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Lügen für schnellen Arzttermin: "Klar bin ich privatversichert"
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Um schneller einen Termin beim Arzt zu ergattern, behaupten manche Kassenpatienten am Telefon, sie seien privatversichert. Ein Verbraucherschützerin erklärt, wieso sich das nicht auszahlt.

Seite 15 von 21
lapetrovna 28.11.2015, 02:48
140. # 119...

Hier in USA wird niemandem Hilfe verweigert, gesetztlich verankert........ 90% der Beruflich Taetigen, haben eine Versicherung, bezahlt von der Firma, plus plus.....Non plus ultra....

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brasshead 28.11.2015, 04:55
141.

Zitat von leserin55
Da in vielen Praxen die Behandlung von GKV-Patienten (gesetzlich Versicherten) durch Privatversicherte subventioniert wird (was an den Schwächen des derzeitigen Gesundheitssystems liegt), ist eine Vorzugsbehandlung dieser schon zu verstehen. Grundsätzlich sollte es für niemanden - privat oder Kasse - lange Wartezeiten geben. Die Praxis in der Kleinstadt im Allgäu bewundere ich, so sollte es sein. Aber in vielen Fällen gilt: ohne Privatpatienten kann ich nicht überleben, also hofiere ich sie...
"Diese Behauptung, die PKV subventioniere durch höhere Honorare die gesetzliche Krankenversicherung, hält einer genauen Überprüfung nicht stand", sagt Dr. Johannes Leinert vom Wissenschaftlichen Institut der AOK. Dies habe das WIdO in einer aktuellen Studie belegt. Zwar sei es unbestritten, dass die Privatversicherten vor allem in der ambulanten ärztlichen Versorgung höhere Arzthonorare zahlen. Auch stellten diese Honorare für etliche Arztpraxen eine wichtige Einnahmequelle dar. Doch weist WIdO-Geschäftsführer Dr. Klaus Jacobs darauf hin, dass die höheren Vergütungen der Privatversicherten großenteils keineswegs dorthin fließen, wo sie für die Gesundheitsversorgung der Gesamtbevölkerung gebraucht würden: "In Landregionen Ostdeutschlands mit Engpässen in der Hausarztversorgung kommt fast kein Cent aus den angeblichen Subventionen der PKV an. Im Gegenteil: Hier profitieren die wenigen Privatversicherten davon, dass die GKV zusammen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen zusätzliche Anstrengungen unternimmt, überhaupt eine ausreichende Versorgung sicherzustellen." Subventioniert werde dagegen vor allem die fachärztliche Überversorgung in bestimmten westdeutschen Regionen. Jacobs hierzu weiter: "Für die betroffenen Ärzte mag dies existenznotwendig sein, nicht aber für die Gesundheitsversorgung der Gesamtbevölkerung."

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brasshead 28.11.2015, 05:00
142.

Zitat von Alpha-Flying-India.de
Privatversichert ist in häufigen Fällen fast wie "gar nicht versichert" - die Versicherung hat häufig hohe Selbstbehalte, bzw. Beitragsrückerstattungen, wenn man eben nicht zum Arzt geht, so dass man die ersten 2,500€ Arztkosten im Jahr selber trägt. Geht man doch einmal zum Arzt, schaut dieser sich häufig erst einmal im Raum um, ob sich nicht ein teures Gerät findet, von dessen Benutzung man dem Patienten mit irgendeiner fadenscheinigen Begründung "überzeugt". O-Ton: "Diese Untersuchung sollten wir jetzt wirklich machen - oder wollen Sie sterben?" Mag sein, dass man schneller einen Termin bekommt, aber genauso schnell bekommt man auch eine unnötige Behandlung oder Operation verpasst. Bei größeren Geschichten kann es auch passieren, dass man erst einmal seine Versicherung verklagen muss, damit sie die Kosten erstattet. Ich wäre lieber gesetzlich versichert.
Ich habe auch so einen Freund, der einem ernsthaft weismachen will er sei als Privatversicherter (über seinen Vater) effektiv SCHLECHTER dran als als gesetzlich Versicherter.

Ich lach mich dann immer halbtot und muss daraufhin zum Arzt, der mir dann einen Termin in zwei Monaten gibt..

