Forum: Gesundheit
Kostendruck statt Patientenwohl: Ärzte fordern grundlegende Krankenhausreform
iStockphoto/ Getty Images

"Rettet die Medizin" appellieren 215 Ärzte und 30 Organisationen im "Stern" an den Staat. Sie stellen fest: Der Kostendruck schadet der Gesundheitsversorgung massiv, das Patientenwohl wird der Ökonomie untergeordnet.

Seite 4 von 10
Supersozi 05.09.2019, 13:33
30.

Zitat von anhesas
Die Gesundheitsversorgung ist ja nicht die einzige ökonomisierte Daseinsvorsorge. Die Sicherung des öffentlichen Zugangs zu existentiellen Gütern und Leistungen entsprechend der Bedürfnisse der Bürger, orientiert an definierten qualitativen Standards und zu sozial verträglichen Preisen hat nichts in den Händen von BWLern zu suchen. Heute treiben sich sogar in den Verwaltungen kleiner Städte die McKinsey-Jünger und deren Gläubige herum. Drücken Löhne, verdichten die Arbeit und verbreiten miese Stimmung. Schrumpfen Leistungen für Bürger ein oder machen sie teurer. Meist beides gleichzeitig. ÖPNV, Bahn, Post, Krankenhäuser, Wohnungen - für wen ist denn dadurch irgendetwas besser geworden? Für Beschäftigte und Kunden/Patienten jedenfalls nicht. Daseinsvorsorge gehört in die öffentliche Hand. Und wenn das nicht kostendeckend ist, muss durch Steuern teilfinanziert werden. Und wenn die Steuern nicht reichen, sollte man aufhören, staatliche Leistungen an Bürger zu verschenken, die nicht bedürftig sind. Dazu müsste man den Begriff "Gerechtigkeit" allerdings vollkommen neu definieren.
Wie kommen Sie denn darauf, dass die öffentliche Hand dies besser macht, als die Private?
Nur weil dort Gewinne gemacht werden, bedeutet es nicht, dass es per se schlechter ist! Dazu gibt es genügend Beispiele, wo die öffentliche Hand deutlich schlechter ist: Flughafen BER, Elbphilamonie, S21 usw....
Wwer glaubt,dass öffentliche Krankenhäuser besser geführt werden in Sinne von Patienten, und Krankenhauspersonal möge bitte vergleichbare Beispiele bringen. Universitätskliniken werden nämlich stark subventioniert und fallen daher aus dem Vergleich.

Mit einer neuen Definition von Gerechtigkeit kommen Sie aber auch nicht weiter, denn was ist gerecht und wer bestimmt es.
Beispiel Steuer:
gerecht ist:
* eine absolute Steuer: jeder zahlt genau die gleiche Steuer
* eine relative Steuer: jeder zahlt einen gewissen Prozentsatz
* oder nutzenorientierte (progressive) Steuer: Steuersatz steigend bis zu einem gewissen Punkt.

JEDER Art dieser Besteuerung ist gerecht!

Eine solche Diskussion würde zu nichts führen, da diejenigen die am meisten dieses System finanzieren, wären die ersten, die es bei zu hohen Steuern verlassen würden. Das wäre aber der Super-GAU.
Und was zu hohe STeuern sind, ist kein Mehrheitsbeschluss sondern legt jeder individuell fest.

Und ein Sozialsystem, welches nicht kostenorientiert agiert, sondern alles tut koste es, was es wolle, wird nicht lange Bestand haben. Wir werden uns immer öfter die Frage stellenn müssen: Lohnt sich der finanzielle Aufwand oder erziele ich mit dem eingesetzte Geld nicht irgendwo anders einen höheren Nutzen. Das mag hart klingen, ist aber der einzig sinnvolle und realistische Weg!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rollerfahrer 05.09.2019, 13:34
31. Wie Geld die Therapieentscheidung beeinflusst....

