Forum: Gesundheit
Gesetzentwurf: Wie Jens Spahn Notaufnahmen entlasten will
Britta Pedersen/ DPA

Viele Notaufnahmen in Deutschland sind mit Patienten überfüllt, die auch vom Hausarzt behandelt werden könnten. Damit echte Notfälle bessere Hilfe bekommen, will Gesundheitsminister Jens Spahn nun eingreifen.

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Das Pferd 22.07.2019, 12:22
40.

Zitat von nobronski
... Ärzte des Bereitschaftdientes die Vielzahl der Anrufer "verarzten"? Die Ärzte haben einen enormen Zeitverlust durch die An-/Abfahrt zum/vom Patienten. In einer stationären Einrichtung entfällt dieser Weg - und dementsprechend auch der damit verbundene Zeitverlust. Es ist richtig, dass häufig Patienten mit aus medizinischer Sicht "Lappalien" in die Notaufnahmen kommen. Aus Sicht der Patienten sind die Leiden jedoch ungleich größer und häufig auch mit Ängsten verbunden. Meiner Meinung nach müsste es eine deutliche Trennung zwischen Notaufnahme und lokalem ärztlichen Notdienst an einem Ort geben.
Das ist doch der Vorschlag von Spahn, oder habe ich was falsch verstanden?

Der fällt mir in letzter Zeit immer wieder mit guten, pragmatischen und durchführbaren Vorschlägen auf. Und weniger mit Ambitionen, welche Posten er denn sonst noch so gerne hätte.
ich lobe hier ja selten, aber Spahn scheint mir einen guten Job zu machen.

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hackman36 22.07.2019, 12:22
41. alles lesen!

Zitat von michaelXXLF
Mehrere Probleme sehe ich: 1. Niedergelassene Ärzte arbeiten Mittwoch und Freitag und am Wochenende nicht. Warum eigentlich? 2. Notdienste werden immer häufiger in Krankenhäusern konzentriert. Früher hatte z.B. ein Kinderarzt pro Stadt Notdienst in seiner Praxis, heute müssen die Menschen aus über 30km Umkreis in die Kinderklinik kommen, wo ein Arzt dann Notdienst hat. Zu 1.: In den 70er Jahren konnte man am Wochenende in Notfällen seinen Hausarzt anrufen. Klar, darauf hat heute natürlich niemand mehr Lust, auch Ärzte haben ihr Wochenende mehr als verdient! Aber an diesen zusammengerechnet drei Tagen sind Notaufnahmen hierzulande die einzige Möglichkeit, eine fundierte Meinung zu bekommen ob das jetzt dringend ist oder bis morgen warten kann. Zu2.: So bringt man den Menschen bei, immer erst ins Krankenhaus zu fahren. Der Witz ist, daß für einen Einzugsbereich von fast einer Million Menschen am Wochenende ein (ein!) Kinderarzt Dienst hat. Wartezeiten bis zu vier Stunden sind unvermeidbar. Spart dafür aber halt Geld.
Aus "Stufe 1" von "erlachma" wird alles klar: Man bezahlt (seit langer Zeit) einfach den Hausärzten nur eine bestimmte Anzahl von Patienten zu einem bestimmten Betrag, schon gehen die Kosten in der ambulanten Versorgung nach unten. Und:ALLE "Neuerungen" von Herrn Spahn werden aus dem Topf bezahlt, den die Hausärzte zur Behandlung der Patienten bekommen: Mehr "Kompetenzzentren"/ "Servicestellen" etc = mehr Bürokratie = weniger Geld für die Ärzte = weniger Patientenversorgung. Das spart bares Geld! Klasse!!


"Stufe 1: Hausärzten wird verboten (bzw. sie müssen Strafe zahlen), wenn sie mehr Patienten behandeln als in der Quote festgelegt ist. Daher: Termine sind knapp, Wartezeiten die Folge.

Stufe 2: Oh, Patienten müssen zu lange warten? Na dann sollen sie doch ins Krankenhaus gehen, Notaufnahme, die müssen sie drannehmen. Absehbare Folge: Überfüllung der Notaufnahmen.

Stufe 3: Oh, Notaufnahmen sind überfüllt? Dann müssen wir jetzt in den Notaufnahmen die echten Notfälle bevorzugt behandeln (was übrigens jede Notaufnahme ohnehin schon macht). Den Rest soll doch bitteschön der Hausarzt machen.

