Forum: Gesundheit
Kieferorthopädie: Kritik an Zahnspange unerwünscht
Corbis

Fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen wird von Kieferorthopäden behandelt, doch der Nutzen ist fraglich. Ein Forscher der Uni Greifswald hatte dies in einem Fachaufsatz thematisiert - und hat nun keine Stelle mehr.

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doofnuss 10.06.2015, 18:12
70. körperverletzung wegen kunstfehler an minderjährigem

Zitat von ancoats
Bereits in meiner Schulzeit (60er/70er) waren Zahnspangen en vogue, 3/4 meiner Mitschülerinnen (komischerweise kaum Jungs...) hatten zeitweise welche. Mich hat ein beherzter Zahnarzt vor diesem Unfug bewahrt; interessanterweise war das auch jemand, dessen Zahnbehandlungen noch meinen heutigen Zahnarzt mit Respekt erfüllen. Ich wünsche Herrn Spassov viel Erfolg bei seiner Klage.
mein "beherzter zahnarzt" hat mir in den 70-ern als 13-jährigem einen völlig intakten zahn gezogen - wegen zahnengstands.

da dieser in der familie häufiger vorkam, bin ich aufgrund verwandtschaftlicher empfehlung zum zahnklempner und bat um entfernung des zahns - eine andere lösung konnte ich mir als naiver jüngling gar nicht vorstellen.
der blöde zahnarzt hat die extraktion auch tatsächlich durchgeführt, anstatt mich aufzuklären und mir eine damals noch seltene und zugegeben unattraktive spange zu verpassen.

heute haben die angrenzenden zähne die lücke zwar ausgefüllt, aber die gesamte kauleiste steht schief.
eine korrektur würde mich mindestens 8.000 euro kosten, plus der ausgaben für die implantation eines künstlichen ersatzzahnes.
behandlungsdauer mit regelmäßig wechselnden fast unsichtbaren kunststoffspangen: circa drei (!) jahre.

und jetzt kommt's:
eine erfolgsgarantie wollte mir der kieferchirurg nicht geben - das darf er angeblich aus standesrechtlichen gründen auch gar nicht.
mein derzeitiger zahnarzt riet mir komplett von einer nachträglichen korrektur ab, weil das komplikationsrisiko nicht zu unterschätzen sei.

im nächsten leben geh' ich auch mit spange zur schule, und schäme mich nicht!

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henkeltopf 10.06.2015, 18:31
71. Ich als Zahnarzt....

...gebe dem in allen Punkten Recht!

KFO ist in den allermeisten Fällen eine sehr schöne, ästhetische Korrektur der Zähne! Mehr nicht!
Ich hoffe, dass es zukünftig mehr kritische Geister in der verkrusteten deutschen Zahnmedizin gibt.

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doofnuss 10.06.2015, 18:32
72. verzichte im alter gerne auf künstliches gebiß und schnabeltasse

Zitat von Freidenker10
Habe selbst Kinder und mein Eindruck ist, dass Zahnärzte / Kieferorthopäden so gut wie jedem Kind Zahnspangen empfehlen. Scheint mir ein einträgliches Geschäft zu sein! Und welche Eltern wollen ihrem Kind keinen guten Start ins Leben ermöglichen? Die Ärzte spielen hier mit den Emotionen der Eltern und verdienen sich eine goldene Nase damit!
ich hab' mal gelesen, dass angeblich unsere köpfe von generation zu generation immer länger aber nicht in gleichem maße breiter würden.
deswegen litten viele menschen unter zahnengstand, der am besten mit einer spange im kindesalter korrigiert werden kann - und sollte.

platzmanngel ist nicht nur der grund für hässliche schiefe zähne, sondern führt oft zu anderen schwerwiegenderen beeinträchtigungen wie unter- und überbiss sowie vor allem zu zahnfleischkomplikationen - stichwort: parodontitis.

na ja, für leckere smoothies brauchen oma und opa keine zähne... . ;-)

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hellofrommiami 10.06.2015, 18:36
73. @Crom

Darum ging es nicht. Es geht darum, ob die Gemeinschaft finanziell dafür verantwortlich gemacht werden sollte, dass sich manche, aus welchem Grund auch immer, weniger leisten können als andere. Gerade, wenn es keine medizinische Notwendigkeit gibt (darum geht es ja in diesem Artikel).

