Forum: Gesundheit
Krankenkassen: Jeder vierte Sechsjährige benötigt Sprachunterricht

Mehr Kinder als je zuvor benötigen Hilfe beim Sprechenlernen, bevor sie eingeschult werden. Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK sind vor allem Jungen betroffen. Bei der Förderung gibt es ein Nord-Süd-Gefälle.

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vandenplas 20.12.2013, 13:36
80. zu wenig Zuwendung

Vater hat zwei Jobs. Den ersten tagsüber als Leiharbeiter in einer nahegelegenen Fabrik, den zweiten Abends und an Wochenenden als Hilfskraft für alles rund um Haus und Garten. Mutter arbeitet in der Wäschefabrik und putzt Abends die Haushalte im Reichenviertel.
Kaum ist Mutter zu Hause, muss sie aufräumen, putzen und kochen. Vater erledigt die Post (zweite und dritte Mahnungen, Pfändungsdrohungen) und geht dann zu seinen Kumpels in die Kneipe nebenan wo er noch anschreiben darf.

So sieht es wohl aus in vielen Haushalten. Und keiner hat Zeit für die Kinder. Die Ableger werden vorn TV gesetzt. Da geben sie wenigstens Ruhe! Aber sich "artizukulieren" lernen werden sie nie. Denn dafür fehlt die Zuwendung von Papa und Mama.

Da hilft auch die Pharmaindustrie nicht mehr.

Das triste Bild könnte auch aus Germinal von Émil Zola stammen. Nur sind wir doch mittlerweile im fortschrittlichen 21. Jahrhundert angekommen?

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Whitejack 20.12.2013, 13:36
81.

Zitat von numey
Wie wird denn dieser große Unterschied zwischen Jungs und Mädchen erklärt? Sind Eltern von Jungs dafür irgendwie prädestinierter, mit ihren Söhnen nicht ausreichend zu sprechen?
Dafür gibt es in der Tat Anzeichen, ja. Spracherwerb wird vor allem durch Übung erlangt, und Erwachsene sind gegenüber kleinen Mädchen kommunikativer als gegenüber kleinen Jungs.

Allerdings ist auch nicht jeder verzögerte Spracherwerb gleich ein Drama. Dass sich Kinder unterschiedlich schnell entwickeln, ist ja eine Binsenweisheit. Nur wenn es deutlich aus der Norm fällt, ist vielleicht Sorge angebracht. Aber heutzutage ist jede Normabweichung sehr schnell bereits pathologisch, oftmals sogar die Norm selbst, wenn die Eltern viel höhere Ziele für das Kind haben.

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jocelynn 20.12.2013, 13:39
82.

Das kommt davon, wenn man die Kinder vor dem Fernseher parkt, statt sich mit ihnen zu beschäftigen.

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memphisman 20.12.2013, 13:39
83.

Zitat von annoo
Ich finde es löblich, dass Sie Büchern technischen Geräten vorziehen. Aber ganz so einfach wie Sie es darstellen, ist es eben nicht (wie man an Ihrer Sprache sieht, ist Sprache ja auch nicht nur einfach). ...
Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Vielleicht hätte ich im Rahmen
meines Postings darauf hinweisen sollen, dass ich auf einem Smartphone schrieb ...
Selbstverständlich beherrsche ich Grammatik und Orthographie der deutschen Sprache ...

Zitat von
Wenn die Eltern schon spracharm sind, ist es für sie nicht einfach, den Kindern adäquaten Zugang zur Sprache zu vermitteln.
Das sehe ich ein wenig anders. Richtig wäre dieser Satz, wenn eben jene Eltern nicht einmal den Ehrgeiz haben, ihren Kindern etwas zu vermitteln. Man muss nur wollen. "Kann nicht" heißt "Will nicht" und das kann man nicht gelten lassen. Wir haben in Deutschland ein riesiges Bildungsangebot, wer daran nicht teilnehmen will oder es seinen Kindern vorsätzlich versagt, ist selbst daran schuld.

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phillyst 20.12.2013, 13:46
84. Überschrift falsch

Die Überschrift müsste heissen "Jeder vierte Sechsjährige BEKOMMT Sprachunterricht". Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere - das ist jetzt 30 Jahre her, dass ich eingeschult wurde - sprach da kaum ein Kind "perfekt", ich hatte bis zum Alter von 7 Jahren Probleme mit dem "r", ein anderer lispelte oder hatte keine klare Unterscheidung zwischen "m" und "n" usw. Das hat sich eingebrannt, weil jeder von uns vom Lehrer bevorzugt entsprechende Texte zu lesen bekam, zum üben. Spätestens zum Übertritt an eine weiterführende Schule hatte sich das bei ALLEN erledigt. Ohne Logopädie.

