Forum: Gesundheit
Katia Saalfrank antwortet: Was tun, wenn der Sohn ständig Computer spielt?
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Ein 12-Jähriger sitzt dauernd vorm Bildschirm, hält sich nicht an verabredete Zeiten und will wie besessen in Spielen weiterkommen. Der besorgte Vater bittet die Familienberaterin Katia Saalfrank um Rat.

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jhea 17.10.2017, 06:40
50.

Zitat von Olli68
"Meine Erfahrung ist, dass Online-Rollenspiele immer dann übermäßig gespielt werden, wenn Kinder in ihrer realen Welt wenig positiven Kontakt und Beziehung erfahren. Wenn sie sich selbst als minderwertig und nicht attraktiv empfinden und in ihren nahen Beziehungen und ihrer sozialen Welt wenig positive Reize, Wertschätzung, Selbstwirksamkeit und Bestätigung erfahren." Typischer Pädagogen-Sprech und eine viel zu eindimensionale Erklärung von Frau Saalfrank, die auch noch Ursache und Wirkung verwechselt, denn bei vielen Individuen ist das exzessive Spielen Ursache davon, dass die Spieler keine "positiven Reize und Wertschätzung" mehr in der realen Welt erfahren, nicht umgekehrt. Die ersten Kommentatoren haben sich sehr positiv übers Zocken geäußert und nennen (teilweise) 35 Stunden wöchentlich normal. Ich denke auch, dass für bestimmte, sehr strukturierte Charaktere auch bei heftigsten Spielen keine (soziale und emotionale) Absturz-Gefahr besteht und für diese das Gaming sogar ein vielfältiges Intelligenz und Strategie-Training darstellt (vielleicht a weng einseitig...). Andere aber, und da sind die Kommentare doch viel zu verharmlosend, sind durchs unablässige Zocken so beeinträchtigt, dass sie kaum noch "normale" Genuss- und Arbeitsfähigkeit besitzen. Sie sind dann sozial unverträgliche verfettete, stets übelgelaunte Individuen, deren Leben erst mit dem Einschalten ihres Bildschirms beginnt... Bei jenen ist auch der oben geschilderte Abischnitt von 1.6 und die Karriere als Arzt oder Ingenieur eher unwahrscheinlich. Eher Hartz4...
Mehr als LOL sollte man zu diesem Beitrag eigentlich nicht sagen...

Aber ok, ich lass mich breitschlagen.
Das Olli68 lässt mich mal vermuten dass der Autor 1968 geboren wurde, also heute 49 Jahre alt ist.
nun kein wunder, dass der gute Mann (Olli steht wohl für Olliver) keine große Ahnung vom daddeln hat.

Was der erste Poster da schreibt ist eher an der Realität dran als das was du unterstellst mein lieber Olli.
In meiner Klasse, Jahrgang 1997 übrigens, war auch jeder Kerl am daddeln und wir haben uns da zeitweise die Nächte um die Ohren geschlagen und am Wochenende ging es dann los zur nächsten LAN Party im Keller vom Freund. Wo wir erst einmal die ersten 2 Stunden damit verbrachten ein lustigens Netzwerk überhaupt erst einmal aufzubauen.

Nunja, was ist aus uns geworden?
2 von unseren männlichen Realschulabsolventen, machen jetzt Industriekaufmann.
Einer sitzt bei Bayer als Chemielaborant (junge war der gut in Half Life), einer macht im Landesamt für Statistik genau das, Statistiken.
3 Werkeln als Administratoren in Betrieben (einer davon als Admin an der Schule an der wir lernten (träne wegwisch), 2 wurden Lehrer.
Und ich spiele den lustigen Verwaltungsfachangestellten.
keiner ist verfettet, keiner ist übel gelaunt, keiner bezieht Hartz IV.

Aber schön dass wir unsere ignoranten Vorurteile pflegen.
Kein Wunder dass die AfD und sonstige Hass-Parteien groß werden.

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sellingarmy 17.10.2017, 07:02
51. Auch wenn man selbst ...

