Forum: Gesundheit
Laufen als Therapie: Lernen, mit der Depression zu leben
Tim Grütters

Thomas Stelter war Anwalt, sehr ehrgeizig, immer unter Druck. Dann kam eine Angststörung, schließlich eine Depression. Im Interview erzählt er, wie er sich erholte - und welche Rolle Sport dabei spielte.

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robert.boecker 30.10.2017, 21:10
30. Laufen als Meditation

"Langes" laufen ist immer relativ. Für Einsteiger sind 2 km schon lang. Für erfahrene Läufer ist langsames, langes Laufen weder gesundheitsschädlich noch zeugt es von Leistungszwang - es ist ein Reinhören in sich selber, so wie Meditieren. Guter Artikel und weiter so!

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claus-f-dieterle 30.10.2017, 22:23
31. Depression "ein Leben lang"? Nein!

Ich möchte hier noch auf einen anderen Aspekt hinweisen.
Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken."
Und Psalm 146,8:
"Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind."
Jesus Christus kann Wunder vollbringen, aber auch durch Ärzte, andere Therapeuten und Medikamente handeln.

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phoenix68 30.10.2017, 23:35
32. Der gute Rat sich zusammenreissen

is blanker Unsinn und bewirkt das Gegenteil, u.a. das Gefuehl nichts wert zu sein; ein Versager zu sein.
Nein, es muss nicht immer ein Marathon sein. Regelmaessig, maessig Sport treiben, vor allem mit anderen zusammen wirkt schon Wunder. Vor allem mit anderen zusammen ist das operative Wort. Eine Taetigkeit, die man mit anderen macht.
Zusammen mit anderen singen wirkt sofort und dauerhaft. Singen hilft bei der Atmung, staerkt die Bauchmuskeln, schuettet Endorphine aus.

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upalatus 31.10.2017, 00:46
33.

Zitat von chrisho
... er hat, wie ich dem Artikel entnehme, keine Familie, niemand ist von ihm finanziell abhängig und er muss keine Kinder großziehen. Es gibt Menschen die können ihren Beruf nicht einfach hinschmeißen, einen einfachen Aushilfsjob machen und pausenlos Sport treiben, weil sie Verantwortung haben. Was sollen diese Menschen tun? Daher finde ich diesen Artikel überhaupt nicht hilfreich.
Manche BKK's haben begonnen, Krankheitsbilder depressiver Art mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und (auch vorbeugende) Angebote und betriebsinterne Lösungen bereitzustellen. Auch muss man nicht gleich hinschmeißen. Allerdings, wenn jemand jahrelang nicht auf seine innere Stimme gehört hat, die Warnsignale ignoriert hat und sich plötzlich in einer übermächtigen Explosionsstimmung wiederfindet, muss er sich ausklinken, oder sich aufhängen.

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cleos 31.10.2017, 02:47
34. Depression vielleicht doch ganz heilbar?

Als Nicht-Experte, aber mit einer Menge Psychotherapeuten im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich mich in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem Thema auseinandergesetzt. Spannend war für mich zu erfahren, dass man sich zumindest in meinem Umfeld offenbar weitestgehend einig ist, dass Depressionen von nieder- bzw. unterdrückten (depressed) Gefühlen aus der Vergangenheit stammen (aber nicht automatisch dazu führen müssen). Und das darin auch genau der Weg der Heilung liegt – nicht-gefühlte Gefühle ganz zu fühlen. Was letztlich auch in vollständiger Heilung enden kann. Schwierigkeit dabei ist, das dies in der Regel jedoch ein sehr langer Weg (Stichwort: Marathon) ist. Kaum hat man ein „Trauma“ ganz gefühlt, entsteht plötzlich Raum für zwei vorher noch verborgene Traumata. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass im Prinzip jeder Therapeut bei dem einen oder anderen traumatisierten Gefühl taub ist, also an manchen Weggabelungen nur ein hinzulernender oder ein neuer therapeutischer Begleiter bzw. Unterstützer weiterhelfen kann, wenn man nicht andauernd weiter im Kreis laufen möchte. Besonders spannend fand ich zudem was mir die Expertenfreunde zum Thema kollektive Traumata in sozialen Umfeldern erzählten. In den letzten Jahren zeigen sich mehr und mehr Erkenntnisse, dass erfahrene Traumata über Generationen weitergegeben werden können. Zum Einen durch soziale Umfelder, in denen man als Kind groß wird und lebt. Zum Anderen, durch Speicherung und Weitergabe in unseren Genen. Heilung ist damit immer noch möglich, wird aber zu einer komplexeren Herausforderung. Zum Beispiel wenn man sich selbst auf dem Weg der Heilung befindet, aber sein soziales System einem (unbewusst) förmlich Gummibänder angelegt hat und immer wieder zum Ausgangspunkt zurückzieht. Deutschland soll wohl eines der interessantesten Länder zur Erforschung dieser kollektiven Traumata sein, weil hier in den letzten 100 Jahren so massive traumatische Ereignisse stattgefunden haben, wie sonst kaum woanders auf der Welt: rapide Industrialisierung, Erster Weltkrieg, Zeit der Weltwirtschaftskrise, Zweiter Weltkrieg, Holocaust (traumatisch für Opfer und Täter), Ostflüchtlinge nach dem Krieg, deutsche Teilung, Aufmarschpaltz des Kalten Krieges etc. . Insbesondere Berlin sei einer der absoluten (wenn nicht der) Traumahotspot der heutigen Welt – faszinierend lehrreich, aber gruselig abstoßend zugleich. Und jeder, der sich allein oder mit Unterstützung aufmacht, seinen Schatten ins Auge zu blicken und diese anfängt ganz zu fühlen, der erbringt für sich aber auch der ganzen Gesellschaft einen großen Dienst. Besonders schön klingt mir immer wieder ein Satz nach, den ich mal von einem Kochabendgespräch mitgenommen habe: „Man braucht eigentlich keine Angst vor der Angst zu haben. Wenn man sich kurz traut und anfängt dem zu Öffnen, was da kommt bzw. sein will, dann geht die Heilung schon los. Und man wird schnell feststellen, es gibt weder schlechte noch gute Gefühle. Egal ob Angst, Freude oder Trauer, es sind alles Gefühle, die einfach nur gefühlt werden wollen, damit sie uns helfen können, unseren weiteren Weg mit Wärme und Liebe auszuleuchten.“

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Newspeak 31.10.2017, 10:04
35.

