und Therapeuten eh alle Schmarotzer etc etc." sind weniger.

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der_gestiefelte_Kater 12.12.2018, 17:11
62. Schwierig

Ich finde es ethisch schwierig zu entscheiden, welcher Patient denn "kränker" ist. Ich denke, jeder der ein psychisches Leiden hat, welches Zugang zu einer Richtlinien-Psychotherapie bedarf, hat auch das Recht ohne "Ranking" eine solche möglichst bald zu bekommen.
Spahns Vorschlag ist populistisch, wenig durchdacht und schlecht fachkundig beraten wirkend.

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rossie 12.12.2018, 17:14
63. Sehr viele hier nennen das wahre Problem:

Nämlich, ganz einfach, dass es viel zu wenig Kassensitze für Therapeuten gibt. Die Anzahl der Kassensitze wird wissend und 'künstlich' viel zu tief gehalten, auf der Basis von regionalen Bedarfseinschätzungen, die vor vielen Jahren aufgestellt wurden und völlig überholt sind. Das wissen die Krankenkassen, die Kassenärztlichen Vereinigungen und sicher jeder Gesundheitspolitiker, der 15 Minuten lang bei den Experten nachfragt. Die einzige realistische Lösung ist, die Kassenzulassungen zu erhöhen. Alles andere ist politische Ablenkungmanövern, zynisch nach dem Motto 'Schau, wir machen doch was...' (um damit hoffentlich weiter Geld zu sparen). Was wenigstens hier erfreulich ist: Die große Mehrheit der Foristen schreiben begründet und mit Sachkenntnis. Die Vertreter von Meinungen wie "Psychotherapie gehört sowieso reduziert, bringt nix, Patienten und Therapeuten eh alle Schmarotzer etc etc." sind weniger.

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im_ernst_56 12.12.2018, 17:15
64.

Zitat von taglöhner
Nur ein Bruchteil der Anbieter hält naturwissenschaftlichen Ansprüchen Stand. Der Rest ist irgendwas zwischen Schamanentum und Okkultismus. Das Therapeuten überall Patienten sehen, ist ja klar.
Es geht hier um die Psychotherapie bei Kassenpatienten. Die sog. Richtlinienverfahren (Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie, Verhaltenstherapie), die von den Krankenkassen und der Beihilfe bezahlt werden, sind weder Schamantentum noch Okkultismus. Machen Sie sich erstmal sachkundig.

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g.eliot 12.12.2018, 17:18
65.

Zitat von 53er
gerade boomen, macht sich der Minister ( und die Arbeitgeber) natürlich so ihre Gedanken ob das alles mit rechten Digenn zugeht. Da ist eine Vorkontrolle schon sehr gut, vier Augen sehen mehr als zwei. Bei den tollen Voraussetzunegen muss es eine reine Freude sein, in Deutschand arbeiten zu dürfen. Dass dabei psychische Probleme auftreten ist geradezu unvorstellbar. Von daher: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser und spart außerdem viel Geld.
Ach, die psychisch begründeten Krankmeldungen würden "boomen", wie nett. Vielleicht liegt es aber daran, dass sich die Menschen nicht mehr schämen, sondern zu ihren psychischen Störungen stehen und diese behandeln lassen möchten.

Glauben Sie denn, dass die Mediziner keine Patienten haben, die eine Krankheit simulieren? Ich vermute, dass hier eine hohe Dunkelziffer vorliegen könnte.

Also: Alle Arbeitnehmer, die sich krank melden, sind mutmaßliche Simulanten und gehören behördlich vorexaminiert. Eine tolle Idee! Spahns neue schöne Welt.

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KaroXXL 12.12.2018, 17:24
66. Sie verwechseln da etwas ganz grob

Zitat von taglöhner
Nur ein Bruchteil der Anbieter hält naturwissenschaftlichen Ansprüchen Stand. Der Rest ist irgendwas zwischen Schamanentum und Okkultismus. Das Therapeuten überall Patienten sehen, ist ja klar.
Da kann man echt nur Kopfschütteln.
Seit wann ist Psychotherapie Naturwissenschaft? Sind Menschen für Sie auch Computer oder Maschinen?

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kelcht 12.12.2018, 17:25
67.