Ich habe vor ein paar Tagen mit dem Direktor einer kleinen privaten Klinik in Rumänien gesprochen.
Das Thema war, wie sie dort mit dem MRSA-Keimen umgehen. Er erzählte mir, daß sie mit Infektionen kein Problem haben. Sie sind dort mit Desinfektion und extrem starren Regeln stolz, seit 10 Jahren keine einzige Infektion zu ein Patienten verschleppt zu haben! Mehr als 6000 Operationen ohne eine einzige Infektion. Ich glaubbe ihm, denn ich kenne ihn gut, und er hätte keinen Grund mich anzuschwindeln.
Auf meine Frage, warum das in Deutschland so ein fette Problem ist, antwortete er mir:
In DE sind Infektionen ein riesen Geschäft! Jede Infektionsbehandlung wird gut bezahlt. In Rumänien sind die Krankenhäuser dagegen verpflichtet, die Infektions-Behandlung auf eigene Kosten durchzuführen. Deshalb sind sie extrem bemüht,jede Infektion zu verhindern.
Das klang derart einleuchtend, daß mir nahezu bildlich die Klappe auf stand!
Das brauchen wir auch, aber die Lobby lässt lieber Patienten sterben...
und heult dann, daß sie kein Geld haben....
Übrigens, ein einziger Patient und Reha-Tag, oder ein Tag für klinische psychologische Behandlung bringt satte 960 Euro in die Kasse...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
axel.hag 05.09.2019, 13:34
32. Krankenhäuser

sind keine Banken. Das Wohl der Menschen, nicht das der shareholder muss im Mittelpunkt stehen. Mediziner sind Sozialberufler, keine Götter mit Numerus Clausus Noten!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
herrmüllermeierschmitz 05.09.2019, 13:37
33. Ein marodes System.

Unser Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt, aber bei weitem nicht das beste der Welt. Es stopfen sich unglaublich viele die Taschen voll aus einem Pool, in den praktisch jeder einzahlt. Weil es geht, weil das System es zulässt. Dort muss schnellstens (!) anders reguliert werden, grundlegend. Und zwar staatlich.

Übrigens laufen die Entwicklungen im privatisierten Medizinsektor da nur kurz hinter denen des privatisierten Immobiliensektor parallel.
Und langsam sickert diese Erkenntnis in das öffentliche Bewusstsein. Vielen langjährigen Fondseignern beider Sektoren dürfte es mittlerweile egal sein, deren Renditen sind erwirtschaftet - das nächste Ziel dürfte der Klimaschutz als Anlageobjekt sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Niteftef 05.09.2019, 13:39
34. Die Privatisierung war ein Fehler!

Jetzt müssen die ehemals öffentlichen Anlagen aufwändig zurückerobert werden. Wer hat uns das eingebrockt? Die Neoliberalen, insbesondere FDP und CDU. Es muss eine klare Wende zu linker Politik geben, wenn wir diese Fehler beheben wollen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rromijn 05.09.2019, 13:40
35. büttel

Zitat von jujo
Die Medizin und der Staat haben sich seit Beginn der Privatisierung zum Büttel der Ökonomie gemacht. Hätte man 5 Minuten nachgdacht hätte man wissen können wie das läuft. Das gilt nicht nur für das Gesundheitswesen!
uns sie glauben, dass man nicht nach 5 min zu dem Ergebnis kam?
natürlich wollte man das so. So macht man das. Ich gebe Dir Geld, Du gibst mir Geld. Dass es das Geld des Volkes ist, spielt dabei keine Rolle. Nun überlegt man sich an diesem Beispiel, warum die SPD nur den Trend abwärts kennt

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Supersozi 05.09.2019, 13:43
36.

Zitat von Michael von D.
Ihren Kommentar völlig daneben. Zeigen Sie mir mal eine Klinik, wo es an Zeit für den Patienten mangelt, weil man gerade den Standesdünkel pflegt. Dieser wird eher auf Konzern-/Vorstandebene gepflegt... zum Thema Admininistration und Verwaltung und Zeitaufwand haben Sie allerdings Recht.
Das ist ja auch so gewollt und notwendig. Dazu kann man ja stehen wie man will, aber heutzutage muss sich ein Artz/Krankenhaus nach allen Seiten absichern: gegenüber dem Patienten (ev. Regressforderungen wg angebl. Ärztepfusch), gegenüber den Krankenkassen (wurde jede Behandlung korrekt abgerechnet und war diese notwendig?) und gegenüber der Allgemeinheit.
Alles auf irgendwelches Gewinnstreben oder weil angeblich Vorstände zuviel verdienen greift wie immer zu 99,9% zu kurz. Die Gesellschaft will Beweise für eine richtige und angemessene Behandlung von Patienten. Ärzte und (Pflege-)/Personal wollen anständig bezahlt werden, wie jeder Beschäftigte und zuletzt, der Patient möchte geringen Krankenkassenbeiträge. Aus diesen unterschiedlichen Interessen muss ein tragfähiger Kompromiss erzielt werden.
Und noch etwas: Jedes Unternehmen, ob profitorientiert und gemeinnützig braucht eine funktionierte Verwaltung. Versucht man daran zu sparen, kann und wird es zu Fehlentscheidungen kommen, weil Information nicht oder nicht rechtzeitig vorliegen. Und auch die Verwaltungsleute haben ein Recht auf anständige Bezahlung und sind nicht der Fussabtreter der Nation.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
donaldd. 05.09.2019, 13:46
37. Privatisierung war und ist

ist das was unsere Kliniken zugrunde richtet. Dabei schließe ich die beiden Kirchen als Träger ausdrücklich nicht aus

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon_8011314 05.09.2019, 13:49
38.

