Forum: Gesundheit
Lieferengpässe: Narkosemittel fehlen bis mindestens 2018
DPA

Ein wichtiges Narkosemittel kann bis auf weiteres nicht mehr ausreichend geliefert werden: Immer mehr Anästhesisten in Deutschland mangelt es an Remifentanil. Ambulante Operationen drohen auszufallen.

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adieu2000 26.04.2017, 17:45
10. Der Staat wird es schon richten

und die Zulassungsinhaber oder Rechte/Patent Inhaber schützen. Dabei bekommt er volle Rückendeckung aus Brüssel, dem Hauptquartier der Lobby Verbände. Diese globale Deregulierung gibt den Herstellern alle Freiheiten mit künstlicher Verknappung die Margen abzusichern. Und die Politik sieht Tatenlos zu. Zum Schutz der Investitionen der betroffenen Unternehmen.

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benzle 26.04.2017, 17:45
11. Gewinnmaximierungen ..

Zitat: .. dass Mittel in Märkte umgeleitet werden,
in denen höhere Margen zu verdienen seien .. Zitat Ende.
... zu Lasten der Patienten ist ja leider auch nichts Neues.
Doch darf so etwas überhaupt geduldet werden?
Es gibt viele Notstandsgesetze, hier für nicht?

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note4shape 26.04.2017, 17:45
12.

So ist das im Bankrottokleptokapitalismus: Erst kommt die Knete. Egal was mit den Menschen passiert. Wo die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel steht, muss der Staat eingreifen und notfalls Pharmahersteller enteignen und verstaatlichen.

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quark2@mailinator.com 26.04.2017, 17:54
13.

Schöne Welt, die wir da haben. Wollte letztens nach Indonesien - Typhustabletten waren in der ganzen Gegend auf unbekannte Zeit nicht mehr zu haben. Für eine Bekannte war ein marktführendes Johanniskraut-Präparat über Monate nicht zu haben. Und so geht da offenbar in immer mehr Fällen zu. Erinnert mich an die Situation, daß Südafrika mal ein wichtiges Medikament selbst herstellen wollte, weil extrem viele Leute starben, aber die USA verweigerten eine Ausnahme vom Patentschutz ... was natürlich völlig anders lief, als die USA selbst ihre ganzen Beamten gegen Antrax impfen wollten und ihnen der Preis des einzigen Präparats zu hoch war ... Es wird Zeit, daß die Humanität endlich an die erste Stelle kommt und die Entscheidungen zwar wirtschaftlich bleiben, aber den Unternehmen eine Versorgungspflicht bei vernünftigen Margen auferlegt wird. Einfach wichtige Präparate auslaufen lassen oder nicht liefern oder was es da sonst noch für Tricks gibt, sollte nach sich ziehen, daß überhaupt nicht verkauft werden kann und wenn dann was fehlt, wird verstaatlicht. Ja ich weiß, rotes Tuch und so, aber es braucht eine sinnvolle Machtbalance, nicht Unternehmen, welche den Staaten diktieren, wie deren Bürger zu leben haben.

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sirmika 26.04.2017, 18:02
14. Wenn die Mittel mit Märkte

umgelenkt werden, in denen höhere Margen gezahlt werden, ist das doch völlig in Ordnung. Dort werden Sie ja dann wohl auch benötigt. Oder sollen diese Menschen dort dann leiden? Wenn wir weniger zahlen als Andere, bekommen wir eben weniger. Völlig verständlich meiner Ansicht nach. Nur nicht für die Dauernörgler. Sollen doch die Besserwisser hier endlich mal selber unternehmerisch tätig werden und die Präparate produzieren.

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Der Terraner 26.04.2017, 18:03
15. Wer Medikamentenpreise diktiert,

muss sich nicht wundern, wenn sich die Herstellung nur noch im Ausland lohnt und nur noch einige wenige Hersteller übrig bleiben, die dann die ganze Welt beliefern. Das Mittel wird übrigens auch von Generika hergestellt, also von wegen Patent. Seine chemische Struktur ist zudem ziemlich einfach, so dass jeder einigermaßen begabte Chemie Student es selber herstellen könnte.

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lebensgefährlich 26.04.2017, 18:14
16. Notlage?

