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Igel-Leistungen beim Arzt: Wir müssen reden!
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Ärzte bieten viele Leistungen an, die gesetzlich Versicherte selbst bezahlen müssen. Die Kassen kritisieren den fehlenden medizinischen Nutzen. Das wahre Problem ist aber ein ganz anderes.

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hevopi 26.02.2015, 12:51
130. Zum Glück

gibt es ja auch noch ernstzunehmende, ehrliche Ärzte, die sich wirklich für ihre Patienten einsetzen. Es müßte so etwas wie ein "Weißbuch" von den Krankenkassen erstellt werden und unehrliche Geldgeier auch so genannt werden.

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Bengali_de 26.02.2015, 12:51
131. IGEL-Werbung

Habe ich doch neulich gelesen:

„Immer mehr Menschen vertrauen heute auf die Wirksamkeit von alternativen oder ergänzenden (komplementären) Heilmethoden, da diese allgemein als besser verträglich gelten und mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind. Die Osteopathie umfasst die manuelle Diagnostik und Therapie am Bewegungssystem, den inneren Organen und am Nervensystem. Als sanfte und ganzheitliche Heilmethode verzichtet sie auf Apparate, Spritzen und Medikamente.“

Tolle Werbung für eine klassische IGeL-Leistung!
Allein die Wortwahl lässt das Herz jeden IGeL-Werbers höher schlagen: „Wirksamkeit“, „alternativ“, „ergänzend“, „komplementär“, „Heilmethode“, „besser verträglich“, „weniger Nebenwirkungen“, „ganzheitlich“, (ohne) „Apparate, Spritzen und Medikamente“.

Lassen Sie uns diese IGeL-Anpreisung gemeinsam weiterlesen: „Die TK eröffnet ihren Versicherten im Rahmen einer Satzungsleistung die Möglichkeit der osteopathischen Behandlung, wenn diese medizinisch geeignet ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ein Fortschreiten der Krankheit zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern.“

Dies ist keine ethisch-fragwürdige Anpreisung eines IGeL-Arztes, sondern im weitesten Sinn die Werbung einer gesetzlichen Krankenkasse für neue Mitglieder!
Eine Krankenkasse, die IGeL-Leistungen bezahlt!
Die Techniker Krankenkasse!
Um es klar zu stellen: die osteopathische Behandlung ist keine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV); also keine Leistung, auf die ein gesetzlich Versicherter Anspruch hat!

„Der GBA prüft anhand medizinischer Studien, ob die Qualitätsanforderungen für eine Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen erfüllt sind. Damit soll vermieden werden, dass keine neuen Verfahren zu Lasten der Krankenkassen angewendet werden, deren Nutzen nicht wissen-schaftlich nachgewiesen ist und die möglicherweise gesundheitliche Risiken einschließen.“
Um es unmissverständlich zu sagen: Eine derartige Bewertung des GBA liegt für die Osteopathie nicht vor!

„Die TK übernimmt die Kosten für maximal sechs Sitzungen je Kalender-jahr und Versicherten. Erstattet werden 80 Prozent des Rechnungsbetrages, jedoch nicht mehr als 60 Euro pro Sitzung.“
Wow !!!
Sogar mit dem kleinen 1 x 1 kann man errechnen, dass die Techniker Kran-kenkasse ihren Versicherten hier jährlich € 360.- spendiert!
Bei einem Regelleistungsvolumen von € 36,18 im III. Quartal 2012 für ei-nen gesetzlich Versicherten entspricht dieser Betrag so ziemlich genau der Geldmenge, die ich von Techniker Krankenkasse für die Behandlung eines dort versicherten Patienten für 10 Quartale (das sind zweieinhalb Jahre!) er-halte.
Also: der Osteopath darf diesen Betrag innerhalb von 6 Sitzungen kassieren, für den ich als Allgemeinmediziner dem Patienten 2.5 Jahre zur Verfügung stehe! Das versteht man in Deutschland unter einem erfolgreichen (Krankenkassen) IGELn !!!

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marny 26.02.2015, 12:59
132.

