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Kälteallergie: "Wie ein Meer aus Brennnesseln"
Getty Images/Westend61

Im See baden, Eis essen, Fahrrad fahren im Frühjahr: Wer unter Kälteurtikaria leidet, bekommt schnell juckende Quaddeln. In seltenen Fällen kann das sogar gefährlich werden. Was können Betroffene tun?

biber01 11.03.2019, 10:13
1. Nicht schön!

Hatte lange Zeit Nesselfieber-Anfälle. Zugeschwollene Gesichtszüge, Füsse,
Arme..nichts blieb bei der Vielzahl an Schüben verschont. Ursachen liessen sich nie genau finden. Bis dann vor drei Jahren plötzlich Schluß war. Nach 12 Jahren mit häufigen Schüben pro Jahr. Seit drei ein paar quält mich dafür öfter ein klassischer Heuschnupfen, mit dem ich aber viel besser leben kann..

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CancunMM 11.03.2019, 12:08
2.

Ich kann mich noch an einen Fall im ersten Jahr meiner klinischen Tätigkeit im AiP erinnern. Muss 96/97 gewesen sein. Meine 1. Station, die ich alleine führte. Es kam eine Patientin zur Abklärung von Synkopen. Bei der Anamnese erzählte sie, dass sie bereits 2x synkopiert sei. 1x in einem städtischen Schwimmbad und 1x in Israel im Urlaub als sie bis zu den Knien im Wasser stand. In meinem Studium hatte ich eine ganz gute dermatologische Ausbildung, weniger weil ich es interessant fand, sondern eher weil mein Professor Professor Orfanos war. Der es sich nicht nehmen ließ auch mal Studenten in eine Nachprüfung zu holen, wenn ihm das gesagte im Hörsaal nicht gefiel. Ich musste damals leider in so eine Nachprüfung, sah mein Studium schon den Bach runtergehen und lernte ausgiebig die Dermatologie.
Zurück zur Patientin. Das Gesagte machte mich ein wenig neugierig und im Rahmen der weitere Anamnese gab die Patientin an, dass wenn sie z.B. nachts barfuß zum Kühlschrank ginge, die Füße jucken würden oder wenn sie sich auf die kalte Toilettenbrille setze der Popo und die Oberschenkelrückseiten jucken würden. Ich holte also aus dem Eisfach auf Station einen Eiswürfel und rieb ihn über den rechten Unterarm. Innerhalb kurzer Teit entwickelte sich dort eine Urtikaria. Und nicht nur das. Die Pat. fing an zu husten und der Blutdruck sank.
Bei weiteren Nachfragen war es auch so, dass die Patientin auch bei kaltem Wind, der damals in Berlin herrschte, Symptome bekam. Ich hatte damals dann Kontakt zu einer Dermatologin aus der Charite. Damals wurde für fast alles der Helicobacter verantwortlich gemacht. Wir behnadelten diesen damals mit Antibiotika. Wie es später nach Entlassung mit der Patientin weiter geht, kann ich nicht sagen. Aber manche Fälle vergisst man einfach nicht.

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martine-primus 11.03.2019, 17:14
3. Urikaria...

ich habe sie als Kind das erste Mal gehabt - im Schullandheim. Das ist mir natürlich erst Jahre später, als ich erste heftige Ausbrüche hatte, bewusst geworden. Ich war letztes Jahr in der Charité zur Urtikaria-Sprechstunde, habe mich aber nicht ernst genommen gefühlt. Denn nach monatelangem Warten auf den Termin, war ich urtikariafrei. Sie erzählte mir auch etwas davon, dass es oft einmalig sei und dann nie wieder käme...
Ich kann nur sagen, dass ich ca alle 10 Jahre extreme Urtikaria habe, am ganzen Körper, wobei die Quaddeln nur hässlich sind und jucken, aber die SChwellungen und Ödeme im Gesicht (Auge zugeschwollen, Wange oder Lippen dick) oder an den Fingern schmerzen und wirklich beeinträchtigen. Das dauert so ca 6 Wochen, dann ist alles vorbei - und dann kann ich ca 10 Jahre später damit wieder rechnen. Ursache? Nicht bekannt!

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brooklyner 12.03.2019, 00:26
4.

Dass es so was gibt, war mir nicht bekannt. Da hat die 4 jährige Tochter meiner finnischen Freundin ja Glück gehabt. Die springt im Januar direkt aus der Sauna wie die Mutter jubelnd ins eiskalte Meer, während ich schlotternd am Ufer stehe. Gibt es diese Krankheit auch im hohen Norden?

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Thomas G. A. Mank 12.03.2019, 07:16
5. Korrektur

Tatsächlich basiert jede Nesselsucht auf einer Autoimmunerkrankung, in diesem Fall einer allergischen Reaktion gegen jenen körpereigenen Stoff, der das sogenannte Histamin abbaut. Histamin wiederum ist ein Botenstoff, der in nahezu allen Lebewesen vorkommt. Wir produzieren ihn selber und nehmen ihn auch durch Nahrung auf. Die Autoimmunreaktion verhindert den Abbau des Histamins, das stattdessen unter der Haut und in den Schleimhäuten eingelagert wird, was zu extremen Jucken, Asthmaanfällen, schmerzhaften Blähungen etc. führt. In der Regel,ist die Nesselsucht keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom. Ich weiß das so genau, weil ich eine Nesselsucht seit mehr als 10 Jahren habe; in meinem Fall ist sie die Begleiterscheinung einer autoimmunen Bluterkrankung, die wiederum wohl mit einer bis heute ungeklärten Knochenmarksveränderung in Verbindung steht. Eine heftige Nesselsucht ist furchtbar und nur schwer erträglich; für mich insbesondere in den Sommermonaten. Aber spürbar ist sie eigentlich immer.

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