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Krankenhäuser: Warum das Sterberisiko für Patienten am Wochenende höher ist
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Die Wahrscheinlichkeit zu sterben ist deutlich größer, wenn Patienten am Wochenende ins Krankenhaus kommen. Ausschlaggebend ist laut einer großen Studie nicht nur eine schlechtere Versorgung.

DieButter 09.06.2019, 16:00
1.

Ich glaube nicht, dass die Patienten am Wochenende durchweg kränker sind und auch nicht, dass großartig viele Hüftoperationen da deshalb stattfinden, weil die OP werktags über wegen irgendwelcher Notfälle ausgelastet wäre.
Nein. Es liegt schlichtweg am fehlenden Personal. In deutschen Kliniken läuft ALLES mittlerweile nur noch in Mindestbesetzung und am Wochenende ist pro forma dann ein Arzt da - irgendwo, irgendwann. Ansonsten passiert am Wochenende nicht viel, sofern es sich vermeiden lässt. Man versucht einfach nur die bereits vorhandenen Patienten vom Freitag bis zum Montag hin möglichst am Leben zu erhalten, weil erst am Montag wieder die Mindestbesetzung vorhanden ist.

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knossos87 09.06.2019, 17:44
2. Fr Hecker hat recht

Ich arbeite selbst als Arzt im Krankenhaus und es ist so wie Frau Hecker sagt. Junge Kollegen ohne viel Erfahrung werden am Wochenende für 12h in die Notaufnahme gesteckt und sind dort sich selbst überlassen. Oft ist die Notaufnahme brechend voll, so dass es selbst für erfahrene Kollegen eine Herausforderung ist. Eine Pause nur um mal kurz was essen oder trinken zu können? Meist undenkbar. Oberärzte sind nur im Haus, wenn sie wegen einem anderen Eingriff reingerufen wurden oder noch mit der Visite der Privatpatienten beschäftigt sind. Braucht man ein Notfall-Röntgen/CT muss der Radiologe erst ins Haus gerufen werden. Das am Wochenende geplante Eingriffe stattfinden, weil sie unter der Woche wegen Notfällen nicht möglich waren, ist bei uns nicht der Fall. Es finden nur Notfalleingriffe statt. Aufgrund des Personalmangels durchgeführt von überarbeiten Ärzten, für die das Arbeitsschutzgesetz nur offiziell gilt.

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kumi-ori 09.06.2019, 20:30
3.

Ich verstehe die Aussage nicht, dass elektive Eingriffe (wie Beipielsweise Hüft-OPs) auf das Wochenende verlegt werden, weil unter der Woche so viele Notfälle da sind. Gerade die Notfälle müssten doch eigentlich einigermaßen gleich verteilt sein, schließlich weiß der Blinddarm und der Herzinfarkt nicht, dass Wochenende ist, und die Arbeitsunfälle dürften sich mit den Freizeitunfällen einigermaßen die Waage halten. Außerdem wären an den Wochenenden bestimmte Spezialisten im Falle, dass sich Komplikationen ergäben, nicht ohne Weiteres zur Stelle. Auch der Bezug von Notfallmedikamenten ist zwar auch am Wochenende nicht unmöglich, dürfte aber deutlich langsamer ablaufen.

Ich denke eher, dass die Chirurgen oft mit ihrem Programm in der Woche nicht rumkommen und deshalb die OPs auf das Wochenede verschieben müssen.

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plusquam.perfekt 10.06.2019, 09:24
4. hä?

Im Artikel steht, dass Knie - und Hüftoperationen am Wochenende stattfinden würden. In deutschen Unikliniken ganz sicher nicht, da finden am WE nur Notfall Ops statt. In Dland ist am WE und an Feiertagen die Personalbesetzung geringer sowohl in der Pflege und bei Ärzten, ein erfahrener Oberarzt meist nur telefonisch zu erreichen, da nicht im KH.

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tabilo7 10.06.2019, 09:26
5. Resultat des Systems..

Wir haben eine sehr gute Bekannte, welche vor 7 Jahren ins Berufsleben als Arzt einsteigen durfte. Was wir seitdem gespiegelt bekommen, entzieht sich meinem Verständnis eines Arbeitsalltags, welcher auch nur im entferntesten mit unseren Arbeitsschutzgesetzen vereinbar wäre. Kaum neu angefangen und ein paar Wochenenden in Doppelbesetzung, "durfte" sie an Wochenenden eine ganze Abteilung alleine verantworten, dazu praktisch keinerlei Zeit für den einzelnen Patienten, unmenschlich lange Dienstzeiten, jedes mal froh, wenn ein Privatpatient auf die Chefarztbehandlung bestand. Ich will nicht wissen, wieviele Patienten auf das Konto von unerfahrenen (kein Vorwurf) Ärzten gehen, weil die Arbeitsbedingungen in Kliniken zu schlecht sind, als dass sich erfahrende Ärzte dies antun würden. Das System hängt komplett schief und ich bin froh, dass ich die vergangenen 25 Jahre nicht in ein Deutsches Krankenhaus musste.

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holtadipolta 14.06.2019, 20:19
6. wenig überraschend

Naja, ich halte das Ergebnis der Studien für wenig überraschend und auch die aufgeführten Begründungen für sehr plausibel. Da wäre zum Einen die schon in den ersten Beiträgen diskutierte Notfallbesetzung in den Kliniken. An den Wochenenden werden entsprechend überwiegend Notfälle behandelt. Elektive Behandlungen sind da die Ausnahme (es gibt sie jedoch auch). An den Werktagen wird dem Kerngeschäft nachgegangen: Geplante (mehrstündige) Tumor-OPs , Herz-OPs, elektive Kaiserschnitte, orthopädische Routineeingriffe, usw. - halt Alles, was man geplant, geordnet und routiniert machen kann. Dies führt dazu, das der Anteil an kritisch kranken Patienten an den Tagen in der Woche auch viel niedriger ist. An den Wochenenden treffen dann überwiegend kranke Notfallpatienten ein, die dringlich (von einer Notfallmanschaft) versorgt werden müssen. Logisch, daß die eine schlechtere Prognose haben...
Ich denke - wie im Artikel beschrieben - daß beide Aspekte eine Rolle spielen: Die durch die Notbesetzung bedingte (naturgemäß) schlechtere Versorgung als auch die besagte Patientenselektion.
By the way: Das mit den Hüft- und Knie-Operationen habe ich auch nicht so richtig verstanden. Diese seien so komplex, daß Sie am Wochenende geplant werden müssen (laut Artikel) ? Es handelt sich doch dabei um Routineeingriffe, wo sind die denn komplex ?

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