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Katharina Saalfrank antwortet: Warum fährt die Zweijährige den Bruder an - und freut
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Muss eine Zweieinhalbjährige ihren Bruder trösten, wenn sie ihm wehtut? Und verwahrlosen unter Dreijährige in der Kita? Die Pädagogin Katharina Saalfrank hat klare Antworten.

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m.ecker 06.11.2017, 09:53
1. m.ecker

....wenn wir es schaffen Einrichtungen zu schaffen......
Nähe und Zuneigung der Eltern, und insbesondere der Mutter, sind nun mal eine biologische Notwendigkeit für die frühkindliche Entwicklung. Die Vergangenheit zeigt, das frühzeitige Krippenerziehung nicht das ideale Umfeld ist, um empthische Fähigkeiten zu entwickeln. Ich würde mir wünschen, dass es eine Familienpolitik gibt, die es ermöglicht, dass sich Mütter ohne Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder kümmern dürfen und das die Rolle als Mutter wieder eine gesellschaftliche Wertschätzung erfährt. Väter die in Elternzeit gehen werden gefeiert. Frauen, die ihre Mutterrrolle ermst nehmen wollen, dagegen nicht. Im Gegenteil, sie fühlen sich unwohl, den anerkannt wird nur die Karierefrau.

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Strafjurist 06.11.2017, 09:58
2. Vertrauen in die Kita

Ich bin selbst Vater von vier Kindern zwischen 4 und 16. Da wir beide voll arbeiten, wenn auch mit langen Heimarbeitsphasen, sind wir auf eine externe Kinderbetreuung angewiesen - einerseits. Andererseits sagt mir meine Erfahrung, dass auch ein früher Kita-Besuch schon für Einjährige eine immense Bereicherung sein kann. Denn einiges können wir zu Hause bei aller Liebe und allem Einsatz nicht anbieten: Vor allem den Umgang mit Gleichaltrigen und auch größeren Kindern. Es dauert zwar noch eine Weile, bis Kinder dann wirklich miteinander spielen, aber auch Einjährige sind sehr daran interessiert, was andere Kinder tun, sie ahmen nach und lernen unglaublich schnell unglaublich viel, gerade im zweiten Lebensjahr. Auch Spielumgebungen wie in einer Kita können wir in einer Innenstadtetagenwohnung zu Hause nicht gestalten, weder Indoor noch als Freigelände, da fehlen und räumlich wie auch finanziell die Ressourcen. Vor allem aber können wir uns rein zeitlich eben zu Hause nicht so 100%ig immer auf die Kinder einlassen, wie das Erzieher in einer Kita können. Wir haben eben ständig irgend etwas anderes zu tun.
Ich will keinesfalls sagen, dass dies der einzig richtige Weg ist, aber in einer gut ausgestatteten Kita mit einem guten Konzept und wirklich guten Erzieherinnen und Erziehern (sogar im Plural) wusste und weiß ich meine Kleinen un unserer Kita sehr gut aufgehoben.
Den Appell zur Aufwertung des Berufs von Erzieherinnen und Erziehern sowie die Forderung nach einer deutlich besseren personellen (und gerne auch sachlichen) Ausstattung der Kitas. und zwar flächendeckend, unterschreibe ich aber sofort, hier gibt es meines Erachtens mit den größten Handlungsbedarf in der gesamten Familienpolitik. Wenn wir dafür einen erheblichen Teil der je derzeit sprudelnden Steuereinnahmen ausgeben würden, wäre das eine echte Zukunftsinvestition...

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Ikarus Schmidt 06.11.2017, 10:03
3. Keine echte Antwort

Frage 2 ist meiner Meinung nach jetzt nicht wirklich beantwortet worden. Klingt eher so, als würde sie versuchen nicht sagen zu müssen, dass es aktuell eher schädlich ist, sein Kind zu früh in die Kita zu geben. Denn leider deutet sehr vieles genau darauf hin. Aber die meisten Eltern haben ja auch nicht wirklich eine Wahl...

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katja78 06.11.2017, 10:03
4. bestürzt bin ich

über diese Frage:

"eine Kita-Erziehung von unter Dreijährigen unter heutigen Umständen zu seelischer, geistiger und körperlicher Verwahrlosung führt?"

