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Kinder mit älteren und jüngeren Geschwistern: Aufwachsen als Sandwichkind
Sally Anscombe/ Getty Images

Sanfte Vermittler oder ständig auf der Suche nach Aufmerksamkeit? Sandwichkinder bekommen sehr unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben. Ist da was dran?

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dasfred 10.07.2019, 11:43
1. Auch bei drei Geschwistern ist jedes Kind anders

Es ist egal, an welcher Stelle ein Kind in der Reihe steht, solange die Eltern es individuell behandeln. Man kann bei diversen Konstellationen auch diverse Theorien entwickeln, die schon wieder zusammenfallen, wenn der Altersunterschied stark variiert. Dazu kommt noch die Umgebung. Im ländlichen Raum spielen Kinder häufiger altersübergreifend, in der Stadt werden sie außerhalb des Elternhauses eher nach Jahrgang Umgang pflegen. Mal wieder eine Studie, aus der Betroffene nichts für sich ableiten können. Mag sein, dass das mittlere Kind weniger Kontakt zu den Eltern hat, dafür waren aber immer Geschwister da.

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t_mcmillan 10.07.2019, 12:02
2. Viele Faktoren, daher unklare Ergebnisse

Wie im Artikel schon steht, spielen außer der Position selbst noch weitere Faktoren und Konstellationen eine Rolle. Deswegen wird das Untersuchungsergebnis immer unklar sein. Aber grundsätzlich kann ich die Bedeutung der Positionen aus eigener Erfahrung bestätigen.

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hexenbesen.65 10.07.2019, 12:26
3. Als Sandwichkind hat man die Arschkarte

ständig wird einem die soooo tolle "hochintelligente" (in meinem Fall Schwester) vorgehalten "Mach doch endlich das mal so wie deine Schwester" oder "Kug sie dir an..mit der haben wir NIE schwierigkeiten" oder man muss rücksicht auf die arme, kleine (wieder in meinem Fall) Schwester haben. "Die arme Kleine...die kann doch nix dafür ! DU kannst ruhig mal rücksicht nehmen. Und DU passt auf sie auf- deine große Schwester muss schließlich für die Schule lernen!"....wie ich das gehasst habe. Die Große Schwester hat sich schnell verpisst, die Kleine Schwester hatte IMMER Kückenschutz...und ich war der Buhmann...für alles. Bei einer Psychotherapeutin, bei der ich wegen Burn-Out und Depressionen war, meinte nur:"Sie sind die stärkste der drei Geschwister !"--haha, dafür kann ich mir was kaufen...Meine ältere Schwester entwickelte eine Schizophrenie (aufgrund eines Nervenzusammenbruchs, weil ihre "ach so tolle heileWelt" mit der Scheidung (sie wurde von vorne bis hinten betrogen) zusammenbrach, die jüngste aufgrund Überbehütung bekam Panik-Attaken...und ich...hin und hergerissen zwischen "lasst mich in ruhe-" und "Helfen wollen- ist ja schließlich die Familie" einen Burn-Out mit Depressionen..Noch JAHRE danach erinnere ich mich mit grauen an meine "Kindheit", die eigentlich keine war. Funktionieren - das musste ich. Kindheit mit gedankenverloren spielen hatte ich nie...immer musste ich was zu tun haben ("Faulenzen kannst du immer noch !") ...entweder der "Großen Schwester" hinterher streben (nur war ich nie so Intelligent wie sie- geb ich offen zu ) oder ich musste auf meine kleineSchwester aufpassen, die es schamlos ausnutzte, das Kücken zu sein (sie zerstörte mir alle meine Sachen "upss, aus versehen" --na, natürlich....die Rasierklingen lagen ja nur so zufällig rum, damit sie meinen Barbie-Puppen die Brüste amputieren konnte...) oder meiner Schreibmaschine (mein Heiligtum) die Typen so verbog, dass man nicht mehr damit schreien konnte... "Lass die Kleine in ruhe!" hies es dann immer...

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MDen 10.07.2019, 14:46
4. Das Leben ist nie gleich für alle

Dazu gibt es eigentlich nur zwei Dinge zu sagen: 1. Sich über die eigene Geschwistersituation zu beklagen, nützt nichts, sie lässt sich eh nicht ändern. 2. Und viel wichtiger: Alles hat seine Vor- und Nachtteile. Viel Aufmerksamkeit kann einem Bedeutsamkeit vermitteln, aber auch Dauerüberwachung bedeuten, das älteste muss alles durchboxen, hat unerfahrene Eltern und muss früh Verantwortung übernehmen, das Jüngste bleibt immer das kleine Kind, wird nie genauso respektiert, die mittleren Kinder fühlen sich übersehen, aber das älteste bekommt eben auch viel Interesse entgegen gebracht, mittlere können sich viele Konflikte ersparen, weil das Älteste sie schon ausgefochten hat, und die Fehler und Mängel werden eben auch übersehen, das jüngste hat noch einmal die Eltern für sich, die bereits erfahren und deswegen entspannter sind....

