Forum: Gesundheit
"Hart aber fair" zur Zwei-Klassen-Medizin: Jens Spahn zum Realitätscheck, bitte
WDR/Oliver Ziebe

Frank Plasberg will vom neuen Gesundheitsminister wissen, was sich für Kassenpatienten bessere. Das lässt Jens Spahn offen. Dafür zeigt sich: Er kann sich kaum vorstellen, was es bedeutet, monatelang auf einen Arzttermin zu warten.

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nesmo 20.03.2018, 08:52
120. Ganz ehrlich

Zitat von jjcamera
Ganz ehrlich, ich habe in 50 Jahren als GK-Patient noch nie "monatelang" auf einen Arzttermin gewartet. Wo leben diese Leute?
ich kenne massenhaft Patienten, die monatelang auf einen Facharzttermin warten. Das ist das Problem auch der meisten Politiker, sie schließen von ihrer persönlichen Erfahrung auf die gesamte Relität. Daher muss endlich dringend das Problem wissenschaftlich untersucht werden. Die kassenärztlichen Vereinigungen behaupten auch weiterhin, dass jeder Kassenpatient innerhalb eines Monats von ihnen einen Facharzttermin vermittelt bekommt. Aber in viele Gegenden ist das völlig falsch. Nicht nur Herr Spahn leidet unter Realitätsverlust. Es kann doch nicht so schwer sein, die Realität zu überprüfen (zu lassen).

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!!!Fovea!!! 20.03.2018, 08:54
121. Ich bin kein Fan von JS

aber wenn ich mir hier manche Beiträge durchlese, ist das Anspruchsdenken einiger Foristen sehr hoch.

Es ist sicher richtig, dass Privatpatienten von der Ärzteschaft hofiert werden, meinetwegen, sollen sich doch die Privatpatienten finanziell ausbluten lassen, ob die dadurch besser und schneller geheilt werden ist ein anderes Thema.

Aber wenn ich schon lese, dass viele Kassenpatienten einfach zum Arzt gehen, weil sie seit X-Jahren einbezahlt haben und jetzt was davon haben wollen ... finde ich doch sehr bedenklich.

Viele sind doch gar nicht mehr bereit, mal eine Erkältung durchzuhalten mit Tee u.a. Hausmitteln.

Alle rennen gleich zum Arzt und der haut mit der Antibiotikakelle drauf. (und dann wundert man sich, dass die Resistenzen steigern?!).

Alle schimpfen darüber, dass man bei Brillen u.a. zuzahlen muss, ich habe auch schon zugezahlt, aber man braucht keine Designerbrille, wenn man 8 Std./d vorm PC sitzt. Da reicht auch das Kassengestell vom Billiganbieter.

Bei Zähnen ist das was anderes. Aber selbst da, kann man mit den Kassen und Ärzten verhandeln.

Wer meint, er muss gleich zu 3 Orthopäden gehen (wegen einer Erkrankung), der sollte evtl. gleich ins Krankenhaus zur Abklärung gehen, bevor er die Wartezimmer bei 3 Ärzten wegen einer Erkrankung blockiert.

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kurpfälzer besserwisser 20.03.2018, 08:54
122. Unser Gesundheits- und Sozialsystem

Ja, das bestätigen mir alle Bekannte aus dem EU- und Nicht-EU-Ausland: das deutsche Gesundheitssystem wie das deutsche Sozialsystem sind eine einzige Katastrophe. Niemand würde sich freiwillig in die Klauen dieser Systeme begeben. Und Schuld hat seit ein paar Tagen Jens Spahn. Also, alle drauf einhacken.

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pauli96 20.03.2018, 08:54
123. Ok,

Zitat von Paddel2
Was mich wundert: man zahlt als gesetzlich Versicherter hohe Beiträge in die Kasse ein. Wenn man dann praktisch keinen Termin bekommt, müsste man doch von der Kasse verlangen können, dass sie einen Termin ermöglicht. Anderweitig sollte man doch vielleicht die letzten Beitragszahlungen zurückfordern können. Herr Spahn, nehmen sie die Kassen in die Pflicht und ermöglichen sie einen Rechtsanspruch auf eine Behandlung innerhalb von zwei Wochen. Sie werden überrascht sein, wie schnell sich Probleme in Luft auflösen können.
wie gehen wir mit Patienten um, die feste Termine ohne Rückmeldung platzen lassen - geschätzt 2-3 Termine pro Tag

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jujo 20.03.2018, 08:56
124. zu Schweden

Will man zu einem Arzt seines Vertrauens muß man schon mal 10 - 14 Tage auf einen Termin warten. Unser hat aber immer freie Termine für Akutfälle, man tut gut daran, das nicht zu mißbrauchen.
Hat man aber einen Termin um , sagen wir 10Uhr, geht immer(!) pünktlich die Tür auf, der Arzt hat immer(!) genügend Zeit.
Für Facharzttermine sind schon mal längere Zeiten einzuplanen, es sei denn es ist akut oder man hat eine Vorgeschichte. dann bekommt man direkt und kurzfristig einen Termin. Die 72 Tage sind maximale Wartezeiten per Gesetz aber natürlich nicht die Regel, es geht wesentlich schneller. Wie gesagt, ist es akut, geht es schnell.
Es gibt hier in Schweden sicherlich auch viel Kritik am System. Es bekommt jeder Mensch aber die gleiche Behandlung, persönliche Bevorzugung gibt es in der Regel nicht.

