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Künstliches Koma: An der Schwelle zwischen Schmerz und Traum
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Nach einer schweren Blutung versetzen Ärzte Thies Grimm tagelang in eine Narkose, er fällt in ein Delir. Als er wieder erwacht, ist er traumatisiert. Was erleben Menschen im künstlichen Koma?

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Kasob 01.11.2019, 11:14
1. 3 Monate Delir

Mein Vater war 3 Monate im Delir, ehe er verstarb. Gerade bei älteren Menschen trifft das sehr häufig, nach einer OP, auf. Er starte wild in der Gegend herum und konnte nicht wirklich sprechen. 3 Monate in einem Raum mit medizinischen Geräten und kaum Bewegung. Er wurde auch mit Handbandagen fixiert, weil der Arzt Angst hatte er könnte sich ein Kateter entfernen. Das war aber nicht mit uns abgesprochen und es gab auch keinen Gerichtsbeschluss. Nach dem Artikel kann ich mir nur vorstellen was er durchgemacht hat. Er ist dann durch die Erschöpfung an einer Lungenentzündung gestorben.

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Grünwild 01.11.2019, 11:15
2. Delir oder Oneiroid?

Für mich als interessiertem Laien klingt der beschriebene Fall nicht danach, als hätte der Patient an Delir gelitten. Dürfte es sich nicht vielmehr um ein Oneiroidsyndrom gehandelt haben?

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Minette 01.11.2019, 12:41
3. Wie lieber Herr Grimm

sind Sie an den Namen des Notarztes gekommen? Das versuchen wir auch grad ... Gibt es einen Tip?

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SeleneXX 01.11.2019, 12:58
4. Einschneidende Erfahrungen ...

.... wollen erstmal verarbeitet sein. Das dauert. Und vermutlich ist es ganz unterschiedlich, wie man ein künstliches Koma erlebt. Das weiß ich von einigen Betroffenen und kann es auch selbst sagen, weil ich 2011 nach schwerer Hirnblutung (gerissenes Hirnaneurysma) und Not-OP fast vier Wochen im künstlichen Koma war.
An das auslösende Ereignis selbst, den Transport in die Universitätsklinik, den Schockraum usw. habe ich keine konkreten Erinnerungen, weil ich bewusstlos war und die wochenlange tiefe Narkose sicher ihr übriges tat.

Was ich aber plastisch erinnere, sind bunte, lebhafte Träume: darunter ein sehr schöner, in dem jemand ganz sacht meine Wange streichelte und flüsterte, ich bräuchte mich nicht zu sorgen. Mein Kind sei in guten Händen. Wie ich später erfuhr, war das meine Schwester. Sie war oft auf der Intensivstation bei mir und handelte intuitiv goldrichtig.

Im Nachhinein ordne ich diese Träume der Aufwachphase zu, als die Narkose - zumindest so stelle ich mir das vor - langsam wieder heruntergefahren wurde. Wie gesagt: bei mir sind es überwiegend gute Erinnerungen. Glück gehabt. Und ich bin allen, die daran beteiligt waren, mich wieder ins Leben zurückzuholen, überaus dankbar.

Was ich nach der langen Klinik- und Reha-Zeit aber zum Beispiel auch hatte, ähnlich wie Herr Grimm: jahrelang einen unbeschreiblichen Schreck, wenn ein Rettungs- oder Notarztwagen mit eingeschalteter Sirene vorbei brauste. Das kannte ich früher gar nicht. Ebenso wenig wie die bleierne Erschöpfung, anhaltende Kopfschmerzen, Narbenschmerzen, heftige Schlafstörungen u.v.m., die Folgen meiner Hirnverletzung und mal besser, mal weniger gut erträglich sind.

Es gibt kein Patentrezept, mit so einem einschneidenden Erlebnis umzugehen.
Mir selbst hat es sehr geholfen, nachträglich meine Patientenakte zu lesen, so viele sachliche, fundierte Informationen wie möglich einzuholen und mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Was überdies speziell auch nach Hirnverletzungen hilfreich sein kann: eine neuropsychologische Therapie. Die wird seit Ende 2011 auch als ambulante Leistung von den gesetzlichen Kassen bezahlt. Eine Liste von niedergelassenen Behandlern gibt es bei der Gesellschaft für Neupsychologie, https://www.gnp.de

Allen (Mit-)Betroffenen alles Gute im zweiten Leben! :)

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SeleneXX 01.11.2019, 13:16
5. @Minette

Sie können es über den Notarztplan beim Rettungsdienst oder der zuständigen Leitstelle versuchen. Die Dienstpläne werden ja sicherlich eine Zeitlang aufbewahrt. Vielleicht findet sich auch ein Hinweis in der Patientenakte.

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nudelmeier 01.11.2019, 13:35
6.

Ja, kenne ich auswendig . 6 Wochen Koma nach Verkehrsunfall , durchgehende Träume die ich alle noch weiß .(inc. 2 Selbstmord-versuche.) , von Außen ist nix bekanntes angekommen . Zuerst war das Koma künstlich für 2 Wochen , dann 4 Wochen bin ich noch aufgewacht . Gruselig ...

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judas-adolf 01.11.2019, 13:35
7. Medizin

Medizin rettet täglich unzählige Leben, und tatsächlich ist die moderne Medizin für viele Menschen ein Segen. Leider ist sie aber auch noch viel zu oft Qual und Folter, besonders in der Intensivmedizin. Ich hoffe und bete, dass die Medizin weiter Fortschritte macht und die Forschung auch vor allem das Wohl der Patienten im Auge hat, viel mehr als das reine „Reparieren“ der kaputten Maschine Mensch.

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SEG_San 01.11.2019, 13:44
8. @Minette

Der Rettungsdienst protokolliert alle Einsätze. Das Original wird bei der Übergabe im Krankenhaus in die Patientenakte gelegt, darin stehen die beteiligten Einsatzkräfte.

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Rainer Hackenberg 01.11.2019, 14:54
9.

Wurde nach einem Unfall (Wirbelbruch und Polytrauma) ca 10 Tage im künstlichen Koma gehalten und hatte die wildesten Träume, z.B. den einer Kreuzigung mit Aufsetzen der Dornenkrone (das war der Haltering für das Halojacket) oder die Panik, dass man mich vergiften wollte (war der Geschmack oder Geruch des Sauerstoffs aus dem Beatmungsgerät). Daneben hatte ich aber auch ganz tolle Träume, die an einen Opiumrausch erinnerten. Glücklicherweise hatte ich aber keine Spätfolgen wie im geschilderten Fall.

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