Stufe 4: Folge: Stufe 1.

Ach ja, und nebenbei bitte noch die Hälfte aller Krankenhäuser zumachen, und damit auch die Hälfte aller Notaufnahmen.

Also für mich hätte Jens Spahn jetzt schon alle Qualifikationen für einen Verteidigungsminister."

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Makrönchen 22.07.2019, 12:28
42. Kapazität

Scheint mir ein Nicht-Problem zu sein.
Man kann als Laie doch nicht immer einschätzen, ob ein Notfall vorliegt oder nicht. Krank ist man in jedem Fall. Wenn man genauso gut zum Hausarzt gehen kann, also einem anderen Arzt, könnte dieser andere Arzt auch einfach zusätzlich in der Notaufnahme arbeiten und damit deren Kapazität erhöhen.
Nach Schwere des Falls sortieren können die Schwestern in der Notaufnahme ja immer noch.

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egoneiermann 22.07.2019, 12:28
43.

Ich hatte das letzte Jahr öfters mit der Notaufnahmen zu tun, da ich meine alte Mutter begleitete. Fazit:
1. Das Uniklinikum ist überfüllt, dort gibt es auch den Notärzichen Dienst und wer nicht nach einer Akuten Sache aussieht muss zuerst dorthin. Nutzt aber nicht, weil alleine die Einweisungen von den Hausärzten und die Notfälle zu viele sind Hier könnte man sich schon mal überlegen, ob ein Patient, der mit einer klaren Diagnose eingewiesen wird, wirklich erst mal einen Tag dort sitzen muss. Die anderen Krankenhäuser waren sehr leer da hat man keine halbe Stunde gewartet. Also bei Knochenbruch oder anderen klaren Sachen nicht dorthin gehen, wo alle hingehen.
2. Krankenhäuser müssen auch einen Nachsorgung anbieten, denn die Hausärzte sind da oft überlassen. Bei uns war ein Problem mit der Wunde und es gab zwar eine Wundbehandelung im den Krankenhaus, die war aber in der Chirurgie und hat sich nur um die eigenen Fälle gekümmert, Also durften wir jedes mal in der Notaufnahme warten. Selbst als sich unser Hausarzt darum gekümmert hat, dass sich ein Chirurg die Wunde anschaute, gab es keine andere Lösung als die Notaufnahme.
Letztlich ist die Notaufnahme die zentrale Stelle des Krankenhauses, um die sich alle Disziplinen kümmern, ist man einmal in eine Abteilung abgeschoben, ist es sehr schwer noch andere Spezialisten zu bekommen, die sich die Sache anschauen. Also besser ausstatten auch räumlich.

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Das Pferd 22.07.2019, 12:30
44.

Zitat von cyborgpiratelaserninja
Ich wohne im NL Grenzgebiet und das gibt es mittlerweile auch hier. Bei uns gibt es, wie in vielen deutschen Städten ganz normale Notdienstpraxen. Eigentlich gab es keinen Grund die nicht zu nutzen aber viele Patienten haben es warum auch immer nicht gemacht und sind dann in die NA gegangen. Daher wurde das niederländische Modell umgesetzt. Die Notdienstpraxis ist direkt am KH angeschlossen. Super Sache, denn dann schickt man die Patienten die kein Fall für die NA sind einfach direkt weiter. Die meisten nehmen das dann auch gerne an, weil sie einfach nur Hilfe bzw. eine Aussicht darauf wollen.
richtig. Und als Patient wäre ich froh, wenn mir am Eingang eine erfahrene Krankenschwester sagt, ob ich nach rechts in die Notarztpraxis oder nach links in die NA soll. Ich will doch Hilfe, nicht Ärzten ihren Job erklären.

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bert1966 22.07.2019, 12:33
45.

Zitat von wie_immer_oder
wieder diese Neid Debatte über die Beamten. Es gibt auch Beamte, die eine Selbstzahler Tarif haben. werden behandelt wie gesetzlich Versicherte, Rechnung geht über sie.
Ich bin nicht neidisch auf Beamte, ihre Versorgung sei ihnen gegönnt, sei eigentlich jedem gesetzlich Versicherten auch gegönnt.