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Sibylle1969 10.07.2019, 19:29
5. Sandwich-Kind ist meistens sch...e

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es kein Vergnügen ist, Sandwich-Kind zu sein. Man bekommt sehr wenig Aufmerksamkeit, man hat zu funktionieren, und die Eltern sind froh, wenn man möglichst wenig Probleme macht. Dafür wird man meist in Ruhe gelassen. Ich bin sofort nach dem Abitur ausgezogen und hatte danach nicht mehr viel mit meiner Familie am Hut und kein großes Bedürfnis nach Telefonaten oder Treffen mit meiner Familie. Ich kann nur jedem raten, auf gar keinen Fall drei oder mehr Kinder zu haben. Zwei ist im Grunde perfekt, drei ist ungünstig vor allem für das oft vernachlässigte Mittelkind.

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archie4strings 10.07.2019, 20:25
6.

Ebenfalls Sandwich-kind hier. Mir ging es ähnlich wie den Vorrednern. Aufmerksamkeit gab es wenig, wünsche wurden nicht erfüllt (der große Bruder hatte ja schon einen PC, da brauch ja der zweite keinen eigenen... man hat viel die Klappe gehalten und ertragen. Bin dann auch als erster von Zuhause ausgezogen und habe nie ein richtiges Verhältnis zu meinen Eltern aufbauen können.

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Wiggins 10.07.2019, 21:26
7. Sandwich ist sch...e

Exakt so beobachtet/ gehört in einer Drei-Kind-Familie (vor vielen, vielen Jahren): "Ihr beiden Großen seid ja schon vernünftig, deswegen bekommt "der Kleine" jetzt das letzte Stück Kuchen..." und, wenig später. "Die beiden Kleinen gehen jetzt ins Bett!". Der "Zwergenaufstand" des Sandwichkindes war tagelang das Amüsement ("Könnt ihr euch jetzt endlich mal entscheiden?!"), "Kind" ist bei erster Gelegenheit ausgezogen und nie wieder eingezogen, während Kind 1 und 3 nach gescheitereten Beziehungen wieder "bei Muttern" untergeschlüpft sind. "Kind 1" ist mittlerweile 49 Jahre alt...

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MtSchiara 10.07.2019, 23:33
8. Als eines der jüngeren Kinder ...

Zitat von MDen
Dazu gibt es eigentlich nur zwei Dinge zu sagen: 1. Sich über die eigene Geschwistersituation zu beklagen, nützt nichts, sie lässt sich eh nicht ändern. 2. Und viel wichtiger: Alles hat seine Vor- und Nachtteile. Viel Aufmerksamkeit kann einem Bedeutsamkeit vermitteln, aber auch Dauerüberwachung bedeuten, das älteste muss alles durchboxen, hat unerfahrene Eltern und muss früh Verantwortung übernehmen, das Jüngste bleibt immer das kleine Kind, wird nie genauso respektiert, die mittleren Kinder fühlen sich übersehen, aber das älteste bekommt eben auch viel Interesse entgegen gebracht, mittlere können sich viele Konflikte ersparen, weil das Älteste sie schon ausgefochten hat, und die Fehler und Mängel werden eben auch übersehen, das jüngste hat noch einmal die Eltern für sich, die bereits erfahren und deswegen entspannter sind....
... einer seeehr großen Famile (drei Kinder ist für mich noch eher eine Kleinfamilie) versuche ich gerade zu verstehen, was hier das Thema ist.

Am wichtigsten in einer Familie sind:
1) der Geist, der in der Familie herrscht
2) die eigene Begabung

Die Position ist weniger wichtig. Als Kind des unteren Mittelfeldes konnte ich aber sehr viel von den älteren Geschwistern lernen. Man sollte aber nicht wesentlich dümmer sein als sie, sonst kann man ins Hintertreffen geraten. Man hat wenig Kämpfe auszufechten mit den Eltern, man hat mehr Freiheiten, man hat weniger Aufmerksamkeit (im Guten wie im Schlechten Sinne) - aber man kann sich auch besser verstecken oder sich der Aufmerksamkeit entziehen, wenn man dies will. Und man wird kein Opfer von Erziehungsexperimenten.

Aber das beste: man erbt massig Spielsachen! Das ist das absolut wichtigste Argument für viele ältere Geschwister!!! ;-)

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e-mobiler 11.07.2019, 00:12
9. Schwerster Job der Welt: Große Schwester

Ich bin selbst - männliches - Sandwichkind und teile die Forschungsmeinung, dass die Popularmeinung, Sandwichkinder hätten es am schwersten, nicht haltbar ist. Allerdings ist die Meinung, die Geschwisterfolge habe keinen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung, in einem Punkt falsch. V.a. amerikanische Untersuchungen haben herausgearbeitet, dass erstgeborene Mädchen aus der heute üblichen Kleinfamilie sich besonders ungeliebt fühlen (müssen), obwohl sich die Eltern mit dem ersten Kind besonders viel Mühe gegeben haben. Das ist aber genau der Punkt: Die Liebe kommt als Mühe an, bei den nachfolgenden Kindern sind die Eltern viel lockerer. Erstgeborene Jungens trifft das nicht so, weil sie trotz 40 Jahren Emanzipation von der Kronprinzen- und Stammhalterliebe getragen werden.
Also, liebe Sandwichkinder: Nicht jammern, sondern die große Schwester bemitleiden: Sie wird nie das gleiche Urvertrauen zum Leben haben können, wie wir eingebetteten Sandwichkinder.

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