Ich weiß nicht, wie gut oder schlecht andere Kitas sind. Unsere stinknormale Kita hat auch keine perfekte Eingewöhnung wie von Frau Saalfrank beschrieben geleistet (obwohl uns beliebig viel Zeit gelassen wurde). Von seelischer, geistiger oder körperlicher Verwahrlosung sind wir jedoch ganz, ganz weit weg. Die Kinder gehen gerne in die Kita, der 1,5-jährige mag die Routinen dort, macht selbstbewusst mit, ist stolz, schon vieles zu können. Rennt morgens freudestrahlend in die Krippengruppe und verabschiedet sich von uns. Wir ernten "Beschwerden" seitens der Kinder, dass wir sie "so früh" abholen. Die Kinder werden nicht verwahrt sondern altersgerecht gefordert und gefördert. Ich erinnere mich an diverse U-Untersuchungen, bei denen Dinge getestet wurden, die wir mit den Kindern (zumindest dem älteren, da hat ja noch nicht so im Gefühl, wann was dran ist) noch gar nicht gemacht hatten und die diese immer souverän meisterten "aber Mama, das habe ich doch schon lange in der Kita gelernt". Das Programm, das in der Kita geboten wird, könnte ich selber niemals leisten, gleichzeitig bleibt aber trotzdem genug Freiraum für Rückzug und Kuscheln, Vorlesen (gerade die Krippenkinder haben einen sehr engen körperlichen Bezug zu ihren Erzieherinnen). Auch der Umgang der Kinder miteinander, Konflikte lösen, sich abgrenzen können, usw. profitiert. Es ist einfach schön, anzusehen, wie beim Spielen am Wochenende 2 und 3-jährige untereinander genau und gewissenhaft verhandeln, wer nun in welchen Reihenfolge das attraktivste Fahrzeug nutzen darf, wie sie Abwechseln einfordern und dem auch nachgeben ohne großes Gezanke.

Ich bin fassungslos, wie man da auf die Idee von Verwahrlosung kommen kann. Und "körperliche Verwahrlosung"? In der Kita? Wie soll das funktionieren?

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m.ecker 06.11.2017, 10:50
5. m.ecker

So lese ich jetzt, dass es offensichtlich Eltern gibt, die ihren Kleinsten nicht das bieten können, was die Kita bietet, nicht das leisten können, was die Kita leistet. Denken Sie mal darüber nach ob sie Ihren Kindern das später mal erklären können und wollen.
Es gibt sehr wohl Gründe ein Kind früh in die Kita zu geben, aber die Eltern sollten der letzte Grund sein. .... sich selber zu Beschränken gehört eben auch zur Elternrolle.
Meine 3 Kinder sind erwachsen und erfolgreich und waren auch zur rechten Zeit im " Kindergarten".
.... am Ende klagen alle gemeisam über die Entwicklung unsererJugend,
Bildungsmisere, Desinteresse, Desorientierung, Gewalt, Mobbing usw.
Aber mit den Kindern gibt man auch ein Stück Verantwortung an der Kitatüre ab.

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chocolatefactory 06.11.2017, 10:51
6. Ebenso bestürzt

Danke für die Kommentare 2 +4, welche sich mit meinen Erfahrungen decken. Wie kann man nur annehmen, daß Kinder in einer Kita körperlich und seelisch verwahrlosen? Welche Form von Indoktrination hat der Fragesteller vorher erlebt, daß er eine solche Frage stellt?
Das Gegenteil ist der Fall. Mein Sohn ging mit zwei in die Krippe (ich hätte ihn auch ab einem Jahr hingeschickt, hatte aber den Anmeldetermin verpeilt). Er war glücklich, unter anderen Kindern zu sein und hat ab diesem Zeitpunkt deutlich schneller gelernt und Fähigkeiten entwickelt als zuhause. Kinder lernen eben immer am besten von anderen Kindern. Auch kann ich bestätigen, daß das, was eine gute Erzieherin leistet, in den allermeisten Haushalten nicht leistbar ist - weil eben noch nebenher andere Dinge wie Kochen, Putzen etc. erledigt werden müssen.
Wir hatten das Glück, eine phantastische Erzieherin erwischt zu haben - eine Seele von Frau: immer ausgeglichen, immer lächelnd. Es gab klare Regeln, den Wuselhaufen hatte sie gut im Griff (sie betreute bis zu 12 Kinder).

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menlo 06.11.2017, 10:55
7. Zustimmung zu #4

Die zweite Frage ist wertend und erwartet eine Antwort, die in der Frage schon vorgegeben ist. Ich denke, die Frage ist auch desahalb nicht kmplett beantwortet worden, weil von vorneherein klar ist, was erwartet wird.
Natürlich ist es nicht ideal, wenn die kleinen sachon mit wenigen Monaten in die Krippe gegeben werden. Aber wie bitte soll es denn anders gehen? Mein Sohn ist jetzt 4 und seit seinem 3. Lebensmonat in der Kita. Ich leite eine Forschungsgruppe an einem renommierten Institut und bin gar nicht in der Lage, in teilzeit zu arbeiten. Darum bin ich unglaublich dankbar für die Angebote unserer fantatischen KITA. Da kann von verwahrlost gar keine Rede sein. Im Gegenteil, er lernt dort sehr viel mehr als wir beide, mein Mann und ich ihm bieten könnten. Und was ist denn die alternative? Keine Kinder? Nein. Diese Fokussierung auf die Rolle der schlechten Mütter und das Shaming sollte doch endlich ein Ende haben. Jede von uns berufstätigen Müttern werden oft genug daran erinnert, dass wir angeblich uns nicht ums Kindeswohl kümmern, in diesem fall es sogar verwahrlosen lassen. das ist doch lächerlich.
Und vielleicht sollten sie das doch auch bitte allen arbeitenden Vätern sagen.

