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Gesetzentwurf: Wie Jens Spahn Notaufnahmen entlasten will
Britta Pedersen/ DPA

Viele Notaufnahmen in Deutschland sind mit Patienten überfüllt, die auch vom Hausarzt behandelt werden könnten. Damit echte Notfälle bessere Hilfe bekommen, will Gesundheitsminister Jens Spahn nun eingreifen.

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MisterD 22.07.2019, 11:19
1. Super Sache...

denn ich bin ganz ehrlich... ich selbst habe keine Ahnung, ob ich beispielsweise mit meinem Bänderriss am Freitagnachmittag um 17h in der Notaufnahme richtig war oder nicht. Und so geht es vielen Menschen.
Klar, mit nem Schnupfen oder Halsschmerzen bin ich in der Notaufnahme falsch...

Aber die Überforderung geht ja dort mittlerweile soweit, dass selbst Leute, die sich am Freitagnachmittag ne Betonplatte auf den großen Zeh fallen lassen oder sich, wie ich eben, den Fuß übel umknicken und ein Band reißen, in der Notaufnahme angeschaut werden, als hätte man gerade einen kleinen Holzsplitter im Finger vorgezeigt...

Selbst um ne Ibuprofen muss man schon betteln, während man 8 Stunden brav sitzt und wartet...

Da würde ich mir irgendwo auch mehr Verständnis wünschen von den Mitarbeitern dort.
Sitzen Sie mal das ganze Wochenende mit nem schmerzenden Fuß zuhause und warten auf Montag, um dann endlich zu erfahren, was damit nun ist... und dann sagt Ihnen der Facharzt am Dienstag (den sehen Sie ja erst, nachdem Sie beim Hausarzt 4 Stunden für die Überweisung gewartet haben...)
"Ohje, da ist ein Stück Knochen mit rausgerissen, da hätten Sie lieber sofort ins Krankenhaus gehen sollen..."

Weiß mans? Ich bin kein Mediziner...

Und, da bin ich auch ehrlich... bevor ich von Hausarzt, zu Röntgenarzt, zum Hausarzt und dann zum Orthopäden "renne", mit nem kaputten Fuß...
Da gehe ich lieber ins Krankenhaus, die haben alles vor Ort aus einer Hand...

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bluebill 22.07.2019, 11:19
2. Notaufnahme statt Hausarzt

Leider gibt es viel zu wenig Hausärzte, an die man sich im Krankheitsfall wenden könnte. Auf dem Land sowieso, aber auch in großen Städten. Die verbliebenen Praxen sind meist überlastet und nehmen keine neuen Patienten auf. Was soll man denn tun, wenn man krank wird? Abwarten, bis es gar nicht mehr geht, und dann in die Notaufnahme des Krankenhauses. Andere ambulante Behandlungsmöglichkeiten gibt es meist nicht. . Dies wird einem sogar von den Arztpraxen nahegelegt- "wir nehmen keinenmehr auf, wennes dringend ist, gehen Sie halt ins Krankenhaus, in die Notaufnahme." - Das Problem ist von der Politik selbst verursacht. Aufgrund diverser Reformen im Gesundheitswesen ist der Arztberuf zunehmend unattraktiv. Besonders wenn der Arzt noch einen großen Kredit für die eigene Praxis abzahlen muss.

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mwroer 22.07.2019, 11:20
3.

Also so ungefähr wie das niederländische Modell ? bei uns sind HAP (Hausarztposten ... mal so übersetzt - sowas wie Euer ärztlicher Notdienst) und die SEH (Notaufnahme) in vielen Krankenhäusern zusammen untergebracht oder so nah beieinander wie möglich.

Wer den ärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen will muss sowieso anrufen und dort wird auch entschieden, dann vor Ort, wie die Patienten verteilt werden. Da immer mindestens 2 Hausärzte Dienst tun geht das alles sehr zügig und die Notaufnahme wird in der Tat nur mit den Fällen belegt wo das auch notwendig ist.

Hat sich bewährt. Wir hatten hier auch jede Menge Experten die wegen 'Beim normalen Arzt muss ich eine Woche auf nen Termin warten und dann bin ich nicht mal pünktlich dran' bis 'Ach heute hatte ich halt mal Zeit' die Notaufnahme missbraucht haben.

Der ärztliche Notdienst existiert nicht ohne Grund!

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erlachma 22.07.2019, 11:22
4.

Stufe 1: Hausärzten wird verboten (bzw. sie müssen Strafe zahlen), wenn sie mehr Patienten behandeln als in der Quote festgelegt ist. Daher: Termine sind knapp, Wartezeiten die Folge.

Stufe 2: Oh, Patienten müssen zu lange warten? Na dann sollen sie doch ins Krankenhaus gehen, Notaufnahme, die müssen sie drannehmen. Absehbare Folge: Überfüllung der Notaufnahmen.