Zitat von Supersozi
Wie kommen Sie denn darauf, dass die öffentliche Hand dies besser macht, als die Private? Nur weil dort Gewinne gemacht werden, bedeutet es nicht, dass es per se schlechter ist! Dazu gibt es genügend Beispiele, wo die öffentliche Hand deutlich schlechter ist: Flughafen BER, Elbphilamonie, S21 usw....
In meinen Augen sind das keine guten Beispiele. Vielleicht liegt es auch daran, dass nur noch der günstigste Anbieter einen Auftrag erhält?

Der dann wiederum siehe Imtech (BER) mit einem Art Schneeballsystem arbeitete? Oder andere Firmen, die später Nachtragsrechnungen stellen (weil im Vorfeld klar war, dass es mehr kosten wird) und nicht mehr ausgetauscht werden können?

Oder das es im vorhinein klar war, dass es stark teurer wird (S21) aber Politiker mit angeschlossenen (Wirtschafts-)Ideologen es unbedingt durchsetzen wollten?

Oder schauen wir aktuell nach NRW wo sich grad ein Minister erklären darf, dass er jetzt doch mit einem Vorstand gesprochen hatte bzgl. der Rodung des Waldes? Was kostete der Polizeieinsatz dort?

Bei der Elbphilamonie könnte man sicher auch noch was finden...

Und zum Thema zurück:

Und genauso könnten wir die ganzen Krankenkasse zusammenführen - wie viel Geld man dann an Vorständen, Aufsichtsräten, GFs und Verwaltung sparen würde?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Supersozi 05.09.2019, 13:53
39.

Zitat von Freidenker10
Es wäre wirklich mal interessant die Geldströme ins Gesundheitswesen genau unter die Lupe zu nehmen. Wie Sie schon sagten ist unser Gesundheitssystem mitunter am besten in der Welt finanziell ausgestattet erreicht aber nur eine Mittelmäßige Qualität. Also wohin fließt all das Geld und wie wird es verwendet, habe darüber noch nie genaueres gelesen ( kleiner Wink an die Medien ). Die Verwaltungen der Kassen ist natürlich so ein Punkt, aber dem stehen auf der anderen Seite auch eine Menge Profituere mit durchaus auch kriminellen EIgenschaften gegenüber und wenn die Kassen mangels Personal nicht mehr überprüfen können wäre dem Betrug Tür und Tor geöffnet. Ich persönlich kann es mir aber nicht erklären wohin die hunderte von Milliarden fließen bei dem Output an Qualität! Da scheinen mehr Leute die Hände aufzuhalten als es dem System gut tut! Allerdings fehlt trotzdem noch Geld, denn die Krankenhäuser wie auch die Pflegeeinrichtungen sind personell total am Ende...!
Ihre Vermutungen in allen Ehren aber es ist ein zu billig zu behaupten, nur die Verwaltungen inkl des Managements sind Schuld an der Misere. Das ist nämlich totaler Schwachsinn und basiert nur auf einen riesiegen Neidkomplex von demjenigen der so etwas behauptet.
Schauen Sie sich doch einmal die Abschlüsse von Krankenhäusern an. Verwaltung und Dokumentation ist in unserer nörgeligen Gesellschaft notwendig. Wie soll sonst eine Behandlung korrekt abgerechnet werden? Wie wollen Sie sonst Ärztepfusch nachweisen oder widerlegen? Wie wollen Sie sonst eine sinnvolle Behandlung festlegen ohne Dokumentation?
Natürlich kann man den Verwaltungsaufwand reduzieren, aber zu was für einen Preis? Jede Einsparung führt zu Informationsverlusten nicht nur monetär, sondern auch medizinisch.
Vielleicht sollte wir uns mal fragen, warum der Durchschnittsdeutsche im Schnitt über 18 mal im Jahr medizinische Versorgung in Anspruch nimmt, ein Holländer aber nur 9 mal. Vielleicht sollten wir ja einen gewissen Eigenanteil tragen, anstatt immer nur die kostenlose Rundumversorgung als Massstab zu nehmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 4 von 10