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772e0fbe 20.03.2018, 08:56
125. Politiker sehen wieder einmal etwas anderes, etwas was wir nicht sehen

Wieder einmal entpuppt sich ein Politiker als abgehoben und realitätsfern. Das Gesundheitssystem ist für beide Patientengruppen ein Witz. Wir haben eine gute und stabile Versorgung. Doch wo bleibt der Ehrgeiz und die Relation? Dafür das Deutschland anscheinend zu den größten Industrienationen gehört, wird hier ein ungleicher Kampf zwischen Reich und Arm ausgetragen – wieder einmal. Es beginnt damit, dass nun immer mehr Fachärzte nur noch Selbstzahler oder Private aufnehmen oder behandeln. Facharzttermine kann man schon online buchen (welche Verbesserungen soll es hier geben, Herr Spahn?). Ich sehe es jedes Mal: Man tippt ein, dass man privat ist und bekommt morgen einen Termin. Man tippt ein, dass man Kassenpatient ist und bekommt einen Termin in 4 Monaten. So ziehen sich Erkrankungen über Jahre hinweg. Wichtige Diagnosestellungen werden ausgebremst. Menschen werden unnötig chronisch krank. Am Ende landen diese verzweifelten Patienten übrigens im Krankenhaus, dort werden sie sofort behandelt. Dort wo ich arbeite, werden übrigens alle Patienten gleich mittelmäßig behandelt. Wir hatten schon Privatpatienten bei uns, die sind gar nicht mehr aus dem Staunen heraus gekommen, wie unwichtig und wie uninteressant wir ihre angeblich "ernstere" Situation halten. Es hat auch etwas erzieherisches. Dem ein oder anderen Privaten muss man auf den Boden des Gesundheitssystems zurück holen. Vielleicht können wir das auch bei Herr Spahn probieren?
Zum Thema online Arztsprechstunde vertrete ich eine klare Meinung: Nein! Aus datenschutzrechtlichen Gründen kann man wieder einmal nicht die Versorgung von Patienten und Verwendung von sensiblen Daten einem System anvertrauen, das alles und jeden ausspionieren und speichern will. (Mal davon abgesehen: Denken wir an die elektronische Gesundheitskarte, die immer noch nicht funktioniert und Millionen gekostet hat). Auf den meisten Rechnern läuft Windows. Natürlich telefonieren wir über Skype mit unserem Arzt des Vertrauens. Viele würden es aus Verzweiflung machen und wieder einmal sind die Armen, deren Grundrechte übergangen und outgesourct werden. Wir haben alle ein Grundrecht auf die Unversehrtheit aber auch auf eine gewissen Schutz unserer Daten – besonders unserer Gesundheitsdaten! Frechheit, wie sich wieder einmal die Regierung heraus nimmt und sich nicht für das deutsche Volk einsetzt. Denn wer nun glaubt, die Bundesregierung würde eine sichere Videotelefonie einrichten und besondere Auflagen schaffen, der wird sicherlich enttäuscht. Wie jedes Mal. Niemand braucht zu glauben, dass eine Regierung, die Verschlüsselung für Unfug und terroristisch hält, auch dorthin investiert.

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tsitsinotis 20.03.2018, 08:57
126. Herr Spahn scheint nicht besonders intelligent zu sein.

Zur Frage der Abschaffung der PKV bemerkte er:"Dann müssten ja a l l e noch länger warten."

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Little_Nemo 20.03.2018, 08:57
127. Typberatung

Zitat von meteneptun
Jens Spahn ist ein ähnlicher Typ wie Martin Schulz, kurzum ein Blender. Wenn er es nicht fertig bringt, seinen Redezwang zu beherrschen, wird er wohl das gleiche Schicksal erleben.
Als Christdemokrat hat er allerdings gegenüber Schulz den Vorteil, dass man von ihm auch nichts anderes erwartet.

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Fxxx 20.03.2018, 08:58
128. Es ist doch offensichtlich welche Interessen Herr Spahn verfolgt!

Die der Versicherten sind es jedenfalls nicht. Follow the money! Herr Spahn hat sich gut von Pharmafirmen bezahlen lassen. Und jetzt sagt er dass unser Gesundheitssystem so toll ist und Pharmakonzerne ordentlich entlohnt werden sollen. Naiv wer hier auf Verbesserungen für Patienten hofft. Mit diesem Mann werden wir vier Jahre Stillstand erleben. Im Kabinett Merkel gibt es nicht einmal Ansätze von Ideen.

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ironcock_mcsteele 20.03.2018, 08:58
129.

Gibt es denn Untersuchungen, die diese signifikant und als tatsächlich ungerechten - nicht nur so empfundenen - Wartezeiten nachweisen und beweisen, dass gesetzlich Versicherten ein Gesundheitsrisiko entsteht?

Ich bin freiwillig gesetzlich versichert und habe keine Probleme mit Terminen, allerdings gehe ich auch erst zum Hausarzt und lasse mich von dort überweisen.

Alle Bekannte mit eigener Arzt-Praxis bestätigen übrigens das gleiche: Hypochonder, Krankheitsgewinnler und Rentner verstopfen die Wartezimmer. Deren Behandlungen werden aber durch Privatpatienten quersubventioniert. Ohne die gäbs nämlich die ganzen schönen Maschinen nicht. Als Arzt würde ich mich daher auch erst um Privatpatienten kümmern.

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