... ein hoch motivierter Spieler in seiner Kindheit bzw. Jugend war (wie ich, etwa ab C16/Atari 2600), sträuben sich mir die Haare wie manche Themen verharmlost werden. Da ich selbst zuviel Zeit an MMORPGs verschwendet habe, kann ich mit Gewissheit sagen, dass man hier nichts fürs Leben lernt. Ziel der Unternehmen wie Blizzard, Sony und Co. ist es, einen Spieler möglichst lange an ein Spiel zu binden, bis zur Unendlichkeit. Die Spiele werden absichtlich oft künstlich gestreckt, sodass das vorankommen noch länger dauert, also noch mehr Freizeit beansprucht (siehe auch "Asia Grinder") Gegenstände mit denen der Spieler belohnt wird, erhalten je nach Nutzen eine bestimmte Seltenheit, d.h. es wird aufwendiger diese zu erhalten, aber auch das Ansehen des Spielers in der Community steigern ("Wow sieh dir mal den an, der hat diesen Gegenstand schon...").

Die Gier und die Sucht sind, besonders für anfällige Personen, eine reelle Gefahr. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es geht was kaputt n und das ist nicht nur physisch.

Justmy2cents

P.S.: Ich spiele heute mit fast 45 Jahren immer noch, aber mit Maß und Ziel und auch keine "geisselnden" Onlinespiele mehr.

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jhea 17.10.2017, 07:03
52.

Damit muss man nicht vorsichtig sein, das stimmt so.
Ein Buch kann eine Geschichte NICHT so erzählen wie ein Videospiel.
Ja nicht einmal wie ein Film.

Bei einem Videospiel IST man der Protagonist. Man hat - wenn man sich drauf einlassen will - als dieser Protagonist gelitten, und baut entsprechende Gefühle auf.
Ich lese recht viele Bücher, und hatte beim lesen nie das Gefühl wie ich es hatte, wenn ich als z.B. Commander Shepard nach London komme und sehe wie die Reaper dort alles dem Erdboden gleich gemacht haben.
Ich habe an dieser Stelle, 2 Spiele vorher (Mass Effect 1 und 2) sowie 95% von MAss effect 3 durchgespielt und sicher gute 40 50 stunden in 4 5 Wochen investiert. Es gab Bosskämpfe, es gab lustige Rededuelle, zum schmunzelnde Cutscenes, etc. Aber das Gefühl des 'jetzt geht es los, ich habe alles getan um die Galaxis zu vereinen und die geballte militärische Macht gegen diese 'alles leben vernichtenden Maschinen' zu vereinen.' bekomm ich halt nicht wenn ich mir z.B Battletech durchlese.
Ja ich liebe auch die Story wie die Clans die Freie Innere Sphäre überrennen. Wie Tyra Myraborg die Höhlenwolf rammt, den Il-Kahn damit tötet und wie Phelan Kell auch Vladimir von der Brücke holt (ein ziemlich fieser Zeitgenosse der Vlad) kurz bevor das Notfallsiegel bricht und alle die nicht gerettet werden konnten ins Weltall bläst.

Beides schöne Geschichten. Aber bei einem liest man nur was der Protagonist tut... bei der anderen ist man der Protagonist. Alle entscheiden die man getroffen hat, resultieren in dem Ende das man am Ende bekommt.
Nier: Automata zB hat 26 verschiedene Endings. Davon sind nur 3 'die guten' Endings, also die die man erreichen kann wenn man die Story bis zum wirklichen Ende spielt.
Vorher hat alles was man tat dafür gesorgt dass man entweder ende a - z bekommt. Welches einem dann am besten gefällt... muss jeder für sich entscheiden ;)
Ein Buch hingegen hat nur ein Ende. Und die sind meistens auch noch schlecht...
viele Bücher machen bei mir nämlich den Eindruck als würde der Autor am Ende eher versuchen auf den letzten 40 Seiten alle losen Handlungsfäden 'auf krampf' zusammen zu führen, damit er die Deadline erreicht, ohne auf die Stimmung zu achten (diverse Alien Titel z.B.)