Mein Stiefsohn ist sprachlich behindert und benötigt Logopädie. was man DA im Wartezimmer sieht sind völlig gesunde Kinder, die Probleme mit einzelnen Lauten haben, im Alter zwischen 5 und 7 Jahren. Diesen Kindern fehlt nichts und sie werden diese Laute zu 99,9% auch ohne Logopädie lernen. Aber sie weichen von dem ab, was die Schulen heute gern als Norm sehen wollen und da man seine Kinder nicht benachteiligen möchte machen die ganzen Eltern freiwillig mit.

Ich verstehe nicht, warum hier das Geld das wir in die Kassen zahlen für Lapalien verschwendet wird, die sich von selbst erledigen werden. Kinder in diesem Alter sind keine "fertigen" Erwachsenen, sie müssen in diesem Alter nicht perfekt sein oder irgendeiner Norm entsprechen. Entwicklung verläuft sehr indivduell, dem Regeln zu geben widerspricht jedem gesunden Menschenverstand. Statt dessen versuchen wir unsere Kinder immer früher in ein Schema zu pressen, mit anderen Kindern zu vergleichen und zu optimieren. Das ist erbärmlich und traurig anzusehen, ich bin froh, dass ich heute kein Kind mehr bin und kann nur versuchen, meinen Kindern die gleiche sorglose Kindheit zu geben, die ich hatte - ohne Sorgen darüber, ob sie normal sind oder irgendwie von irgendeiner willkürlich festgesetzten Norm abweichen.

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Restharn 20.12.2013, 13:46
85. SPRACH- oder SPRECHstörungen?

In diesem Artikel werden zwei völlig unterschiedliche Begrifflichkeiten ständig miteinander verwechselt: SPRACHstörung und SPRECHstörung.
Bei ersterem handelt es sich um eine Kompetenzstörung, bei letzterem um eine Performanzstörung.
Ein Blick in linguistische Basisliteratur oder logopädische Definitionen hätte es dem Autor erspart, über die eigene undifferenzierte Sprachverschwiemelung zu stolpern.

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Blaue Fee 20.12.2013, 13:48
86.

Zitat von andy69
Aber die Schule kann kein Grundsprachenkurs bieten. Sie setzt auf einer Basis auf. Ist die nicht mal annähernd da (z.B. bei Einwandererkindern) ist es geradezu lächerlich, diese Defizitbekämpfung von der Schule zu erwarten. Da wurde vorher schon versagt...
Aber ein Logopäde kann diese Defizite auch nur in Hinsicht Aussprache und Betonung ausgleichen, daher mein Ansatz, dass diese Kinder in kleinen Klassen schon im Kindergarten sprachlich unterrichtet werden. Die einheimischen Kinder müssen ja nur gefördert werden, aber die ausländischen Kinder brauchen u.U. einen richtigen DaF-Lehrer, der sich ihrer annimmt, wenn sie mit vier oder fünf, also kurz vor der Einschulung noch keinen richtigen deutschen Satz artikulieren können.

Ich frage mich sowieso, wie ausländische Eltern es hinbekommen, dass ihr Kind die Landessprache nicht beherrscht, wenn es im Inland geboren wurde. Bei mir ist eher die Muttersprache holprig.

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kfp 20.12.2013, 13:50
87.

Zitat von memphisman
Wir haben in Deutschland ein riesiges Bildungsangebot, wer daran nicht teilnehmen will oder es seinen Kindern vorsätzlich versagt, ist selbst daran schuld.
Nun ja, was das angeht, findet dieses Bildungsangebot aber liebend gerne zu Zeiten statt, die arbeitende Eltern glatt ausschließt. Wie gerne würden wir unseren Nachwuchs auch zur Musikschule oder Turnen o.ä. schicken, aber wenn solche Kurse grundsätzlich wochentags am frühen Nachmittag angesetzt werden, müssen die leider draußen bleiben. Warum nicht auch einfach mal um 17 oder 18 Uhr oder am Wochenende? Aber passt eben nicht zum Idealbild der dt. Familienidylle...

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thor1708 20.12.2013, 13:54
88.

Das ist ja mal ein Armutszeugnis für die betroffenen Eltern. Aber wen wunderts? Permanent Fernsehen Handy Computer...damit machen es sich die Eltern leicht und wenn einmal dran gewöhnt, dann wirds schwer dem Kind diesen Spaß zu nehmen. ( Is wie Zucker )

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hellerim 20.12.2013, 13:57
89. Warum?

Schon die Notwendigkeit der Sprachförderung bei 10% der Kinder würde mich in großes Erstaunen versetzen. Umgekehrt bedeuten die genannten Zahlen doch, dass bloß etwa vier Fünftel unserer Sechsjährigen die Sprache angemessen beherrschen. Ich finde das erschreckend. Gibt es Erklärungen dafür, warum Sprachförderung in diesem Umfang gebraucht wird? Ist der Prozess des Spracherwerbs in unserer Gesellschaft so massiv gestört? Wo liegen gegebenenfalls die Ursachen dafür?

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