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brasshead 28.11.2015, 05:10
143.

Zitat von fliegender-robert
Mir ist kein Arzt bekannt, der in der Behandlung einen Unterschied zwischen privat und gesetzlich ausführt.
Ich hatte mal sehr plötzlich akutes Asthma, was dazu geführt hat dass ich nachts nicht mehr schlafen konnte weil meine Lunge einfach komplett zugegangen ist. Da sich meine Hausärztin keinen Reim darauf machen konnte sollte ich zum Lungenfacharzt, wo die Dame auf meine Beschreibung der Lage hin am Telefon wörtlich meinte "Ach, sie sind gesetzlich versichert? Dann habe ich den nächsten Termin für sie in zweieinhalb Monaten". Es ging als Notfall natürlich dann am Ende schneller, aber wenn Sie sowas in so einer Situation mal gesagt bekommen würden, würden Sie Ihre Einschätzung sicher zügig überdenken.

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Hagbard 28.11.2015, 06:42
144.

Zitat von asasse
Geld haben reicht also nicht, um einen Privatpatienten-Termin zu erhalten. Man muss auch so unsolidarisch sein, und die gesetzliche Krankenkasse vorher verlassen haben. Unsolidarisch ist aber die Privatkasse auch am anderen Ende: wer warum auch immer plötzlich kein Geld mehr hat, hat als privat Versicherter ein noch größeres Problem.
Zum ersten Absatz:
So einfach ist das nicht. Wer sich z.B. vor 25 Jahren als junger Selbständiger freiwillig gesetzlich versichern wollte, musste den Höchstsatz bezahlen. Ich weiß nicht, ob das noch so ist. Damals jedenfalls konnte sich das kaum ein Existenzgründer leisten.
Ich habe diese Ungleichbehandlung nie verstanden.

Zum zweiten Absatz:
Nicht ganz. Seit neuestem dürfen meines Wissens Versicherte, die nicht mehr zahlen können, nicht mehr ohne weiteres gekündigt werden.
Zudem gibt es in jeder PKV den sog. Basistarif.

In den wechseln viele ältere versicherte, weil die PKV-Beiträge im Alter extrem steigen.

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Hagbard 28.11.2015, 06:48
145.

Zitat von Alpha-Flying-India.de
Privatversichert ist in häufigen Fällen fast wie "gar nicht versichert" - die Versicherung hat häufig hohe Selbstbehalte, bzw. Beitragsrückerstattungen, wenn man eben nicht zum Arzt geht, so dass man die ersten 2,500€ Arztkosten im Jahr selber trägt. Geht man doch einmal zum Arzt, schaut dieser sich häufig erst einmal im Raum um, ob sich nicht ein teures Gerät findet, von dessen Benutzung man dem Patienten mit irgendeiner fadenscheinigen Begründung "überzeugt". O-Ton: "Diese Untersuchung sollten wir jetzt wirklich machen - oder wollen Sie sterben?" Mag sein, dass man schneller einen Termin bekommt, aber genauso schnell bekommt man auch eine unnötige Behandlung oder Operation verpasst. Bei größeren Geschichten kann es auch passieren, dass man erst einmal seine Versicherung verklagen muss, damit sie die Kosten erstattet. Ich wäre lieber gesetzlich versichert.
Ich weiß, wovon Sie reden. Ich war 20 Jahre privat versichert.
Man muss einfach die Kontrolle behalten und sich weder von den Ärzten noch von der Gesellschaft auf der Nase herumtanzen lassen.
Das ist natürlich lästig und sollte eigentlich nicht nötig sein.

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marthamuse 28.11.2015, 06:56
146.

Zitat von dorle46
Eine Bekannte wollte einmal schneller einen Termin, da privat versichert, sie bekam zur Antwort: "das interessiert uns nicht. Es gibt hier keine Vorzugsbehandlung!"
Das klingt ja erstmal ganz sozial, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass aus Arztpraxen, die so argumentieren, sehr gern Rechnungen kommen, die einen nur staunen lassen. Da wird mit an den Haaren herbeigezogenen Begründungen der mehrfache Gebührensatz genommen und haarklein jedes Händeschütteln als sorgfältige Untersuchung deklariert. Da nutzt es dem Patienten auch nichts, auf die öffentlich geäußerte Behauptung "Es gibt hier keine Vorzugsbehandlung!" zu verweisen, denn die gilt nur, solange andere dabei zugucken.

