Forum: Gesundheit
Krankenhausinfektionen: Ein Viertel aller Klinikpatienten erhält Antibiotika
Corbis

Antibiotika-resistente Bakterien in Kliniken gehören zu den größten Gefahren für die Patienten. Eine Erhebung zeigt: Die Zahl an Krankenhausinfektionen ist in den letzten Jahrzehnten stabil geblieben. Der mit Antibiotika behandelte Anteil an Patienten, ist jedoch drastisch angestiegen.

Bowie 02.07.2012, 17:50
1. Na, ist doch gut...

"Die Zahl der Krankenhausinfektionen ist in den letzten Jahren stabil geblieben" - das sind doch positive Nachrichten! Vielleicht hilft das dem einen oder anderen Mitforisten auch mal zu einer etwas differenzierten Wahrnehmung gegenüber Antibiotika, die ja oft als Teufelszeug, meist bar jedes mikrobiologischen Hintergrundwissens, geschmäht werden. Obwohl jede im Krankenhaus erworbene Infektion eine zuviel ist, sind und bleiben Antibiotika - korrekte Indikationsstellung einer bakteriellen Infektion und sorgfältige Einnahme vorausgesetzt - ein Segen bei schweren Infektionen. Die Zeiten, in denen die Menschen oftmals an banalen Infektionskrankheiten verstorben sind, sind vorbei. Dennoch wird das allzu häufig vergessen und man frönt lieber gesundem Halbwissen ("Antibiotika sind ja nicht so gut..."), als sich an echte Fakten zu halten.

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drsindelfaenger 02.07.2012, 18:10
2. Antibiotika als Allheilmittel!

Meine Frau begab sich nach einem Sturz in der Schwangerschaft sicherheitshalber ins örtliche Kh. Sie wurde zur Sicherheit dort behalten. Am nächsten Morgen gab man ihr ein Medikament welches sie nehmen sollte, die fragte nach um was es sich handle: Antibiotika. Warum sie das nehmen solle, sie sei schließlich gestürzt und habe keine Infektion. Es wurde ein riesiger Aufstand gemacht, Aussagen wie es "sie würde ihr Kind gefährden und sie wäre selbst Schuld und ihr eigenes Risiko wenn sie die Medikamente nicht nehmen würde" waren noch die harmlosesten Aussagen. Um weiteren Diskussionen und Repressalien aus dem Wege zu gehen nahm die Medikamente entgegen, versteckte sie aber lediglich. Nach drei Tagen gab man ihr ein anderes Medikament, auf Nachfrage: Ja, das bisherige war ein Breitband-Antibiotikum, nun bekäme sie ein spezielleres, man habe bei einer Blutuntersuchung einen Keim entdeckt der vom bisherigen Medikament nicht abgedeckt würde. Zudem wollte man ihr eine Spritze für die schnellere Lungenreife des Kindes geben - "nur zur Sicherheit" auch wenn sie keine Wehen hatte. Nach der bisher schon so qualifizierten Behandlung hat sie all diese Medikamente natürlich nicht genommen, die Klinik auf eigenen Wunsch verlassen ... und Wochen später problemlos ein gesundes Kind zur Welt gebracht - in einer anderen Klinik hier im Kreis.

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alettoria 02.07.2012, 20:51
3. @ Bowie

Ist ja alles gut und schön und immer ganz relaxed bleiben! Dass Antibiotika helfen, ist wohl unbestritten. Aber wohl genau so unbestritten ist inzwischen, dass es immer mehr resistente Bakterien gibt, weil gern einfach pauschal Antibiotika gegeben werden. Das Problem ist doch wohl das, dass der "gemeine Patient" ins Krankenhaus geht, um gesund zu weden und nicht, um krank zu werden! Ich hatte nach der Entbindung angeblich eine Blasenentzündung (von der ich komischweise nichts spürte). Ich erspare Ihnen meine Vermutung, da ich ja kein Arzt bin, ergo keine Ahnung haben kann. Wie oft ich mir und meiner Tochter schon Antibiotika erspart habe, kann ich gar nicht aufzählen. Das Schöne ist, dass ich sicher sein kann, dass sie uns helfen, wenn wir sie tatsächlich brauchen. Sofern die Keime nicht schon resistent sind. Siehe oben.

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wekru 02.07.2012, 21:26
4. meine Erfahrung

War gerade selber mit einer rein viral verursachten Lungenentzündung im Krankenhaus. Es wurden keinerlei Bakterien gefunden. Dennoch wurde ich vorsorglich dermaßen mit Antibiotika zugedröhnt, dass der Hausarzt nachher meinte, da müssen Bakterien gewesen sein, sonst hätte man sowas nicht gemacht. Aber da ist nichts, nicht mal ein leichter Schnupfen oder so. Und der Auswurf war immer transparent/hell, also viral verursacht.
Dann aber der Hammer in diesem Kreiskrankenhaus: die verteilen den Dreck mit stinknormalen Putzlappen in der ganzen Station. Da lag nach dem Wischen so viel herum wie vorher. Und jeder Windzug verteilt das dann überall hin. Habe dann mal gefragt was sie von Nasssaugern hielten. Und die Antwort war, sie stünden vor der Privatisierung und die 300 Euro für tatsächlich reinigende Gerätschaften wären nicht drin. Aber für die vorsorglich gegebenen Antibiotika, mit denen sie dann ihre Patienten vor diesem Dreck schützen, das zahlt ja die Kasse - und der Patient mit seiner Gesundheit.
Ich will mich nicht beklagen, aber was ist das für ein krankes System, in dem primitivste Hygienemaßnahmen fehlen und statt dessen Patienten mit extremen Dosen Antibiotika vorsorglich abgefüllt werden?

