Forum: Gesundheit
Kritik an Kieferorthopäden: "Wieso dürfen die das?"
Patrick Pleul/ DPA

Die Krankenkassen zahlen jedes Jahr eine Milliarde Euro für Zahnbegradigungen - Nutzen ungewiss. Trotzdem schafft das Gesundheitsministerium keine Transparenz. Kritiker fordern eine durchgreifende Reform.

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asentreu 08.05.2019, 17:49
1. Es wird aber etwas vergessen

Die medizinische Relevanz mag umstritten sein, okay.

Was jedoch vergessen wird: ein schiefes Gebiss ist entstellend und kann vom Betroffenen kaum oder gar nicht selbst korrigiert oder kaschiert werden. Dies stellt im späteren Leben (die Teenager von heute sind die Arbeitnehmer von morgen) einen massiven Nachteil dar, dieser wiegt auch deutlich schwere als eine schiefe Nase oder Segelohren (letztere anzulegen ist ja sogar eine Kassenleistung und sogar die Nase kann eine Kassenleistung sein, wenn die Atmung stark beeinträchtigt ist. Ein schiefes Gebiss wird von vielen Menschen mit Ungepflegtheit gleichgesetzt. Überdies möchte ich in keinem Land leben, in dem der Wohlstand des Elternhauses am Gebiss des Kindes ablesbar ist.

Statt hier die Kosten für Kieferorthopäden zu monieren, wie wäre es mit einem Abbau bei der Anzahl der Krankenkassen, deren Verwaltung sowie deren Bauprojekten und überdies einem Verbot der Erstattung von Quacksalberei wie Homöopathie, Akkupunktur, Heilpraktiker- Rechnungen etc? Ich bin mir sicher, das hat enormes Einsparpotential ohne dass Kranke Nachteile hinnehmen müssen.

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im_ernst_56 08.05.2019, 17:54
2. Man muss Prioritäten setzen

Zitat "Das Gesundheitsministerium aber zeigt auf andere: Die Nutzenbewertung von Behandlungsmethoden sei "keine staatliche Aufgabe", dafür sei der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zuständig. Das ist formal korrekt, nur hält sich Gesundheitsminister Spahn bei anderen Themen auch mal nicht an diese Regel."

Gemeint ist wohl die Initiative von Herrn Spahn, am G-BA vorbei die Liposuktion (Fettabsaugung) zur Kassenleistung zu machen. Schiefe Zähne und eine ungünstige Fettverteilung haben beide auch einen kosmetischen Effekt. Die ungünstige Fettverteilung sieht man aber sofort, die schiefen Zähne erst, wenn der/die GKV-Versicherte den Mund aufmacht. Und für die meisten Gesundheitspolitiker ist die Zahngesundheit gesundheitspolitisch ohnehin ein sekundäres Betätigungsfeld. Ich habe zu dem Thema z.B. von Herrn Prof. Dr. Lauterbach noch nie etwas gehört.

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Grünspahn 08.05.2019, 18:01
3.

Kieferorthopäden erklären einem, was warum zu machen ist - so zu mindest meine Erfahrung. Meine beiden Kinder brauch(t)en eine Korrektur der Zahfehlstellung. Bei meiner Tochter, die die Spange wieder draußen hat, ist der Erfolg deutlich zu sehen. Die Zähne, die vorher schief wuchsen sind jetzt gerade. Bei meinem Sohn sind Erfolge sichtbar, auch wenn die Behandlung noch nicht zu Ende ist. Gut ich bin privatversichert und es gab kein Problem mit de Kasse, aber warum sollen Kassenpatienten mit schiefen Zähnen nicht auch eine solche Behandlung bei Bedarf erhalten? Laut meinem Zaharzt und des KiefO wäre sonst im Alter die jeweiligen Zähne zum Problem geworden und hätten entfernt werden müssen bzw. die "Gegenzähne" wären locker geworden.

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citizen_k 08.05.2019, 18:01
4. Beihilfe für kosmetische Korrekturen

Hintergrund der Spahn‘schen Zurückhaltung könnte sein, dass für ihre Kinder Beihilfeberechtigte für kosmetische Zahnstellungskorrekturen die vollen Kosten in Höhe von bis zum Preis eines kleinen Neuwagens komplett erstattet bekommen. Für gesetzlich Versicherte gilt - durchaus vernünftigerweise - dass ein bestimmter medizinischer Grad der Fehlstellung diagnostiziert wird und selbst im Erfolgsfall der Korrekturmaßnahmen ein hoher Selbstbehalt bleibt. Wenn jetzt der Einwand der eigenen privaten Versicherung der Kinder kommt, die Prämien sind moderat, da nur 20 bzw. 30 Prozent (Bund, Länder, Kommunen) abgesichert werden müssen.