Zitat von cleos
[...] Deutschland soll wohl eines der interessantesten Länder zur Erforschung dieser kollektiven Traumata sein, weil hier in den letzten 100 Jahren so massive traumatische Ereignisse stattgefunden haben, wie sonst kaum woanders auf der Welt: [...]
Na ja. Das ist wohl alles relativ. Es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, an dem viele Menschen leben, der nicht eine aehnliche Serie von Traumata aufweist, wenn man danach sucht. Andererseits koennte das natuerlich einiges ueber die Deutschen erklaeren. Nur, was ist die Ursache und was die Wirkung? Ich wuerde insoweit zustimmen, dass die deutsche Buerokratie und Dauerkanzlerschaften ihren Beitrag zu gedrueckter Stimmung liefern koennen, das deutsche Wetter auch mitunter, aber Depressionen sind dann doch ganz etwas anderes.

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matteo51 31.10.2017, 11:40
36.

Zitat von Newspeak
"Ich fing mit dem Laufen an und schaffte am Anfang keine 800 Meter. Ich blieb aber dran, und dann wurden es schnell mehr. 2008 bin ich dann meinen ersten Marathon gelaufen." Oh weh. Bis zu dieser Stelle hat es sich so gut angehoert. Aber warum verfaellt man dann wieder in das andere Extrem? Ich glaube, der Mann "laeuft immer noch vor sich davon". Der sportliche Stress mag ein anderer sein, als der psychische in der Anwaltskanzlei, ohne Frage, aber ich glaube es ist nicht falsch, zu sagen, dass Laufen auf Marathonniveau auch nicht unbedingt gesund ist, entgegen aller Behauptungen.
Ich neige dazu, Ihnen beizupflichten. Auf der anderen Seite: warum kein Marathon? Wenn es keine Verlagerung der krankmachenden inneren Muster ist hin zum Sport, dann ist es für ihn wohl passend. Der Satz...."ich bin ja immer noch leistungsfähig..." lässt mich jedoch in Ihre Richtung denken...
Es ist oft so, dass mit Sport überkompensiert wird, also nicht wirklich eine Heilung passiert, sondern eine Verlagerung....und dann kommen die Symptome irgendwann wieder.

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Nania 31.10.2017, 14:21
37.

Zitat von Newspeak
Na ja. Das ist wohl alles relativ. Es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, an dem viele Menschen leben, der nicht eine aehnliche Serie von Traumata aufweist, wenn man danach sucht. Andererseits koennte das natuerlich einiges ueber die Deutschen erklaeren. Nur, was ist die Ursache und was die Wirkung? Ich wuerde insoweit zustimmen, dass die deutsche Buerokratie und Dauerkanzlerschaften ihren Beitrag zu gedrueckter Stimmung liefern koennen, das deutsche Wetter auch mitunter, aber Depressionen sind dann doch ganz etwas anderes.
Tatsächlich habe ich Ähnliches auch von einer mir bekannten Therapeutin gehört. Es gibt diese kollektiven Traumata, meist innerhalb von Familien übertragen und wohl tatsächlich gut untersuchbar in Deutschland. Vielleicht hat das auch was damit zu tun, wie wir mit der Vergangenheit als Gesellschaft umgegangen sind. Sicherlich gibt es so was auch in anderen Staaten der Welt, die Frage ist nur, ob es sich genauso gut aktuell beobachten lässt.

Das sich Kriegstrauma der Großeltern noch bei den Enkelkindern finden lassen, die den Krieg gar nicht selbst erlebt haben, ist auch keine neue Erkenntnis.

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TS_Alien 31.10.2017, 15:14
38.

Der Ehrgeiz beim Laufen hat den Ehrgeiz im Beruf abgelöst. Gesünder wird dieser Ehrgeiz nicht sein. Und risikoloser ebenfalls nicht.

Wer merkt, dass er Probleme im Beruf oder im Privaten hat, und das merkt man früh, muss gegen die Probleme angehen. Wer das nicht macht, riskiert neben Frustrationen auch einen Zusammenbruch.

Man muss abschalten. Man muss sich zur Erholung Freizeit gönnen. Damit meine ich Freizeit, die einem selbst gefällt und nicht von anderen aufgedrängt wird (daher öfter zu unpassenden Angeboten nein sagen). Man muss sich selbst belohnen oder sich belohnen lassen. Dann ist man gut geschützt.

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TS_Alien 31.10.2017, 15:18
39.

Zitat von chrisho
... er hat, wie ich dem Artikel entnehme, keine Familie, niemand ist von ihm finanziell abhängig und er muss keine Kinder großziehen. Es gibt Menschen die können ihren Beruf nicht einfach hinschmeißen, einen einfachen Aushilfsjob machen und pausenlos Sport treiben, weil sie Verantwortung haben. Was sollen diese Menschen tun? Daher finde ich diesen Artikel überhaupt nicht hilfreich.
Was ist denn die Alternative zum Hinschmeißen einer auf Dauer ungesunden Stelle oder eines ungesunden Berufs? Krank werden. Das hilft auch keinem.

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