Zitat von sara100
Sind Sie denn noch zufrieden?. gehen Sie mit einem gutem Gefühl zu ihm?. Ist das Vertrauen noch da?. Wenn Sie sich diese Fragen beantwortet haben, wissen Sie was Sie zu tun haben :-). Allerdings wenn ich Ihren Bericht lese, weiß ich es schon.
ich verstehe Ihre Andeutung nicht ganz.
Ich bin total enttäuscht - ich habe diesem Arzt jahrelang vertraut. Alles wurde perfekt gearbeitet. Ich habe viel Geld dort hingebracht.
Aber ich sage Ihnen, was ich in Zukunft tun werde - Goldinlays hab ich ja nicht mehr - ein Risiko weniger: ;-)
Ich werde mir erklären lassen, welche Behandlung er vorschlägt, Dann ggf. darum bitten, Inlays und Kronen im Zahnlabor in Auftrag zu geben, falls welche notwendig werden. Dann stimmt die Farbe, die Qualität und die Grösse.
Denn ein guter Zahnarzt war er immer und wird es sicher auch bleiben - trotz Allüren ! ...Und meine zu kurze Cerec-Stümper-Krone lass in diesem Jahr noch ersetzen.

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Schreiber5.1 26.02.2015, 13:18
133. Bauchladenärzte handeln nicht im Sinne der Patienten!

Wer Igel-Leistungen anbietet, dem schleicht inzwischen das Manko von den sogenannten Bauchladenärzten nach!

Selbst im Reha-Betrieb hatte mir der dortige Arzt nach einer Wirbelsäulen-OP zum Ende der Reha-Zeit mitgeteilt, ich hätte angeblich einen Beckenschiefstand. Den könne man mit etwa 6 Sitzungen behandeln, die die Kasse allerdings nicht zahlt! Pro Sitzung würde es ca. 60 € kosten. Er gab mir seine private Visitenkarte mit der ich auf seiner Handy-Nummer abseits der Rehaklinik einen Termin mit ihm vereinbaren sollte!

Da ich bei solchen Sachen immer sehr skeptisch bin, nahm ich seine Karte mit und meldete mich jedoch zum Glück nicht! Ich hatte mir stattdessen den Reha-Bericht der BfA besorgt und nun kann man raten was drin stand!

Dort stand genau das Gegenteil von dem, was er mir unterjubeln wollte! Keinerlei Erwähnung eines Beckenschiefstandes, sondern er hat da in höchsten Tönen gelobt, wie gerade mein Körperbau doch sei!

Wenn er vielleicht bei einem Teil der Patienten Glück mit seinem Schmu hat, dann hat er sicher einen sehr guten Zusatzverdienst, der aus Sicht des Patienten allerdings vollkommen unnötig ist! Das ist eben einer dieser Bauchladenärzte.

Ein Freund hat auf Grund von Schmerzen Spritzen ins Kniegelenk bekommen. Natürlich wieder als IGEL-Zusatzangebot, die die Kasse nicht zahlen würde! Ergebnis: Genützt haben die Spritzen weniger als gar nichts! Er musste dann doch bei einem anderen Arzt auf die herkömmliche Methode mit Kassenleistung behandelt werden. Ergo: Vorsicht beim "IGEL"! Geld, das man sich sparen kann!

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tim.berg78 26.02.2015, 13:23
134. Danke, Herr Gröhe

Das oben genannte zweite Szenario kann ich ebenfalls bestätigen. Diese Möchtegern-Halbgötter handeln in aller erster Linie unternehmerisch. Das Wohl des Patienten ist vielen Ärzten nur von zweitrangiger Bedeutung. Porsche für Ärzte statt Gesundheit für Patienten - willkommen im deutschen Gesundheitssystem.

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Schreiber5.1 26.02.2015, 13:31
135. Nicht alles muss unter IGEL fallen!

Zitat von odapiel
Ich leide an Grünem Star. Die Untersuchung darauf ist eine IGEL-Leistung. Ich habe also darauf verzichtet, weil mir ja alle Welt erklärt hat, ob nun Krankenkasse oder Medien, daß diese IGEL-Untersuchungen der totale Schmu sind. Richtig (gemacht)? ... Recherchiert besser das nächste Mal statt jeden neoliberalen Blödsinn zu glauben. Dem Herrn Lauterbach wünsche ich, daß er all das bekommt, was er verursacht hat.
In Ihrem Falle liegt das eher nicht an den IGEL-Angeboten, sondern an der Schlamperei der Politik, die oft wahllos alles was sie meinen streichen zu können, auch wegstreicht! Wenn man sieht, was alles gestrichen wurde, dann ist das der eigentliche Skandal! Und die Streichorgien werden weitergehen. Man fragt sich wozu man noch versichert ist, wenn man doch am Ende alles selbst zahlen muss.