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ancoats 10.06.2015, 18:47
74.

Zitat von widower+2
Meine Schulzeit fiel auch in die 60er und 70er und meiner Erinnerung nach waren Zahnspangen damals eher die Ausnahme. Maximal 10 Prozent würde ich schätzen. Und das auf einem Gymnasium mit einer weit überdurchschnittlich wohlhabenden Elternschaft.
Doch, doch, bei uns (NRW) war das so. Da kam jedes Jahr ein Schulzahnarzt, und der hatte definitiv ein Faible für Zahnspangen. Man kam sich schon uncool vor, wenn andere stolz vom angeblichen Horror des "Abdrucks" berichteten, den sie sieghaft überstanden hatten...

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kalzifer 10.06.2015, 18:51
75. Zahnärztliche Unsitten

Bei der Gelegenheit sollte einmal über eine andere derzeit herrschende zahnärtzliche Unsitte berichtet werden: Das Ziehen von Weisheitszähnen bei Teenagern. Scheint mir eine echte Modeerscheinung zu sein, kaum medizinisch zu begründen. Aber unzählige Teenager leiden unter der Extraktion, manchmal auch mit starken Nebenwirkungen.

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ancoats 10.06.2015, 19:01
76. Oha...

Zitat von doofnuss
mein "beherzter zahnarzt" hat mir in den 70-ern als 13-jährigem einen völlig intakten zahn gezogen - wegen zahnengstands. da dieser in der familie häufiger vorkam, bin ich aufgrund verwandtschaftlicher empfehlung zum zahnklempner und bat um entfernung des zahns - eine andere lösung konnte ich mir als naiver jüngling gar nicht vorstellen. der blöde zahnarzt hat die extraktion auch tatsächlich durchgeführt, anstatt mich aufzuklären und mir eine damals noch seltene und zugegeben unattraktive spange zu verpassen. heute haben die angrenzenden zähne die lücke zwar ausgefüllt, aber die gesamte kauleiste steht schief. eine korrektur würde mich mindestens 8.000 euro kosten, plus der ausgaben für die implantation eines künstlichen ersatzzahnes. behandlungsdauer mit regelmäßig wechselnden fast unsichtbaren kunststoffspangen: circa drei (!) jahre. und jetzt kommt's: eine erfolgsgarantie wollte mir der kieferchirurg nicht geben - das darf er angeblich aus standesrechtlichen gründen auch gar nicht. mein derzeitiger zahnarzt riet mir komplett von einer nachträglichen korrektur ab, weil das komplikationsrisiko nicht zu unterschätzen sei. im nächsten leben geh' ich auch mit spange zur schule, und schäme mich nicht!
... da sind Sie wirklich an ein desaströses Exemplar von Zahnarzt geraten, mein vollstes Mitleid. Das Schlimme ist, dass man immer erst viel später merkt, dass der Zahnarzt ein Pfuscher ist...

Der von mir benannte Zahnarzt meiner Jugend hat sich das Attribut "beherzt" eben dadurch verdient, dass er den Befund des Schulzahnarztes (nebenbei auch Kieferorthopäde), ich würde eine Korrektur benötigen, simpel mit "Quatsch!" kommentierte. Gesunde Zähne hätte der niemals gezogen - er hat um jeden Zahn wie ein Löwe gekämpft, und ich habe als Ergebnis heute kurz vor der Pension noch ein vollständiges Gebiß. Und hinreichend "grade" ist es auch. Wahrscheinlich einfach mal Glück gehabt.