Stufe 3: Oh, Notaufnahmen sind überfüllt? Dann müssen wir jetzt in den Notaufnahmen die echten Notfälle bevorzugt behandeln (was übrigens jede Notaufnahme ohnehin schon macht). Den Rest soll doch bitteschön der Hausarzt machen.

Stufe 4: Folge: Stufe 1.

Ach ja, und nebenbei bitte noch die Hälfte aller Krankenhäuser zumachen, und damit auch die Hälfte aller Notaufnahmen.

Also für mich hätte Jens Spahn jetzt schon alle Qualifikationen für einen Verteidigungsminister.

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valensine 22.07.2019, 11:28
5. Hausarzt am WE

Es gibt aber nun mal auch viele "echte" Fälle von Patienten, die am Wochenende behandelt werden müssen /sollten. Statt diese Menschen auszugrenzen und Krankenhäuser immer unzugänglicher zu machen, sollte man über ein erweitertes Hausarzt-Modell am Wochenende sprechen.

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bert1966 22.07.2019, 11:30
6.

Schöne Idee, mäßige Ausführung, steht und fällt die Triage doch mit der Qualifikation des Mitarbeiters, der "die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Köpfchen" verteilt - und mit der Wahrheitsliebe der Pseudonotfallpatienten. Das kennen wir auch jetzt schon von unserer Anmeldung: der Arzthelferin erzählt man: "Ich habe die Beschwerden seit gestern ganz akut, ich kann nicht auf einen Termin warten", im Behandlungsraum genesen die Patienten dann jedoch erstaunlich schnell und berichten ungeniert, die Probleme schon "seit einigen Monaten" zu haben und man brauche vor allem deshalb jetzt eine Behandlung, weil man doch übermorgen in den Urlaub führe.

Daneben ist die gesundheitspolitische Intention sehr durchsichtig: die integrierten Notfallzentren werden die ambulanten Patienten vermutlich bevorzugt in den Krankenhäusern angeschlossene Konzernpraxen und MVZ verteilen. Ein erster Schritt in Richtung Abschaffung der ambulanten Facharztbehandlung.

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kaliph 22.07.2019, 11:33
7. Unverschämtheit, keiner geht zum Spass in die Klinik

vielleicht überprüft Herr Spahn erstmal, ob die Menschen wirklich einen Arzt in der Nähe haben, der Leute auch behandeln kann - idealerweise zeitnah.
In 90% der Fälle wartet man 6-8 Wochen auf einen Termin - selbst mit Schmerzen; in vielen Städten gibt es am Wochenende nicht mal Notfallärzte, die man alternativ zur Notaufnahme aufsuchen kann - des Weiteren gibts v.a. Nachts keine Ausweichmöglichkeiten - die meisten grippalen Infekte sind nun mal mitternachts am intensivsten, Husten Anfälle ebenfalls.
Für Kinder ist die Situation noch schlimmer, dort gibt es dann zwar Notfall Praxen, die machen aber praktisch fast nichts - und schicken einen nachher doch in die Klinik. Dort sind die Wartezeiten dann noch länger.

MIttlerweile fahr ich lieber 1h aufs Land raus, da sind wenigstens die Wartezeit akzeptabel und ich bin mit Anreise und Heimreise schneller als in der Stadt.

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mutenroshi 22.07.2019, 11:35
8. Verlagerung

Dann sitzen die Patienten stattdessen stundenlang in einer Praxis herum. Die aber im Allgemeinen wesentlich kürzere Öffnungszeiten hat. Am Wochenende kann man es als Patient gleich ganz vergessen, ausserhalb einer Notaufnahme einen Arzt anzutreffen.
Wie wäre es, stattdessen folgende Vorgänge einer Praxis zu erleichtern: 1)Krankschreibungen und 2)Ausstellen von Rezepten. Das müsste, falls medizinisch aus Sucht der Ärztin vertretbar, auch ohne Patietenkontakt möglich sein. Entlastet die Praxen und damit die Notaufnahmen. Ausserdem: Polikliniken, die OFFEN sind. Auch spät abends und am Wochenende. Damit man eben nicht in die Notaufnahme muss.

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nobronski 22.07.2019, 11:35
9. Wie sollen wohl die....

... Ärzte des Bereitschaftdientes die Vielzahl der Anrufer "verarzten"?
Die Ärzte haben einen enormen Zeitverlust durch die An-/Abfahrt zum/vom Patienten. In einer stationären Einrichtung entfällt dieser Weg - und dementsprechend auch der damit verbundene Zeitverlust.
Es ist richtig, dass häufig Patienten mit aus medizinischer Sicht "Lappalien" in die Notaufnahmen kommen.
Aus Sicht der Patienten sind die Leiden jedoch ungleich größer und häufig auch mit Ängsten verbunden.
Meiner Meinung nach müsste es eine deutliche Trennung zwischen Notaufnahme und lokalem ärztlichen Notdienst an einem Ort geben.

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