Hinzu kommen die horrenden Leistungen, die für risikoreiche Extremsportler erbracht werden müssen! Da wären Zusatzversicherungen unbedingt vonnöten, damit für andere Patienten endlich Krankheitskosten übernommen werden können, die an ihrer Situation selbst schuld sind! So zum Beispiel auch die Raucherkrankheiten! Auf Tabakwaren gehören zusätzliche Krankenkassenabgaben, damit die Folgekrankheiten durch das Rauchen separat bezahlbar bleiben!

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ClausWunderlich 26.02.2015, 13:35
136.

Zitat von c218605
Und? Naturalien nehmen mir meine Arzthelferinnen, der Stromanbieter und die Reinemachefrau leider nicht ab. Und wenn sie den Gegenwert, den der Herstellung Ihrer Gesundheit selbst erzeugen koennen, koennen Sie doch sogar richtig sparen. Gleich noch selber Haare schneiden!
Es geht darum das Ärzte gerne als Selbstlose Menschen dargestellt werden. Nein das sind die heutigen Ärzte nicht mehr. Es sind auch viele raffgierige dabei die soviel wie möglich von unserem Geld wollen.

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Zfan 26.02.2015, 14:00
137. Da kann ich ein Liedchen von singen!

Ich habe das selbst am eigenen Leib erfahren!
Eigentlich wollte ich mal zum Augenarzt, da sich meine Sehstärke immer verschlechterte. Bin erst 25 und eigentlich kein regelmäßiger Arztgänger.
Ich muss sagen, der Arzt hat mich so eingeschüchtert, hatte richtig Angst. Gut, dass er es nicht für nötig empfand, die Türe zu schließen und jeder uns zuhören konnte, so fühlte ich mich vor Handgreiflichkeiten geschützt (er vermittelte wirklich einen angsteinflößenden Eindruck)
Jedenfalls redete mir der Arzt in einem todernsten Ton ein, dass ich mein Auge durch die Kontaktlinsen total verdorben hätte und man meinen könnte ich stünde kurz vorm Erblinden. Nur diese Tropfen, eine kostenintensive Salbe sowie zwei Nicht-Kassenleistungen schienen mein Augenlicht retten zu können!! Fazit: In diese Oppenheimer Praxis setze ich nie wieder einen Fuß!!!

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sinasina 26.02.2015, 14:11
138. In meinen Augen sind die Krankenkassen die Verursacher der Misere, nicht die Ärzte

Zitat von muctr
Wenn die Kassenärzte ihre Tätigkeit endlich wie alle anderen Handwerker, Rechtsanwälte, Physiotherapeuten o.ä. schlicht nach Arbeitszeit + Sachkosten abrechnen dürften (bei entsprechender Qualität gerne auch mit 300 Euro/h oder mehr, wie gute Rechtsanwälte), dann könnten sie ihre Tätigkeit wieder am Patienten orientieren, statt an dem verqueren Anreizsystem der Kassen-/Igelleistungen. Dann noch - wie bei Privatpatienten - Rechnung an den Patienten bei umgehender Erstattung durch die KK innerhalb einer Woche (wie in Frankreich), und es gibt mehr Kostenkontrolle im System...
Genau so wie Sie es beschreiben müsste es sein!