Die Situation (die wir auch schon erlebt haben) als "Notlage" oder "arlamierend" wie im FAZ-Artikel ist, naja, halt etwas reißerisch und leider bei allen der (wenigen) Artikel im Spiegel und SpOn, bei denen ich mich in ca. 20 Jahren als "Insider" auskannte, typisch. Was nicht viel zu hoffen läßt für andere Artikel, in deren Materie ich mich nicht so gut auskenne.

Remifentanil ist aufgrund seiner Pharmakokinetik ein tolles Medikament und macht Narkosen im ambulanten Bereich, insbesondere wenn der "Aufwachraum" und die Verweilzeit dort ein Nadelöhr ist, sehr effizient. Es ist aber nicht wirklich unersetzlich.
Es gibt Tabellen und Graphiken, mit derer Hilfe man die Infusionsraten anderer Mittel derselben Klasse (Opioide), wie z. B. das im Artikel genannte Alfentanil, so anpassen kann, daß die sog. kontext-sensitiven Dekrementzeiten nicht aus dem Ruder laufen und Patienten am Ende der Operation ebenfalls schnell wach, stabil und schmerzarm sind.
Eine deutsche Firma hat ein Computerprogramm, das solche pharmakokinetischen Daten mehrerer Narkosemedikamente benutzt, um u.a. zur "Vorhersage" der Aufwachzeit kontinuierlich zu berechnen. Remifentanil ist meines Wissens das Referenzmedikament seiner Klasse, aber andere können eben auch benutzt werden.

Wir benutzen tagtäglich (intravenös, Bolus) Fentanyl, Hydromorphon und gelegentlich auch Methadon für ambulante Operationen - das hängt - neben anderen Wirkstoffen und örtlichen Betäubungen ("multimodal") - eben von den Schmerzen danach ab.
Remifentanil benutzen wir aus nicht-medizinischen Gründen (leider) selten.

Ich arbeite zur Zeit nicht in Deutschland, ansonsten aber sehr ähnlich an einer großen Institution mit einem - wie hier üblich - Mix aus ambulanten und stationären Operationen jeglicher Art für Erwachsene und Kinder jeden Alters.

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wernerz 26.04.2017, 18:27
17. Ausschliesslich Gewinne sind entscheidend!

Zitat von benzle
Zitat: .. dass Mittel in Märkte umgeleitet werden, in denen höhere Margen zu verdienen seien .. Zitat Ende. ... zu Lasten der Patienten ist ja leider auch nichts Neues. Doch darf so etwas überhaupt geduldet werden? Es gibt viele Notstandsgesetze, hier für nicht?
Für den Normalbürger drängt sich doch der Eindruck auf, dass auch hier ausschliesslich Gewinnmaximierung an erster Stelle steht. Dass solche Medikamente angeblich "aus Kostengründen" nicht in D hergestellt werden könnten, spricht dafür, dass es im Grunde überhaupt nicht um die Belange der Patienten geht. Leider hat der Normalsterbliche, trotz der hochgelobten Sozialwahlen, in welchen für ihn völlig fremde Personen zur Auswahl stehen, im Grunde keinerlei Einfluss auf die Gesundheitslobby.

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parisien 26.04.2017, 18:30
18. Behörde

Warum leisten wir uns eigentlich ein Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und ein ganzes Ministerium , wenn diese Dinge geschehen können ?
Unabhängig von allem Kapitalismusgefasel, das hier nicht weiterhilft, darf es in keinem System zu Engpässen im Gesundheitswesen kommen .
Vielleicht werden ja auch bald abgelaufene Arzneimittel nach Deutschland verbracht ?

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mr_stagger_lee 26.04.2017, 18:31
19. Erstattung der Medikamente

In Deutschland entbrennt schnell ein Sturm der Entrüstung, wenn hierzulande Medikamente teurer sind als in einem ärmeren Land in dem auch das Lohnniveau und die Lebenshaltungskosten niedriger sind. Zahlen die deutschen Erstatter weniger als anderswo, wie offensichtlich in diesem Fall, ist das nicht interessant oder man freut sich ob der gesparten Kopeke. Billig soll es sein, ach am besten umsonst und Patente den Herstellern entziehen, die nicht liefern können, der Staat solls mit Gesetzen richten. Mal sehen ob dies die indischen Generika Hersteller, welche die Innovationen einfach billig kopieren, ohne Patente, interessiert. Vermutlich muss man sich in Deutschland an weniger Medikamentenzugang gewöhnen. Die gesellschaftliche Akzeptanz für Forschung, Medizin und deren Kosten scheint zu gering. Dann verkaufen die Hersteller eben woanders.

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