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Lap 06.11.2017, 11:13
8. Unfall?

Die Antwort zu Frage 1 ist meiner Meinung nach ein schönes Beispiel dafür, warum viele Menschen Misstrauen gegenüber Psychologen hegen. OK, das mit der Empathie ist toll erklärt, das muss man erst einmal nachvollzogen haben. Aber es wird mit keinem Wort darauf eingegangen, dass hinter dem Anfahren des Bruders auch genauso gut ein Plan gesteckt haben könnte, was aber wegen des anschließenden Hinterherrufens durchaus in Betracht gezogen werden sollte. Das Kind kann die Folgen tatsächlich nicht abschätzen, aber weder für den anderen... noch für sich. Ein Erwachsener würde zumindest in Erwägung ziehen, nicht so ein Geschrei zu machen, wenn die Situation es gebietet. Die Tochter fühlte sich in ihrer Kindlichkeit vielleicht einfach nur ausreichend ungestört, um eine "gute Idee" in Form eines Streichs zu verwirklichen. Ein Mangel, bzw. wie bei Kindern, ein noch nicht entwickeltes Empathievermögen ist doch keine Garantie dafür, dass nicht auch eine Absicht hinter negativen Handlungen steckt, die natürlich noch keine strafbar vorsätzlichen Handlungen sind. Dieser Aspekt wird einfach ausgeblendet und somit der Eindruck erzeugt, dass es sich tatsächlich um einen Unfall gehandelt haben muss. Tatsächlich aber sind solche Lernprozesse doch auch für spätere Charaktereigenschaften prägend, z.B. weil man bei der Gelegenheit lernt, wie toll man Geschwister verarschen kann. Ich denke, es ist oftmals schwierig Eltern von dieser Wirklichkeit zu überzeugen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht ist das ja auch ein Grund für die messerscharfe Analyse der TV-Psychologin: Alles in Ordnung, wird gleich besser. Ansonsten...

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almeo 06.11.2017, 11:21
9.

Zitat von m.ecker
....wenn wir es schaffen Einrichtungen zu schaffen...... Nähe und Zuneigung der Eltern, und insbesondere der Mutter, sind nun mal eine biologische Notwendigkeit für die frühkindliche Entwicklung. [...] Frauen, die ihre Mutterrrolle ermst nehmen wollen, dagegen nicht. [...]
ihre Aussagen passen genau in ein gerade wieder aufkommendes Phänomen, über das mir viele ehemalige Arbeitskollegen und Freunde berichten: Die Verklärung der Mütterrolle. Das geht meistens Hand in Hand mit dem Phänomen der "Helikoptereltern". Haben Frauen früher für Ihre Entfaltung und Freiheit gekämpft, kommt nun wieder eine Generation junger Frauen nach, deren einziges Ziel die Aufopferung für Ihre Kinder zu sein scheint. Da kommen fast immer genau Ihre Argumente. Man müsse seine Mutterrolle ernst nehmen, eine positive frühkindliche Entwicklung könne ausnahmslos die Mutter ermöglichen, etc. pp. Der Mann darf und soll das Geld verdienen und sich am Besten gar nicht so sehr in die Erziehung einmischen. Stattdessen verbringen diese Mütter gerne viel Zeit mit anderen Müttern und bauen sich mit gleichgesinnten ein seltsames Weltbild aus 50er Jahre Ansichten, pädagogischen Halbwahrheiten und Gesundheitsesoterik auf. Und wenn Valentin-Fidelis dann in die Grundschule kommt, knallt es erstmal gewaltig...

Erfahrungsgemäß werden Kinder meistens am Besten groß, wenn sie eine gute Mischung aus elterliche Fürsorge und Schutz, sowie fremdbestimmter Gruppensozialisation und Peer-Groups bekommen. Das brauchen Kinder beides. Und am besten fängt man damit an, wenn Kinder noch ein "leeres Blatt" sind. Einem Grundschüler beizubringen, wie man sich in einer Klasse, gegenüber älteren Schülern oder bei klaren Anweisungen durch andere zu verhalten hat ist mühsam und zerrt bedeutend mehr an einer Kinderseele, als eine frühe Eingliederung in eine Kita-Gruppe.

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