Mit der Aussage des gesunden Mittelmaßes stimme ich allerdings völlig überein.
Das gilt aber in jedem Bereich des Lebens.
Daher kann ich nur jedem raten der Spiele verteufelt, diese erst einmal auszuprobieren, und damit meine ich nicht nur anmachen 2 Minuten in zB GTA V rumlaufen und dann schimpfen.

Nach 12 15 Stunden darf man darüber Kritik äußern. Vorher hat man die Goschen zu halten.

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juliaz 17.10.2017, 07:11
53. Hinterher sind alle immer schlauer

Ja, ich hab auch als Kind/Jugendliche gezockt, hab mich drei Jahre lang in WoW vor meinem Kummer versteckt und bin ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Aber das bedeutet nicht, dass Eltern nicht eingehaltene Absprachen achselzuckend hinnehmen müssen. Der Punkt ist, glaube ich, eher die Frage, was man dem Kind *stattdessen* bieten kann. Da finde ich ein Gespräch schon ganz nützlich, um rauszufinden, was das Zocken dem Kind gibt und wie man dieses Gefühl in der echten Welt entdecken könnte. "Leider" heißt das auch, dass die Eltern sich ein wenig mehr Gedanken machen müssen als nur "wie halten wir ihn vom Rechner fern". Gibt es im Ort Ausgleichsoptionen, z.B. einen Kletterpark, ein Gemeindeleben, Sportverein? Hat der Junge überhaupt Freunde in der Schule oder außerhalb, andere Interessen? Hat er Freunde online, die ihm wichtig sind? Zwischen pauschal zocken lassen und pauschal Stecker ziehen muß es ein Mittelding geben, bei dem das Kind nicht total versumpft, aber auch nicht nur noch Gegenreaktion zeigt. Also, erst mal Fragen stellen und dann darauf aufbauen.

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krustentier120 17.10.2017, 07:33
54. Neuland

Hihihi World of Warcraft... Die nette Tante von RTL geht bestimmt auch noch zum Briefkasten, um nach E-Mails zu schauen.

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fatherted98 17.10.2017, 07:35
55. Die einfach Lösung....

....das Ding verschrotten....und das Internet abstellen. Aber da ja viele Eltern ebenfalls "zocken" wird das bei den wenigsten funktionieren.
Man kauft seinen Kids eben keine Spielkonsolen....ganz einfach....und ein PC gehört ins Wohnzimmer und nicht in ein Kinderzimmer....sonst braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Kids spielen und surfen bis zum abwinken.

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vadim1960 17.10.2017, 07:37
56. Benutzerkonto mit Zeitbeschränkung

Wir haben unseren 11-jährigem Sohn auf dem PC ein Benutzerkonto mit Zeitkonto eingerichtet: dabei wird pro Tag ein Zeitfenster und eine maximale Nutzungsdauer definiert. Die Zeiten haben wir so gelegt, dass sie nicht in Konkurrenz zu seinen anderen Aktivitäten (Musikverein, Feuerwehr, Sport) stehen. Damit haben wir die PC Nutzung bisher ganz gut im Griff.

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lolz 17.10.2017, 07:51
57.