Dies sind die Sätze, die ein Frauenarzt für die Betreuung einer schwangeren Frau erhält:
"Ein Frauenarzt bekommt für die Vorsorgeuntersuchungen (von Schwangeren) eine Pauschale, mit der er ein ganzes Quartal – also drei Monate – lang auskommen muss.
*
Die Pauschale beträgt 2.280 Punkte. Das klingt viel, ist es aber nicht: In richtiges Geld umgerechnet zahlen AOK, IKK und BKK in Bayern dafür 115,82 Euro, Ersatzkassen wie die DAK 103,97 Euro."
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Pro Monat also 38,60 € - egal wie oft die schwangere Frau zum Arzt kommt.
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"Bei sechs Untersuchungen im Quartal wären das pro Arztbesuch etwa 18 Euro. Dafür ist das Praxisteam von der Urinabgabe bei der Arzthelferin bis zum Ende der Untersuchung bei Ihrem Arzt bis zu 45 Minuten im Einsatz. Sind die Gehälter der Helferinnen, die Miete für die Praxis, Versicherungen und Kredite für die Geräte bezahlt, sind die 18 Euro so gut wie aufgebraucht. Für Ihren Arzt persönlich bleibt trotz der großen Verantwortung, die er für Mutter und Kind trägt, kaum etwas übrig."
http://www.durchblick-gesundheit.de/content/red.otx/1177,54638,0.html
*
Jeder Handwerker würde mich auslachen, wenn er für die Reparatur der Waschmaschine 38,60 € bekäme. Damit wären noch nicht einmal die Anfahrtskosten bezahlt.
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Und absolut wichtig wäre eine Rechnung, die jeder Patient erhält, damit er sieht, welche Leistungen tatsächlich erbracht wurden. Aber dies wollen ja die Krankenkassen nicht. Warum wohl?
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In meinen Augen sind die Krankenkassen die Verursacher der Misere, nicht die Ärzte.

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Sibylle1969 26.02.2015, 14:17
139. Als Privatpatient...

...hat man zwar nicht das IGEL-Problem, aber man muss dennoch massiv aufpassen, dass die Ärzte nicht den vollen, teuren Diagnostik-Apparat auf einen loslassen. Der Klassiker sind lukrative Untersuchungen, d.h. Untersuchungen, die entweder sehr teuer sind oder bei der der Arzt für einen sehr geringen Aufwand von 1 Minute oder so die Ziffer "Untersuchung eines Organsystems" abrechnen kann, die aber oft keinen medizinischen Erkenntniswert oder Nutzen haben. Bei einem HNO-Arzt (die sind da besonders schlimm...) wurde mir immer kurz ins Ohr geguckt, obwohl ich wegens eines Problems da war, wo ins Ohr gucken m.E. keinen Erkenntnisgewinn bringt. Als ich dann pro Besuch später auf der Rechnung für jedes "ins-Ohr-gucken" einmal die Ziffer "Untersuchung eines Organsystems" für ca. 22 € fand, wurde mir klar, dass man hier zukünftig besser aufpassen muss. Zeitaufwand für den Arzt 5 Sekunden, Erkenntniswert Null, Nutzen für mich auch Null. Auch wollte man mich stets mit einem Hörtest beglücken, bevor man zum Arzt reingelassen wird. Einmal ist ja in Ordnung, aber drei Hörtests innerhalb von nur 2 Wochen, wo schon beim ersten Hörtest alles in Ordnung war, ist dann doch too much. Da habe ich den Hörtest verweigert, was die Arzthelferin mit einem pampigen "Das machen wir aber immer so" quittierte. Bei einer Gynäkologin, die ebenfalls das "Privatpatienten-Melken" stark übertrieben hat, zu der ich deswegen auch nicht mehr gehe, hat auch immer unzählige Untersuchungen durchgeführt, von denen manche m.E. überflüssig waren. Da kam man rein, und gleich wollte die Arzthelferin ohne konkreten medizinischen Anlass eine Urinprobe, Blutdruckmessen und das Gewicht feststellen. Die Rechnung wurde später um einige dieser Ziffern gekürzt, da meine PKV das nicht bezahlt. Beim nächsten Besuch habe ich das dann verweigert, was die Arzthelferin wiederum unfreundlich werden ließ. Meine Strategie ist es daher, so weit wie möglich zum Allgemeinarzt zu gehen und Fachärzte in ihrem Diagnostikwahn gelegentlich mal zu bremsen, wenn sie nicht überzeugend darlegen können, warum die Untersuchung notwendig ist. Auch hilft ein Hinweis darauf, dass man einen Tarif mit hoher Selbstbeteiligung hat (auch wenn das nicht stimmt), denn Ärzte haben zwar keine Hemmung, die PKV auszunehmen, aber etwas mehr Hemmung, den Patienten selbst auszunehmen, wenn es ein Privatpatient ist. Denn mit seinen Privatpatienten verscherzen will kein Arzt.

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