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goethestrasse 28.11.2015, 07:00
147.

Zitat von tw1974
Ja. So sieht es wohl aus. Das hat aber wenig mit "Neoliberalismus" zu tun (nur nebenbei: die soziale Marktwirtschaft mit einer gesetzlichen KV ist eine typische Erscheinungsform des klassischen Neoliberalismus). Vor allem hat es mit unterschiedlichen Lebensweisen zu tun. Menschen, die gut verdienen, leben in der Regel gesünder. Sie rauchen z.B. weniger, sind körperlich aktiver, etc. Also: Wo ist das Problem?
...und es gibt Leute, die überlegen sich zweimal, ob sie zum Arzt gehen oder erstmal selbst überlegen, was die Ursache sein könnte. Viele rennen zu schnell und zu oft zum Arzt und bes. Abends in die Notambulanzen.

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marthamuse 28.11.2015, 07:13
148.

Zitat von MännlicheMinderheit
Mir leuchtet bis dato nicht ein, warum z. B. alle Beamte (also STAATSbedienstete) privatversichert sein müssen / bzw. dafür für sich und Ehepartner/Kinder eine sehr hohe Unterstützung bekommen. Dies scheint mir, zusammen mit den Ärzten, die große in der Politik stark verankerte Lobbygruppe zu sein, die eine Vereinheitlichung der Versicherung zu einer Volksversicherung für alle blockiert.
Das muss Ihnen auch nicht einleuchten, denn es stimmt einfach nicht. Ich kann auch als Beamtin in der GKV bleiben, zahle einen meinem Gehalt angepassten Beitrag und fertig. Nur ist dieser Beitrag etwa doppelt so hoch wie ein Beitrag für die PKV.

Die vermeintlich hohe Unterstützung, um die die Nicht-Beamten die Privatversicherten gern offen beneiden ist keine Zusatzleistung des Arbeitgebers, auch gern Dienstherr genannten, sondern dessen Hälfte zur Krankenversicherung, die jeder Angestellte auch bekommt. Nur zahlt eben der Dienstherr nicht pauschal die Hälfte der Versicherung, sondern nur einen Anteil an den tatsächlichen Kosten; das rechnet sich bei einem jungen gesunden oder auch alten gesunden Beamten und wird teurer, sobald dieser krank wird. Am Ende dürfte das aber wohl etwa so teuer sein wie die Übernahme eines Teils der versicherung.

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odapiel 28.11.2015, 07:17
149.

Zitat von capote
So ein Quatsch! Ich hatte mal einen Metallsplitter im Auge, den kann man nicht 8 Monate vorher anmelden und in weniger als 1 Stunde war ich dran und Herr Dr. med. holte den raus. Nachdem ich der Sprechstundenhilfe verklickert hatte, warum ich kam, war ich der Nächste, der dran war, egal wie voll das Wartezimmer war. Am nächsten Tag den nächsten Termin. Wenn es wirklich dringlich ist, springen die Mediziner, egal ob "privat" oder GKV.
Ich habe ein - derzeit wegen Rezeptmangels - unbehandeltes Glaukom. Würde sagen, das ist schon ziemlich dringend. Keiner der Augenärzte nimmt noch Patienten an, bzw. Termine bereits Juli nächsten Jahres! Und Rezepte gibts keine ohne Untersuchung, wo kämen wir da denn hin?! Auch wenn ein zugezögener Patient vorher behandelt wurde.

Im August war ich zweimal nacheinander in der Notaufnahme wegen akuter Wundrose. Beide Male sollte ich umgehend zum Dermatologen und Phlebologen, habe das entsprechend geschildert, und Termine jetzt im November und April 2016 bekommen. Beim Hautarzt saß ich mal 6 Stunden im August und wartete, und wurde mit dem Kommentar ich solle ins KH wenns so akut ist, weggeschickt. War ich ja dann auch.

Ich gehe nur zum Arzt, wenns anders nicht mehr geht, aber mittlerweile ist das fast nicht mehr möglich als Kassenpatient. Facharzttermin innerhalb von 20 Tagen? Das ich nicht laut lache!

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