Endlich mal eine Expertin, die einfühlsam auch gegenüber dem Kind auf das Thema eingeht und dahinter schaut, warum das Kind seine Herausforderungen im virtuellen Raum sucht. Hinzu kommt, dass manche Kinder eher introvertiert sind, manchen hilft das Konzentrieren auf Spielinhalte sich von unangenehmen Gedanken zu befreien, wie Meditation. Manche Kids wollen auf Wertung spielen und dafür investieren sie eben Zeit. Es ist natürlich nicht die Lösung, den ganzen Tag zu spielen. Aber die Expertin hat Recht, man sollte es als ein Hobby akzeptieren und vielleicht mit dem Kind über Sport und Ernährung reden? Professionelle E-Sportler zum Beispiel müssen genauso fit sein wie andere Sportler, da könnte man positiven Einfluss ausüben. Auch unter der Woche ab dem frühen Abend ein paar Stunden sollten drin sein, wenn es dem Kid solchen Spaß macht. Verbietet man es, beraubt man eben das Kind eigentlich der Möglichkeit etwas zu machen, was eine Selbstverständlichkeit ist. Wir haben früher abends an der Konsole gegessen, heute als Erwachsene sitzen wir zusammen im Teamspeak und spielen zusammen auf Schlachtfeldern. Kinder können in diesen Spielen viele Kompetenzen erlernen, ein gutes Buch zum Thema Gaming generell ist auch "Reality is broken" von McGonnigal. Kids kommen mit Mathematik bzw. Theorycrafting in Berührung, die einige für wissenschaftliches Denken begeistern kann. Andere lernen eine Gruppe von 40 Erwachsenen durch eine virtuelle Herausforderung zu führen. Ich habe schon Großväter und Mütter mit ihren Kids gemeinsam in Spielen getroffen. Es kommt natürlich auf das Maß an, aber man kann als Eltern aus den gegebenen Faktoren irgendwie etwas Positives machen. Und natürlich muss man den Kids auch Teilhabe außerhalb des Spiels ermöglichen, aber ohne Zwang, wenn das Kind nicht so extrovertiert ist. Manchen Eltern fehlt natürlich auch das Geld, aber solange man seinen Kids einen sicheren Lebensraum bietet, ohne Verbot von etwas was für sie so selbstverständlich ist wie für uns Erwachsene Fernsehen und Lesen, sollte das alles gut gehen. Vor allem glaube ich, lässt man das Kind auch mal dieser Leidenschaft folgen, dann mäßigt es sich in 97% der Fälle... Vielleicht auch mal mit Kids zusammen spielen. Ein Spiel wie League of Legends oder vielleicht etwas minimalistischer Heroes of the Storm würde sich anbieten, da es kostenlos ist, Teamspiel fördert und der Spielverlauf kein ausuferndes Zeitinvestment in einen Avatar erfordert... ja, komplexes Thema. Aber die Expertin hat Recht, nicht verbieten. Sonst wird das Kind sehr traurig und kaum abwarten können, endlich im eigenen Heim zu leben. Vergleichbar mit dem Bedürfnis extrovertierter Kinder ständig feiern zu gehen... alles im Maße eben.

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daniel74 17.10.2017, 07:51
58. Fehleinschätzung aus selbst beschriebener Ursache

"Wenn sie sich selbst als minderwertig und nicht attraktiv empfinden und in ihren nahen Beziehungen und ihrer sozialen Welt wenig positive Reize, Wertschätzung, Selbstwirksamkeit und Bestätigung erfahren. Ist das der Fall, ziehen sie die virtuellen Welten vor."

Klingt nach Baukastendiagnose und ist eine fatale Fehleinschätzung.
Offline kann alles in Ordnung sein. Gutaussehend, erfolgreich in Schule oder Job, sportlich und geliebt. Was hier ausgeklammert wird weil auch Frau Saalfrank offenbar Erfahrungswerte fehlen, ist, dass die virtuellen Welten immer besser werden, immer aufregender und immer komplexer. Die Onlinewelten werden immer besser und immer realer - Die Realität bleibt wie sie ist.

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touri 17.10.2017, 07:52
59.

Zitat von bufi2000
Und was tue ich, wenn mein Sohn nicht mehr mit mir kommuniziert, sondern aggressiv gegen alle angeht, die von ihm etwas außerhalb der virtuellen Welt fordern? 17 Jahre, inzwischen 2x sitzengeblieben, überall raus geflogen, vereinsamt, unzugänglich?
Sich Hilfe bei einem Psychologen suchen und nicht in einem anonymen Forum. Eine bekannte von mir hatte ein ähnliches Problem mit ihrem Ältesten (noch erwschwert durch den frühen Tod des Vaters). Hat lange gedauert, aber mit psychologischer Hilfe und einer betreuten Ausbildung hat er dann doch noch die Kurve gekriegt. Hat aber verdammt viel Kraft gekostet.

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