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bafibo 10.06.2015, 19:08
77. Sie haben Glück gehabt

Zitat von doofnuss
mein "beherzter zahnarzt" hat mir in den 70-ern als 13-jährigem einen völlig intakten zahn gezogen - wegen zahnengstands. da dieser in der familie häufiger vorkam, bin ich aufgrund verwandtschaftlicher empfehlung zum zahnklempner und bat um entfernung des zahns - eine andere lösung konnte ich mir als naiver jüngling gar nicht vorstellen. der blöde zahnarzt hat die extraktion auch tatsächlich durchgeführt, anstatt mich aufzuklären und mir eine damals noch seltene und zugegeben unattraktive spange zu verpassen. heute haben die angrenzenden zähne die lücke zwar ausgefüllt, aber die gesamte kauleiste steht schief. eine korrektur würde mich mindestens 8.000 euro kosten, plus der ausgaben für die implantation eines künstlichen ersatzzahnes. behandlungsdauer mit regelmäßig wechselnden fast unsichtbaren kunststoffspangen: circa drei (!) jahre. und jetzt kommt's: eine erfolgsgarantie wollte mir der kieferchirurg nicht geben - das darf er angeblich aus standesrechtlichen gründen auch gar nicht. mein derzeitiger zahnarzt riet mir komplett von einer nachträglichen korrektur ab, weil das komplikationsrisiko nicht zu unterschätzen sei. im nächsten leben geh' ich auch mit spange zur schule, und schäme mich nicht!
Mein Bruder hatte (auch in den 70ern) einen bleibenden Schneidezahn im Unterkiefer, der hinter der normalen Zahnreihe zum Vorschein gekommen war. Unserem Zahnarzt war die Korrektur zu heikel, er verwies ihn an die Zahnklinik. Dort wurde mehrere Jahre lang versucht, mit Hilfe einer Spange den Kiefer zu weiten und die anderen Zähne so zu verschieben, daß der "Ausreißer" in die Lücke rutschen konnte - ohne großen Erfolg. Meine Mutter hatte schon zu Anfang gemeint, die einfachste Lösung wäre doch, den Zahn einfach zu ziehen, da die restlichen drei Schneidezähne von Anfang an eine perfekte Reihe bildeten. Wie gesagt, es brauchte mehrere Jahre erfolglosen Herumdokterns, bis sich die Ärztin in Zahnklinik dazu bereit erklärte. Ihr Haupteinwand war wieder die Ästhetik. Aber die unteren Schneidezähne sind im täglichen Leben kaum einmal zu sehen, und wenn, fällt gar nicht auf, daß es nur drei und nicht vier sind, solange keine Lücke da ist. Mein Bruder war froh, als es vorbei war, und hat seitdem keine Probleme mehr damit.

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vkresch 10.06.2015, 19:23
78. mitnehmen wenns die Kasse zahlt ?

Im Rahmen einer Behandlung der 11 jährigen Tochter konnte ich mit dem Ärztehaus der Krankenkassen reden - der Ansprechpartner war KFO-Spezialist und hatte mehrere Jahrzehnte Zahnmedizinstudenten an einer norddeutschen Uni unterrichtet. Er meinte im Gespräch, das unter strenger medizinischer Indikation nur 10 Prozent der kassengesponserten KFO-Behandlungen bei Kindern gerechtfertigt seien - der überwiegende Teil sei dem Lifestyle geschuldet. Deswegen sträubt sich die Zunft auch mit Händen und Füßen gegen eine Überarbeitung der im Beitrag erwähnten Gesetzesvorlage von 1972. In dem Zusammenhang gab ein weiterer Mediziner zu bedenken, das jede KFO-Behandlung von mindestens 6 Röntgenaufnahmen des Kopf/Halsbereiches begleitet sei. Trotz Digitaltechnik würde das empfindlichere kindliche Gewebe mit einer wenn auch geringen Röntgendosis belastet. Über dieses Thema und eventuelle Langzeitrisiken redet kein Behandler mit den Eltern.

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stingray266 10.06.2015, 19:54
79. Nutzen II

Zitat von cyoulater
Die Behandlung war aufwendig, sie war teuer - aber sie war ein echter Segen!!
Das kann ich nur bestätigen! Auch unser Sohn hatte eine extreme Fehlstellung der Zähne und nach lediglich zwei Jahren ein tadelloses Gebiss. Die Krankenkasse verlangte 20 % in Vorkasse und erstattete nach erfolgreicher Behandlung alles bis auf den letzten Cent! Vielen Dank BKK Pfalz, vielen Dank Herr Dr. Madsen!

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