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Bowie 02.07.2012, 21:46
5. alettoria

Genau Ihre Beschreibung ist einer der Denkfehler, die ich meinte: Wenn Sie sich und Ihrer Tochter Antibiotika ersparen, haben Sie keinen Deut einer besseren Chance, dass Antibiotika wirken. Nicht Sie sind es, die resistent gegenüber Antibiotika werden, sondern die Keime. Wie oft Sie oder Ihre Tochter Antibiotika nehmen, hat keinerlei Einfluss auf die Wirkung. Einzig der zu häufige und nachlässige Einsatz kann Keime resistent machen. Deswegen ist ja der verantwortungsvolle Umgang wirklich nur bei bakteriellen und nicht viralen Infektionen wichtig. Und deswegen sollte man auch ruhig bei nachgewiesenen bakteriellen Infektionen, wenn die Ärzte das für richtig halten, ein Antibiotikum nehmen. Denn gar nicht so selten schädigen Sie Ihren Körper durch eine schwere, nicht behandelte Infektion mehr, als wenn Sie zwei Wochen eine antibiotische Therapie erhalten. Und die dann bitteschön auch genau so lange durchzuführen ist, wie verordnet (andernfalls steigen nämlich die Chancen auf Rezidiv oder reistenter, übriggebliebener Keime ebenso wieder an).

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senfdazu 03.07.2012, 05:30
6. Sie haben im Prinzip recht....

Zitat von Bowie
Genau Ihre Beschreibung ist einer der Denkfehler, die ich meinte: Wenn Sie sich und Ihrer Tochter Antibiotika ersparen, haben Sie keinen Deut einer besseren Chance, dass Antibiotika wirken. Nicht Sie sind es, die resistent gegenüber Antibiotika werden, sondern die Keime. Wie oft Sie oder Ihre Tochter Antibiotika nehmen, hat keinerlei Einfluss auf die Wirkung. Einzig der zu häufige und nachlässige Einsatz kann Keime resistent machen. Deswegen ist ja der verantwortungsvolle Umgang wirklich nur bei bakteriellen und nicht viralen Infektionen wichtig. Und deswegen sollte man auch ruhig bei nachgewiesenen bakteriellen Infektionen, wenn die Ärzte das für richtig halten, ein Antibiotikum nehmen. Denn gar nicht so selten schädigen Sie Ihren Körper durch eine schwere, nicht behandelte Infektion mehr, als wenn Sie zwei Wochen eine antibiotische Therapie erhalten. Und die dann bitteschön auch genau so lange durchzuführen ist, wie verordnet (andernfalls steigen nämlich die Chancen auf Rezidiv oder reistenter, übriggebliebener Keime ebenso wieder an).
...allerdings sollten Antibiotika nicht bei babalen Erkältungskrankheiten verwendet werden, wenn Sie nicht lebensbedrohlich, sondern nur unangenehm sind ! Antibiotika können nicht zwischen guten und schlechten Bakterien unterscheiden und machen bei Einnahme die gesamten Magen-Darm-Flora platt....

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hermanngaul 03.07.2012, 13:50
7. WM-titel

Zitat von drsindelfaenger
Meine Frau begab sich nach einem Sturz in der Schwangerschaft sicherheitshalber ins örtliche Kh. Sie wurde zur Sicherheit dort behalten. Am nächsten Morgen gab man ihr ein Medikament welches sie nehmen sollte, die fragte nach um was es sich handle: Antibiotika. Warum sie das nehmen solle, sie sei schließlich gestürzt und habe keine Infektion. Es wurde ein riesiger Aufstand gemacht, Aussagen wie es "sie würde ihr Kind gefährden und sie wäre selbst Schuld und ihr eigenes Risiko wenn sie die Medikamente nicht nehmen würde" waren noch die harmlosesten Aussagen. Um weiteren Diskussionen und Repressalien aus dem Wege zu gehen nahm die Medikamente entgegen, versteckte sie aber lediglich. Nach drei Tagen gab man ihr ein anderes Medikament, auf Nachfrage: Ja, das bisherige war ein Breitband-Antibiotikum, nun bekäme sie ein spezielleres, man habe bei einer Blutuntersuchung einen Keim entdeckt der vom bisherigen Medikament nicht abgedeckt würde. Zudem wollte man ihr eine Spritze für die schnellere Lungenreife des Kindes geben - "nur zur Sicherheit" auch wenn sie keine Wehen hatte. Nach der bisher schon so qualifizierten Behandlung hat sie all diese Medikamente natürlich nicht genommen, die Klinik auf eigenen Wunsch verlassen ... und Wochen später problemlos ein gesundes Kind zur Welt gebracht - in einer anderen Klinik hier im Kreis.
man könnte z. B. mutmaßen, dass in einer Urindiagnostik (+Blutanalyse) ein Harnwegsinfekt gesehen wurde (der nicht unbedingt Symptome machen muss). Und der kann in einigen Fällen zu schweren Schäden für das Kind führen. Deswegen hat man wahrscheinlich Antibiotika empfohlen. Oder wie ist Ihre Interpretation? Wollte man Ihre Frau vergiften, so aus einer Laune, um neunmalklugen Besserwissern Gründe zu liefern, in Foren zumzutrollen?

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