Ich bin aber gegen politische Doppelzüngigkeit: fast alle Parteien wollen mittlerweile die private Krankenversicherung abschaffen, wettern in politischen Schaureden gegen die "Zweiklassenmedizin", Herr Spahn ist mit seiner ungeschickten politischen Agitation mittlerweile oft linker als Die Linke.

Aber aus Rücksicht auf die große Wähler- und politische Mitarbeitergruppe Beamten will man dann insgeheim doch einen Sonderstatus bewahren, sogar von Seiten der SPD. Das ist unehrlich und eine ungerechte Ungleichbehandlung.

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MisterD 22.07.2019, 12:33
46. Röntgen...

Zitat von andreas.becker777
Schon der erste Kommentar offenbart das Problem. Was ist an dem Wort NOT nicht zu verstehen? Ein Bänderriss ist eben KEIN Notfall,selbst wenn man gleich von einem Riss incl. Knochenausriss ausgeht. Schwere Blutungen, Luftnot, akute Lähmungen etc, sowas sind Notfälle. Aber wie schon angedeutet, ist es meist einfach Bequemlichkeit weil man nicht erst die Praxis des hausärztlichen Notdienstes suchen und dort dann warten möchte. Dort bekommt man auch seine Ibuprofen problemlos und wird auch nicht blöd angeschaut. Und wenn sie für sowas um 4.00 geweckt werden, nachdem sie vorher 20 Stunden gearbeitet haben, hätten sie auch wenig Verständnis dafür. Bin aber mal gespannt, mit wem der Herr Minister die Versorgungszentren an den Kliniken besetzen will...
kann auch der hausärztliche Notdienst nicht, denn kein mir bekannter Hausarzt besitzt ein Röntgengerät. Die schicken mich am Freitag um 22h dann also wohin? Genau... ins Krankenhaus...

Wenn ich Sie richtig verstehe, dann lautet die Einteilung so:
Wer noch auf eigenen Füßen in die Notaufnahme kommen kann, der ist kein Notfall. Notfall ist nur, wer mit dem Rettungswagen liegend eingeliefert wird...

Wenns so einfach ist, verstehe ich Ihre Probleme gar nicht? Machen Sie doch die Türen zu und lassen Sie nur noch den Rettungswagen rein?

Und wissen Sie... Sie stehen um nachts um 4 nach 20 Stunden Dienst nochmal auf, um sich meinen Bänderriss anzuschauen.
Ich verbringe bis zu 200 Nächte in Hotels in aller Welt, weil meine Kunden nunmal nicht vor meiner Tür sitzen und dort auf mich warten...

Wir haben uns unseren Job ausgesucht und vorher gewusst, was uns erwartet. Dann sollten wir das auch mit Fassung tragen und nicht rumjammern...

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dr.haus 22.07.2019, 12:34
47.

Gab bis 2007 einen sehr gut funktionierenden Notdienst ausserhalb der Praxiszeiten.
Wurde abgeschafft ,weil die Spezialisten (die nie in solchen Zeiten arbeiten) der Meinung waren,wir Allgemein-und Notfallmediziner würden in dieser Zeit zu gut verdienen und dies ginge ihnen im Rahmen der Verteilung "aus der Nase". So gingen die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder daran,ein gutes System zu kippen. Heutige Zustände waren abzusehen-

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Das Pferd 22.07.2019, 12:36
48.

Zitat von Sueme
Da soll jetzt also jemand am Telefon beurteilen ob das was der Anrufer sagt tatsächlich zu seinem Gesundheitsbild passt um dann festzulegen ob derjenigen in die Notaufnahme gehört oder irgendwann von der ärztlichen Bereitschaft aufgesucht wird. Dabei kann ja so gar nichts schief gehen. Wie ist es Herr Spahn übernehmen Sie die persönliche Verantwortung für die "Verbesserung"?
alles ist besser als die Selbsteinschätzung mancher Patienten.

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proffessor_hugo 22.07.2019, 12:38
49.

...es gab Zeiten, da hatte jeder niedergelassene Arzt - analog zu den Apotheken - regelmäßig Notdienst. Heute sind die Sprechstunden bei vielen Ärzten so gestaltet, daß man als Berufstätiger kaum noch hingehen kann.

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