Zitat von Stillerbeobachter
Leider ist der Vorschlag von Herrn Spahn durchaus sinnvoll, wenn die Zuweisung tatsächlich nach Bedarf erfolgen sollte. Trotz des üblichen Radaus der üblichen Interessengruppen (Therapeuten etc.) sollte man in der Tat sich die Art und Weise wie Therapieplätze vergeben werden, genauer anschauen. Die Therapeuten neigen nämlich durchaus dazu, Ihre Patienten weniger nach tatsächlichem Bedürfnis als nach ökonomischen Nutzen zu bedienen. Während ein gut ausgebildeter (akademisch vorgebildeter) Patient mit der Diagnose "leichte bis mittlere Depression/Burnout recht schnell an einen Therapieplatz kommt (der dann im Rahmen einer Gesprächstherapie für den behandelnden Therapeuten durchaus lukrativ ist), stellt sich dies bspw. bei älteren Menschen, zumal vielleicht mit einer schweren Diagnose ganz anders dar. Da an diesen Patienten wenig zu verdienen ist (und eine Therapie auch mit wesentlich höherem Aufwand einhergeht), ist es für diese Gruppe praktisch unmöglich einen Platz zu ergattern. Mehr Therapieplätze werden das Problem nicht lösen - sie führen nur dazu dass die leichten Fälle schneller an einen Platz kommen, die wirklich schweren aber weiterhin im Regen gelassen werden. Bei meiner Mutter (Mitte 70) wurde vor Jahren eine sehr schwere Depression diagnostiziert. Therapie? Fehlanzeige, bestenfalls gab es Medikamente, niemand war bereit sich des Falles wirklich anzunehmen - zu wenig abzurechnen. Da ist ein wohlstandsmüder Akademiker wesentlich lukrativer und die Therapiegespräche ja auch erheblich anregender, als eine schweigende alte Frau. Meine Eltern waren gezwungen sämtliche Hilfe von ihrer Rente als Privatpatienten abzurechnen, zum Glück waren sie dazu in der Lage. Eine "Vorsortierung" nach Bedarf könnte hier durchaus positives bewirken.
wieso sollte man bei älteren Menschen weniger verdienen? Aber im Endeffekt kann so ein Experte schon mal gut den man z.B. dem Jobcenter vorschaltet und der dann auch Empfehlungen ausgibt die ein vorsprechen beim Psychiater ja auch nicht ausschließen müssen. War selber in psychotherapeutischer Behandlung und hab beim Jobcenter eigenen Psychotherapeuten mehrmals vorgesprochen, das waren aber Volllappen die trotz akuter Beschwerden nicht zum Psychiater Überwiesen von daher Qualität bei den Psychotherapeuten steigern. Das gleiche gilt für Hausärzte.

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blödbacke 12.12.2018, 17:28
68. So schlecht ist der Vorschlag nicht!

Da ich selber jahrelang an einer nicht behandelten Depression gelitten habe, erlaube ich mir eine Meinung dazu! Als ich mich nicht umgebracht hatte sondern festgestellt hatte, dass ich wohl eine Therapie gebrauchen könnte, brauchte ich erst mal eine Überweisung vom Hausarzt. Die meisten Therapeuten arbeiten mit einem zusammen und schicken einen dorthin. Dem eigenen Hausarzt davon zu erzählen, finden vielleicht nicht alle Patienten gut, v.s. weil die Sprechstundenhilfen ja mitlesen können. Einen Therapeuten zu finden ist auch sehr schwer, die meisten waren damals monatelang ausgebucht oder haben gar keine Erstgespräche mehr angeboten, weil sie schon lange Warteschlangen hatten. Mit der ersten Therapeutin harmonierte es nicht, nach dem Gespräch ging es mir schlechter als vorher. Ca. ein Jahr (!) nach meinem Entschluss (s.o.) hab ich dann einen anderen gefunden und der passte ganz gut. Den Termin bekam ich, weil ich sagte ich bin zeitlich flexibel und könnte meistens innerhalb einer halben Stunde da sein - falls mal ein anderer Patient absagen sollte. Daher ist eine niedrigschwellige erste Anlaufstelle gar nicht schlecht, besonders bei akut suizidgefährdeten Patienten. Ob das diese Gesprächsstunden sind, weiß ich nicht, die gab es damals noch nicht.

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hofmann 12.12.2018, 17:31
69. So nicht!

Zitat von taglöhner
Nur ein Bruchteil der Anbieter hält naturwissenschaftlichen Ansprüchen Stand. Der Rest ist irgendwas zwischen Schamanentum und Okkultismus. Das Therapeuten überall Patienten sehen, ist ja klar.
Sehr geehrter Herr,
Was sind naturwissenschaftliche Ansprüche?
Was verstehen Sie unter Okkultismus und was wissen Sie von Schamanismus?
Was fällt Ihnen eigentlich ein, einen ganzen Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen?
Aus allem wird ganz klar, Sie haben nicht die geringste Ahnung, von wem und worüber Sie hier sprechen.
Das nenne ich "Tumpismus" - einfach mal einen Eimer Dreck auf die Leute werfen - irgend was bleibt sicher kleben!
Nein - So nicht!

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