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curly988 08.05.2019, 18:10
5. Geld Geld Geld

Ach ja die Zahnspange. Eine Gelddruckmaschiene. Ich habe mit ca. 13 eine feste Zahnspange bekommen. Sie sollte nur 2 Jahre drin bleiben. Raus gekommen ist sie letztlich kurz nach meinem 18 Geburstag ( welch Überraschung da zahlt die Krankenkasse ja nicht mehr so gut). Über 1000 Euro, mal mit mal ohne Gaumenbügel/Gummis und bis heute ist der Retainer drin. Ich habe immer noch ein paar kleine Zahnlücken ( nichts dramatisches) aber nach 5 Jahren hieß es aufeinmal " tja ihre Zähne sind zu klein, mehr geht nicht da müssen wir aufüllen ( natürlich zahlt man selbst)"

Ob das Ding medizinisch generell sinnvoll ist weiß ich nicht. Das es aber eine Gelddruckmaschiene ist durfte ich selbst erleben.

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ruhepuls 08.05.2019, 18:12
6. Heilpraktiker auf Kasse?

Zitat von asentreu
Die medizinische Relevanz mag umstritten sein, okay. Was jedoch vergessen wird: ein schiefes Gebiss ist entstellend und kann vom Betroffenen kaum oder gar nicht selbst korrigiert oder kaschiert werden. Dies stellt im späteren Leben (die Teenager von heute sind die Arbeitnehmer von morgen) einen massiven Nachteil dar, dieser wiegt auch deutlich schwere als eine schiefe Nase oder Segelohren (letztere anzulegen ist ja sogar eine Kassenleistung und sogar die Nase kann eine Kassenleistung sein, wenn die Atmung stark beeinträchtigt ist. Ein schiefes Gebiss wird von vielen Menschen mit Ungepflegtheit gleichgesetzt. Überdies möchte ich in keinem Land leben, in dem der Wohlstand des Elternhauses am Gebiss des Kindes ablesbar ist. Statt hier die Kosten für Kieferorthopäden zu monieren, wie wäre es mit einem Abbau bei der Anzahl der Krankenkassen, deren Verwaltung sowie deren Bauprojekten und überdies einem Verbot der Erstattung von Quacksalberei wie Homöopathie, Akkupunktur, Heilpraktiker- Rechnungen etc? Ich bin mir sicher, das hat enormes Einsparpotential ohne dass Kranke Nachteile hinnehmen müssen.
Heilpraktiker bezahlt keine gesetzliche (Ersatz-)kasse, nur Ärzte. Aber wie heißt es so schön: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Der eine will schöne Zähne, der andere eben lieber Globuli. Beide vielleicht nicht medizinisch notwendig, aber...

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mirage122 08.05.2019, 18:13
7. Nur eine Mode-Erscheinung

In einem gewissen Alter geht es einfach nicht ohne "Klammer"! Ich will nicht behaupten, dass das fast gleichzusetzen ist mit dem Tragen von Marken-Klamotten und der Besitz des richtigen Smartphones, aber es ist zumindest in diese Kategorien mit einzuordnen. Schiefe Zähne sind ganz bestimmt nicht schön, aber sie sind nicht in dem Maße notwendig wie sie verordnet werden. Nach maximal zwei Jahren werden sie nicht mehr getragen, sondern lagern im Reinigungsbad. In vielen Fällen ist das Geldschneiderei, weil Zahnärzte und Kiefer-Orthopäden ja sowieso schon eine beklagenswerte Kategorie in unserer Gesellschaft sind.

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hileute 08.05.2019, 18:14
8. Man braucht nicht andauernd bei jeder winzigkeit

eine Korrektur vom Kieferorthopäden. Meine Zähne sind gerade, trotzdem hat der Zahnarzt ab und an einen Besuch beim Kieferorthopäden empfohlen, gegen den ich mich erfolgreich zur Wehr setzen könnte. Wenn man aber ohne Korrektur wie ein pferd aussieht muss natürlich dagegen angeeirkt werden, da ist eine Zahnspange bei weitem nicht so hässlich. An alle Philipps, damit möchte ich keine Pferde beleididen

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Sleeper_in_Metropolis 08.05.2019, 18:21
9. Nutzen ungewiss ?

Wenn die Zähne auch für einen Laien erkennbar schief stehen und dies durch eine Kieferorthopädische Behandlung korrigiert werden kann, liegt der Nutzen doch auf der Hand. Klar sollte dem Wildwuchs an Zusatzleistungen, der gesetzlich Versicherten oft aufgeschwatzt werden soll ein Riegel vorgeschoben werden. Aber grundsätzlich ist eine Kieferorthopädische Behandlung eine vernünftige Sache, die die Krankenkassen auch weiterhin bezahlen sollten, und zwar auch ohne erhebliche gesundheitliche Einschränkungen. Sonst kann man bald wieder an der Gebissstellung der Kinder die Vermögenssituation der Eltern ablesen.

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